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EUNIS: MC143Europäische Rote Liste: n/aFFH-Anhang I: 1170

MC143: Marmara-Koralligen-Gemeinschaften auf mäßig exponiertem Fels im Circalittoral

Marmara-Koralligen-Gemeinschaften auf mäßig exponiertem Fels (EUNIS MC143) sind biogene Hartböden, die durch kalkabscheidende Rotalgen unter gedämpften Lichtverhältnissen aufgebaut werden. Sie bilden komplexe Riffstrukturen und sind als 'Riffe' (FFH-Code 1170) geschützt. Die Datenlage zur Gefährdung ist unzureichend – in der Roten Liste der EU28+ gilt der Typ als 'Data Deficient'.

Einordnung

Originalbezeichnung
Marmara coralligenous communities moderately exposed circalittoral rock
EUNIS
MC143
EU-28
n/a
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1170 – Reefs

Das Wichtigste in Kürze

Der marine Biotoptyp Marmara-Koralligen-Gemeinschaften auf mäßig exponiertem circalittoralen Fels (EUNIS-Code MC143) bezeichnet biogene Hartböden, die von kalkinkrustierenden Rotalgen unter gedämpftem Licht aufgebaut werden. Diese Koralligenriffe sind strukturell außerordentlich komplex und beherbergen eine Vielzahl von Lebensgemeinschaften – von Algenrasen über filtrierende Schwämme bis zu Bohrorganismen. Sie kommen vor allem im tieferen Circalittoral vor, seltener auch im Infralittoral an schattigen Steilwänden oder Überhängen.

Der Typ fällt unter den FFH-Lebensraumtyp „Riffe“ (1170). In der Europäischen Roten Liste der Habitate ist die Gefährdung für die EU28+ mit „Data Deficient“ (Daten unzureichend) bewertet – es fehlen belastbare Daten für eine Einstufung. Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Die Gemeinschaften reagieren empfindlich auf Verschmutzung, Trübung, mechanische Störungen und Sedimenteintrag. Typische Indikatorarten sind kalkbildende Rotalgen der Gattungen Mesophyllum, Lithophyllum und Neogoniolithon sowie vielfältige Schwämme.


EUNIS-Klassifikation und Zuordnung

Der Biotoptyp wird im Europäischen Naturinformationssystem EUNIS unter dem Code MC143 geführt. Er gehört zur Kategorie marine Benthalhabitate und ist eng mit anderen Koralligen-Typen verwandt. In den EUNIS-Crosswalks ist er mit dem FFH-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) verknüpft (Qualifier „#“ – deutet auf eine enge, aber nicht 1:1 identische Beziehung hin).

MerkmalWert
EUNIS-CodeMC143
Vollständiger NameMarmara coralligenous communities moderately exposed circalittoral rock
Habitatgruppemarine
FFH-Annex-I-Code1170 (Riffe)
Biogeografische RegionBLS (Schwarzes Meer)
Rote-Liste-Einstufung (EU28+)Data Deficient (Daten unzureichend)
Artikel-17-Statusin den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben

Der Name „Marmara“ bezieht sich auf das Marmarameer, doch die biogeografische Region ist als Schwarzes Meer (BLS) ausgewiesen. Das hängt mit den ozeanografischen Verbindungen und der Ähnlichkeit der Lebensgemeinschaften zusammen.


Rote Liste der Habitate: Europaweite Gefährdung

Die Europäische Rote Liste der Habitate (European Red List of Habitats, 2022) bewertet den Biotoptyp MC143 für das Gebiet EU28+ mit „Data Deficient“. Das bedeutet, dass die vorhandenen Informationen nicht ausreichen, um das Aussterberisiko zu beurteilen. Typische Gründe für diese Einstufung sind:

  • Fehlende systematische Erfassungen auf regionaler Ebene.
  • Unzureichende Daten zur Flächenentwicklung oder zu Qualitätsveränderungen.
  • Schwierigkeiten bei der Abgrenzung zu anderen Koralligen-Subtypen.

Für die reine EU28 (also ohne zusätzliche Länder) ist in den Quelldaten ebenfalls „n/a“ vermerkt – auch hier fehlt eine belastbare Einstufung.

