Mediterrane Waldweide (EUNIS E7.3) – Dehesa und Montado
Mediterrane Waldweiden (EUNIS E7.3, Dehesa/Montado) sind offene, durch traditionelle Beweidung und Holznutzung geprägte Landschaften mit verstreuten Bäumen – vor allem immergrüne Eichen. Sie kommen hauptsächlich in Spanien, Portugal, Griechenland, Süditalien und Südfrankreich vor. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft sie als ‚Near Threatened‘ (potenziell gefährdet) ein. Nur ein Teil der Ausprägungen, die Dehesas mit immergrünen Eichen, ist nach FFH-Richtlinie Anhang I (Code 6310) geschützt.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Mediterranean wooded pasture and meadow
- EUNIS
- E7.3 – Dehesa
- EU-28
- Near Threatened
- EU-28+
- Near Threatened
- FFH-Anhang I
- 6310 – Dehesas with evergreen Quercus spp.
Das Wichtigste in Kürze
Mediterrane Waldweiden (EUNIS E7.3) – bekannt als Dehesa in Spanien und Montado in Portugal – sind halboffene, beweidete Landschaften, in denen verstreute, oft alte Bäume mit artenreichen Wiesen und gelegentlich auch Ackerstreifen kombiniert werden. Sie sind ein europaweit bedeutender Lebensraum für viele seltene und bedrohte Arten und zugleich ein kulturelles Erbe traditioneller Landnutzung. Die Europäische Rote Liste bewertet sie als Near Threatened (potenziell gefährdet). Ein Teil dieser Lebensräume – die Dehesas mit immergrünen Eichen – ist durch die FFH-Richtlinie (Anhang I, Code 6310) geschützt.
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| EUNIS-Code | E7.3 |
| EUNIS-Name | Dehesa |
| Lebensraumname (EN) | Mediterranean wooded pasture and meadow |
| FFH-Annex-I-Code | 6310 (Dehesas with evergreen Quercus spp.) |
| Rote-Liste-Kategorie (EU28+) | Near Threatened |
| Rote-Liste-Kriterium | In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Biogeografische Regionen | In den vorliegenden Quelldaten nicht aufgeschlüsselt |
| Erhaltungszustand Art. 17 FFH-RL | In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
Was sind mediterrane Waldweiden?
Mediterrane Waldweiden sind offene, parkartige Landschaften, die durch jahrhundertelange, traditionelle Bewirtschaftung entstanden sind. Auf denselben Flächen werden Weidevieh (Schafe, Ziegen, Rinder, iberische Schweine), gelegentlich Heuwiesen und sogar Feldfutterbau oder Getreideanbau mit dem Erhalt von Baum- und Strauchbeständen kombiniert. Die verstreuten Bäume spenden Schatten, liefern Früchte (Eicheln, Kork) und prägen das charakteristische Erscheinungsbild.
Die häufigsten Ausprägungen im westlichen Mittelmeerraum sind die Dehesa (Spanien) und der Montado (Portugal). Dort dominieren immergrüne Eichen, vor allem Stein- und Korkeichen. In anderen Regionen (Griechenland, Süditalien, Balkan) können auch laubwerfende Eichen, Edelkastanien oder Ölbäume das Bild bestimmen.
Untertypen (nach Bewirtschaftung)
Die EUNIS-Klassifikation unterscheidet zwei grobe Formen:
- Altholzreiche Waldweiden (old-growth wooded pasture) – vor allem Sclerophyllous pastoral woodland (z. B. Dehesa) und Deciduous pastoral woodland mit laubwerfenden Baumarten.
- Niederwald- und strauchreiche Waldweiden (scrub and coppice wooded pasture) – darunter beweidete Macchie, Garrigue, Phrygana und montane Weidemosaike mit geschnittenen oder geköpften Bäumen.
EUNIS-Klassifikation und Verbreitung
Der Biotoptyp E7.3 – Dehesa umfasst alle traditionellen mediterranen Waldweiden. Er ist Teil der EUNIS-Gruppe „Heavily managed or man-made forests and woodlands“.
Typische Vorkommen gibt es in:
- Iberische Halbinsel: Dehesa und Montado in Spanien und Portugal
- Griechenland
- Süditalien und Südfrankreich
- Teilen des Balkans
Die genaue Länderliste ist in den Quelldaten nicht hinterlegt; die Aufzählung basiert auf der Beschreibung der Europäischen Roten Liste.
Rote Liste der Lebensräume – Gefährdung in Europa
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (EU28+) bewertet mediterrane Waldweiden als Near Threatened – also potenziell gefährdet, aber derzeit noch nicht als akut bedroht. Die Bewertung bezieht sich auf das Gesamtgebiet der EU zuzüglich einiger angrenzender Staaten.
