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EUNIS: MB53BEuropäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 1110; 1160; 1650

Geringe Makrofauna-Gemeinschaften auf baltischem Infralittoral-Sand (EUNIS MB53B)

Der Biotoptyp MB53B umfasst Sandflächen in der von Licht durchdrungenen Ostsee (Infralittoral), die zu mindestens 90 % mit Sand bedeckt sind und nur eine spärliche Besiedlung durch größere Bodentiere (Makrofauna) aufweisen. Die Rote Liste der EU bewertet ihn als ungefährdet (Least Concern). Er ist Bestandteil der FFH-Lebensraumtypen 1110 (Sandbänke), 1160 (große flache Buchten) und 1650 (boreale baltische enge Meerengen).

Einordnung

Originalbezeichnung
Sparse or no macrofauna communities on Baltic infralittoral sand
EUNIS
MB53B
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
1110; 1160; 1650 – Sandbanks which are slightly covered by sea water all the time; Large shallow inlets and bays; Boreal Baltic narrow inlets

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Code: MB53B
  • Name: Sparse or no macrofauna communities on Baltic infralittoral sand (deutsch: Gemeinschaften mit geringer oder fehlender Makrofauna auf baltischem Infralittoral-Sand)
  • Kurzbeschreibung: Ein mariner Bodentyp der Ostsee, bei dem der Sandboden in der lichtdurchfluteten Zone (Infralittoral) dominiert. Pflanzen und Tiere, die größer als ca. 1 mm sind (Makrofauna), kommen nur in sehr geringer Dichte vor. Die Artenvielfalt ist niedrig.
  • Gefährdung nach Europäischer Roter Liste: Least Concern (nicht gefährdet)
  • FFH-Lebensraumtypen: Teil von Sandbänken (1110), großen flachen Buchten (1160) und borealen baltischen engen Meerengen (1650).
  • Biogeografische Region: Ausschließlich in der baltischen (BAL) Region, also der Ostsee.
  • Artikel-17-Bericht: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Was ist das MB53B-Habitat genau? – EUNIS und HELCOM HUB

Das Habitat MB53B gehört zur EUNIS-Klassifikation der europäischen Lebensraumtypen und wird speziell für die Ostsee definiert. Es ist ein benthischer Lebensraum, also ein Bodenlebensraum, und liegt in der photic zone (Lichtzone, Infralittoral) – dem Bereich, in dem genügend Sonnenlicht für pflanzliches Wachstum vorhanden ist. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Substrats: Mindestens 90 % der Bodenfläche bestehen aus Sand. Diese Angabe stammt aus der HELCOM HUB-Klassifikation, die für die Ostsee international vereinbart wurde.

Der Sandboden ist oft mobil – Strömungen und Wellen können die Sandkörner umlagern. Eine nennenswerte Vegetation, egal ob groß (Makrophyten) oder mikroskopisch (Mikroalgen), fehlt oder ist nur spärlich vorhanden. Genauso verhält es sich mit der tierischen Besiedlung: Makrofauna, Epifauna (auf dem Boden lebende Tiere) und Infauna (im Sand grabende Tiere) sind nur in sehr geringen Mengen anzutreffen. Insgesamt ergibt sich ein Lebensraum mit niedriger Artenzahl und geringer Individuendichte.

Abgrenzung zu ähnlichen Habitaten

MB53B wird von anderen marinen Sandböden der Ostsee durch das nahezu vollständige Fehlen größerer Tiere unterschieden. In Küstennähe oder in Bereichen mit mehr Nährstoffen kommen oft artenreichere Gemeinschaften vor, die anderen EUNIS-Codes zugeordnet sind. Die genaue Abgrenzung folgt der HUB-Typologie und basiert auf der Artenausstattung der Makrofauna.

