MC438 / MC43A – Lebensraum mit lückenhafter Makrofauna auf gemischten Sedimenten der oberen Ostsee-Circalitoralstufe
Bei dem EU-Biotoptyp MC438 und MC43A handelt es sich um einen benthischen Lebensraum der Ostsee in der aphotischen Zone (20–100 m Tiefe) mit 10–90 % Hartsubstrat und 10–90 % Weichsubstrat. Sessile oder halbsessile epibenthische Fauna bedeckt weniger als 10 % des Meeresbodens oder fehlt ganz. Er wird auf der Europäischen Roten Liste als „Least Concern“ (ungefährdet) geführt.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Sparse or no macrofaunal community in Baltic upper circalittoral mixed sediment
- EUNIS
- MC438; MC43A
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 1110; 1650 – Sandbanks which are slightly covered by sea water all the time; Boreal Baltic narrow inlets
Das Wichtigste in Kürze
- EUNIS-Codes: MC438, MC43A
- Name: Sparse or no macrofaunal community in Baltic upper circalittoral mixed sediment (Lückenhafte oder fehlende Makrofaunagemeinschaft auf gemischten Sedimenten des oberen Circalitorals der Ostsee)
- Tiefenzone: 20–100 m, aphotischer Bereich (kein Licht)
- Substrat: Mischung aus 10–90 % Hartsubstrat (Fels, Blöcke, Steine) und 10–90 % Weichsubstrat (z. B. Schlick, Sand, grobes Sediment)
- Epibenthos: Sessile/halbsessile Fauna bedeckt < 10 % des Meeresbodens oder fehlt
- Charakterarten: Miesmuscheln (Mytilus spp.) und Baltische Plattmuschel (Macoma balthica) können vorkommen, sind aber sehr spärlich
- Gefährdung (Europäische Rote Liste): Least Concern (ungefährdet) – sowohl EU28 als auch EU28+
- FFH-Anhang I: Sandbänke mit nur geringer ständiger Wasserbedeckung (1110) sowie Boreale baltische schmale Buchten (1650)
- Biogeografische Region: Nur baltisch (BAL)
- Erhaltungszustand (Art. 17 FFH-RL): In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
Was sind die EUNIS-Codes MC438 und MC43A?
Das Europäische Naturinformationssystem EUNIS (European Nature Information System) klassifiziert Lebensräume europaweit einheitlich. Die hier beschriebenen Codes MC438 und MC43A stehen für denselben benthischen Biotoptyp der Ostsee: einen Meeresboden im oberen Circalitoral mit gemischten Sedimenten, auf dem sessile oder halbsessile epibenthische Tiere kaum vorhanden sind. Der Unterschied zwischen den Codes liegt in der Anbindung an das HELCOM HUB-Klassifikationssystem (Baltic Sea Habitat Classification). Beide bezeichnen jedoch ein und denselben Lebensraum, der als „Sparse or no macrofaunal community in Baltic upper circalittoral mixed sediment“ geführt wird.
Das Circalitoral ist jener Abschnitt des Meeresbodens unterhalb der euphotischen Zone – es dringt also kein ausreichendes Licht für Algen oder Pflanzen vor. Im oberen Circalitoral (etwa 20–100 m in der Ostsee) ist pflanzliches Leben ausgeschlossen. Der Biotoptyp zeichnet sich durch eine Mischung von Hart- und Weichsubstraten aus, wobei keine der beiden Substratklassen dominiert (jeweils 10–90 % Abdeckung).
Lebensraum und typische Merkmale
Der Meeresboden dieses Biotoptyps ist ein Mosaik aus Steinen, Felsblöcken, grobem Kies, Sand und schlickigen Bereichen. Die Tiefenlage (20–100 m) bestimmt den dauerhaften Lichtmangel. Nährstoffe und organisches Material werden aus der Wassersäule oder durch horizontale Strömungen herangeführt.
