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EUNIS: MD15Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1170

Lebensgemeinschaften des unteren Circalitorals im Mittelmeer (MD15) – Schwämme, Korallen und Krebse auf tiefen Felsriffen

MD15 – Lebensgemeinschaften des unteren Circalitorals im Mittelmeer – bezeichnet tief gelegene Felsriffe (50-200 m) mit geringer Hydrodynamik am Rand des Kontinentalschelfs. Dominierende Arten sind große aufrechte Schwämme (z. B. Poecillastra compressa), die gelbe Kelchkoralle Dendrophyllia cornigera und Schwarze Korallen (Parantipathes larix). Europäische Rote Liste: Data Deficient (Daten unzureichend). FFH-Code: 1170 (Riffe). Ein Schutzstatus nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den Quelldaten nicht spezifiziert.

Einordnung

Originalbezeichnung
Communities of Mediterranean lower circalittoral rock
EUNIS
MD15
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1170 – Reefs

Das Wichtigste in Kürze

Die Lebensgemeinschaften des unteren Circalitorals im Mittelmeer (EUNIS-Code MD15) bilden einen marinen Biotoptyp der europäischen Roten Liste. Sie besiedeln Hartsubstrate in Wassertiefen zwischen etwa 50 und 200 Metern, meist am äußeren Rand des Kontinentalschelfs oder an den Felshängen der Schelfkante. Aufgrund der geringen Lichtverfügbarkeit fehlen makroskopische Algen, stattdessen prägen große filtrierende Schwämme, Hornkorallen, Moostierchen und mobile Wirbellose wie Langusten das Bild.

Der Biotoptyp ist eng mit den koralligenen Lebensräumen des Circalitorals verzahnt und stellt einen Übergang zu den bathyalen (tieferen) Zonen dar. Die Datengrundlage für eine Gefährdungsbeurteilung ist lückenhaft, weshalb der Lebensraum in der europäischen Roten Liste als „Data Deficient“ (Daten unzureichend) geführt wird. Er ist jedoch Bestandteil des FFH-Lebensraumtyps 1170 (Riffe) und damit in das Schutzregime von Natura 2000 eingebunden.

EUNIS-Klassifikation: MD15

Der European Nature Information System (EUNIS)-Code MD15 ordnet den Lebensraum der Klasse MD (Mediterranean subtidal rock) zu. In der offiziellen EUNIS-Datenbank ist für diesen Code kein zusätzlicher Name hinterlegt, das Habitat wird unter der englischen Bezeichnung Communities of Mediterranean lower circalittoral rock geführt. Die Abkürzung „MD15“ ist eine eindeutige Kennung für Kartierungen, Berichtspflichten und wissenschaftliche Studien.

Innerhalb der marinen EUNIS-Hierarchie gehört MD15 zur Gruppe der Felsbiotope und repräsentiert den unteren (tiefen) Bereich des Circalitorals. Das Circalitoral selbst umfasst die Zone unterhalb der lichtdurchfluteten Algenbestände, in der tierische Lebewesen das Erscheinungsbild bestimmen. Während das obere Circalitoral noch von verschiedenen Wirbellosen und einigen Algen geprägt sein kann, ist das untere Circalitoral durch völlige Abwesenheit von Großalgen gekennzeichnet.

Rote Liste der europäischen Biotoptypen: Data Deficient

Im Rahmen der European Red List of Habitats wurde MD15 sowohl für die EU28- als auch für die EU28+-Bewertung in die Kategorie Data Deficient (Daten unzureichend) eingestuft. Ein spezifisches Gefährdungskriterium wurde nicht angegeben. Die Einstufung spiegelt wider, dass zu wenig belastbare Informationen über Verbreitung, Fläche, Trends und Belastungen vorliegen, um eine der Gefährdungskategorien (von „Least Concern“ bis „Critically Endangered“) vergeben zu können.

Diese Unsicherheit bedeutet nicht automatisch, dass der Lebensraum ungefährdet ist. Vielmehr fehlen systematische Kartierungen und Langzeitbeobachtungen, die für die Tiefenzone jenseits der üblichen Tauchgangtiefe technisch aufwändig sind. Erste Hinweise auf lokale Beeinträchtigungen – etwa durch Schleppnetzfischerei oder Tiefseemüll – sind bekannt, aber eine flächendeckende Bewertung steht aus.

