Zum Hauptinhalt springen
EUNIS: MB545Europäische Rote Liste: n/aFFH-Anhang I: 1110; 1160

MB545 – Pontische infralitorale Sand- und Schlicksandböden mit stabilen Aggregationen mehrjähriger, nicht festwachsender Makroalgen

EUNIS MB545 bezeichnet pontische, flachmarine Sand- und Schlicksandböden mit dichten, mehrjährigen, nicht festgewachsenen Makroalgen-Teppichen, vor allem der Rotalge *Phyllophora crispa* var. *sphaerica*. Der Lebensraum ist in der erweiterten EU (EU28+) als stark gefährdet eingestuft.

Einordnung

Originalbezeichnung
Pontic infralittoral sands and muddy sands with stable aggregations of perennial unattached macroalgae
EUNIS
MB545
EU-28
n/a
EU-28+
Endangered
FFH-Anhang I
1110; 1160 – Sandbanks which are slightly covered by sea water all the time; Large shallow inlets and bays

Das Wichtigste in Kürze

Der Biotoptyp EUNIS MB545 beschreibt flachmarine Sand- und Schlickböden des Schwarzen Meeres, die von dichten, mehrjährigen, nicht festgewachsenen Makroalgen – insbesondere der kugelförmigen Rotalge Phyllophora crispa var. sphaerica – bedeckt sind. Dieser Lebensraum ist vor allem aus dem „Small Phyllophora field“ (SPF) National Botanical Reserve in der Bucht von Karkinitsky (Ukraine) bekannt und gilt laut der Roten Liste der Lebensräume für die EU28+ als stark gefährdet („Endangered“). Der Habitattyp fällt unter die FFH-Lebensraumtypen 1110 (Sandbänke, die ständig leicht von Meerwasser bedeckt sind) und 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten). Der offizielle Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Was ist EUNIS MB545?

Der Lebensraum EUNIS MB545 („Pontic infralittoral sands and muddy sands with stable aggregations of perennial unattached macroalgae“) ist ein mariner Biotoptyp des Infralitorals – also der flachen, ständig überfluteten Meereszone. Er tritt auf Sand- und Schlicksandböden auf und wird charakterisiert durch langzeitstabile Aggregationen nicht festwachsender („unattached“) Makroalgen. Diese Algen sind nicht am Substrat verankert, sondern bilden freiliegende, oft kugelige Ballen oder locker aufliegende Teppiche.

Das derzeit auffälligste und bekannteste Beispiel ist die kugelförmige Varietät der Rotalge Phyllophora crispa var. sphaerica. Die Algen können dichte Matten bilden, die über Jahre hinweg stabil bleiben und eine eigene Lebensgemeinschaft beherbergen. Der Begriff „pontisch“ bezieht sich auf das Schwarze Meer (lateinisch Pontus Euxinus).

Verbreitung und Vorkommen

Der Lebensraum ist ein endemisches Phänomen des nordwestlichen Schwarzmeers. Das mit Abstand größte Vorkommen ist das „Small Phyllophora field“ (SPF) National Botanical Reserve in der Bucht von Karkinitsky (Ukraine). Es erstreckt sich auf 300–400 km² in flachem Wasser (weniger als 16 m Tiefe) über sandigen, muschelhaltigen Böden.

Kleinere, aber ebenfalls bedeutende Aggregationen sind bekannt aus:

  • Yagorlytsky-Bucht
  • Dzharylgachsky-Bucht
  • Tendrovsky-Bucht
  • Yarylgachsky-Bucht
  • in der Nähe von Cape Evpatoriysky

Die Wassertiefe beträgt hier meist nur 3–5 m. Die biogeografische Region ist laut EUNIS-System die marine Schwarzmeer-Region (BLS). Länderlisten sind im Quelldatensatz nicht hinterlegt; die Ukraine stellt jedoch das Hauptverbreitungsgebiet dar.

Charakteristische Arten und ökologische Bedeutung

Die Makrophyten-Diversität dieses Lebensraums ist mit rund 20 Arten überschaubar. Die dominanten Pflanzen sind:

  • Phyllophora crispa (in der Varietät sphaerica)
  • Zostera noltii (Zwerg-Seegras)

Diese Algen- und Seegrasbestände dienen einer hochspezialisierten Tierwelt als Laich-, Nahrungs- und Rückzugsgebiet. Studien dokumentierten mehr als 110 Arten wirbelloser Tiere und 47 Fischarten. Viele der Bewohner haben eine rötliche Färbung angenommen – eine Anpassung an die Farbe der Phyllophora-Algen.

