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EUNIS: MD121Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1170

Schwammgemeinschaften auf atlantischem Fels (unteres Circalittoral) – EUNIS MD121

Schwammgemeinschaften auf atlantischem unteren Circalittoral-Fels (EUNIS-Code MD121) sind ein mariner Lebensraum, der von Schwämmen dominierte Hartbodengemeinschaften in Tiefen zwischen etwa 50 und 200 Metern im Nordostatlantik umfasst. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft ihn als „Data Deficient“ (Daten unzureichend) ein. Er wird dem FFH-Annex-I-Lebensraumtyp „Riffe“ (1170) zugeordnet, der unter der Habitatrichtlinie geschützt ist. Ein spezifischer Erhaltungszustand nach Artikel 17 liegt nicht vor. Typische Arten und Bedrohungen sind in den offiziellen Quelldaten nicht dokumentiert.

Einordnung

Originalbezeichnung
Sponge communities on Atlantic lower circalittoral rock
EUNIS
MD121
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1170 – Reefs

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Code: MD121 (≈ A4.12 in der Roten-Liste-Projektklassifikation)
  • Name: Schwammgemeinschaften auf atlantischem unteren Circalittoral-Fels (Sponge communities on Atlantic lower circalittoral rock)
  • Lebensraumtyp: Mariner Hartbodenlebensraum des unteren Circalittorals, geprägt von Schwammsiedlungen
  • Rote-Liste-Kategorie (EU28/EU28+): Data Deficient – Daten unzureichend für eine Gefährdungseinschätzung
  • FFH-Annex-I-Code: 1170 (Riffe)
  • Biogeografische Region: Nordostatlantik (NEA)
  • Erhaltungszustand (Art. 17): nicht gesondert berichtet
  • Typische Arten, Bedrohungen: in den offiziellen Quellen nicht gelistet

Dieser verborgene Meeresboden-Lebensraum ist wissenschaftlich kaum untersucht. Er existiert fernab der Küsten auf Hartsubstraten, auf denen sich ausgedehnte Schwammfelder ausbilden. Obwohl er durch die EU-Habitatrichtlinie als Teil der „Riffe“ geschützt ist, fehlen belastbare Daten zu seinem Zustand, seinen Arten und seiner Gefährdung.

Einführung: Was sind Schwammgemeinschaften auf unterem Circalittoral-Fels?

Das untere Circalittoral bezeichnet den Tiefenbereich des Kontinentalschelfs, der unterhalb der gut durchlichteten Zone liegt – typischerweise ab etwa 50 Meter bis zur Grenze des phytal-orientierten Lebens (ca. 200 m). Hier herrschen stabile Temperaturen, geringe Lichtmengen und eine vergleichsweise ruhige Hydrodynamik. Auf Fels- und Hartsubstraten siedeln sich sessile (festsitzende) Organismen an, die diese kühlen, nährstoffreichen Wasserschichten nutzen.

Schwammgemeinschaften (Porifera) sind in diesem Lebensraum oft die dominierenden Raumkonkurrenten. Sie können dichte, artenreiche Bestände aus aufrechten, becher-, fächer- oder krustenförmigen Formen bilden. Der EUNIS-Biotoptyp MD121 erfasst solche Gemeinschaften, die auf atlantischen Felsen des unteren Circalittorals vorkommen. Der Fokus liegt dabei auf Habitaten im Nordostatlantik (NEA), dem einzigen biogeografischen Raum, für den dieser Typ ausgewiesen ist.

Die Struktur dieser Gemeinschaften ist komplex: große Schwämme bieten zahlreichen anderen Arten (Krebstieren, Stachelhäutern, Würmern, Moostierchen) Mikrohabitate und erhöhen so die lokale Biodiversität erheblich. Gleichzeitig filtern Schwämme große Wassermengen und spielen eine wichtige Rolle im Stoffumsatz des benthischen Ökosystems.

Weil der Lebensraum in größeren Tiefen liegt, ist er für die direkte menschliche Nutzung weitgehend unzugänglich und bleibt selbst für Forschende schwer erreichbar – ein Grund für die ausgeprägte Datenlücke.