FFH-Anhang I und Natura 2000

Der Biotoptyp MD15 fällt unter den Anhang I-Code 1170 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie, 92/43/EWG). Dieser Code umfasst den Lebensraumtyp „Riffe“ und deckt eine breite Palette an Hartsubstrat-Gemeinschaften in allen europäischen Meeren ab. Die Zuordnung zu Code 1170 erfolgt über das Kriterium der Hartbodenstruktur und der charakteristischen Aufwuchs- und Tiergemeinschaften.

Für das Management in Natura-2000-Gebieten bedeutet dies, dass MD15-Flächen, wenn sie innerhalb von Schutzgebietsgrenzen liegen, als bedeutender Bestandteil des priorisierten Riff-Lebensraumtyps geschützt und bewirtschaftet werden müssen. Allerdings ist der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie für diesen spezifischen Untertyp in den vorliegenden Quelldaten nicht gesondert ausgewiesen. Nationale Berichte können jedoch Daten zu den Riffen als Ganzes enthalten, in denen MD15 implizit mit abgebildet ist.

Geografische Verbreitung: rein mediterran

Die Lebensgemeinschaften des unteren Circalitorals sind ausschließlich in der mediterranen biogeografischen Region (MED) verbreitet. Dabei handelt es sich um das Mittelmeer mit seinen angrenzenden Gewässern. Der Biotoptyp kommt vor allem dort vor, wo der Kontinentalschelf endet und die Neigung zum Tiefseebecken hin abrupt zunimmt – an der Schelfkante und im oberen Schelfhang. Geeignete Hartsubstrate finden sich darüber hinaus an untermeerischen Felsklippen, die aus der Tiefseeebene aufragen.

Konkrete Länderlisten sind in den Quelldaten nicht enthalten. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass MD15 in den Felsregionen des gesamten Mittelmeeres auftritt, sofern geeignete Tiefen und Strömungsverhältnisse herrschen. Das Spektrum reicht vom westlichen Becken (Alboránmeer) über das zentrale und östliche Mittelmeer bis in die Adria und Ägäis.

Charakteristische Lebensraumstruktur und Artenvielfalt

Das Erscheinungsbild des unteren Circalitorals wird von großen, oft trichter- oder fächerförmigen, festsitzenden (sessilen) Tieren beherrscht. Das Wasser ist nährstoffreich und die Strömung schwach, sodass filtrierende Organismen optimal mit Plankton versorgt werden können. Die Oberflächen der Felsen sind häufig mit einem Filz aus Schwämmen, Moostierchen und Hornkorallen überzogen, zwischen denen sich eine mobile Begleitfauna bewegt.

Festsitzende Fauna (Epifauna)

Die dominierenden, strukturbildenden Arten lassen sich drei großen Gruppen zuordnen:

Schwämme (Porifera)

Große aufrechte Hornkieselschwämme sind das Markenzeichen des Habitats. Dazu zählen Poecillastra compressa, Phakellia ventilabrum, Tylodesma inornata und Haliclona (Halichoclona) magna – letztere eine der größten und sehr wahrscheinlich langlebigsten und empfindlichsten Arten. Weitere charakteristische Vertreter sind Acanthella acuta, Axinella polypoides, A. damicornis, A. verrucosa, Petrosia ficiformis, Petrosia dura und Suberites carnosus. Die Schwämme bieten unzähligen Kleintieren Mikrohabitate und tragen wesentlich zur dreidimensionalen Struktur des Riffs bei.

Nesseltiere (Cnidaria)

Zahlreiche Blumentier- und Korallenarten prägen das Bild. Besonders auffällig sind die Gelbe Kelchkoralle (Dendrophyllia cornigera), die Edelkoralle (Corallium rubrum), die Große Fächerkoralle (Paramuricea clavata) und die Nesselfächer (Viminella flagellum, Ellisella paraplexauroides). Auch Schwarze Korallen (Antipatharia) wie Parantipathes larix und Antipathella subpinnata sowie zahlreiche Weichkorallen (Alcyonium acaule, Paralcyonium spinulosum, Chironephthya mediterranea) sind typisch. Diese Kolonien verleihen den Riffen eine buschige bis baumartige Silhouette.

Moostierchen (Bryozoa)

Als häufigstes Moostierchen wird Porella cervicornis genannt, ein verzweigter Vertreter, der ebenfalls zur Raumstruktur beiträgt, aber im Vergleich zu den Schwämmen und Korallen meist kleinere Kolonien ausbildet.