Die häufigsten und ökologisch prägenden Tiergruppen (gemessen in Artenzahl, Häufigkeit und Biomasse) des SPF sind:

  • Weichtiere (Mollusca)
  • Borstenwürmer (Polychaeta)
  • Krebstiere (Crustacea)

Zu den am weitesten verbreiteten Einzelarten (Vorkommen >60 % im Jahr 2000) zählen:

  • Mytilaster linneatus (Miesmuschel-Verwandte)
  • Bittium reticulatum (Netzreusenschnecke)
  • Harmothoe reticulata (Schuppenwurm)
  • Nereis zonata (Vielborster)
  • Synisoma capito (Asselart)

Zwischen 1938 und 1994 wurde im SPF eine deutliche Verschiebung der Lebensgemeinschaft dokumentiert: Die ursprüngliche Phyllophora–Europäische Auster (Ostrea edulis)-Gemeinschaft wurde ersetzt durch eine Mytilus galloprovincialis (Mittelmeer-Miesmuschel) – Phyllophora-Gemeinschaft. Auch die dominante Algenart veränderte sich.

Gefährdung und Rote Liste

Der Lebensraum ist auf der Europäischen Roten Liste der Lebensräume bewertet worden. Der Bewertungsumfang ist EU28 und EU28+ (EU28 plus assoziierte Länder).

  • Rote-Liste-Kategorie EU28: in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben (nicht bewertet).
  • Rote-Liste-Kategorie EU28+: „Endangered“ (stark gefährdet).

Diese Einstufung spiegelt die erheblichen Verluste und Qualitätseinbußen wider, die vor allem mit der Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) der nordwestlichen Schwarzmeer-Gewässer in den 1970er- und 1980er-Jahren einhergingen.

Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie

Die Verknüpfung mit den geschützten Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH-Richtlinie wird über das #-Zeichen angezeigt, was eine Überschneidung, aber keine vollständige Deckungsgleichheit signalisiert. Zwei FFH-Lebensraumtypen werden als relevant geführt:

  • 1110 – Sandbänke, die ständig leicht von Meerwasser bedeckt sind
  • 1160 – Flache große Meeresarme und -buchten

Das bedeutet: Viele Flächen von MB545 liegen innerhalb von FFH-Schutzgebieten, die für diese beiden Typen ausgewiesen sind. Ein eigener, spezifischer FFH-Code existiert für diesen pontischen Sonderlebensraum nicht. Der Erhaltungszustand gemäß Artikel 17 ist für MB545 separat in den Quelldaten nicht ausgewiesen und kann daher nicht berichtet werden.

Bedrohungen und ökologische Entwicklung

Die historische Hauptbedrohung war eindeutig die Eutrophierung (Überdüngung) des Wassers durch Nährstoffeinträge aus den großen Flüssen, die in das nordwestliche Schwarze Meer münden – insbesondere der Donau. Der Höhepunkt der Belastung lag in den 1980er-Jahren und führte zu drastischen Flächen- und Qualitätsverlusten der Phyllophora-Felder, vermutlich verbunden mit Sauerstoffmangel und Konkurrenz durch schnellwüchsige Algen.

Seit den 1990er-Jahren verbesserte sich die Situation:

  • Strengere Kontrollen der Gewässerverschmutzung in den Donaueinzugsgebieten und anderer Flüsse
  • Industrieller Rückgang nach der Auflösung der Sowjetunion, der zu weniger Schadstoffeinträgen führte

Dennoch bleibt der Lebensraum aufgrund seiner Kleinräumigkeit und des anhaltenden Nährstoffdrucks verwundbar. Offizielle Bedrohungsfaktoren oder Restaurierungshinweise werden im vorliegenden Quelldatensatz nicht aufgelistet, sodass zur aktuellen Gefährdungslage nur die allgemeinen Eutrophierungs-Effekte sicher benannt werden können.