Verbreitung und biogeografische Einordnung

Dieser Biotoptyp ist ausschließlich in der biogeografischen Region BAL vertreten, die die gesamte Ostsee umfasst. Er kann in flachen Küstenabschnitten ebenso auftreten wie in tieferen Bereichen des Infralittorals, solange Licht und Sandbedeckung die Bedingungen erfüllen. Konkrete Länderlisten oder Kartenaussagen sind aus den vorliegenden Quelldaten nicht verfügbar, jedoch ist das Vorkommen in allen Anrainerstaaten der Ostsee denkbar, wo geeignete Sandflächen in der photischen Zone existieren.


Typische Arten – Wer lebt hier trotzdem?

Obwohl die Makrofauna spärlich ist, können einzelne Arten das Habitat besiedeln. Die Europäische Rote Liste der Habitate nennt folgende charakteristische Formen:

  • Marenzelleria viridis – ein aus Nordamerika eingewanderter, röhrenbauender Ringelwurm.
  • Pygospio elegans – ein kleiner borstentragender Wurm, der ebenfalls Gänge im Sediment anlegt.
  • Macoma baltica (Baltische Plattmuschel) – eine grabende Muschel.
  • Bathyporeia pilosa – ein im Sand grabender Flohkrebs.
  • Crangon crangon (Nordseegarnele) – eine aktiv schwimmende, räuberische Garnele.

Diese Aufzählung zeigt eine Mischung aus Infauna (grabenden Tieren) und nectobenthischen (über dem Boden schwimmenden) Formen. Große Muschelbänke oder dichte Wattwurmkolonien fehlen typischerweise.

Vegetation: In den Quelldaten wird keine typische Pflanzenart genannt, da Vegetation nur spärlich vorkommt, wenn überhaupt.


Schutzstatus und rechtliche Einordnung

Europäische Rote Liste der Habitate

In der aktualisierten Europäischen Roten Liste der Habitate (2022) wird MB53B sowohl in der EU28- als auch in der EU28+-Bewertung mit Least Concern (LC) geführt. Das bedeutet: Auf europäischer Ebene gilt der Lebensraum als nicht gefährdet. Es liegen keine Hinweise auf einen akuten Rückgang der Fläche oder eine deutliche Verschlechterung der Struktur und Funktion vor.

Die Einstufung basiert auf der Bewertung von Meereshabitaten, die in den Roten Listen-Kategorien von LC bis CR reichen. Kriterien für eine höhere Gefährdung (z. B. starker Flächenverlust) sind bei MB53B offenbar nicht erfüllt.

FFH-Richtlinie und Annex I

Das Habitat ist nicht als eigenständiger Schutzguttyp in der FFH-Richtlinie aufgeführt, aber es überschneidet sich mit drei offiziellen Lebensraumtypen des Anhang I:

FFH-CodeName des LebensraumtypsBezug zu MB53B
1110Sandbänke, die ständig von Wasser bedeckt sindMB53B ist eine spezifische Ausprägung auf Sandboden.
1160Große flache BuchtenDas Habitat kommt häufig innerhalb großer flacher Buchten vor.
1650Boreale baltische enge MeerengenAuch in diesen engen Förden und Meerengen der Ostsee anzutreffen.

Die Querverweise (Crosswalks) in den Quelldaten zeigen, dass MB53B als Untertyp dieser weiter gefassten FFH-Lebensraumtypen betrachtet werden kann. In einem Natura-2000-Gebiet, das z. B. wegen Sandbänken (1110) ausgewiesen ist, umfasst der Schutz also auch Bereiche, die dieses spezielle Habitat mit geringer Makrofauna beinhalten.

Artikel-17-Berichtspflicht

Der Artikel-17-Status – also die offizielle Bewertung des Erhaltungszustands nach der FFH-Richtlinie – ist in den vorliegenden Daten nicht ausgewiesen. Da MB53B kein eigenständiger FFH-Lebensraumtyp ist, wird es im Rahmen der nationalen Berichte nur indirekt über die übergeordneten Typen (1110, 1160, 1650) erfasst. Für detaillierte Zustandsbewertungen müssen die Berichte der Ostsee-Mitgliedstaaten zu diesen Lebensraumtypen herangezogen werden.