Verwendete Kriterien der Roten Liste: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben. Die Einstufung „Data Deficient“ bedeutet, dass kein Kriterium (A, B, C, D) sicher zugeordnet werden konnte.


FFH-Richtlinie und Schutzstatus

Der Lebensraum ist als „Riffe“ (Annex-I-Code 1170) im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL, 92/43/EWG) gelistet. Artikel 17-Berichtspflichten verlangen eine regelmäßige Bewertung des Erhaltungszustands in den Mitgliedstaaten. Jedoch liegt für diesen spezifischen Koralligen-Typ in den abgerufenen Quelldaten kein Artikel-17-Status vor. Das kann an einer unvollständigen Berichterstattung in der betroffenen biogeografischen Region (Schwarzes Meer) liegen oder daran, dass er nicht separat berichtet wird, sondern unter der allgemeinen Kategorie 1170 subsummiert wird.

Hinweis für die naturschutzfachliche Praxis: Auch wenn keine Gefährdungseinstufung vorliegt, unterliegen Vorkommen als Teil von FFH-Riffen einem Verschlechterungsverbot. Maßnahmen, die die Struktur oder Funktion des Riffs beeinträchtigen, bedürfen einer FFH-Verträglichkeitsprüfung.


Lebensraum: Merkmale und Ökologie

Marmara-Koralligen entstehen auf mäßig exponiertem Festgestein im Circalittoral – das ist die Zone unterhalb der stark lichtdurchfluteten Algenzone, reicht aber noch nicht in die Tiefsee. Das Charakteristikum ist das biogene Substrat: Kalkrotalgen (Corallinaceae) scheiden Kalziumkarbonat ab und bauen so über Jahrhunderte meterdicke Krusten auf. Diese festen Kalkgerüste bilden Riffstrukturen mit zahllosen Hohlräumen, Überhängen und Spalten.

Der Lichteinfall ist gedämpft, was das Wachstum der kalkbildenden Algen erst ermöglicht. Daher findet man diesen Lebensraum:

  • Im Circalittoral relativ weit verbreitet,
  • im Infralittoral nur an sehr schattigen Orten wie senkrechten Felswänden, engen Kanälen oder tiefen Überhängen, wo die Lichtintensität ähnlich niedrig ist.

Die Oberfläche der Biokonkretion ist nicht einheitlich, sondern wird von verschiedenen Mikrohabitaten geprägt:

  • Oberseiten, die von lebenden Algen bedeckt sind,
  • Vertikalflächen und Höhlendächer mit dichten Beständen von Suspensionsfressern (z. B. Schwämme, Moostierchen, Hornkorallen),
  • das Innere des Kalkgerüsts, das von Bohrorganismen (Sipunculiden, Bohrschwämme) besiedelt wird,
  • Sedimentansammlungen in Spalten, die Weichbodenfauna beherbergen.

Qualitätsindikatoren für den guten Zustand eines Koralligen-Riffs sind:

  • Hohe Deckungsanteile krustenbildender Kalkrotalgen gegenüber nicht-kalkbildenden Krusten oder Sedimentauflagen,
  • geringer Anteil nekrotischer (abgestorbener) Flächen,
  • artenreiche Moostierchen- und Schwammgemeinschaften,
  • Fehlen von Bioerosion anzeigenden Bohrspuren und Fäulnis.

Typische Arten und charakteristische Lebensgemeinschaften

Die Quelldaten liefern eine umfangreiche Liste charakteristischer Arten, vor allem Rotalgen, aber auch Braunalgen, Grünalgen und Schwämme. Die wichtigsten Baumeister des Riffs sind krustenbildende Rotalgen (Corallinales):

  • Mesophyllum expansum, M. alternans, M. macedonis,
  • Lithophyllum stictaeforme, L. cabiochiae,
  • Neogoniolithon mamillosum.

Daneben treten typische begleitende Rotalgen auf, die die Artenvielfalt ausmachen, darunter viele endemische oder seltene Arten der Gattungen Peyssonnelia, Rodriguezella, Gloiocladia, Kallymenia und andere. Diese Arten sind an das gedämpfte Licht und die stabilen Bedingungen angepasst.