Qualitätsindikatoren und Monitoring

Für die ökologische Zustandsbewertung wurden im Small Phyllophora Field Langzeitdatenreihen erhoben und verglichen. Drei Teilbereiche (Patches) des SPF wurden bezüglich folgender Merkmale untersucht:

  • Tiefenverteilung der Algenbestände
  • Mächtigkeit der Algenschichten (Dicke in cm)
  • Biomasse (g/m²)
  • Flächenbedeckung (ha)
  • Artenzusammensetzung der benthischen Lebensgemeinschaft

Diese Parameter erlauben es, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen zu beurteilen. Leider sind die konkreten Daten und Zeittrends im vorliegenden EUNIS-Datensatz nicht detailliert ausgewiesen.

Übersicht: Kennwerte von EUNIS MB545

MerkmalAngabe
EUNIS-CodeMB545
HabitatnamePontic infralittoral sands and muddy sands with stable aggregations of perennial unattached macroalgae
Charakter-AlgePhyllophora crispa var. sphaerica (kugelförmige Rotalge)
Biogeografische RegionSchwarzes Meer (BLS)
HauptverbreitungNordwestliches Schwarzes Meer, insbesondere Bucht von Karkinitsky (Ukraine)
Maximale Tiefe< 16 m (SPF) / 3–5 m (kleinere Vorkommen)
Rote Liste EU28+Stark gefährdet (Endangered)
FFH-Annex-I-Codes1110 (Sandbänke), 1160 (Flache große Buchten)
Artikel-17-Erhaltungszustandin den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Besondere Arten>110 Wirbellose, 47 Fischarten, viele mit rötlicher Färbung

Was Bürgerinnen und Bürger wissen sollten

Dieser Lebensraum ist ein rein mariner Biotoptyp, der sich nicht im eigenen Garten oder in einem Kommunalgewässer nachbilden lässt. Der wichtigste Beitrag zum Schutz solcher sensiblen Meeresböden liegt in der Vermeidung von Nähr- und Schadstoffeinträgen in Bäche, Flüsse und letztlich das Meer. Wer im Einzugsgebiet von Donau oder Schwarzmeerzuflüssen lebt, kann durch bewussten Umgang mit Düngemitteln, Reinigungsmitteln und Abwasser indirekt zur Erholung dieser Phyllophora-Felder beitragen. Die wissenschaftliche Erforschung (z. B. durch Taucherkartierungen) und die Ausweisung von Meeresschutzgebieten bleiben essenziell.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist EUNIS MB545?

EUNIS MB545 ist ein mariner Biotoptyp des Schwarzen Meeres, der flachmarine Sand- und Schlicksandböden mit langzeitstabilen Teppichen aus nicht festgewachsenen, mehrjährigen Makroalgen beschreibt. Die bekannteste Charakterart ist die kugelige Rotalge Phyllophora crispa var. sphaerica.

Wo kommt dieser Lebensraum vor?

Das Hauptvorkommen ist das Small Phyllophora field (SPF) National Botanical Reserve in der Bucht von Karkinitsky (Ukraine). Kleinere Aggregationen gibt es in mehreren anderen Buchten des nordwestlichen Schwarzen Meeres. Die biogeografische Region ist die Schwarzmeer-Region (BLS).

Warum ist MB545 ökologisch wertvoll?

Die dichten Algenbestände bieten mehr als 110 Arten von Wirbellosen und 47 Fischarten Lebensraum, Nahrung und Schutz. Viele Tiere haben sogar eine rötliche Tarnfärbung, die an die Algen angepasst ist.

Wie stark ist der Lebensraum gefährdet?

Die Rote Liste der Lebensräume führt MB545 in der erweiterten EU (EU28+) als stark gefährdet (“Endangered”). Für die EU28 liegt keine Eingruppierung vor. Ursache der Gefährdung ist vor allem die starke Eutrophierung im späten 20. Jahrhundert.

Ist MB545 durch die FFH-Richtlinie geschützt?

Der Lebensraum ist kein eigener FFH-Lebensraumtyp, wird aber teilweise durch die FFH-Typen 1110 (Sandbänke) und 1160 (Flache große Buchten) abgedeckt. Viele Vorkommen liegen innerhalb entsprechender Meeresschutzgebiete.

Quellen