Systematik und EUNIS-Klassifikation

Die Europäische Naturinformationssystem (EUNIS) ordnet den Biotoptyp MD121 in die Hierarchie der marinen Lebensräume ein:

  • Hauptkategorie M: Marine Lebensräume
  • MD: Zirkalittorale Felsbiotope
  • MD121: Schwammgemeinschaften auf atlantischem unteren Circalittoral-Fels

Im Rahmen der Europäischen Roten Liste der Lebensräume wird MD121 dem Projektcode A4.12 zugeordnet (Qualifier: ≈), also der Einheit „Sponge communities on circalittoral rock“. Die annähernde Gleichheit bedeutet, dass die beiden Klassifikationen nicht völlig deckungsgleich sind, aber denselben Kernlebensraum beschreiben. Die Rote-Liste-Bewertung bezieht sich auf diese A4.12-Kategorie, die auch für die EU28- und EU28+-Bewertungen genutzt wurde.

Zusätzlich existiert eine Querverbindung zum FFH-Anhang I: Der Biotoptyp wird dem Lebensraum 1170 – Riffe zugerechnet (Qualifier: #). Das bedeutet jedoch nicht, dass MD121 eins zu eins dem Riffbegriff der Habitatrichtlinie entspricht, sondern dass er als Untertyp oder Bestandteil dieses weit gefassten Schutzguts betrachtet wird.

MerkmalEintrag
EUNIS-CodeMD121
BezeichnungSchwammgemeinschaften auf atlantischem unteren Circalittoral-Fels
Rote-Liste-ProjektcodeA4.12 (≈ MD121)
Rote-Liste-Kategorie (EU28)Data Deficient
Rote-Liste-Kategorie (EU28+)Data Deficient
FFH-Annex I1170 – Riffe
Biogeografische RegionNordostatlantik (NEA)
Art. 17-Erhaltungszustandnicht verfügbar
Gelistete typische Artennicht angegeben
Gelistete Bedrohungennicht angegeben

Europäische Rote Liste der Lebensräume: Daten defizitär

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (European Red List of Habitats) bewertet die Aussterbe- und Kollapsrisiken von Lebensraumtypen auf Ebene der Europäischen Union und ihrer Nachbarregionen. Die Bewertung 2022 (EU28 und EU28+) stuft den hier behandelten Lebensraum einheitlich als Data Deficient (DD) ein – also als ungenügend dokumentiert.

Das bedeutet:

  • Es liegen nicht genügend Daten vor, um eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie (LC, NT, VU, EN, CR, RE) vorzunehmen.
  • Die Kategorie ist kein Unbedenklichkeitssiegel; sie verweist auf einen dringenden Forschungsbedarf.
  • Die Beurteilung erstreckt sich auf das gesamte EU-Gebiet (EU28) sowie auf die erweiterte Bewertungsregion EU28+ (inklusive assoziierter Meeresgebiete).

Warum ist die Datenlage so dünn? Das untere Circalittoral liegt typischerweise außerhalb der Reichweite üblicher benthischer Monitoringprogramme, die sich oft auf Küstengewässer oder flachere Schelfbereiche konzentrieren. Tiefere Felshabitate erfordern aufwändige Methoden (ROV, Schleppkameras, Forschungstauchgänge mit Mischgas), die nicht flächendeckend eingesetzt werden. Dazu kommt, dass Schwammgemeinschaften in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommen.

Schutzstatus: Annex I der FFH-Richtlinie – Riffe

Der Lebensraum MD121 wird im Kontext der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG) geführt, und zwar unter dem Annex-I-Code 1170 (Riffe). Der Riffbegriff der Richtlinie umfasst sowohl biogene Riffe (z. B. von Kaltwasserkorallen oder Röhrenwürmern) als auch geogene Riffe, also Hartsubstratstrukturen, die von charakteristischen Lebensgemeinschaften besiedelt sind. Das untere Circalittoral-Felsriff mit seinen Schwammgemeinschaften fällt unter diese Definition.

Der Anhang I verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, geeignete Schutzgebiete im Rahmen des Netzwerks Natura 2000 auszuweisen und den günstigen Erhaltungszustand der Lebensraumtypen zu bewahren oder wiederherzustellen. Allerdings wird der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der Habitatrichtlinie nur für die gesamte Einheit „Riffe“ (1170) auf nationaler und biogeografischer Ebene berichtet. Eine separate Bewertung des Subtyps MD121 fand im Zuge des Monitorings nicht statt. Daher gibt es keinen offiziellen Artikel-17-Status, der auf MD121 bezogen werden könnte.

Für einen marinen Lebensraum, der als „Data Deficient“ geführt ist, ist das eine unbefriedigende Ausgangslage: Der Schutzschirm der Richtlinie ist zwar vorhanden, aber eine gezielte Überwachung und Zustandsbewertung fehlt. Das erschwert Managemententscheidungen und das Erkennen negativer Trends.