Braun- und Grünalgen sind ebenfalls vertreten, wenn auch mit geringerer Artenzahl:

  • Halopteris filicina, Nereia filiformis (Braunalgen),
  • Palmophyllum crassum, Codium coralloides, Valonia macrophysa (Grünalgen).

Schwämme sind charakteristisch für die Suspensionsfresser-Gemeinschaft:

  • Agelas oroides,
  • Axinella-Arten: Axinella cannabina, A. damicornis, A. polypoides.

Diese Arten sind zum Teil Indikatoren für geringe Sedimentbelastung und gute Wasserqualität. Mit zunehmender Trübung und Schadstoffbelastung verschiebt sich das Artenspektrum hin zu generalistischen und bohrenden Arten (z. B. Bohrschwämme der Gattung Cliona).


Gefährdungen und Belastungen

Obwohl die Rote-Liste-Einstufung keine konkreten Gefährdungskategorien nennt, lässt die Kurzbeschreibung deutliche Stressfaktoren erkennen:

  • Verschmutzung: Schadstoffeinträge verdrängen die kalkbildenden Rotalgen. Zuerst breitet sich Mesophyllum alternans aus, später die nicht-kalkbildende Peyssonnelia rosa-marina. Das führt zum Abbruch der biogenen Riffbildung.
  • Erhöhte Wassertrübung: Reduziert die Lichtverfügbarkeit und mindert die Diversität, besonders von Moostierchen, Krebstieren und Stachelhäutern. Gleichzeitig nehmen Bohrorganismen (Sipunculiden, Cliona) und generalistische Arten überhand.
  • Mechanische Störungen: Ankerschäden, Grundschleppnetzfischerei und andere physische Einwirkungen brechen die Kalkstrukturen auf und erhöhen Trübung und Sedimentumlagerung.
  • Überfischung: Bestimmte Zielarten (nicht näher spezifiziert in den Quelldaten) können in ihrer Abundanz zurückgehen, was das ökologische Gleichgewicht stört.
  • Sedimentation und invasive Arten: Hohe Sedimentraten begünstigen die Überwucherung durch gebietsfremde Algen und verändern die Artenzusammensetzung.

Eine detaillierte Liste von Bedrohungen ist in den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeführt, aber die Qualitätsindikatoren geben klare Hinweise auf die Sensitivität des Habitats.


Bedeutung für den Naturschutz und mögliche Maßnahmen

Da der Typ als Teil der FFH-Riffe gelistet ist, genießt er prinzipiell hohen Schutz. Konkrete Wiederherstellungs- oder Managementhinweise sind in den Quelldaten nicht enthalten. In der Praxis zielen Maßnahmen darauf ab:

  • Nährstoff- und Schadstoffeinträge zu reduzieren,
  • mechanische Zerstörung (z. B. durch Ankerverbote, Fischereiregelungen) zu verhindern,
  • die natürliche Hydrographie und Lichtbedingungen wiederherzustellen.

Ein kontinuierliches Monitoring mit den genannten Qualitätsindikatoren (Deckungsgrad kalkbildender Algen, Anteil Nekrosen, Anteil sedimentbedeckter Flächen) wird empfohlen, um frühzeitig Verschlechterungen zu erkennen.


Hinweise für interessierte Bürger und Kommunen

Dieser Biotoptyp ist ein mariner Lebensraum und kommt nicht an Land vor. Eine direkte Nachbildung im Garten oder in kommunalen Grünflächen ist nicht möglich. Dennoch können Bürger und Kommunen indirekt helfen:

  • Küstenschutz und Meeresschutzpolitik unterstützen: Nur sauberes, klares Wasser und ungestörte Meeresböden erhalten die Bedingungen für Koralligen.
  • Nachhaltiger Tourismus: In Tauchgebieten gelten Verhaltensregeln, um Riffe nicht zu berühren oder aufzuwirbeln.
  • Bewusstseinsbildung: Koralligenriffe sind weniger bekannt als tropische Korallenriffe, aber ebenso schützenswert. Informationskampagnen können das Interesse fördern.