Mobile Fauna

Zwischen den sessilen Tieren und in Spalten versteckt lebt eine artenreiche Gemeinschaft beweglicher Organismen. Sie setzt sich vor allem aus Stachelhäutern und Krebstieren zusammen:

  • Stachelhäuter (Echinodermata): Der Lanzenseeigel Cidaris cidaris, der zerbrechliche Schlangenstern Ophiacantha setosa, der Purpurstern Echinaster sepositus, der Essbare Seeigel Echinus melo, die Seewalze Holothuria forskali und der Haarstern Antedon mediterranea.
  • Zehnfußkrebse (Decapoda): Der Springkrebs Munida rugosa sowie die Gewöhnliche Languste (Palinurus elephas) und die Mauretanische Languste (Palinurus mauritanicus). Diese großen Krebse sind nicht nur ökologisch wichtige Räuber und Aasfresser, sondern auch von wirtschaftlicher Bedeutung.

Übersicht charakteristischer Artengruppen

GruppeWichtige Arten (Auswahl)Besonderheit
SchwämmePoecillastra compressa, Phakellia ventilabrum, Haliclona (Halichoclona) magna, Axinella polypoides, Petrosia ficiformisBilden große, langlebige filtrirende Strukturen; Haliclona magna besonders fragil
NesseltiereDendrophyllia cornigera, Corallium rubrum, Paramuricea clavata, Parantipathes larix, Alcyonium acauleGelbe Kelchkoralle, Edelkoralle, Schwarze Korallen; bauen dreidimensionale Riffe
MoostierchenPorella cervicornisVerzweigtes Moostierchen, trägt zur Heterogenität des Untergrundes bei
StachelhäuterCidaris cidaris, Ophiacantha setosa, Echinaster sepositus, Echinus melo, Holothuria forskali, Antedon mediterraneaWeiden Aufwuchs ab, halten Felsen sauber und dienen als Beute
KrebstiereMunida rugosa, Palinurus elephas, Palinurus mauritanicusLangusten als große mobile Konsumenten; Ziel von Fischerei

Ökologische Bedeutung und Qualitätsindikatoren

Das untere Circalitoral wirkt als Bindeglied zwischen den produktiveren, oberen Zonen und der Tiefsee. Es beherbergt biogene Riffe, die für zahlreiche Fisch- und Wirbellosenarten Laich- und Aufwuchsgebiete bieten. Zudem tragen die filtrierenden Schwämme und Korallen zur Reinigung des umgebenden Meerwassers bei und stabilisieren die Sedimente.

Die Europäische Rote Liste weist darauf hin, dass es keine allgemein akzeptierten, standardisierten Qualitätsindikatoren für dieses Habitat gibt. In der lokalen Natura-2000-Praxis können jedoch standortspezifische Referenzwerte festgelegt sein. Dazu zählen das Vorkommen bestimmter Leitarten (z. B. der Gelben Kelchkoralle oder der Languste), die Besiedlungsdichte großer Schwämme, die Trübung des Wassers sowie trophische Indices, die den Nahrungskettenzustand beschreiben. Ohne feste Indikatoren bleibt die Zustandsbewertung einzelfallabhängig.

Bedrohungen und Schutzstatus

Konkrete Bedrohungen sind in den vorliegenden Quelldaten nicht einzeln aufgeführt. Aus der Kenntnis vergleichbarer Tiefen-Hartbodenhabitate lassen sich jedoch potenzielle Gefährdungen ableiten, die auch MD15 betreffen können – etwa Grundschleppnetzfischerei, die die aufragenden Schwämme und Korallen mechanisch zerstört, Müllablagerungen (Geisternetze, Plastik), Sedimenteinträge durch Küstenerosion und Baggerungen sowie Klimawandel (Erwärmung, Versauerung). Weil der Lebensraum oft weit vor der Küste liegt, bleibt er in der öffentlichen Wahrnehmung unsichtbar und wird möglicherweise unterschätzt.

Dennoch genießt MD15 durch die Einordnung als FFH-Riff (Code 1170) einen europarechtlichen Schutz, wenn Flächen in Natura-2000-Gebieten ausgewiesen sind. In der Praxis bedeutet das eine Pflicht zur Überwachung des Erhaltungszustandes und zur Vermeidung erheblicher Beeinträchtigungen.

