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EUNIS: MC152Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 8330

Mediterrane Zirkalittoralhöhlen und Überhänge – EUNIS MC152

Die mediterranen Zirkalittoralhöhlen und Überhänge (EUNIS-Code MC152) gliedern sich entlang eines Licht- und Wasseraustauschgradienten in eine Algenzone im Eingangsbereich, eine halbdunkle Zone mit Schwämmen und Korallen sowie eine dunkle, spärlich besiedelte Zone. Der Lebensraum gilt auf europäischer Ebene als nicht gefährdet (Least Concern) und ist teilweise durch den FFH-Lebensraumtyp 8330 „Unterwasserhöhlen“ abgedeckt.

Einordnung

Originalbezeichnung
Communities of Mediterranean circalittoral caves and overhangs
EUNIS
MC152
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
8330 – Submerged or partially submerged sea caves

Das Wichtigste in Kürze

Mediterrane Zirkalittoralhöhlen und Überhänge (EUNIS-Code MC152) sind typische Strukturen der felsigen Mittelmeerküsten unterhalb der Gezeitenzone. Sie beherbergen einen außergewöhnlichen Artenreichtum, insbesondere bei Moostierchen (Bryozoa), Armfüßern (Brachiopoda) und Schwämmen (Porifera). Charakteristisch ist eine starke biologische Zonierung: Am Eingang dominieren schattenliebende Algen, im halbdunklen Bereich filtrierende wirbellose Tiere und im völlig lichtlosen Innern eine spärliche, hochspezialisierte Fauna. Die Höhlengemeinschaften gelten nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als ungefährdet (Least Concern), sind aber über den FFH-Lebensraumtyp 8330 (Unterwasserhöhlen) im Schutzgebietsnetz Natura 2000 verankert. Da die Kenntnisse vor allem auf Studien aus dem nordwestlichen Mittelmeer beruhen, besteht im südlichen und östlichen Becken noch erheblicher Forschungsbedarf.

EUNIS-Klassifikation und FFH-Zuordnung

Der Lebensraumtyp wird im Europäischen Naturinformationssystem (EUNIS) unter dem Code MC152 geführt. Die vollständige Bezeichnung lautet „Communities of Mediterranean circalittoral caves and overhangs“.

Auf europäischer Ebene besteht eine Verbindung zur Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie: Der Biotoptyp ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 8330 – Unterwasserhöhlen (Submerged or partially submerged sea caves). In den Quellen wird diese Zuordnung mit dem Symbol „<“ (enthält engeren Typ) gekennzeichnet. Das bedeutet: Nicht jede Unterwasserhöhle im FFH-Sinne entspricht exakt MC152, aber die hier beschriebenen mediterranen Zirkalittoralhöhlen fallen unter den Schutz von Anhang I der FFH-Richtlinie, sofern sie als 8330 gemeldet sind.

Der Erhaltungszustand gemäß Artikel-17-Berichterstattung ist in den vorliegenden Quelldaten nicht ausdrücklich für MC152 angegeben; der FFH-Monitoring bezieht sich auf den übergeordneten Typ 8330.

Ökologische Zonierung: Von Licht bis Dunkelheit

Das prägende Merkmal dieser Höhlen und Überhänge ist die morphologische Komplexität, die steile abiotische Gradienten hervorruft. Als Haupttreiber für die biologische Zonierung gelten das verfügbare Licht und der Wasser Austausch (Confinement). Entlang der Längsachse einer solchen Höhle lassen sich in der Regel drei bis vier Zonen unterscheiden:

ZoneLichtverhältnisseVorherrschende OrganismenBesonderheiten
Eingangszone (sciaphile Algengemeinschaft)Schwach beleuchtetSchattenliebende Makroalgen, vereinzelt anspruchslose WirbelloseÜbergang von photophilen zu sciaphilen Bedingungen
Halbdunkle ZoneStark gedämpft, nie direktes LichtDichte Bestände filtrierender, festsitzender Wirbelloser: Schwämme, Blumentiere (Anthozoa), MoostierchenHöchste dreidimensionale Biomasse; hier können biogene Strukturen (Biostalaktiten) entstehen
Dunkle ZoneAphotisch (kein Licht)Spärlicher Bewuchs: wenige Schwämme, Serpuliden (Kalkröhrenwürmer), inkrustierende Moostierchen, ArmfüßerStarke Abnahme von Bedeckung, Biomasse und Artenzahl; Auftreten schwarzer Mangan-Eisen-Krusten auf dem Fels
(Gelegentlich) Übergangszone und azoische ZoneVariabelZwischen halbdunkel und dunkel bzw. ganz am aphotischen Ende nahezu leerNicht in jeder Höhle vorhanden; tiefere Höhlen können die Zonen näher zum Eingang verschieben

Die scharfe Grenze zwischen halbdunkler und dunkler Zone wird durch das Erlöschen der letzten Makroalgen und das Auftreten der schwarzen Mineralbeläge aus Mangan- und Eisenoxiden markiert. Die genauen Positionen der Zonen können je nach Höhlenmorphologie stark variieren; in tieferem Wasser liegen die inneren Zonen dichter am Eingang.

