Mediterrane Macchie und arboreszentes Matorral (F5.1/F5.2)
Mediterrane Macchie und arboreszentes Matorral sind immergrüne, strauchdominierte Lebensräume des Mittelmeerraums. Sie umfassen dicht geschlossene Macchie (F5.2) und locker baumdurchsetzte Bestände (F5.1). Der Biotoptyp ist in der Europäischen Roten Liste als „nicht gefährdet“ (Least Concern) eingestuft. Er entspricht mehreren FFH-Lebensraumtypen (z. B. 5210, 5230, 5330).
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Mediterranean maquis and arborescent matorral
- EUNIS
- F5.1; F5.2 – Arborescent matorral; Maquis
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 5210; 5230; 5310; 9390; 5330 – Arborescent matorral with Juniperus spp; * Arborescent matorral with Laurus nobilis; Laurus nobilis thickets; * Scrub and low forest vegetation with Quercus alnifolia; Thermo-Mediterranean and pre-desert scrub
Das Wichtigste in Kürze
- EUNIS-Code: F5.1 (Arborescent matorral) und F5.2 (Maquis)
- Kurzbeschreibung: Immergrüne Hartlaub- und Lorbeergebüsche mit mehr oder weniger geschlossenem Kronendach; niederes, lockeres, garrigue-ähnliches Macchie-Stadium im westlichen Mittelmeer sowie Bestände mit niedrigem Baumbestand und dichter hoher Strauchschicht.
- Europäische Rote Liste: Least Concern (nicht gefährdet) – sowohl in der EU28 als auch in der EU28+.
- FFH-Lebensraumtypen: 5210 (Arborescent matorral with Juniperus spp.), 5230 (* Arborescent matorral with Laurus nobilis), 5310 (Laurus nobilis thickets), 9390 (* Scrub and low forest vegetation with Quercus alnifolia), 5330 (Thermo-Mediterranean and pre-desert scrub).
- Erhaltungszustand (Art. 17 FFH-RL): In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
- Charakterarten: Arbutus unedo, Erica arborea, Cistus spp., Juniperus spp., Quercus coccifera, Pistacia lentiscus u. v. m.
Was ist mediterrane Macchie und arboreszentes Matorral?
Der Biotoptyp umfasst die immergrünen Hartlaub- und Lorbeergebüsche der mediterranen biogeografischen Region. Man unterscheidet zwei Ausprägungen:
- Macchie (F5.2): Dichte, meist undurchdringliche Strauchformation mit weitgehend geschlossenem Kronendach. Die Wuchshöhe liegt oft zwischen 2 und 5 Metern. Sie kann natürlichen Ursprungs (Primärmacchie an Sonderstandorten) oder eine Ersatzgesellschaft degradierter Hartlaubwälder sein.
- Arboreszentes Matorral (F5.1): Bestände mit niedrigen, oft knorrigen Bäumen und einer darunterliegenden dichten, hohen Strauchschicht. Der Baumanteil ist locker und überragt das Gebüsch nur wenig. Typisch sind Wacholder-, Johannisbrot-, Ölbaum- oder Eichenbestände.
Beide Formen kommen hauptsächlich in der thermo- bis mesomediterranen Höhenstufe vor, reichen aber von der Halbwüste (arides Iberien, Nordafrika, Zypern) bis in die supramediterrane Stufe (z. B. Cistus ladanifer-Heiden Iberiens und Südfrankreichs). Eine Bindung an ein bestimmtes Substrat besteht nicht; Macchie wächst sowohl auf sauren, entkalkten als auch basischen Böden.
EUNIS-Klassifikation: F5.1 und F5.2
Die Europäische Naturinformationssystem (EUNIS) führt den Lebensraum unter den Codes:
- F5.1 – Arborescent matorral
- F5.2 – Maquis
Sie werden gemeinsam als „Mediterranean maquis and arborescent matorral“ geführt, weil sie ökologisch und floristisch eng miteinander verzahnt sind. Die Grenze ist fließend: Bei nachlassender Störung (z. B. weniger Beweidung oder seltenere Brände) kann Macchie in arboreszentes Matorral übergehen und umgekehrt.
Rote Liste der Biotoptypen: Ungefährdet
In der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (2022, bewertet für EU28 und EU28+) wird der Komplex als Least Concern (LC) – nicht gefährdet eingestuft. Die Einstufung bezieht sich auf das gesamte Verbreitungsgebiet innerhalb der EU sowie der umliegenden Staaten (EU28+). Dies bedeutet, dass der Biotoptyp weder stark rückläufig noch akut von einem Kollaps bedroht ist.
