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EUNIS: MC15Europäische Rote Liste: VulnerableFFH-Anhang I: 1160; 1170

MC15 – Lebensgemeinschaften auf weichem zirkalitoralen Fels des Mittelmeers

Der Biotoptyp EUNIS MC15 beschreibt Lebensgemeinschaften auf mäßig wellenexponiertem, weichem Fels im zirkalitoralen Bereich des Mittelmeers. Er ist geprägt von bohrenden Muscheln wie der Dattelmuschel (Pholas dactylus), Röhrenwürmern, Bohrschwämmen und Krebstieren. Die Europäische Rote Liste der Habitate stuft diesen Lebensraum als gefährdet (Vulnerable) ein. Er ist Bestandteil der FFH-Lebensraumtypen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe).

Einordnung

Originalbezeichnung
Communities of Mediterranean soft circalittoral rock
EUNIS
MC15
EU-28
Vulnerable
EU-28+
Vulnerable
FFH-Anhang I
1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs

MC15 – Lebensgemeinschaften auf weichem zirkalitoralen Fels des Mittelmeers

Das Wichtigste in Kürze

Der Biotoptyp MC15 („Communities of Mediterranean soft circalittoral rock“) kommt im Mittelmeer an Felsküsten vor, deren Gestein so weich ist, dass es von Organismen angebohrt werden kann. Er besiedelt die tiefer gelegene, lichtarme Zone (Zirkalitoral) und ist dort häufig trübem Wasser sowie mäßig starken Gezeitenströmungen ausgesetzt. Die Lebensgemeinschaft wird von bohrenden Muscheln, vor allem der Dattelmuschel Pholas dactylus, beherrscht. Typisch sind außerdem Röhrenwürmer, Bohrschwämme, Moostierchen und mehrere Krebse.

Die Europäische Rote Liste der Habitate bewertet MC15 als gefährdet (Vulnerable). Der Lebensraum ist gleich in zwei FFH-Lebensraumtypen eingeschlossen: 1170 (Riffe) sowie 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme). Ein gesamteuropäischer Erhaltungszustand nach Artikel 17 der Habitatrichtlinie liegt für diesen speziellen Typ nicht vor.

EUNIS-Einordnung und Lebensraumcharakter

Die EUNIS-Klassifikation (European Nature Information System) ordnet den Typ unter MC15 in die Gruppe der marinen Hartbodengemeinschaften ein. Der Zusatz „soft circalittoral rock“ kennzeichnet das Substrat: Anders als harter Fels wird der hier vorliegende weiche Kalkstein, Mergel oder Tonstein mechanisch und chemisch von Organismen angegriffen. So entstehen Hohlräume, die vielen Arten Wohnraum bieten.

Der Lebensraum liegt unterhalb der euphotischen Zone, also in Tiefen, in denen das Licht für größere Algen nicht mehr ausreicht. Durch hohe Schwebstofffrachten im Wasser („turbid water“) kann diese Zone bereits knapp unter der Niedrigwasserlinie beginnen. Gleichzeitig sorgen mäßig starke Gezeitenströmungen für den Nachschub von Nahrungspartikeln und Sauerstoff, verhindern jedoch eine feine Sedimentablagerung auf dem Fels.

Charakteristische Arten

Die folgende Tabelle fasst die in den offiziellen Quelldaten genannten kennzeichnenden Arten zusammen. Deutsche Namen sind, wo verfügbar, zur besseren Lesbarkeit ergänzt.

GruppeWissenschaftlicher NameDeutscher Name (informell)Rolle im Lebensraum
Muscheln (Bivalvia)Pholas dactylusDattelmuschel, Große BohrmuschelDominante bohrende Art, schafft Hohlräume
MuschelnBarnea parva (früher Pholadidea parva)Kleine BohrmuschelEbenfalls bohrend, seltener
Borstenwürmer (Polychaeta)Bispira volutacornisKein einheitlicher dt. Name (Federwurm)Baut Wohnröhren auf dem Fels, filtert Plankton
BorstenwürmerPolydora spp.Polydora-BohrwurmBohrt in Kalk oder lebt in Röhren; oft häufig
Schwämme (Porifera)Cliona celataGelber BohrschwammLöst Kalkstein auf, schafft Mikrohöhlen
SchwämmeCliona viridisGrüner BohrschwammEbenfalls kalkbohrend
SchwämmeSuberites ficusFeigenschwammÜberwächst Fels, oft assoziiert mit Einsiedlerkrebsen
SchwämmeSuberites carnosusFleischiger KorkschwammBildet Krusten, charakteristisch für diesen Biotop
Moostierchen (Bryozoa)Alcyonium coralloidesWeichkorallen-MoostierchenBesiedelt tote Korallen und Fels
Krebse (Crustacea)Necora puberSamtige SchwimmkrabbeRäuber und Aasfresser
KrebseCancer pagurusTaschenkrebsRäuber, versteckt sich in Spalten
Seescheiden (Ascidiacea)Polyclinum aurantiumOrangefarbene SeescheideKoloniebildender Filterer

Zudem können foliose Rotalgen vereinzelt auftreten, sofern noch Restlicht vorhanden ist. Die Dominanz bohrender Arten macht MC15 zu einem biologisch sehr aktiven Biotop, denn die Bohrtätigkeit schafft ständig neue Kleinlebensräume und beeinflusst die Wasserchemie in den Hohlräumen.