Ökologische Bedeutung und Funktion

Auf den ersten Blick wirkt ein Sandboden mit fast keinen Tieren vielleicht „leer“. Dennoch erfüllt das Habitat wichtige ökologische Funktionen:

  • Sedimentstabilität: Mobile Sandkörner werden durch Wellen und Strömungen transportiert und tragen zur Morphologie der Küstenzone bei.
  • Nahrungsgrundlage: Auch wenn dauerhaft nur wenige Tiere hier leben, können wandernde Garnelen (Crangon crangon) oder Jungfische zeitweise Nahrungsquellen in Form von kleinen Würmern oder Krebstieren nutzen.
  • Stoffumsatz: Bakterien und Mikroorganismen im Sand sind an Nährstoffkreisläufen beteiligt, auch wenn die Makrofauna fehlt.
  • Referenzzustand: Gering besiedelte Sandflächen können als Referenz für die natürliche Dynamik in der Ostsee dienen – sie zeigen, wie Bodentypen ohne starken Nährstoffeintrag oder intensive Bodennutzung aussehen können.

Allerdings sind einheitliche Qualitätsindikatoren für dieses Habitat bisher nicht etabliert. Die Europäische Rote Liste stellt klar, dass es keine für alle Gebiete vereinbarten biologischen oder abiotischen Schwellenwerte gibt. In Einzelfällen, etwa innerhalb von Natura-2000-Schutzgebieten, können lokale Referenzwerte festgelegt worden sein – diese sind aber nicht Teil der allgemeinen Habitatbeschreibung.


Merkmale im Überblick (Tabelle)

MerkmalAusprägung bei MB53B
ZoneInfralittoral (photic)
SubstratSand (≥ 90 %)
Mobilität des SubstratsHäufig mobil
VegetationMakro- und Mikrovegetation spärlich bis fehlend
MakrofaunaSehr geringe Dichte und Artenzahl
Charakteristische ArtenMarenzelleria viridis, Pygospio elegans, Macoma baltica, Bathyporeia pilosa, Crangon crangon
Biogeografische RegionNur baltische Region (BAL)
Rote Liste EuropaLeast Concern (LC)
FFH-Annex IInkludiert in 1110, 1160, 1650
Artikel-17-StatusIn Quelldaten nicht angegeben

Bedrohungen und Schutzmaßnahmen

Konkrete Bedrohungen sind in den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeführt. Allgemein können marine Sandhabitate durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigt werden, darunter:

  • Grundschleppnetzfischerei, die den Meeresboden physisch verändert
  • Sand- und Kiesabbau
  • Eutrophierung, die zu verstärktem Algenwachstum führt und damit die Sedimentzusammensetzung verändern kann
  • Küstenschutzbauwerke, die Sedimenttransporte unterbinden

Da MB53B jedoch bereits von Natur aus durch geringe Besiedlung und mobile Sande gekennzeichnet ist, könnte es gegenüber manchen Störungen vergleichsweise widerstandsfähig sein. Andererseits könnte die geringe Besiedlung eine langsame Erholung nach Eingriffen bedeuten. Ohne spezifische Studien und Monitoring lässt sich das jedoch nicht belastbar sagen.

Schutzmaßnahmen sind indirekt über die FFH-Lebensraumtypen gegeben. In Natura-2000-Gebieten gelten für die übergeordneten Typen (1110, 1160, 1650) Erhaltungsziele, die auch dieses Habitat einschließen. Typische Maßnahmen können beispielsweise Einschränkungen der Fischerei oder Monitoringprogramme umfassen.


Bedeutung für Kommunen und Küstenmanagement

Obwohl MB53B ein rein mariner Lebensraum ist, spielen die flachen Sandzonen vor den Ostseestränden eine Rolle für touristische Gemeinden, den Küstenschutz und die Fischerei. Das Verständnis der natürlichen Bodenstrukturen hilft, Eingriffe wie Sandaufspülungen oder Fahrrinnenvertiefungen in ihrer Wirkung einzuschätzen.