Kernmerkmal ist die geringe biogene Strukturierung: Sessile Organismen wie Miesmuscheln (Mytilus spp.), die sonst Hartsubstrate flächig besiedeln und epibenthische Gemeinschaften aufbauen können, decken hier weniger als zehn Prozent des Substrates ab. Häufig fehlt eine flächenbildende Makrofauna ganz. Damit unterscheidet sich dieser Biotoptyp deutlich von artenreicheren Muschelbänken oder Schlickgründen mit dichter Bodenfauna.
Die hydrologischen Bedingungen (Salzgehalt, Temperatur, Sauerstoff) in der zentralen und nördlichen Ostsee sowie die saisonale Schichtung prägen die Verfügbarkeit von Larven und die Etablierung von Epibenthos. Der Lebensraum stellt ein natürlich entstandenes Extrem dar – eine Art Übergangs- oder Pionierstadium auf gemischten Sedimenten, in dem intensive Beweidung, Fraßdruck, Sedimentumlagerungen oder andere Faktoren verhindern, dass sich flächige benthische Tiergesellschaften dauerhaft halten können.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Tiefe | 20–100 m, aphotische Zone |
| Substratmischung | 10–90 % Hartsubstrat (Fels, Steine, Blöcke) und 10–90 % Weichsubstrat (Sand, Schlick, grobes Sediment) |
| Bewuchs mit Epibenthos | < 10 % Deckung durch sessile oder halbsessile Tiere; oft vollständig fehlend |
| Charakteristische Mollusken | Mytilus spp., Macoma balthica (beide nur vereinzelt) |
| Lichtverhältnisse | Vollständig dunkel |
| Geografische Verbreitung | Nur im baltischen Biogeografie-Raum (BAL) |
| EUNIS-Code | MC438 und MC43A (HELCOM HUB) |
Arteninventar: Wenige Tiere auf gemischtem Grund
Die bodenlebende Makrofauna ist definitionsgemäß spärlich ausgeprägt. Sessile Organismen wie Seepocken oder Moostierchen fehlen ebenso weitgehend wie größere Kolonien von Hydrozoen. Im Sediment können mobile und grabende Arten der Infauna auftreten, jedoch werden keine typischen Artengemeinschaften im Sinne dichter Bestände oder hoher Artenzahlen beschrieben.
In den vorliegenden Quelldaten werden ausschließlich Mytilus spp. (Miesmuscheln) und Macoma balthica (Baltische Plattmuschel) als mögliche charakteristische Arten genannt. Diese beiden Muschelarten können vereinzelt vorkommen, bilden jedoch keine Bestände, die den Meeresboden wesentlich strukturieren. Der Anteil besiedelter Fläche bleibt stets unter 10 % – genau darin liegt die Zuordnung zu diesem Biotoptyp begründet. Eine Liste weiterer typischer Arten ist in den aktuellen Referenzunterlagen nicht angegeben.
Diese Artenarmut ist nicht primär als Qualitätsverlust zu werten, sondern als natürliche Ausprägung eines Meeresbodentyps, der aufgrund physikalischer Gegebenheiten keine dichte sessile Tiergemeinschaft zulässt.
Gefährdung und Europäische Rote Liste: Ungefährdet (Least Concern)
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (veröffentlicht durch die Europäische Umweltagentur EEA, aktuellster Stand 2022) bewertet den Biotoptyp EU-weit mit „Least Concern“ – weder auf EU28- noch auf EU28+-Ebene liegen Hinweise auf eine akute Gefährdung vor. Ein spezifisches Einstufungskriterium (Red List Criterion) ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben, was bei einer „Least Concern“-Einstufung häufig vorkommt, wenn der Lebensraum großflächig und stabil ist.
Die Einstufung bedeutet, dass aus europäischer Perspektive derzeit kein signifikantes Risiko für den Fortbestand des Lebensraums in seiner typischen Ausprägung gesehen wird. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass dies eine summarische, flächenhafte Bewertung ist und lokal durchaus Belastungen auftreten können, etwa durch Nährstoffeinträge, Sauerstoffmangel oder physikalische Störungen des Meeresbodens.