- Kategorie: Near Threatened
- Geltungsbereich: EU28 und EU28+ (gesamteuropäisch)
- Spezifisches Kriterium: Nicht im Datensatz genannt
Die Einstufung spiegelt den anhaltenden Druck durch Landnutzungsänderungen wider. Qualitätsverluste durch Intensivierung oder Nutzungsaufgabe können zukünftig zu einer Höherstufung führen.
FFH-Richtlinie – Schutzstatus
Nur ein Teil der mediterranen Waldweiden ist explizit durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geschützt:
- Anhang I, Code 6310: Dehesas with evergreen Quercus spp. (Dehesas mit immergrünen Eichen)
Das bedeutet: Nicht alle unter E7.3 fallenden Waldweiden sind automatisch FFH-geschützt. Vor allem die baumartenreicheren Varianten mit laubwerfenden Eichen oder Kastanien sowie die strauchreichen Formen sind über diesen Annex-Code nicht erfasst.
Ein europaweiter Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegt in den vorliegenden Quelldaten nicht vor.
Lebensraum und Artenvielfalt
Mediterrane Waldweiden gehören zu den artenreichsten Kulturlandschaften Europas. Die Kombination aus offenen, halboffenen und beschatteten Bereichen, alten Bäumen, Trockenmauern und temporären Kleingewässern schafft eine Vielzahl von Mikrohabitaten.
Charakteristische Gehölze
- Stein-Eiche (Quercus ilex, Q. rotundifolia)
- Kork-Eiche (Q. suber)
- Kermes-Eiche (Q. coccifera s.l.)
- Edelkastanie (Castanea sativa)
- Ölbaum (Olea europaea)
- Westlicher Erdbeerbaum (Arbutus unedo)
- Baumheide (Erica arborea)
- Mastixstrauch (Pistacia lentiscus)
- Johannisbrotbaum (Ceratonia siliqua)
Zudem treten Kiefernarten, Wacholder und andere immergrüne oder laubwerfende Bäume auf.
Strauchschicht
In der Strauchschicht sind typische Hartlaubgebüsche zu finden, die je nach Region als Macchie, Garrigue oder Phrygana bezeichnet werden. Häufige Arten sind:
- Cistus ladanifer, C. salviifolius, C. monspeliensis (Zistrosen)
- Retama sphaerocarpa
- Cytisus multiflorus
- Phillyrea angustifolia
- Lavandula spp. (Lavendel)
- Genista hirsuta
- Daphne gnidium
- Asparagus acutifolius
Krautschicht
Die Krautschicht wird überwiegend von einjährigen und mehrjährigen, natürlichen oder traditionell eingesäten Gräsern und Kräutern gebildet:
- Gräser: Lolium, Bromus, Hordeum u. a.
- Leguminosen: Klee, Luzerne, Ornithopus (Serradella)
- Kreuzblütler und viele weitere Wildkräuter
Stellenweise wird Getreide (Hafer, Gerste, Weizen, Roggen) extensiv angebaut.
Zeigerarten und besondere Pflanzen
Unter den vielen charakteristischen Kräutern finden sich auch geschützte und endemische Arten, darunter:
- Narcissus cantabricus
- Fritillaria lusitanica
- Romulea ramiflora
- Tolpis barbata
Kulturhistorische Bedeutung und Wert
Mediterrane Waldweiden sind nicht nur Hotspots der biologischen Vielfalt, sondern auch lebendige Zeugnisse traditioneller Landnutzung. Sie drücken die lokale Sozial- und Wirtschaftsgeschichte aus – etwa die jahrhundertealte Eichelmast in der iberischen Schweinehaltung. Deshalb werden sie als High Nature Value Farmland Areas (HNV) eingestuft: Landwirtschaftliche Flächen mit besonders hohem Naturwert.
Qualitätsindikatoren
Die Europäische Rote Liste nennt folgende Merkmale, die eine hohe ökologische Qualität anzeigen:
- Hohe Dichte alter Bäume (Veteranen mit breiter Krone)
- Naturverjüngung der bestandsbildenden Baumarten
- Regelmäßige, traditionelle Bewirtschaftung nach den Leitlinien für High Nature Value Farmland
- Keine Verbuschung oder Wiederbewaldung, die die typische halboffene Struktur verdrängt
- Keine landbauliche Intensivierung: Entfernung von Gehölzen, Einsatz von Dünger, künstliche Einsaat oder zu hohe Viehdichten mindern die Qualität
- Keine Ausbreitung standortfremder Baumarten aus Anpflanzungen oder invasiven Quellen
Diese Indikatoren helfen, den Zustand zu bewerten und Schutzmaßnahmen auszurichten.