Das Habitat kann nicht im Garten oder an Land „nachgebaut“ werden – es ist untrennbar mit den hydrologischen und sedimentologischen Bedingungen der Ostsee verbunden. Im übertragenen Sinne zeigt es aber, wie wichtig natürliche, wenig besiedelte Lebensräume als Teil eines gesunden Ökosystems sind.


Forschung und Monitoring

Aus den Quelldaten geht hervor, dass es keine gemeinsam vereinbarten Qualitätsindikatoren gibt. Für ein langfristiges Monitoring wären Parameter wie Zusammensetzung der Infauna, Sedimentstabilität und Makrophytenbedeckung denkbar – aber nicht offiziell festgelegt. Angesichts der Einstufung als „Least Concern“ besteht möglicherweise kein dringender Handlungsbedarf für ein europäisches Monitoring, jedoch liefern lokale Untersuchungen im Rahmen der HELCOM-Kooperation wertvolle Basisdaten.


FAQ – Häufig gestellte Fragen

  1. Was bedeutet EUNIS-Code MB53B?
    MB53B ist ein Code der Europäischen Naturinformationssystem-Klassifikation (EUNIS). Er beschreibt einen Lebensraum der Ostsee, in dem der Sandboden in der Lichtzone mindestens 90 % der Fläche einnimmt und Makrofauna nur sehr spärlich vorkommt.

  2. Ist das Habitat gefährdet?
    Nach der Europäischen Roten Liste 2022 gilt es als nicht gefährdet (Least Concern). Es gibt keine Hinweise auf einen großflächigen Rückgang.

  3. Kommt MB53B auch in der Nordsee vor?
    Nein, das Habitat ist auf die baltische Region (BAL) beschränkt, also auf die Ostsee. Ähnliche Sandböden in der Nordsee haben andere EUNIS-Codes.

  4. Welche Tiere findet man dort typischerweise?
    Trotz geringer Dichte können eingewanderte Ringelwürmer (Marenzelleria viridis), Borstenwürmer (Pygospio elegans), die Baltische Plattmuschel (Macoma baltica), Flohkrebse (Bathyporeia pilosa) und Nordseegarnelen (Crangon crangon) vorkommen.

  5. Wird das Habitat durch die FFH-Richtlinie geschützt?
    Indirekt ja. Es fällt unter die FFH-Lebensraumtypen 1110 (Sandbänke), 1160 (große flache Buchten) und 1650 (boreale baltische enge Meerengen). Schutz- und Managementmaßnahmen in Natura-2000-Gebieten erfassen daher auch MB53B.


Quellen

Häufige Fragen

Was bedeutet EUNIS-Code MB53B?

MB53B ist ein Code der Europäischen Naturinformationssystem-Klassifikation (EUNIS). Er beschreibt einen Lebensraum der Ostsee, in dem der Sandboden in der Lichtzone mindestens 90 % der Fläche einnimmt und Makrofauna nur sehr spärlich vorkommt.

Ist das Habitat gefährdet?

Nach der Europäischen Roten Liste 2022 gilt es als nicht gefährdet (Least Concern). Es gibt keine Hinweise auf einen großflächigen Rückgang.

Kommt MB53B auch in der Nordsee vor?

Nein, das Habitat ist auf die baltische Region (BAL) beschränkt, also auf die Ostsee. Ähnliche Sandböden in der Nordsee haben andere EUNIS-Codes.

Welche Tiere findet man dort typischerweise?

Trotz geringer Dichte können eingewanderte Ringelwürmer (Marenzelleria viridis), Borstenwürmer (Pygospio elegans), die Baltische Plattmuschel (Macoma baltica), Flohkrebse (Bathyporeia pilosa) und Nordseegarnelen (Crangon crangon) vorkommen.

Wird das Habitat durch die FFH-Richtlinie geschützt?

Indirekt ja. Es fällt unter die FFH-Lebensraumtypen 1110 (Sandbänke), 1160 (große flache Buchten) und 1650 (boreale baltische enge Meerengen). Schutz- und Managementmaßnahmen in Natura-2000-Gebieten erfassen daher auch MB53B.

Quellen