Schutzstatus und FFH-Anhang I
Der Biotoptyp fällt in den Anwendungsbereich zweier FFH-Lebensraumtypen des Anhangs I:
-
1110 – Sandbänke mit nur geringer ständiger Wasserbedeckung
Die Zuordnung erfolgt über die Weichsubstratkomponente. Sandbänke, die dauerhaft unter Wasser stehen (etwa in größerer Tiefe), können diesen Biotoptyp mit einschließen. -
1650 – Boreale baltische schmale Buchten
Da der Biotoptyp auch in schmalen, tief eingeschnittenen Ostseebuchten (z. B. Förden) vorkommen kann, besteht hier eine fachliche Überschneidung. Der Querverweis in der EUNIS-Datenbank zeigt an, dass MC438/MC43A eine Teilmenge dieses FFH-Lebensraumtyps bildet (Qualifier „<“).
Die FFH-Richtlinie fordert für solche Lebensraumtypen einen günstigen Erhaltungszustand. Der offizielle Erhaltungszustand nach Artikel 17 FFH-Richtlinie wurde in den vorliegenden Quelldaten jedoch nicht ausgewiesen. Das bedeutet nicht zwingend, dass er unbekannt ist – er wurde lediglich im genutzten Datenpaket (European Red List of Habitats, enhanced 2022) nicht mitgeführt.
Biogeografische Region: Nur in der Ostsee
Der Biotoptyp ist ausschließlich für die baltische biogeografische Region (BAL) verzeichnet. Diese umfasst die gesamte Ostsee mit ihren Randmeeren wie Bottnischem Meerbusen, Finnischem Meerbusen und den inneren Küstengewässern. Außerhalb des Ostseeraumes kommt der Lebensraum in dieser spezifischen Mischsubstrat-Ausprägung nicht vor. Eine Länderliste wird in den Quelldaten nicht explizit angegeben, da die biogeografische Region alle Anrainerstaaten einschließt.
Qualitätsindikatoren und Monitoring
Für diesen Lebensraum gibt es keine europaweit vereinbarten Qualitätsindikatoren. Die Beschreibung aus dem EUNIS-System verweist auf das Fehlen standardisierter Parameter. In der Praxis können jedoch innerhalb von Natura-2000-Gebieten lokale Referenzwerte und spezifische Indikatoren festgelegt werden, um den Zustand zu überwachen. Typische Ansätze sind:
- Biotische Indikatoren: Vorhandensein charakteristischer (wenn auch spärlicher) Arten, Abwesenheit invasiver Arten oder Belastungszeiger.
- Abiotische Parameter: Wasserqualität (Sauerstoff, Nährstoffe), Sedimentbeschaffenheit, Exposition gegenüber physikalischen Störungen.
- Integrative Indizes: Trophische Indizes oder die Analyse von Sukzessionsstadien, um natürliche Schwankungen von anthropogenen Veränderungen zu unterscheiden.
Da der Lebensraum von Natur aus eine geringe epibenthische Besiedlung aufweist, wäre ein Monitoring, das lediglich die Artenzahl oder Biomasse misst, oft wenig aussagekräftig. Wichtig ist vielmehr der Vergleich mit ungestörten Referenzflächen.
Bedrohungen und Wiederherstellung
In den vorliegenden Quelldaten sind für diesen spezifischen Biotoptyp keine spezifischen Bedrohungen oder Wiederherstellungsmaßnahmen dokumentiert. Allgemeine Stressoren für benthische Lebensräume der Ostsee – etwa Eutrophierung, Grundschleppnetzfischerei, Sand- und Kiesabbau oder hypoxische Ereignisse – können jedoch auch diesen Lebensraum beeinträchtigen. Da der Biotop jedoch durch seine spärliche Fauna definiert ist, würde eine Verschlechterung möglicherweise erst durch das völlige Verschwinden von Hartsubstratstrukturen oder eine gravierende Veränderung der Sedimentmischung sichtbar.
Da er in die FFH-Lebensraumtypen 1110 und 1650 fällt, gelten für ihn auch die allgemeinen Wiederherstellungs- und Verschlechterungsverbote der FFH-Richtlinie, wo das Habitat in einem Natura-2000-Gebiet vorkommt.
