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EUNIS: A2.5Europäische Rote Liste: Near ThreatenedFFH-Anhang I: 1410; 1420; 1310; 1320

Mediterrane und Schwarzmeer-Küstensalzwiesen (EUNIS A2.5)

Die Mediterranen und Schwarzmeer-Küstensalzwiesen (EUNIS-Code A2.5) sind ein von salztoleranten Stauden und Sträuchern geprägter Biotoptyp an geschützten Küsten des Mittelmeers und westlichen Schwarzen Meeres. Sie unterliegen dem Einfluss von Salzwasser und umfassen mehrere FFH-Lebensraumtypen (1410, 1420, 1310, 1320). Der europäische Rote-Liste-Status lautet „Near Threatened“ (Vorwarnstufe).

Einordnung

Originalbezeichnung
Mediterranean and Black Sea coastal salt marsh
EUNIS
A2.5 – Coastal saltmarshes and saline reed beds
EU-28
Near Threatened
EU-28+
Near Threatened
FFH-Anhang I
1410; 1420; 1310; 1320 – Mediterranean salt meadows (Juncetalia maritimi); Mediterranean and thermo-Atlantic halophilous scrubs (Sarcocornetea fruticosi); Salicornia and other annuals colonizing mud and sand; Spartina swards (Spartinion maritimae)

Mediterrane und Schwarzmeer-Küstensalzwiesen (EUNIS A2.5)

Das Wichtigste in Kürze

Die Küstensalzwiesen und salzhaltigen Röhrichte des Mittelmeerraumes und des westlichen Schwarzen Meeres bilden einen biologisch sehr vielfältigen, aber zunehmend gefährdeten Biotopkomplex. Der EUNIS-Lebensraumtyp A2.5 umfasst Pflanzengesellschaften der Klassen Juncetea maritimi und Salicornietea fruticosae, die an niedrigen, wellengeschützten Sedimentküsten gedeihen. An der thermo-atlantischen Küste der südwestlichen Iberischen Halbinsel wird die Vegetationszonierung durch Gezeiten beeinflusst, während im Mittelmeer und Schwarzen Meer vor allem Bodenstruktur, Salzgehalt und Wasserverfügbarkeit die Verteilung bestimmen. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt den Typ als „Near Threatened“ (Vorwarnstufe). Auf EU-Ebene ist der Lebensraum in mehrere FFH-Anhang-I-Typen aufgespalten, insbesondere 1410, 1420, 1310 und 1320.

EUNIS-Typologie: A2.5 – Küstensalzwiesen und salzhaltige Röhrichte

Im europäischen Klassifikationssystem EUNIS (European Nature Information System) steht der Code A2.5 für „Coastal saltmarshes and saline reed beds“. Die Untereinheit, die hier als „Mediterranean and Black Sea coastal salt marsh“ bezeichnet wird, ist eine spezifische Ausprägung dieser Gruppe. Sie wird im Rahmen der Roten Liste der Lebensräume unter dem Kürzel A2.5d geführt.

Der Lebensraum ist eng mit dem Einfluss salzhaltigen Meerwassers verknüpft. Die Vegetation siedelt auf sandigen oder schlammigen Substraten, die regelmäßig oder unregelmäßig überflutet werden oder zumindest einen hohen Salzporenwasserspiegel aufweisen. Grobkörnige Sandstrände sind dagegen nicht enthalten – dort entwickeln sich Strandgesellschaften (EUNIS B1.1b).

Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste

KriteriumEinstufung
Rote Liste Kategorie EU28Near Threatened (NT)
Rote Liste Kategorie EU28+Near Threatened (NT)
ErfassungsrahmenEuropean Red List of Habitats: EU28 und EU28+-Bewertung
Kriterium (IUCN)In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben

„Near Threatened“ bedeutet, dass der Biotoptyp derzeit noch nicht als gefährdet gilt, aber eine ungünstige Entwicklung zu beobachten ist, die in absehbarer Zeit zu einer Höherstufung führen könnte. Eine akute Gefährdung durch flächenhaften Verlust oder Qualitätseinbußen ist also wahrscheinlich, auch wenn die Datengrundlage nicht für eine genauere Einstufung ausreicht.

