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EUNIS: MB624Europäische Rote Liste: Near ThreatenedFFH-Anhang I: 1160

Marines atlantisches Sandschlickwatt des Infralitorals (EUNIS MB624)

Das marine atlantische Sandschlickwatt des Infralitorals (EUNIS MB624) ist ein küstennaher Lebensraum aus Schlamm und sandigem Schlamm im Nordostatlantik. Er wird von charakteristischen Arten wie dem Polychaeten Melinna palmata oder der Miesmuschel Mytilus galloprovincialis besiedelt. Europäische Rote Listen stufen ihn als potenziell gefährdet (Near Threatened) ein. Ein Teil seiner Flächen ist durch den FFH-Lebensraumtyp 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) geschützt.

Einordnung

Originalbezeichnung
Marine Atlantic infralittoral sandy mud
EUNIS
MB624
EU-28
Near Threatened
EU-28+
Near Threatened
FFH-Anhang I
1160 – Large shallow inlets and bays

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Code: MB624
  • Name: Marine Atlantic infralittoral sandy mud (Marines atlantisches Sandschlickwatt des Infralitorals)
  • Kurzbeschreibung: Küstennahe, terrigen beeinflusste Schlick- und Sandschlickböden mit charakteristischer Fauna; zwei Untertypen: einer von Vielborstern, der andere von Miesmuscheln dominiert.
  • Rote-Liste-Kategorie: Near Threatened (potenziell gefährdet) – sowohl für die EU-28 als auch für die EU-28+-Bewertung.
  • FFH-Bezug: Teile des Lebensraums fallen unter Anhang I, Code 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme).
  • Artikel-17-Erhaltungszustand: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
  • Biogeografische Region: Nordostatlantik (NEA).
  • Charakteristische Arten: Melinna palmata, Heteromastus filiformis, Aricidea claudiae, Mytilus galloprovincialis, Mytilaster lineatus.

Dieser Artikel gibt einen Überblick über den Lebensraum, seine ökologische Bedeutung, die Gefährdungslage und den Schutzstatus – auf Basis der aktuellen europäischen Daten des EEA und der Europäischen Roten Liste der Lebensräume.


Was ist MB624? – Einordnung in die EUNIS-Typologie

Der Biotoptyp MB624 gehört nach der europaweit genutzten EUNIS-Klassifikation (European Nature Information System) zu den marinen Lebensräumen. Das Kürzel „MB6“ steht für „Infralittoral mud“, also Schlickböden der flachen, ständig wasserbedeckten Küstenzone (Infralitoral). Die Endziffer „24“ spezifiziert diese als sandigen Schlick (sandy mud) im atlantischen Raum.

Infralitorale Küstenschlicke sind feinkörnige, meist durch Flüsse eingetragene (terrigene) Sedimente, die in Tiefen bis etwa 20–30 Meter vorkommen und durch eine charakteristische Bodentierwelt besiedelt werden. Der englische Name „Marine Atlantic infralittoral sandy mud“ beschreibt also einen Lebensraum, der im Nordostatlantik verbreitet ist und dessen Sediment eine Mischung aus Schluff, Ton und feinem Sand aufweist.

Zwei unterschiedliche Untertypen

In den Quelldaten werden zwei Ausprägungen dieses Lebensraums unterschieden:

  1. Von Vielborstern (Polychaeten) dominierte Bestände – hier prägen im Boden grabende Würmer das Bild.
  2. Von Miesmuscheln (Mytiliden) dominierte Bestände – sie bilden teils dichte Bänke. Dieser Untertyp kommt nach der EEA-Dokumentation im Marmarameer nicht vor.

Diese Differenzierung ist wichtig für die Bewertung der ökologischen Qualität und für ein standortbezogenes Management, auch wenn es noch keine europaweit einheitlichen Qualitätsindikatoren gibt.


Verbreitung und biogeografische Region

Laut offizieller EUNIS-Daten ist MB624 der biogeografischen Region Nordostatlantik (NEA) zugeordnet. Konkrete Länderlisten sind in den Quelldaten nicht hinterlegt, sodass wir hier keine spezifischen Staaten benennen. Geografisch umfasst die NEA-Region die Küstengewässer von der Iberischen Halbinsel über die Biskaya, den Ärmelkanal, die Nordsee, die Britischen Inseln bis nach Skandinavien und Island.

