Invertebraten-dominierter zirkalitoraler Fels im Marmarameer (MC142)
MC142 ist ein von Wirbellosen (Schlangensterne, Haarsterne, Serpuliden) dominierter zirkalitoraler Felslebensraum im Marmarameer, der durch hohe organische Last geprägt wird und über EUNIS dem FFH-Lebensraumtyp „Riffe“ (Code 1170) zugeordnet wird.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Invertebrate-dominated Marmara circalittoral rock
- EUNIS
- MC142
- EU-28
- n/a
- EU-28+
- Data Deficient
- FFH-Anhang I
- 1170 – Reefs
Das Wichtigste in Kürze
Der Biotoptyp MC142 bezeichnet invertebraten-dominierte Felsböden im zirkalitoralen Bereich des Marmarameers. Diese Unterwasserlebensräume beginnen unterhalb der Zone photophiler Algen und werden durch eine einzigartige Besiedlung aus Schlangensternen, Haarsternen und Röhrenwürmern geprägt. Ursache der ungewöhnlichen Lebensgemeinschaften ist die hohe organische Fracht in diesem Meeresgebiet, hervorgerufen durch den Wasseraustausch mit dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer.
EUNIS-Code: MC142
Europäische Rote Liste (EU28): nicht bewertet (n/a)
Europäische Rote Liste (EU28+): Data Deficient (ungenügende Datengrundlage)
FFH-Anhang-I-Code: 1170 (Riffe)
Artikel-17-Erhaltungszustand: in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Biogeografische Region: Schwarzes Meer (BLS)
Was bedeutet MC142?
Der EUNIS-Code MC142 steht für einen marinen Biotoptyp, der ausschließlich im Marmarameer vorkommt. Es handelt sich um zirkalitorales Felsgestein, also um dauerhaft unter Wasser liegende Felshänge, die unterhalb der Grenze liegen, ab der vielzellige Algen aufgrund von Lichtmangel nicht mehr wachsen können. Auf diesen Felsen haben sich dichte Bestände wirbelloser Tiere gebildet, die das Erscheinungsbild prägen.
Die Bezeichnung „invertebrate-dominated“ (wirbellosendominiert) hebt hervor, dass es nicht Algen, sondern Tiere wie Schlangensterne, Haarsterne und Röhrenwürmer sind, die die Flächen besiedeln. Diese Dominanz ist ungewöhnlich für zirkalitorale Zonen in anderen europäischen Meeren und macht das Marmarameer zu einem besonderen Hotspot.
Wo kommt dieser Biotoptyp vor?
Der Lebensraum ist auf das Marmarameer beschränkt – ein kleines Binnenmeer zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer. In der europäischen Biogeografie wird er der Region Schwarzes Meer (BLS) zugeordnet. Angaben zu konkreten Ländern fehlen in den Quelldaten, da das Marmarameer an die Türkei grenzt, aber das Habitat in den europäischen Datenbanken für die EU28+‑Region erfasst ist.
Die Wassertiefe reicht von etwa 2 m bis 60 m, wobei die Zusammensetzung der Tiergemeinschaften stark von der Schichtung der Wassermassen abhängt: Oberes Stockwerk (ca. 10–30 m) wird vom ausströmenden Schwarzwasser geprägt, unteres Stockwerk (ca. 30–50 m) vom einströmenden Mittelmeerwasser. Diese Zweiteilung führt zu einer vertikalen Zonierung mit jeweils charakteristischen Artengruppen.
Charakteristische Arten und ökologische Bedeutung
Der Biotoptyp MC142 beherbergt eine an extreme Organikbelastung angepasste Tierwelt. Die auffälligsten Organismen sind:
- Schlangensterne (Ophiurida): Im oberen Bereich (10–30 m) bilden sie eine dichte „Schlangensterndecke“. Sie profitieren vom hohen Nährstoffangebot aus dem Schwarzen Meer.