Bedeutung für den Natur- und Artenschutz in Europa

Trotz der Einstufung als „Data Deficient“ sind die Lebensgemeinschaften des unteren Circalitorals ein unverzichtbarer Teil der mediterranen Biodiversität. Große Schwämme wie Haliclona magna wachsen extrem langsam und können ein Alter von mehreren Jahrzehnten bis Jahrhunderten erreichen. Ihre Zerstörung ist praktisch irreversibel. Ebenso sind Schwarze Korallen (Antipatharia) oft langlebig und als gefährdet anerkannt. Wenn MD15-Bestände abgebaut oder zerstört werden, geht wertvolle genetische Vielfalt und Ökosystemfunktionalität verloren.

Für den deutschen Raum spielt MD15 keine Rolle, da es kein deutsches Mittelmeer gibt. Das Wissen um diesen Lebensraum ist jedoch für den europäischen Naturschutz und die Umsetzung der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie bedeutsam. Als Teil des Natura-2000-Netzwerks unterstützt MD15 die Vernetzung von Schutzgebieten im gesamten Mittelmeerraum.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was bedeutet „unteres Circalitoral“?

Das Circalitoral ist die Meereszone unterhalb der Tang- und Algenvorkommen. Im unteren Circalitoral (ca. 50–200 m) dringt so wenig Licht durch, dass keine größeren pflanzlichen Organismen wachsen können. Stattdessen dominieren tierische Filtrierer.

Welche Arten sind für MD15 besonders typisch?

Kennzeichnend sind große aufrechte Schwämme wie Poecillastra compressa, die Gelbe Kelchkoralle (Dendrophyllia cornigera), Schwarze Korallen (Parantipathes larix) und mobile Tiere wie der Purpurstern (Echinaster sepositus) und die Languste (Palinurus elephas).

Ist der Lebensraum gefährdet?

Die Europäische Rote Liste für Biotoptypen stuft MD15 als „Data Deficient“ (Daten unzureichend) ein. Es gibt nicht genügend Informationen, um eine Gefährdung abschließend zu beurteilen. Bekannt ist jedoch, dass Tiefseekorallenriffe empfindlich auf Grundschleppnetze und Umweltveränderungen reagieren.

Welchen FFH-Code hat MD15?

Der Biotoptyp fällt unter den FFH-Anhang I-Code 1170 (Riffe). Das bedeutet, dass er in europäischen Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt und überwacht werden muss.

Kommt dieser Lebensraum auch in deutschen Gewässern vor?

Nein. MD15 ist auf die mediterrane biogeografische Region beschränkt, also das Mittelmeer. In Nord- und Ostsee gibt es vergleichbare Hartbodengemeinschaften, die jedoch anderen EUNIS-Codes zugeordnet sind.

Häufige Fragen

Was bedeutet „unteres Circalitoral“?

Das Circalitoral ist die Meereszone unterhalb der Tang- und Algenvorkommen. Im unteren Circalitoral (ca. 50–200 m) dringt so wenig Licht durch, dass keine größeren pflanzlichen Organismen wachsen können. Stattdessen dominieren tierische Filtrierer.

Welche Arten sind für MD15 besonders typisch?

Kennzeichnend sind große aufrechte Schwämme wie Poecillastra compressa, die Gelbe Kelchkoralle (Dendrophyllia cornigera), Schwarze Korallen (Parantipathes larix) und mobile Tiere wie der Purpurstern (Echinaster sepositus) und die Languste (Palinurus elephas).

Ist der Lebensraum gefährdet?

Die Europäische Rote Liste für Biotoptypen stuft MD15 als „Data Deficient“ (Daten unzureichend) ein. Es gibt nicht genügend Informationen, um eine Gefährdung abschließend zu beurteilen. Bekannt ist jedoch, dass Tiefseekorallenriffe empfindlich auf Grundschleppnetze und Umweltveränderungen reagieren.

Welchen FFH-Code hat MD15?

Der Biotoptyp fällt unter den FFH-Anhang I-Code 1170 (Riffe). Das bedeutet, dass er in europäischen Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt und überwacht werden muss.

Kommt dieser Lebensraum auch in deutschen Gewässern vor?

Nein. MD15 ist auf die mediterrane biogeografische Region beschränkt, also das Mittelmeer. In Nord- und Ostsee gibt es vergleichbare Hartbodengemeinschaften, die jedoch anderen EUNIS-Codes zugeordnet sind.

Quellen