Verknüpfung mit der FFH-Richtlinie (Annex I)

Der EUNIS-Typ A2.5 überschneidet sich mit mehreren Lebensraumtypen des Anhangs I der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (92/43/EWG). Die offiziellen Crosswalks zeigen folgende Beziehungen:

FFH-CodeFFH-LebensraumtypBeziehung zum EUNIS-Typ A2.5
1410Mediterrane Salzwiesen (Juncetalia maritimi)Teilweise enthalten („>“)
1420Mediterrane und thermo-atlantische Halophytengestrüppe (Sarcocornetea fruticosi)Kernbestandteil („#“)
1310Queller und andere Einjährige auf Schlamm und Sand (Thero-Salicornietea)Enthalten („>“)
1320Schlickgrasbestände (Spartinion maritimae)In geringem Umfang enthalten („>“)

Die engste Verzahnung besteht mit den Halophytengestrüppen (1420), die als charakteristisches Element der mediterranen Salzwiesen gelten. Die Quellerfluren (1310) treten meist kleinflächig in Senken zwischen den mehrjährigen Pflanzen auf. Schlickgrasbestände (1320) spielen besonders an der mittelmeerischen Küste eine untergeordnete Rolle, während sie an der Atlantikküste weiter verbreitet sind.

Lebensraum und Verbreitung

Die Nordgrenze des Lebensraums an der Atlantikküste verläuft etwa an der Mündung des Mondego in Zentralportugal. Von dort erstreckt er sich über die südwestliche Iberische Halbinsel und die gesamte Mittelmeerküste bis zum westlichen Schwarzen Meer.

An der thermo-atlantischen Küste Südwestiberiens bewirkt die tidebedingte Überflutung eine Zonierung der Vegetation vom Unterwasserbereich bis zur oberen Spülsaumlage. Im Mittelmeer und im Schwarzen Meer fehlen dagegen signifikante Gezeiten; daher sind hier Bodenart, Salzgehalt und Wasserhaushalt die entscheidenden Gradienten. Typischerweise gedeihen die Salzwiesen auf dem oberen Rand niedriger, wellengeschützter Sedimentküsten – also in Buchten, Lagunen und hinter Sanddünen, wo die mechanische Belastung durch Wellen gering ist.

Regionale Ausprägungen

  • Schwarzmeerküste: Dominanz von Bulten der Strandsimsen Juncus maritimus und/oder Juncus acutus. Auf den nördlichen Abschnitten (z. B. in Rumänien und der Ukraine) kommen zudem Strauchbestände von Halocnemum strobilaceum vor. Im Donaudelta und auf den marinen Sandbänken des Razelm-Sinoe-Lagunenkomplexes entwickeln sich hinter Dünen oder um Salzseen auch Salzwiesen, die stärker an kontinentale Binnensalzstellen erinnern – etwa mit Salicornia perennans, Puccinellia limosa und Juncus gerardi.
  • Mediterraner Raum: Besonders artenreich ist der Lebensraum auf der Iberischen Halbinsel und in Süditalien (Sizilien, Apulien, Kalabrien). Hier erreichen die Bodensalzgehalte durch die sommerliche Trockenheit extreme Werte. Es bilden sich Mosaike aus hohen Bulten (Juncus), sukkulenten Sträuchern und anderen Kräutern, die in halophytischen Buschformationen zusammenwachsen (Verbände Arthrocnemion glauci und Salicornion fruticosae). Bei brackigeren Standorten treten Schilf und andere Röhrichtarten auf. Auf erhöhten Sandbänken finden sich Frankenien (Frankenia spp.) und Sagina maritima, die an trockenere, sandige Bedingungen angepasst sind. Darüber hinaus umfasst der Lebensraum auch mediterrane Halo-Psammophilen-Rasen (Plantaginion crassifoliae), feuchte Beifuß-Moorheiden mit Artemisia coerulescens sowie stickstoffliebende Strauchdickichte der Echten Keilmelde (Suaeda vera, Verband Suaedion verae). In der dalmatinischen Küstenregion kommen in etwas trockeneren und salzärmeren Bereichen Gesellschaften vor, die nicht unmittelbar von Wellen und Tiden erreicht werden (Agropyro-Plantaginion maritimae).

Charakteristische Artenvielfalt

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über ausgewählte, für den Lebensraum typische Pflanzenarten. Ihre Häufigkeit variiert je nach Region, Salzgehalt und Bodenfeuchte erheblich.