Vorkommen und biogeografische Einordnung

Angaben zu konkreten Ländern oder Fundorten fehlen in den offiziellen Quelldaten. Die einzige biogeografische Zuweisung lautet Nordostatlantik (NEA). Das ist die marine biogeografische Region, die den europäischen Kontinentalschelf von der Biskaya bis zur norwegischen Küste und darüber hinaus umfasst. Es ist daher plausibel, dass dieser Biotoptyp an den Felsküsten und Offshore-Rücken Irlands, Großbritanniens, Frankreichs, der Iberischen Halbinsel und Norwegens vorkommt, doch lassen die Daten keine Eingrenzung zu.

Diese Unschärfe passt zum Gesamtbild: Der Lebensraum ist nicht systematisch kartiert, und selbst seine genaue räumliche Verbreitung ist wissenschaftlich erst in Ansätzen bekannt. Moderne Meeresbodenkartierungen und Habitatmodellierungen könnten das künftig ändern.

Typische Arten – fehlende Angaben in den Quelldaten

Zu den typischen Arten des Biotoptyps MD121 machen die verwendeten Quellen keine konkreten Angaben. Das europäische Rote-Liste-Datenblatt enthält keine taxonomischen Listen oder Leitarten.

Aus fachlicher Perspektive gehören zu Schwammgemeinschaften auf zirkalittoralen Felsen häufig große, auffällige Arten wie Vertreter der Gattungen Phakellia, Axinella, Stryphnus, Polymastia oder Cliona; dazu kommen zahlreiche kleinere, oft krustenbildende Formen. Allerdings ist nicht dokumentiert, welche Schwammarten für den spezifischen EUNIS-Typ MD121 kennzeichnend sind oder ob bestimmte Arten nur in diesem Biotoptyp auftreten. Auch die assoziierte Begleitfauna (z. B. Moostierchen, Hydrozoen, Seescheiden, Polychaeten, Ophiuroideen) ist nicht gelistet.

Diese Lücke unterstreicht den Data-Deficient-Status: Ohne Kenntnis der Artenzusammensetzung lassen sich Veränderungen der Gemeinschaft nur schwer erkennen, und eine Bewertung des Erhaltungszustands anhand von Artenkriterien ist nicht möglich.

Gefährdungen und Bedrohungen – nicht spezifiziert

Das offizielle Datenblatt des Biotoptyps enthält keine Liste von Gefährdungen oder Bedrohungen. Damit ist unklar, welchen anthropogenen Druck der Lebensraum in der Praxis ausgesetzt ist und welche Faktoren am stärksten wirken.

Aus dem Wissen über zirkalittorale Hartbodengemeinschaften lassen sich potenzielle Belastungen ableiten, doch sind diese nicht Bestandteil der amtlichen Bewertung. Grundsätzlich können Grundschleppnetzfischerei, die Öl- und Gasexploration, die Verlegung von Kabeln und Pipelines sowie die Rohstoffgewinnung (Sand, Kies, Manganknollen) Hartsubstrate schädigen oder zerstören. Auch der Klimawandel – Erwärmung, Versauerung, Sauerstoffverlust – kann Schwämme beeinträchtigen. Da die Datenlage jedoch unzureichend ist, bleibt die Frage nach der tatsächlichen Bedrohung unbeantwortet.

Die Kategorie „Data Deficient“ verhindert eine Risikobewertung, aber nicht die Existenz von Risiken. Daraus ergibt sich ein hoher Vorsorgebedarf.

Bedeutung und ökologische Funktion

Auch wenn die Datengrundlage dünn ist, sind Schwammgemeinschaften als strukturierende Elemente benthischer Ökosysteme wissenschaftlich gut beschrieben – allerdings nicht spezifisch in Bezug auf MD121. Sie erfüllen mehrere Schlüsselfunktionen:

  • Habitatbildung: Große, aufrechte Schwämme erhöhen die dreidimensionale Struktur und schaffen Nischen für mobile und sessile Begleitarten.
  • Filtration: Schwämme pumpen große Wassermengen, filtern Bakterien, Phytoplankton und organisches Material und tragen so zur Wasserqualität bei.
  • Nahrungsnetze: Sie koppeln pelagische und benthische Stoffkreisläufe und dienen als Nahrungsquelle für spezialisierte Räuber.
  • Kohlenstoffspeicherung: Untersuchungen deuten darauf hin, dass kieselsäurehaltige Schwammnadeln und Biomasse Kohlenstoff langfristig binden können.