Garten- und Kommunenbezug: ein unsichtbarer Meeresboden
Dieser Lebensraum ist ein rein mariner Biotoptyp der Ostsee, der sich weder in Gärten, Parks noch in künstlichen Gewässern nachbilden lässt. Er kann lediglich als Verständnisbrücke dienen: In Küstenkommunen mit Meerbezug oder in Umweltbildungseinrichtungen kann das Wissen um diesen nüchternen, artenarmen Meeresboden helfen, die Spannweite natürlicher Lebensräume zu begreifen – und dass nicht jedes artenarme Habitat ein gestörtes sein muss. Für die kommunale Planung ist er relevant, wo Bauvorhaben (z. B. Hafenausbau, Seekabel, Sandvorspülungen) in tiefere Schlick- und Mischsedimentbereiche der Ostsee eingreifen. Der Biotoptyp kann dann Teil einer Umweltverträglichkeitsprüfung sein, insbesondere in Natura-2000-Gebieten.
FAQ
1. Was charakterisiert den Lebensraum MC438/MC43A?
Es handelt sich um einen Meeresboden der Ostsee in 20–100 m Tiefe, auf dem Hart- und Weichsubstrat gemischt vorkommen und sessile Tiere weniger als 10 % des Bodens bedecken oder gänzlich fehlen.
2. Warum ist die Makrofauna so spärlich?
Natürliche Faktoren wie Nahrungsverfügbarkeit, Strömungsverhältnisse, Fraßdruck und die Substratmischung verhindern in diesem Tiefenbereich die Ausbildung dichter epibenthischer Tiergemeinschaften.
3. Ist dieser Lebensraum gefährdet?
Nein, die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt ihn als „Least Concern“ (ungefährdet). Lokal können jedoch Beeinträchtigungen auftreten.
4. Welcher FFH-Lebensraumtyp ist einschlägig?
Der Biotoptyp fällt unter Sandbänke mit geringer ständiger Wasserbedeckung (1110) und Boreale baltische schmale Buchten (1650). Die jeweilige Zuordnung hängt von der genauen Ausprägung und Lage ab.
5. Gibt es für MC438/MC43A typische Indikatoren?
Nein, es gibt keine europaweit einheitlichen Qualitätsindikatoren. In Natura-2000-Gebieten können lokal abgestimmte Parameter verwendet werden.
Quellen
- Europäische Umweltagentur (EEA): European Red List of Habitats
- EEA Datenpaket: Download des erweiterten Red-List-Datensatzes
- EUNIS Habitat-Klassifikation: EUNIS-Website
- EUNIS Red-List-Abfrage: Habitat Code Browser
- Artikel-17-Datenbank FFH-Richtlinie: EEA-Datensatz
- Europäische Kommission: Habitats Directive
Häufige Fragen
Was charakterisiert den Lebensraum MC438/MC43A?
Es handelt sich um einen Meeresboden der Ostsee in 20–100 m Tiefe, auf dem Hart- und Weichsubstrat gemischt vorkommen und sessile Tiere weniger als 10 % des Bodens bedecken oder gänzlich fehlen.
Warum ist die Makrofauna so spärlich?
Natürliche Faktoren wie Nahrungsverfügbarkeit, Strömungsverhältnisse, Fraßdruck und die Substratmischung verhindern in diesem Tiefenbereich die Ausbildung dichter epibenthischer Tiergemeinschaften.
Ist dieser Lebensraum gefährdet?
Nein, die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt ihn als „Least Concern“ (ungefährdet). Lokal können jedoch Beeinträchtigungen auftreten.
Welcher FFH-Lebensraumtyp ist einschlägig?
Der Biotoptyp fällt unter Sandbänke mit geringer ständiger Wasserbedeckung (1110) und Boreale baltische schmale Buchten (1650). Die jeweilige Zuordnung hängt von der genauen Ausprägung und Lage ab.
Gibt es für MC438/MC43A typische Indikatoren?
Nein, es gibt keine europaweit einheitlichen Qualitätsindikatoren. In Natura-2000-Gebieten können lokal abgestimmte Parameter verwendet werden.