- Haarsterne (Crinoidea): Im unteren Bereich (30–50 m) dominieren Stachelhäuter aus der Gruppe der Haarsterne, die mit ihren filigranen Fangarmen Plankton aus dem einströmenden Mittelmeerwasser filtern.
- Röhrenwürmer (Serpulidae): An allen Tiefenstufen (2–60 m) finden sich fragile Wurmröhren auf den Felsflächen, die ein loses, aber auffälliges Besiedlungsbild ergeben.
Diese Arten sind nicht nur Charakterarten des Habitats, sondern auch als strukturbildend anzusehen. Sie schaffen Mikrohabitate für viele weitere kleine Organismen, über ihre Bedeutung für das Nahrungsnetz liegen jedoch kaum quantitative Studien vor.
EUNIS, FFH und europäische Schutzinstrumente
In der EUNIS-Klassifikation ist MC142 als Biotoptyp der Stufe 5 (Level 5) eingeordnet. Er ist keinem übergeordneten EUNIS-Namen direkt zugeordnet, kann aber über die Kreuztabellierung mit dem Schutzgebietsnetzwerk in Verbindung gebracht werden.
FFH-Anhang I: Der Habitattyp ist dem FFH-Lebensraumtyp „Riffe“ (Code 1170) zugeordnet. Diese Zuordnung erfolgt über einen Crosswalk (Qualifier „#“), was bedeutet, dass MC142 ein Bestandteil des weiter gefassten Riff-Begriffs ist, aber nicht vollständig darin aufgeht. Riffe sind nach der FFH-Richtlinie geschützt und in den Natura-2000-Gebieten meldepflichtig. Konkrete Angaben zur Ausweisung von MC142 als Schutzgut in Natura‑2000‑Gebieten fehlen allerdings in den vorliegenden Datensätzen.
Artikel-17-Bericht: Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie wurde für diesen Biotoptyp in den verfügbaren Quellen nicht erhoben. Es gibt daher keine Aussage, ob sich das Habitat in einem günstigen oder ungünstigen Zustand befindet.
Gefährdung und Rote-Liste-Einstufung
Die Europäische Rote Liste der Habitate bewertet die Gefährdung auf zwei räumlichen Ebenen:
- EU28 (EU-Mitgliedsstaaten vor 2020): Einstufung n/a – der Biotoptyp wurde nicht eigenständig bewertet, vermutlich weil kein Vorkommen innerhalb der damaligen EU28 gemeldet ist.
- EU28+ (EU plus Nachbarregionen): Einstufung Data Deficient – ungenügende Datengrundlage. Das bedeutet, dass weder eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie noch eine sichere „Least Concern“-Einstufung möglich ist, weil zu wenig Informationen über Verbreitung, Fläche oder Bedrohungen vorliegen.
Aufgrund der speziellen Lage im Marmarameer und der komplexen hydrologischen Bedingungen gilt das Habitat als potenziell empfindlich gegenüber Störungen wie Überdüngung, Bebaggerung, Fischerei mit Grundschleppnetzen oder Klimawandel. Konkrete Bedrohungen werden in den offiziellen Quellen jedoch nicht gelistet (threats ist leer). Ebenso fehlen spezifische Maßnahmen zur Wiederherstellung (restoration_notes).
Qualitätsindikatoren – was macht ein intaktes MC142-Habitat aus?
Allgemein werden für marine Lebensräume biotische und abiotische Indikatoren herangezogen: das Vorhandensein charakteristischer Arten, das Vorkommen empfindlicher Zeigerarten, Wasserqualitätsparameter, Nährstoffbelastung sowie komplexe Indizes (z. B. trophischer Index). Für MC142 gibt es keine allgemein anerkannten Qualitätsindikatoren. In Natura‑2000‑Standorten können lokale Referenzwerte und Indikatoren festgelegt sein; dazu liegen jedoch keine überregional aggregierten Daten vor.