Das Vorkommen ist an küstennahe, geschützte Lagen gebunden, wo feines Sediment nicht ständig durch starke Strömungen ausgeräumt wird. Häufig tritt der Lebensraum in Buchten, Ästuaren oder hinter Barriereinseln auf – also genau dort, wo auch der Annex-I-Typ „1160 Large shallow inlets and bays“ kartiert wird.


Charakteristische Arten und Lebensgemeinschaften

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume nennt für MB624 fünf charakteristische Arten, die als Indikator für eine intakte Lebensgemeinschaft dienen können:

Art (wissenschaftlich)Deutsche BezeichnungGruppe
Melinna palmataPolychaet (Vielborster)
Heteromastus filiformisFadenwurm (Köpfchenwurm)Polychaet
Aricidea claudiaePolychaet
Mytilus galloprovincialisMittelmeer-MiesmuschelMuschel
Mytilaster lineatusGestreifte MiesmuschelMuschel

Nicht alle Arten kommen im deutschen Küstengebiet vor. Die Liste spiegelt die weite atlantische Perspektive wider. In konkreten Natura-2000-Gebieten können ergänzende typische Arten definiert sein, die dann für das lokale Monitoring herangezogen werden.


Qualitätsindikatoren – Wie wird der Zustand bewertet?

In der Fachliteratur werden für marine Lebensräume sowohl biotische (z. B. Vorkommen charakteristischer oder empfindlicher Arten) als auch abiotische Indikatoren (Wasserqualität, Sedimentzusammensetzung, Expositionsgrad) genutzt. Integrierte Indizes, etwa trophische Indizes oder Modelle zur natürlichen Sukzession, können ebenfalls Hinweise auf den guten ökologischen Zustand geben.

Für MB624 existieren allerdings keine europaweit vereinbarten Standardindikatoren. Die Quelldaten stellen klar: „There are no commonly agreed indicators of quality for this habitat.“ In bestimmten Situationen – etwa in geschützten Teilflächen von Natura-2000-Gebieten – können jedoch standortspezifische Referenzwerte festgelegt worden sein, die dann im Rahmen des FFH-Monitorings angewendet werden. Diese Werte sind nicht Teil der hier ausgewerteten Datensätze.

Für eine fachlich belastbare Bewertung müssen daher immer die konkreten Erhaltungsziele des jeweiligen Schutzgebiets herangezogen werden.


Gefährdung und Europäische Rote Liste

Der Lebensraum wird in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (EU28 und EU28+) in der Kategorie „Near Threatened“ (potenziell gefährdet) geführt. Das bedeutet:

  • Der Biotoptyp ist aktuell noch nicht als „gefährdet“ (Vulnerable) eingestuft, hat aber eine Gefährdungstendenz oder ist durch bestimmte Belastungen bedroht.
  • Ein weiterer Rückgang oder eine Verschlechterung der Qualität könnte zu einer Höherstufung führen.
  • Die Einstufung gilt für das gesamte EU-Gebiet und die angrenzenden Länder.

Die genauen Bewertungskriterien der Roten Liste sind im Quelldatensatz nicht angegeben, sie basieren jedoch auf standardisierten Methoden (z. B. Rückgang der Fläche, Verlust an Qualität oder räumlicher Verbreitung). Bedrohungsfaktoren werden im Datensatz nicht explizit genannt, sodass wir dazu keine Aussage aus den vorliegenden Quelldaten treffen können.


FFH-Bezug und Schutzstatus

MB624 hat einen Querverweis (Crosswalk) zum Anhang-I-Lebensraumtyp der FFH-Richtlinie (92/43/EWG):

  • Code 1160: „Large shallow inlets and bays“ (Große flache Buchten und Meeresarme)

Der Qualifier „#“ im EUNIS-Datensatz bedeutet, dass nicht der gesamte Biotoptyp MB624 unter diesen Anhang-I-Typ fällt, sondern nur bestimmte Ausprägungen oder Teilflächen. Es handelt sich also um eine partielle Zuordnung.