Allerdings ist diese globale Einstufung nicht gleichbedeutend mit fehlenden lokalen Risiken. Vor allem Wacholder-Matorrale reagieren empfindlich auf Feuer, da die Juniperus-Arten eine geringe Resprouting-Fähigkeit besitzen.
FFH-Lebensraumtypen und Schutzstatus
Die Habitatdefinition überschneidet sich mit mehreren FFH-Lebensraumtypen des Anhangs I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie:
| FFH-Code | Bezeichnung | Priorität |
|---|---|---|
| 5210 | Arborescent matorral with Juniperus spp. | – |
| 5230 | * Arborescent matorral with Laurus nobilis | prioritär (*) |
| 5310 | Laurus nobilis thickets | – |
| 9390 | * Scrub and low forest vegetation with Quercus alnifolia | prioritär (*) |
| 5330 | Thermo-Mediterranean and pre-desert scrub | – |
Einige dieser Typen gelten als prioritär im Sinne der FFH-Richtlinie, d. h. für ihre Erhaltung tragen die Mitgliedstaaten eine besondere Verantwortung. Die tatsächlichen Erhaltungszustände nach Artikel 17 sind in den vorliegenden Daten nicht enthalten.
Lebensraum und Artenvielfalt
Die Artenzusammensetzung variiert stark je nach Klima, Boden und Störungsregime. Die folgende Tabelle zeigt die charakteristischen Gehölzarten, unterteilt nach hoher und niederer Macchie:
| Form | Typische Gattungen / Arten | Höhe | Struktur |
|---|---|---|---|
| Hohe Macchie / Matorral | Arbutus unedo, Erica arborea, Juniperus spp., Phillyrea spp., Quercus ilex, Quercus suber, Pistacia lentiscus, Myrtus communis, Laurus nobilis, Ceratonia siliqua | 2–5 m | Dicht, mehrstufig, oft undurchdringlich |
| Niedere Macchie (garrigue-ähnlich) | Cistus spp. (z. B. C. monspeliensis, C. ladanifer, C. salvifolius), Erica spp., Genista spp., Lavandula stoechas | 0,5–2 m | Locker, oft von Gräsern durchsetzt |
Zahlreiche der aufgeführten Arten sind endemisch oder haben ihren Verbreitungsschwerpunkt im Mittelmeerraum. Die Macchie bietet Lebensraum für eine große Zahl von Insekten, Reptilien und Vögeln, darunter viele Arten der EU-Vogelschutzrichtlinie.
Gefährdungen und Dynamik
Die zwei stärksten Steuerfaktoren sind Beweidung und Feuer:
- Feuer: Cistus-reiche Macchie profitiert häufig von Bränden, da die Zistrosen Samenbanken im Boden aufbauen und nach Feuer massenhaft keimen. Auf Wacholder dominierte Matorrale hingegen werden durch Feuer stark geschädigt, da Juniperus-Arten kaum wiederausschlagen.
- Beweidung: Intensive Beweidung fördert die Auflockerung der Bestände, verringert die Deckung von Sträuchern und kann zur Degradation in Garrigue führen. Indikatoren wie Trittschäden, Bodenverdichtung und Ruderalarten zeigen Überweidung an.
- Verbuschung: Bei ausbleibender Störung kann die Macchie über ein arboreszentes Stadium zu Wald hochwachsen (sekundäre Sukzession). Wird dies als Habitatverlust gewertet, sind regelmäßige, aber mäßige Störungen erwünscht.
- Invasive Arten: Das Eindringen standortfremder Gehölze oder Gräser kann die typische Artenzusammensetzung verändern. Für die Qualitätsbewertung ist das Fehlen invasiver und ruderaler Arten daher ein positives Kriterium.
Da es sich überwiegend um plagioklimakische (durch Bewirtschaftung offengehaltene) Gesellschaften handelt, hängt Erhalt und Qualität entscheidend von einem Störungsregime mittlerer Intensität und Frequenz ab.
Indikatoren für gute Habitatqualität
Eine Macchie in gutem Zustand erkennen Sie an:
- Dichte, horizontale und vertikale Vegetationsstruktur – keine großflächigen Lücken.
- Kein Anzeichen von Überweidung – kein massenhaftes Auftreten von Weidezeigern oder Trittschäden.
- Keine aktive sekundäre Sukzession zum Wald – der Baumanteil darf den typischen Matorral-Charakter nicht übersteigen (Abwesenheit hochwüchsiger Bäume).
- Kein Grasfilz – keine flächige Vergrasung, die Sträucher verdrängt.
- Artenreichtum – möglichst viele typische Arten, keine Verarmung auf einzelne Dominanzbestände.
- Keine invasiven Arten.
- Fehlen oder geringer Deckungsgrad ruderaler Arten.