Verbreitung und Vorkommen

Die biogeografische Zuordnung beschränkt sich nach derzeitigem Datenstand auf die mediterrane Region (MED). Vorkommen des MC15-Biotops sind dementsprechend im gesamten Mittelmeerraum möglich, insbesondere an Küsten mit weichem Fels wie z. B. in Teilen der Adria, der Ägäis, vor Nordafrika oder im westlichen Mittelmeer. Eine länderspezifische Auflistung liegt in den vorliegenden Quelldaten nicht vor.

Charakteristisch sind mäßig wellenexponierte Standorte, an denen die Gezeitenströmung stark genug ist, um Trübstoffe zu transportieren, aber nicht so stark, dass das Substrat abgetragen wird. Oft liegen diese Areale im Einflussbereich von Flussmündungen oder in flachen Schelfbereichen mit hohem Nährstoffeintrag, was die Wassertrübung und damit die geringe Lichtverfügbarkeit erklärt.

Gefährdung und Schutzstatus

Europäische Rote Liste der Habitate

Die Bewertung im Rahmen der European Red List of Habitats (EU28 und EU28+) stuft den Biotop MC15 als „Vulnerable“ (gefährdet) ein. Ein spezifisches Kriterium der Einstufung wird im verwendeten Datensatz nicht genannt. Die Einstufung beruht in der Regel auf einer flächenmäßigen Abnahme oder einer Verschlechterung der Habitatqualität.

FFH-Richtlinie (Annex I)

MC15 ist in zwei FFH-Lebensraumtypen repräsentiert, da er sowohl weiche Riffstrukturen als auch großflächigere Buchten umfassen kann:

  • 1160 – Große flache Buchten und Meeresarme („Large shallow inlets and bays“)
  • 1170 – Riffe („Reefs“)

Die Querverbindung (Crosswalk) der EUNIS-Datenbank verwendet das Qualifier-Symbol „#“, was bedeutet, dass MC15 ein Bestandteil dieser übergeordneten Typen ist, jedoch nicht deren gesamte Variationsbreite abdeckt. Anders ausgedrückt: MC15 ist eine spezielle Ausprägung von Annex-I-Riffen und -Buchten auf weichem Substrat.

Erhaltungszustand nach Artikel 17

Ein gesamteuropäischer Erhaltungszustand (Favourable/Unfavourable) nach Artikel 17 der Habitatrichtlinie ist im vorliegenden Datenmaterial nicht angegeben. In nationalen Berichten kann der Zustand jedoch für die übergeordneten Typen 1160 und 1170 abgeleitet sein. Für den spezifischen MC15-Biotop existieren derzeit keine aggregierten Artikel-17-Daten.

Bedeutung für die Artenvielfalt

Der Lebensraum MC15 trägt zur strukturellen Vielfalt des Meeresbodens bei. Durch die Bohrmuscheln und Bohrschwämme entsteht ein mosaikartiges Mikrorelief, das zahlreichen Begleitorganismen Unterschlupf bietet. Die Röhren der Polychaeten stabilisieren den weichen Fels und schaffen Anheftungsflächen für Schwämme und Moostierchen. Die angegebenen charakteristischen Taxa sind nur ein kleiner Ausschnitt der realen Artenfülle – viele Kleinkrebse, Schnecken und Fische nutzen die Bohrlöcher als Versteck oder zur Eiablage.

Weicher Fels ist zudem ein seltenes Habitat, das empfindlich auf mechanische Zerstörung reagiert und – anders als Hartgestein – nicht einfach neu besiedelt wird. Deshalb ist der Schutz dieser Flächen von besonderer Bedeutung für die regionale Biodiversität.

Bedrohungen

In den Quellen, die der Einstufung „Vulnerable“ zugrunde liegen, werden keine spezifischen Bedrohungen aufgelistet. Aus dem Wissen über marine Biotope lassen sich jedoch allgemeine Gefährdungen ableiten, die auch für MC15 relevant sein können:

  • Schleppnetzfischerei und Grundberührung: Der weiche Fels kann durch Grundschleppnetze leicht aufgebrochen werden; die Bohrmuschelbänke werden dabei zerstört.
  • Eutrophierung und Sedimenteintrag: Verstärkte Nährstoff- und Sedimentfrachten begünstigen Algenblüten und können die Filterleistung der Tiere beeinträchtigen.
  • Küstenbau und Baggerarbeiten: Die direkte Zerstörung des Substrats durch Hafenbau, Landgewinnung oder Sandentnahme vernichtet den Lebensraum unwiederbringlich.
  • Klimawandel: Steigende Wassertemperaturen und Versauerung können die Kalkskelette und Bohrprozesse beeinflussen.