Gefährdungen
Die Hauptgefahr für mediterrane Waldweiden ist der Landnutzungswandel. Er wirkt in zwei gegensätzliche Richtungen:
- Nutzungsintensivierung: Vergrößerung der reinen Grasfläche durch Rodung von Gehölzen, verstärkter Einsatz von Düngemitteln, künstliche Nachsaat, zu hohe Tierbesätze. Dadurch gehen Strukturvielfalt und typische Arten verloren.
- Nutzungsaufgabe: Bleibt die traditionelle Beweidung und Holznutzung aus, setzt Verbuschung ein, gefolgt von Sukzession hin zu geschlossenem Wald. Die halboffene Physiognomie verschwindet mitsamt ihrer Kleinstlebensräume.
Zusätzlich können nicht einheimische Baumarten, die etwa zu Forstzwecken eingebracht wurden oder sich invasiv ausbreiten, die natürliche Artenzusammensetzung verändern.
Schutz- und Entwicklungsmöglichkeiten
Spezifische Wiederherstellungsnotizen sind in den vorliegenden Quelldaten nicht enthalten. Generell gilt jedoch:
- Erhalt der traditionellen, extensiven Weidewirtschaft mit saisonaler Nutzung und niedrigen bis moderaten Besatzstärken
- Förderung der Naturverjüngung von Eichen und anderen Schlüsselbäumen
- Erhalt alter Bäume und Totholz als Lebensraum
- Vermeidung von Düngung und Pestiziden
- Keine Umwandlung in intensive Acker- oder Grünlandflächen
- Monitoring und ggf. regionale Förderprogramme für HNV-Landwirtschaft
Die Verantwortung liegt meist bei den Landbesitzern und -bewirtschaftern; Schutzmaßnahmen gelingen oft nur in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft.
Mediterrane Waldweide im Garten und Siedlungsraum
Eine originalgetreue Nachbildung einer mediterranen Waldweide im privaten Garten oder auf kommunalen Grünflächen ist schon aus klimatischen und flächenmäßigen Gründen kaum möglich. Dennoch können einige Gestaltungselemente übertragen werden, etwa:
- Einzelne, breitkronige Steineichen, Korkeichen oder Olivenbäume als Solitärgehölze
- Naturnahe, blütenreiche Trockenrasen oder Kräuterwiesen statt intensivem Rasen
- Lesesteinhaufen und Trockenmauern als Strukturelemente
- Verzicht auf Dünger und chemische Mittel
In mediterran geprägten Regionen Europas können solche naturnahen Bereiche einen kleinen Beitrag zur Vernetzung von Lebensräumen leisten.
Häufige Fragen
Was ist eine Dehesa oder ein Montado?
Eine Dehesa (spanisch) oder ein Montado (portugiesisch) ist eine traditionelle, halboffene Weidelandschaft mit verstreuten, meist immergrünen Eichen. Sie entsteht durch extensive Beweidung, Holznutzung und gelegentlich Ackerbau und zählt zu den artenreichsten Kulturlandschaften Europas.
In welchen Ländern gibt es mediterrane Waldweiden?
Die größten Vorkommen liegen in Spanien und Portugal. Weitere Bestände gibt es in Griechenland, Süditalien, Südfrankreich und in Teilen des Balkans.
Ist dieser Lebensraum rechtlich geschützt?
Nur die Ausprägung mit immergrünen Eichen (Dehesas mit *Quercus* spp.) ist durch die FFH-Richtlinie Anhang I (Code 6310) geschützt. Der gesamte Biotoptyp wird in der Europäischen Roten Liste als ‚Near Threatened‘ (potenziell gefährdet) geführt.
Welche typischen Arten kommen in mediterranen Waldweiden vor?
Charakteristisch sind Stein- und Korkeichen, Mastixsträucher, Baumheide, Zistrosen, Lavendel und viele einjährige Wildkräuter. Aus der Tierwelt profitieren seltene Vogel-, Insekten- und Fledermausarten von der Strukturvielfalt.
Warum sind mediterrane Waldweiden gefährdet?
Die Hauptbedrohungen sind Landnutzungswandel: Entweder Intensivierung mit Düngung, Rodung von Gehölzen und zu hohem Viehbesatz oder Aufgabe der Bewirtschaftung und nachfolgende Verbuschung. Auch invasive Baumarten können die Qualität mindern.