Als erste Anhaltspunkte können dienen:
- Präsenz dichter Schlangenstern- und Haarsternteppiche in den typischen Tiefenstufen
- Unversehrtheit der fragilen Serpuliden-Schichten
- Gute Wasserqualität ohne Anzeichen starker Eutrophierung
- Unveränderte hydrologische Schichtung
Bedeutung für Mensch und Biodiversität
Das Marmarameer ist ein einzigartiger Übergangsraum zwischen zwei Meeressystemen. Der Biotoptyp MC142 zeigt, wie Tiere die Lebensraumrolle übernehmen, die in anderen Meeresgebieten Algen innehaben. Für die marine Biodiversität ist dieser Felsboden-Lebensraum ein Refugium für Spezialisten, die in keinem anderen Meeresteil der EU‑Nachbarschaft so dicht auftreten. Er liefert Ökosystemdienstleistungen wie Wasserreinigung durch Filtrierer (Haarsterne, Röhrenwürmer) und dient als Nahrungsgrundlage für Fische.
Dennoch bleibt der Wissensstand lückenhaft. Weitere Forschung wäre notwendig, um überhaupt eine Gefährdungseinschätzung zu ermöglichen und Schutzmaßnahmen zielgerichtet umzusetzen.
Zusammenfassende Tabelle
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| EUNIS-Code | MC142 |
| Name | Invertebrate-dominated Marmara circalittoral rock |
| Kurzbeschreibung | Zirkalitoraler Fels im Marmarameer mit dichten Beständen von Schlangensternen, Haarsternen und Serpuliden |
| Rote Liste EU28 | n/a (nicht bewertet) |
| Rote Liste EU28+ | Data Deficient (ungenügende Datenlage) |
| FFH-Anhang I | 1170 Riffe (Qualifier #) |
| Erhaltungszustand (Art. 17) | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Biogeografische Region | Schwarzes Meer (BLS) |
| Länder | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben (Marmarameer) |
| Charakteristische Arten | Schlangensterne (Ophiurida), Haarsterne (Crinoidea), Röhrenwürmer (Serpulidae) |
| Bedrohungen | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Wiederherstellungshinweise | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
Was kann man selbst tun?
Auch wenn der Biotoptyp weit entfernt liegt, kann jeder durch bewussten Konsum und politisches Engagement zum Schutz mariner Lebensräume beitragen. Reduzierung von Plastik, Unterstützung nachhaltiger Fischerei und die Förderung von Meeresschutzgebieten sind Hebel, die auch dem Marmarameer zugutekommen. In Kommunen kann bei Planungen auf den Erhalt von Flussmündungen geachtet werden, um den Nährstoffeintrag in Meere nicht zu erhöhen. Eine direkte Übertragung des Biotoptyps in den Garten oder ins Süßwasser ist nicht möglich.
FAQ
1. Was genau ist das Habitat „MC142 Invertebrate-dominated Marmara circalittoral rock“?
Es handelt sich um einen marinen Biotoptyp der EUNIS-Klassifikation: Felsböden unterhalb der Algengrenze im Marmarameer, die von Schlangensternen, Haarsternen und Röhrenwürmern dicht besiedelt werden. Die Besonderheit liegt in der hohen organischen Last und der vertikalen Zonierung nach Wassermassen.
2. Warum ist MC142 in der Roten Liste als „Data Deficient“ eingestuft?
Für die EU28+ liegen nicht genügend Daten über Verbreitung, Fläche oder Bedrohungen vor, um eine Gefährdungskategorie zu vergeben. Für die EU28 allein wurde der Typ gar nicht bewertet (n/a), da er dort nicht vorkommt.
3. Gehört dieser Biotoptyp zu den geschützten Riffen der FFH-Richtlinie?
Ja, über einen Crosswalk ist er dem FFH-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) zugeordnet. Allerdings ist die Zuordnung mit einem Qualifier „#“ versehen, d. h., MC142 ist nur ein Teilaspekt des Riff-Konzepts und muss nicht in allen Fällen als geschütztes Riff in Natura‑2000‑Gebieten gemeldet werden.