Kommunen an der Schwarzmeerküste können über regionale Meeresschutzgebietsausweisungen und die Integration in die Raumplanung einen Beitrag leisten.


FAQ – Häufige Fragen zu Marmara-Koralligen (MC143)

{{faq}}

Was ist das Besondere an Koralligen-Lebensräumen?

Koralligen entstehen nicht aus Korallen, sondern aus kalkabscheidenden Rotalgen. Sie bilden über lange Zeit harte Rifffelsen, die unzähligen Arten als Lebensraum dienen – ähnlich einem tropischen Riff, nur in kühleren, lichtärmeren Meeresregionen.

Welcher Schutzstatus gilt für diesen Biotoptyp?

Der Typ ist im Anhang I der FFH-Richtlinie unter dem Code 1170 „Riffe“ geschützt. Damit unterliegen Vorkommen einem Verschlechterungsverbot und eine FFH-Verträglichkeitsprüfung ist bei Eingriffen erforderlich.

Warum ist die Rote-Liste-Einstufung „Data Deficient“?

Es sind nicht genügend Daten vorhanden, um eine solide Gefährdungseinstufung vorzunehmen – weder zur Flächenausdehnung noch zur Qualitätsentwicklung. Gezielte Erfassungskampagnen könnten diese Lücke schließen.

In welchen Ländern genau kommt der Lebensraum vor?

In den vorliegenden Quelldaten werden keine Länderlisten genannt. Die biogeografische Angabe „BLS“ weist auf das Schwarze Meer und angrenzende Becken hin, aber eine konkrete Länderzuordnung ist ohne weitere Quellen nicht möglich.

Können Laien den Zustand des Habitats erkennen?

Fachkenntnisse sind erforderlich. Als grober Anhaltspunkt kann die Trübung des Wassers dienen: Starke Sedimentfahnen und sichtbare Schäden an der Riffstruktur deuten auf Beeinträchtigungen hin. Präzise Beurteilungen bleiben Spezialisten vorbehalten.


Quellen

Datenstand: Prepared from the EEA-enhanced European Red List of Habitats 2022 package.


Verwendete interne Verlinkungsziele

  • [Riffe (1170)](/habitats/1170-riffe)
  • [Marine Biotoptypen](/biotoptypen/marine)
  • [Europäische Rote Liste der Habitate](/roteliste-habitate)

Häufige Fragen

Was ist das Besondere an Koralligen-Lebensräumen?

Koralligen entstehen nicht aus Korallen, sondern aus kalkabscheidenden Rotalgen. Sie bilden über lange Zeit harte Rifffelsen, die unzähligen Arten als Lebensraum dienen – ähnlich einem tropischen Riff, nur in kühleren, lichtärmeren Meeresregionen.

Welcher Schutzstatus gilt für diesen Biotoptyp?

Der Typ ist im Anhang I der FFH-Richtlinie unter dem Code 1170 „Riffe“ geschützt. Damit unterliegen Vorkommen einem Verschlechterungsverbot und eine FFH-Verträglichkeitsprüfung ist bei Eingriffen erforderlich.

Warum ist die Rote-Liste-Einstufung „Data Deficient“?

Es sind nicht genügend Daten vorhanden, um eine solide Gefährdungseinstufung vorzunehmen – weder zur Flächenausdehnung noch zur Qualitätsentwicklung. Gezielte Erfassungskampagnen könnten diese Lücke schließen.

In welchen Ländern genau kommt der Lebensraum vor?

In den vorliegenden Quelldaten werden keine Länderlisten genannt. Die biogeografische Angabe „BLS“ weist auf das Schwarze Meer und angrenzende Becken hin, aber eine konkrete Länderzuordnung ist ohne weitere Quellen nicht möglich.

Können Laien den Zustand des Habitats erkennen?

Fachkenntnisse sind erforderlich. Als grober Anhaltspunkt kann die Trübung des Wassers dienen: Starke Sedimentfahnen und sichtbare Schäden an der Riffstruktur deuten auf Beeinträchtigungen hin. Präzise Beurteilungen bleiben Spezialisten vorbehalten.

Quellen