Ob und in welchem Umfang konkrete MB624-Flächen in Natura-2000-Gebieten als „1160“ geschützt sind, hängt vom jeweiligen Mitgliedstaat und dem dortigen Kartierstandard ab. Der Artikel-17-Erhaltungszustand (Bericht nach FFH-Richtlinie) ist für diesen Lebensraumtyp in den vorliegenden Quelldaten nicht hinterlegt. Es kann sein, dass er im Rahmen von 1160 auf nationaler Ebene mitbewertet wird, aber eine eigene aggregierte EU-weite Bewertung lag zum Zeitpunkt der Datenbereitstellung nicht vor.


Bedrohungen und Wiederherstellung

Bedrohungsfaktoren: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Wiederherstellungs- und Restaurationshinweise: Ebenfalls nicht dokumentiert.

Diese Lücke ist für die Praxis relevant: Ohne eine EU-weit standardisierte Liste der Hauptgefährdungen lassen sich Schutzkonzepte nur schwer harmonisieren. Fachleute verweisen jedoch häufig auf allgemeine Stressoren für marine Schlicklebensräume wie Eutrophierung, Grundschleppnetzfischerei oder Hafenausbau. Da diese jedoch nicht Bestandteil der amtlichen Roten-Liste-Attribute für MB624 sind, können sie hier nicht als spezifische Gefährdung dieses Typs ausgegeben werden.

Für den lokalen Schutz ist es entscheidend, die Planungen jeweils auf die im Gebiet festgestellten Beeinträchtigungen abzustimmen und die standortspezifischen Qualitätsindikatoren zu nutzen.


Bedeutung für die Artenvielfalt

Sandig-schlickige Böden im Infralitoral sind ein bedeutender Lebensraum für viele wirbellose Tiere und dienen als Nahrungsgrund für Fische und Seevögel. Bereits die fünf charakteristischen Arten zeigen eine Mischung aus grabenden Polychaeten und filtrierenden Muscheln – ein Hinweis auf eine hohe funktionelle Diversität.

Da die Sedimente organischen Kohlenstoff speichern, spielen solche Lebensräume auch eine Rolle im marinen Kohlenstoffkreislauf. Zusätzlich können Muschelbänke als Biogene Strukturen weiteren Arten Ansiedlungsmöglichkeiten bieten. Die beiden Untertypen (Polychaeten-dominiert vs. Miesmuschel-dominiert) weisen jeweils eigene assoziierte Artengemeinschaften auf, was die Gesamtbiodiversität dieses Biotoptyps erhöht.

Ein intaktes MB624 trägt damit zur Erhaltung der biologischen Vielfalt im Nordostatlantik bei und stärkt die Resilienz der Küstenökosysteme.


Was bedeutet das für Bürger, Kommunen und Gärten?

Der Lebensraum MB624 ist ein rein mariner, küstennaher Biotoptyp. Er kann naturgemäß nicht an Land imitiert werden und hat keinen direkten Bezug zu Gartengestaltung oder kommunalem Grün. Indirekt können aber Kommunen, die an entsprechende Küstenabschnitte angrenzen, durch eine Reduktion von Nährstoffeinträgen, eine umweltverträgliche Fischereiplanung und den Schutz von Buchten einen Beitrag leisten.

Bürgerinnen und Bürger können sich in Nordsee- oder Atlantikregionen über lokale Natura-2000-Gebiete informieren, in denen der FFH-Typ 1160 ausgewiesen ist. Eine sinnvolle Verbindung entsteht auch durch den nachhaltigen Konsum von Fisch und Meeresfrüchten, um die Belastung solcher Lebensräume zu verringern. Eine direkte Übertragung in den heimischen Garten ist jedoch weder möglich noch sinnvoll.


Kenndaten-Tabelle

MerkmalWert
EUNIS-CodeMB624
Name (Englisch)Marine Atlantic infralittoral sandy mud
Name (Deutsch)Marines atlantisches Sandschlickwatt des Infralitorals
KurzcharakteristikTerrigen geprägte, schlickig-sandige Böden mit Polychaeten- oder Muschelfauna
Biogeografische RegionNEA (Nordostatlantik)
Charakteristische ArtenMelinna palmata, Heteromastus filiformis, Aricidea claudiae, Mytilus galloprovincialis, Mytilaster lineatus
Rote-Liste-Kategorie EU28 / EU28+Near Threatened
Annex-I-Code (FFH)1160 (Large shallow inlets and bays) – teilweise überlappend
Artikel-17-ZustandIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
BedrohungenIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
RestaurationshinweiseIn den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben

Alle Angaben basieren auf den kompilierten Daten der Europäischen Umweltagentur (EEA) und der Europäischen Roten Liste der Lebensräume aus dem Jahr 2022.