4. Gibt es aktuelle Erhaltungszustände aus den EU-Berichten?
In den verwendeten Quellen ist kein Artikel-17-Erhaltungszustand hinterlegt. Es existieren also keine aggregierten Daten darüber, ob das Habitat in einem günstigen oder ungünstigen Zustand ist. Lokal können jedoch Daten vorliegen.
5. Kann man diesen Biotoptyp im eigenen Garten oder Aquarium nachbilden?
Nein, MC142 ist ein mariner Lebensraum in einer speziellen hydrologischen Situation. Im Aquarium wäre ein solches System nur mit enormem Aufwand annähernd nachzuahmen und ist für Privatpersonen nicht realistisch. Der Schutz des Marmarameers muss vor Ort erfolgen.
Quellen
- EEA: European Red List of Habitats (Data Package) – Grundlage für Gefährdungsdaten
- EEA Datashare: Crosswalks Red List Habitats – EUNIS- und FFH-Zuordnungen
- EUNIS Habitat Classification – Offizielle Beschreibung MC142
- EUNIS Code-Browser mit Roter Liste – Gefährdungseinstufung
- EEA: Article 17 database Habitats Directive – Berichtsdaten (kein Eintrag für MC142)
- Europäische Kommission: Habitats Directive – Rechtlicher Rahmen
Hinweis: Der Artikel basiert auf dem Datensatz der Europäischen Umweltagentur (EEA Enhanced European Red List of Habitats 2022). Alle nicht explizit in den Quelldaten vorhandenen Informationen sind als fehlend gekennzeichnet. Fachliche Interpretationen zur Ökologie wurden auf Basis der offiziellen Kurzbeschreibung und allgemeinen marinen Wissens ergänzt.
Häufige Fragen
Was genau ist das Habitat „MC142 Invertebrate-dominated Marmara circalittoral rock“?
Es handelt sich um einen marinen Biotoptyp der EUNIS-Klassifikation: Felsböden unterhalb der Algengrenze im Marmarameer, die von Schlangensternen, Haarsternen und Röhrenwürmern dicht besiedelt werden. Die Besonderheit liegt in der hohen organischen Last und der vertikalen Zonierung nach Wassermassen.
Warum ist MC142 in der Roten Liste als „Data Deficient“ eingestuft?
Für die EU28+ liegen nicht genügend Daten über Verbreitung, Fläche oder Bedrohungen vor, um eine Gefährdungskategorie zu vergeben. Für die EU28 allein wurde der Typ gar nicht bewertet (n/a), da er dort nicht vorkommt.
Gehört dieser Biotoptyp zu den geschützten Riffen der FFH-Richtlinie?
Ja, über einen Crosswalk ist er dem FFH-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) zugeordnet. Allerdings ist die Zuordnung mit einem Qualifier „#“ versehen, d. h., MC142 ist nur ein Teilaspekt des Riff-Konzepts und muss nicht in allen Fällen als geschütztes Riff in Natura‑2000‑Gebieten gemeldet werden.
Gibt es aktuelle Erhaltungszustände aus den EU-Berichten?
In den verwendeten Quellen ist kein Artikel-17-Erhaltungszustand hinterlegt. Es existieren also keine aggregierten Daten darüber, ob das Habitat in einem günstigen oder ungünstigen Zustand ist. Lokal können jedoch Daten vorliegen.
Kann man diesen Biotoptyp im eigenen Garten oder Aquarium nachbilden?
Nein, MC142 ist ein mariner Lebensraum in einer speziellen hydrologischen Situation. Im Aquarium wäre ein solches System nur mit enormem Aufwand annähernd nachzuahmen und ist für Privatpersonen nicht realistisch. Der Schutz des Marmarameers muss vor Ort erfolgen.