- Geringe Bodenverdichtung, gut entwickelter A-Horizont als Zeichen intakter Bodenbiologie.
Macchie im Garten – Hinweise
Gärten in Mitteleuropa können Macchie nicht 1:1 nachbilden, da die wintermilden, sommertrockenen Bedingungen des Mediterrans fehlen. Einige typische Arten – wie Arbutus unedo, Cistus in milden Lagen oder Laurus nobilis – lassen sich jedoch als Kübelpflanzen oder in geschützten Ecken halten und vermitteln einen Hauch dieses Biotoptyps. Für naturnahe Gärten im Mediterranraum bieten Macchie-Elemente wertvolle Strukturen und sind zudem brandresistent, wenn sie fachgerecht gepflegt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Was ist der Unterschied zwischen Macchie und Garrigue?
Macchie ist eine dichte, höhere Strauchformation (bis 5 m) auf meist tiefgründigeren Böden, während Garrigue niedrigwüchsig (kniehoch) und lückig auf flachgründigem, oft kalkigem Untergrund wächst. Im Text heißt es: „With increasing summer aridity and human pressure, maquis resembles to garrigues as they become low and sparse.“
2. Sind mediterrane Macchie und Matorral geschützt?
Der Biotoptyp ist in der Europäischen Roten Liste als „nicht gefährdet“ eingestuft. Mehrere seiner Ausprägungen sind jedoch als FFH-Lebensraumtypen gelistet, zwei davon sogar als prioritär (5230, 9390).
3. Welche typischen Pflanzen findet man in der Macchie?
Charakteristisch sind u. a. Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Baumheide (Erica arborea), Steinlinde (Phillyrea latifolia), Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), Kermeseiche (Quercus coccifera), verschiedene Zistrosen (Cistus spp.) und Lavendel (Lavandula stoechas).
4. Wie wirken sich Brände auf diesen Lebensraum aus?
Das ist artabhängig. Cistus monspeliensis-Macchie kann durch Feuer begünstigt werden und dominiert oft die Landschaft nach Bränden. Wacholderreiche Matorrale dagegen erleiden schwere Schäden, weil Juniperus-Arten eine geringe Regenerationsfähigkeit besitzen.
5. Kann man Macchie im eigenen Garten anlegen?
In Mitteleuropa nur eingeschränkt mit Kübelpflanzen (z. B. Erdbeerbaum, Lorbeer, Zistrosen). Im Mediterranraum ist die Verwendung heimischer Macchie-Arten eine sinnvolle naturschutzfachliche Maßnahme.
Quellen
- European Red List of Habitats – EEA Data
- Habitat classifications for Europe – EUNIS
- EUNIS Habitats Code Browser Red List
- Article 17 Habitats Directive data
- Habitats Directive – EU Commission
- EEA Datashare: Enhanced Red List package
Alle Angaben basieren auf den vorliegenden Quelldaten des EEA-Pakets 2022. Für den Erhaltungszustand nach Art. 17 FFH-RL liegen keine aggregierten Zahlen vor.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Macchie und Garrigue?
Macchie ist eine dichte, höhere Strauchformation (bis 5 m) auf meist tiefgründigeren Böden, während Garrigue niedrigwüchsig (kniehoch) und lückig auf flachgründigem, oft kalkigem Untergrund wächst. Bei zunehmender Trockenheit und Nutzungsdruck kann Macchie in eine garrigue-ähnliche Form übergehen.
Sind mediterrane Macchie und Matorral geschützt?
Der Biotoptyp ist in der Europäischen Roten Liste als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Einige Ausprägungen sind als FFH-Lebensraumtypen des Anhangs I geschützt, darunter prioritäre Typen wie 5230 und 9390.
Welche typischen Pflanzen findet man in der Macchie?
Charakteristisch sind u. a. Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Baumheide (Erica arborea), Steinlinde (Phillyrea latifolia), Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), Kermeseiche (Quercus coccifera), Zistrosen (Cistus spp.) und Schopflavendel (Lavandula stoechas).
Wie wirken sich Brände auf diesen Lebensraum aus?
Feuer begünstigt Cistus-Arten, die Samenbanken aufbauen und nach Bränden massenhaft keimen. Wacholder-Matorrale werden dagegen stark geschädigt, da Juniperus-Arten kaum Regenerationsvermögen besitzen.
Kann man Macchie im eigenen Garten anlegen?
In Mitteleuropa nur eingeschränkt mit Kübelpflanzen wie Erdbeerbaum, Lorbeer oder Zistrosen. Im mediterranen Raum ist die Pflanzung heimischer Macchie-Arten eine naturschutzfachlich wertvolle Maßnahme.