PflanzengruppeArten (Auswahl)Ökologische Besonderheit
GroßbinsenJuncus maritimus, J. acutus, J. subulatusBilden großflächige Monodominanzbestände
Salzkräuter (Sukkulenten)Salicornia perennans, Sarcocornia fruticosa, S. perennis, Suaeda maritima, Salsola sodaEinjährige und mehrjährige Salzpflanzen
SalzbuschsträucherHalocnemum strobilaceum, Arthrocnemum macrostachyum, Halimione portulacoides, Suaeda veraXerohalophile Sträucher mit sukkulenten Blättern
StrandfliederLimoniastrum monopetalum, Limonium algarvenso-lanceolatum, L. gmelini, L. narbonenseSalztolerante Dauerstauden, z. T. endemisch
Gräser und SüßgräserElymus athericus, E. elongatus, Puccinellia convoluta, P. festuciformisSalzertragende Riedgräser und Schwingel
Sonstige KräuterArtemisia caerulescens, Aster tripolium, Plantago crassifolia, Triglochin bulbosumHalbstrauchige Beifüße, Strandaster, Salzwegerich
RöhrichtartenPhragmites australis, Bolboschoenus maritimus (nicht explizit gelistet, aber typisch)Bei Brackwasseranschluss auftretend

Eine Besonderheit stellen die sogenannten Thero-Salicornietea-Fluren dar: Kurzlebige, sukkulente Einjährige wie Queller (Salicornia spp.) und Sode (Suaeda spp.) besiedeln kahle, vegetationsarme Senken und profitieren von Störungen. An sandigen Überflutungsrändern wachsen dagegen Moos-Salzkräuter (Sagina maritima) und Frankenien.

Qualitätsmerkmale eines intakten Lebensraums

Ein gut ausgeprägter Komplex dieser Salzwiesen zeigt folgende Eigenschaften:

  • Kleinteiliges Mosaik: Verschiedene Pflanzengesellschaften wie Großbinsen-Bulte, Salzbusch-Dickichte, Quellersenken und Röhrichte grenzen auf engem Raum aneinander. Eine deutliche Überrepräsentation einzelner Gruppen (z. B. reine Juncus maritimus-Flächen) deutet auf eine Störung hin.
  • Stabile Überflutungsdynamik: Der Lebensraum ist hochgradig abhängig von einer gleichbleibenden Wasser- und Salzdynamik. Veränderungen im Überflutungsregime – sei es durch Entwässerung, Hafenbau oder Anstieg des Meeresspiegels – verschieben die Konkurrenzverhältnisse und können rasch zu einer Verarmung führen.
  • Ausgewogene Salz- und Feuchtegradienten: Trockenphasen während des Sommers dürfen nicht zu einer dauerhaften Austrocknung führen; gleichzeitig darf es nicht zu einer Übernässung kommen. Beides würde das Gleichgewicht zwischen halophilen und weniger salztoleranten Arten stören.

Die Qualitätsbewertung ist regional unterschiedlich, da etwa das Schwarzmeergebiet natürlicherweise einfacher strukturiert ist als der westmediterrane Raum. Generell gilt jedoch: Je vielfältiger die Vegetationseinheiten und je stabiler die Standortfaktoren, desto höher die ökologische Wertigkeit.

Bedrohungen und Empfindlichkeit

In den vorliegenden Quelldaten ist keine vollständige Liste der Gefährdungen enthalten. Aus den Qualitätsindikatoren und dem generellen ökologischen Wissen lassen sich jedoch die wesentlichen empfindlichen Stellschrauben ableiten:

  • Veränderung des Wasserhaushalts: Entwässerungsmaßnahmen für Landgewinnung oder Küstenschutz, aber auch der Bau von Dämmen und Schleusen unterbrechen die natürliche Überflutungsdynamik. Eine künstliche Trockenlegung kann innerhalb weniger Jahre zu einer Vergrasung und zum Verlust der salzbedürftigen Arten führen.
  • Überweidung und Trittbelastung: Nicht explizit in den Daten erwähnt, aber in vielen Regionen trägt zu starke Beweidung zur Degradation bei.
  • Eutrophierung und Abwassereinleitung: Insbesondere in Lagunen, die auch touristisch genutzt werden, können Nährstoffeinträge eine Verschiebung hin zu monotonen Röhrichten auslösen.
  • Küstenerosion und Meeresspiegelanstieg: Bei beschleunigtem Anstieg können die schmalen Salzwiesenstreifen an steileren Küstenabschnitten verloren gehen.
  • Konkurrenz durch invasive Arten: Nicht im Datensatz aufgeführt, aber stellenweise können Neophyten wie das Schlickgras Spartina (das zwar zum Typ 1320 gehört, aber außerhalb seines natürlichen Areals invasiv sein kann) oder andere gebietsfremde Arten problematisch sein.