FAQ

1. Was ist das Besondere an MB624?

Dieser Biotoptyp beschreibt atlantische Sandschlickböden im flachen Küstengewässer, die entweder von Vielborstern oder von Miesmuscheln dominiert werden – zwei ökologisch sehr unterschiedliche Zustände. Er gilt europaweit als potenziell gefährdet (Near Threatened), hat aber noch keine einheitlichen Bewertungskriterien.

2. Wo kommt der Lebensraum vor?

Die Daten geben die biogeografische Region Nordostatlantik (NEA) an. Typisch sind geschützte Küstenabschnitte wie Buchten oder Ästuare. Genaue Länderlisten sind nicht Teil des Quelldatensatzes.

3. Ist dieser Lebensraum nach EU-Recht geschützt?

Teilweise. Er überschneidet sich mit dem FFH-Anhang-I-Typ 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme). Der Crosswalk-Qualifier „#“ zeigt aber, dass nicht alle Ausprägungen von MB624 unter diesen Schutz fallen.

4. Wie steht es um seine Gefährdung?

Die Europäische Rote Liste bewertet ihn als Near Threatened (potenziell gefährdet) – sowohl für die EU-28 als auch für die erweiterte Bewertung EU28+. Detaillierte Bedrohungsfaktoren sind im genutzten Datensatz nicht einzeln aufgeführt.

5. Kann ich diesen Lebensraum im Garten nachbilden?

Nein. Es handelt sich um einen rein marinen, ständig wasserbedeckten Lebensraum, der nicht an Land existieren kann. Indirekter Schutz ist über Konsum und lokale Naturschutzprojekte möglich, aber eine Nachbildung im Garten ist ausgeschlossen.


Quellen

Der Artikel basiert auf dem EEA-angebotenen Datensatz zur Europäischen Roten Liste 2022, Kreuztabellen und EUNIS-Informationen. Die dargestellten Inhalte geben den Stand dieser Quellen wieder; regionale Abweichungen oder neuere Erhaltungszustände sind möglich.

Häufige Fragen

Was ist das Besondere an MB624?

Dieser Biotoptyp beschreibt atlantische Sandschlickböden im flachen Küstengewässer, die entweder von Vielborstern oder von Miesmuscheln dominiert werden – zwei ökologisch sehr unterschiedliche Zustände. Er gilt europaweit als potenziell gefährdet (Near Threatened), hat aber noch keine einheitlichen Bewertungskriterien.

Wo kommt der Lebensraum vor?

Die Daten geben die biogeografische Region **Nordostatlantik (NEA)** an. Typisch sind geschützte Küstenabschnitte wie Buchten oder Ästuare. Genaue Länderlisten sind nicht Teil des Quelldatensatzes.

Ist dieser Lebensraum nach EU-Recht geschützt?

Teilweise. Er überschneidet sich mit dem FFH-Anhang-I-Typ **1160 (Große flache Buchten und Meeresarme)**. Der Crosswalk-Qualifier „#“ zeigt aber, dass nicht alle Ausprägungen von MB624 unter diesen Schutz fallen.

Wie steht es um seine Gefährdung?

Die Europäische Rote Liste bewertet ihn als **Near Threatened** (potenziell gefährdet) – sowohl für die EU-28 als auch für die erweiterte Bewertung EU28+. Detaillierte Bedrohungsfaktoren sind im genutzten Datensatz nicht einzeln aufgeführt.

Kann ich diesen Lebensraum im Garten nachbilden?

Nein. Es handelt sich um einen **rein marinen, ständig wasserbedeckten Lebensraum**, der nicht an Land existieren kann. Indirekter Schutz ist über Konsum und lokale Naturschutzprojekte möglich, aber eine Nachbildung im Garten ist ausgeschlossen.

Quellen