Da MC15 bereits auf der Roten Liste als gefährdet gilt, ist eine Zunahme dieser Belastungen besonders kritisch.

Was können Bürger:innen und Kommunen tun?

Anders als bei einem Wald- oder Wiesenbiotop ist eine direkte Nachahmung im Garten oder kommunalen Grün naturgemäß nicht möglich. Trotzdem können Bürger:innen und lokale Akteure zum Schutz beitragen:

  • Nachhaltiger Meeresfrüchtekonsum: Der Verzicht auf Fischereiwaren aus Grundschleppnetzfängen schont den Meeresboden.
  • Unterstützung von Meeresschutzgebieten: In Natura-2000-Gebieten (FFH-Gebieten) kann der MC15-Biotop, wo vorhanden, geschützt werden.
  • Vermeidung von Plastikmüll und Schadstoffeinträgen: Küstennahe Mülleinträge belasten die Arten und fördern die Trübung.
  • Politische Teilhabe: Stellungnahmen zu großen Infrastrukturprojekten an Küsten können helfen, schutzwürdige Meeresflächen zu erhalten.

Insbesondere an der Mittelmeerküste können Kommunen durch eine umsichtige Raumplanung und die Ausweisung von Schutzzonen dazu beitragen, diesen seltenen und gefährdeten Lebensraum zu bewahren.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was genau ist „zirkalitoraler“ Fels?

Das Zirkalitoral ist der Meeresboden unterhalb der lichtdurchfluteten Zone, in dem Algen nur noch spärlich wachsen. Fels in dieser Tiefe wird meist von Tieren besiedelt, die keine Photosynthese betreiben. Bei hoher Trübung kann diese Zone schon direkt unter der Wasseroberfläche beginnen.

Warum ist der Fels „weich“?

Gemeint ist weiches Gestein wie Kalkstein, Mergel oder Tonstein, das von Organismen durch mechanisches Bohren oder chemisches Auflösen angegriffen werden kann. Hartgestein (Granit, Basalt) lässt sich nicht so einfach besiedeln und bildet andere Lebensgemeinschaften.

Ist MC15 ein eigener FFH-Lebensraumtyp?

Nein. MC15 ist ein EUNIS-Biotoptyp, der in den übergeordneten FFH-Typen 1160 und 1170 enthalten ist. Das bedeutet: Wo 1160 oder 1170 ausgewiesen sind und weicher zirkalitoraler Fels vorkommt, kann MC15 präsent sein.

Welchen Gefährdungsstatus hat der Lebensraum?

Die Europäische Rote Liste der Habitate stuft MC15 als gefährdet (Vulnerable) ein. Ein Erhaltungszustand nach FFH-Artikel 17 liegt für diesen spezifischen Typ nicht vor.

Kann man diesen Biotop im Hobby-Aquarium nachbauen?

Nein, das ist nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Der Biotoptyp umfasst natürliche marine Bedingungen, die sich nicht im Aquarium reproduzieren lassen. Zudem sind viele der bohrenden Arten geschützt.

Quellen

Hinweis: Die im Artikel genannten deutschen Artnamen sind informelle Übersetzungen und nicht Bestandteil der offiziellen Quellen.

Häufige Fragen

Was genau ist 'zirkalitoraler' Fels?

Das Zirkalitoral ist der Meeresboden unterhalb der lichtdurchfluteten Zone, in dem Algen nur noch spärlich wachsen. Fels in dieser Tiefe wird meist von Tieren besiedelt, die keine Photosynthese betreiben. Bei hoher Trübung kann diese Zone schon direkt unter der Wasseroberfläche beginnen.

Warum ist der Fels 'weich'?

Gemeint ist weiches Gestein wie Kalkstein, Mergel oder Tonstein, das von Organismen durch mechanisches Bohren oder chemisches Auflösen angegriffen werden kann. Hartgestein (Granit, Basalt) lässt sich nicht so einfach besiedeln und bildet andere Lebensgemeinschaften.

Ist MC15 ein eigener FFH-Lebensraumtyp?

Nein. MC15 ist ein EUNIS-Biotoptyp, der in den übergeordneten FFH-Typen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe) enthalten ist. Das bedeutet: Wo 1160 oder 1170 ausgewiesen sind und weicher zirkalitoraler Fels vorkommt, kann MC15 präsent sein.

Welchen Gefährdungsstatus hat der Lebensraum?

Die Europäische Rote Liste der Habitate stuft MC15 als gefährdet (Vulnerable) ein. Ein Erhaltungszustand nach FFH-Artikel 17 liegt für diesen spezifischen Typ nicht vor.

Kann man diesen Biotop im Hobby-Aquarium nachbauen?

Nein, das ist nicht möglich und auch nicht sinnvoll. Der Biotoptyp umfasst natürliche marine Bedingungen, die sich nicht im Aquarium reproduzieren lassen. Zudem sind viele der bohrenden Arten geschützt.

Quellen