Der Umstand, dass der Lebensraum als „Near Threatened“ eingestuft wurde, spiegelt diese vielfältigen und fortschreitenden Beeinträchtigungen wider, auch wenn eine genaue Quantifizierung auf europäischer Ebene noch fehlt.

Garten- und Kommunenbezug

In der naturnahen Gartengestaltung lassen sich mediterrane Salzwiesengesellschaften kaum eins zu eins nachbilden. Die spezifischen Bedingungen – salzhaltiger Porenwasserstand, tidenähnliche Dynamik und extreme Sommerdürre mit hohen Salzkonzentrationen – sind im Kulturgarten nicht reproduzierbar. Einzelne robuste Arten wie Juncus maritimus, Limonium (Strandflieder) oder Salsola (Salzkraut) können jedoch in einem Salzgarten oder auf entsprechend präparierten Küstenbeeten mit Brackwasserzufuhr kultiviert werden.

Kommunen können den Lebensraum durch einen konsequenten Schutz der letzten verbliebenen Salzwiesen und durch einen naturnahen Wasserhaushalt fördern. Dazu gehören der Rückbau von Entwässerungsgräben und die Wiederherstellung periodischer Überflutungen. Ein aktives Management, wie es bei einigen Naturschutzprojekten im Mittelmeerraum betrieben wird, kann die kleinteiligen Vegetationsmosaike erhalten und fördern.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist unter dem Biotoptyp „Mediterrane und Schwarzmeer-Küstensalzwiesen“ (A2.5) zu verstehen?

Es handelt sich um einen EUNIS-Lebensraumtyp (A2.5), der die von salztoleranten Stauden, Sträuchern und gelegentlich Röhrichten geprägten Salzwiesen an den Küsten des Mittelmeeres und des westlichen Schwarzen Meeres umfasst. Die Vegetation gedeiht auf sandig-schlammigen Böden im Einflussbereich von Salzwasser und ist besonders auf wellengeschützte Lagen beschränkt.

Welcher Gefährdungsstatus ist dem Lebensraum zugewiesen?

Nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (EU28 und EU28+) wird der Typ als „Near Threatened“ (NT, Vorwarnstufe) geführt. Das bedeutet, dass zwar aktuell keine unmittelbar hohe Gefährdung besteht, aber eine Verschlechterung der Bestandssituation zu befürchten ist.

Welche FFH-Lebensraumtypen sind in A2.5 enthalten?

Der EUNIS-Typ A2.5 überschneidet sich mit vier Anhang-I-Typen der FFH-Richtlinie: 1410 (Mediterrane Salzwiesen), 1420 (Mediterrane und thermo-atlantische Halophytengestrüppe), 1310 (Einjährige Quellerfluren auf Schlamm und Sand) und 1320 (Schlickgrasbestände). Der Typ 1420 gilt als Kernbestandteil, die anderen sind teilweise oder in geringem Umfang eingeschlossen.

Welche charakteristischen Pflanzenarten sind typisch für A2.5?

Typisch sind dominante Großbinsen wie *Juncus maritimus* und *J. acutus*, sukkulente Sträucher wie *Sarcocornia fruticosa* und *Halocnemum strobilaceum*, einjährige Queller (*Salicornia* spp.), Strandflieder-Arten (*Limonium* und *Limoniastrum*) sowie salztolerante Gräser wie *Elymus athericus* und *Puccinellia* spp. Die Zusammensetzung variiert stark zwischen den Regionen.

Woran erkennt man intakte Küstensalzwiesen dieses Typs?

Ein guter Zustand zeigt sich in einem kleinteiligen Mosaik aus verschiedenen Vegetationseinheiten (Bulten, Sträucher, Quellerfluren, Röhrichte) und einer stabilen Dynamik von Überflutung und Salzkonzentration. Eine Überrepräsentation einer einzigen Art, eine starke Austrocknung oder flächendeckende Verbrackung deuten auf eine Störung hin.

Quellen