Der Verlust solcher Gemeinschaften hätte daher voraussichtlich Kaskadeneffekte auf das gesamte benthische System.

Forschungslücken und Ausblick

Die Einstufung als Data Deficient ist ein deutliches Signal. Notwendig sind:

  • Systematische Kartierung und Klassifikation der Vorkommen in den NEA-Gewässern.
  • Erfassung von Arteninventaren und abiotischen Parametern.
  • Analyse von Belastungen durch Fischerei und andere Nutzungen.
  • Entwicklung von Indikatoren für den Zustand und die Entwicklung der Gemeinschaften.
  • Integration in bestehende Monitoringprogramme (Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, FFH-Monitoring).

Erst wenn solche Daten vorliegen, kann beurteilt werden, ob der Lebensraum stabil, rückläufig oder sogar vom Kollaps bedroht ist. Für die Umsetzung der Habitatrichtlinie und den Schutz der Meeresbiodiversität ist dies ein dringendes Erfordernis.

Der Lebensraum im Garten- und Kommunenkontext

Marine Lebensräume der Tiefe lassen sich nicht in Gärten, auf kommunalen Grünflächen oder in Teichen nachbilden. Schwammgemeinschaften des unteren Circalittorals benötigen stabile Felsstrukturen, kühle Wassertemperaturen, Dunkelheit und natürliche Strömung – Bedingungen, die nur am Meeresgrund des Nordostatlantiks anzutreffen sind.

Das heißt nicht, dass der Lebensraum für Kommunen bedeutungslos ist. In Küstengemeinden können Besucherzentren, Aquarien und Ausstellungen das Bewusstsein für verborgene Meereslebensräume schärfen. Kommunale Entscheidungen – etwa zur Raumplanung in Küstengewässern oder zur Unterstützung von Meeresschutzzonen – können indirekt zum Erhalt solcher Habitate beitragen. Ein naturnaher Garten bleibt aber ein terrestrisches oder limnisches Projekt und kann den spezifischen Biotoptyp nicht ersetzen.

FAQ

1. Was ist der EUNIS-Code MD121?

MD121 bezeichnet den marinen Lebensraum „Schwammgemeinschaften auf atlantischem unteren Circalittoral-Fels“. Es handelt sich um Hartbodengemeinschaften, die in Tiefen des unteren Circalittorals (ca. 50–200 m) im Nordostatlantik vorkommen und von Schwämmen dominiert werden.

2. Wie ist der Gefährdungsstatus dieses Biotoptyps?

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (EU28 und EU28+) stuft den Typ als Data Deficient ein. Das bedeutet, dass die verfügbaren Informationen nicht ausreichen, um das Aussterbe- oder Kollapsrisiko zu bewerten.

3. Welchen Schutzstatus hat der Lebensraum?

Er wird dem FFH-Annex-I-Lebensraumtyp 1170 – Riffe zugeordnet. Damit fällt er unter den Schutz der Habitatrichtlinie, ein spezifischer Artikel-17-Erhaltungszustand liegt jedoch nicht vor.

4. In welchen Meeresregionen kommt MD121 vor?

Die Quelldaten nennen ausschließlich die biogeografische Region Nordostatlantik (NEA). Genauere Länderangaben fehlen.

5. Welche Arten sind typisch für diesen Lebensraum?

Die offiziellen Daten enthalten keine Liste typischer Arten. Bekannte Schwammgattungen des unteren Circalittorals werden fachlich diskutiert, sind aber nicht Bestandteil der amtlichen Bewertung.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist der EUNIS-Code MD121?

MD121 bezeichnet den marinen Lebensraum „Schwammgemeinschaften auf atlantischem unteren Circalittoral-Fels“.

Wie ist der Gefährdungsstatus dieses Biotoptyps?

Er wird auf der Europäischen Roten Liste als Data Deficient (DD) geführt – die Daten reichen für eine Gefährdungsbewertung nicht aus.

Welchen Schutzstatus hat der Lebensraum?

Er fällt unter den FFH-Annex-I-Typ 1170 (Riffe) und ist damit nach der Habitatrichtlinie geschützt, hat aber keinen eigenen Art. 17-Erhaltungszustand.

In welchen Meeresregionen kommt MD121 vor?

Laut Quelldaten ausschließlich im Nordostatlantik (NEA), genauere Länderzuordnungen liegen nicht vor.

Welche Arten sind typisch für diesen Lebensraum?

Die offiziellen Daten enthalten keine Artenliste; typische Arten sind nicht dokumentiert.

Quellen