Charakteristische Arten der halbdunklen und dunklen Höhlen

Die Lebensgemeinschaften sind hochgradig an den jeweiligen Licht- und Nahrungsgradienten angepasst. Die folgenden Arten gelten als typisch, wobei die Liste nicht abschließend ist und je nach Region abweichen kann.

Halbdunkle Zone (semi-dark caves)

Dominant sind filtrierende, festsitzende Wirbellose, die von planktischer Nahrung im leicht bewegten Wasser profitieren.

  • Schwämme (Porifera): Agelas oroides, Petrosia ficiformis, Spirastrella cunctatrix, Chondrosia reniformis, Phorbas tenacior, Axinella damicornis, Aplysina cavernicola, Oscarella spp., Plakina spp.
  • Anthozoa (Blumentiere, v. a. Steinkorallen): Leptopsammia pruvoti, Madracis pharensis, Hoplangia durotrix, Polycyathus muellerae, Caryophyllia inornata, Astroides calycularis. Häufig treten Fazies der Edelkoralle (Corallium rubrum) und der Krustenanemone (Parazoanthus axinellae) auf.
  • Moostierchen (Bryozoa): Adeonella spp., Reteporella spp.

Besonders auffällig sind die sogenannten Biostalaktiten: langsam wachsende, zäpfchenartige Kalkstrukturen, die von Serpuliden (z. B. Protula spp.), Schwämmen, Moostierchen, Foraminiferen und carbonatfällenden Mikroorganismen aufgebaut werden. Sie erhöhen die räumliche Komplexität und bieten Mikrohabitate für zahlreiche weitere Arten.

Dunkle Zone (dark caves)

Hier sinken Bedeckungsgrad, Biomasse und Artenvielfalt drastisch. Lebewesen sind meist inkrustierend oder sehr klein.

  • Schwämme: Petrosia ficiformis, Petrobiona massiliana, Chondrosia reniformis, Diplastrella bistellata, Penares euastrum, Penares helleri, Jaspis johnstoni, Haliclona mucosa
  • Serpulide Polychaeten: Protula spp.
  • Moostierchen (inkrustierend): z. B. Onychocella marioni
  • Armfüßer (Brachiopoda): Joania cordata, Argyrotheca cuneata, Novocrania anomala
  • Weitere mobile Arten: Schwebegarnelen (Mysiden: Hemimysis margalefi, H. speluncola), die Zehnfußkrebse Stenopus spinosus, Palinurus elephas (Europäische Languste) und Plesionika narval, die Bohrmuschel Lithophaga lithophaga sowie Fische wie Apogon imberbis (Meerbarbenkönig) und Grammonus ater.

Bemerkenswert ist das Vorkommen von Tiefseearten in diesen dunklen Zonen, unabhängig von der tatsächlichen Wassertiefe. So können etwa Tiefseeschwämme und -bryozoen in flachen, aber lichtlosen Höhlen überleben, weil dort ähnliche Umweltbedingungen herrschen wie in der Tiefsee.

Qualitätsindikatoren für intakte Höhlengemeinschaften

Meereshöhlen sind individuell und heterogen; eine einfache Bewertung des ökologischen Zustands ist deshalb schwierig. Auf Basis neuerer Untersuchungen wurden jedoch folgende Positivindikatoren vorgeschlagen:

  • Dreidimensionale Strukturgeber: Vorhandensein fragiler, langsam wachsender Arten (z. B. Edelkoralle, aufrechte Moostierchen). Sie schaffen Lebensraum für viele andere Organismen.
  • Hohe Flächendeckung mit Suspensionsfressern: vor allem Blumentiere (Anthozoa) und große Filtrierer (massive Schwämme).
  • Präsenz großer Mysiden-Schwärme als bedeutende Konsumenten und Nahrungsquelle.
  • Vorkommen verschiedener omnivorer und carnivorer mobiler Arten: Fische und Zehnfußkrebse, die auf ein intaktes Nahrungsnetz hinweisen.

Ein Rückgang dieser Indikatoren, etwa durch mechanische Zerstörung, Sedimenteintrag oder Nährstoffüberlastung, wäre ein Warnsignal.

Europäische Rote Liste und Erhaltungszustand

Im Rahmen der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (Bewertung für EU28 sowie EU28+) wird der Lebensraumtyp MC152 aktuell als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Ein spezifisches Gefährdungskriterium ist in den vorliegenden Quelldaten nicht genannt. Das bedeutet, dass nach derzeitigem Wissen keine akute, großräumige Bedrohung vorliegt, die eine Einstufung in eine Gefährdungskategorie rechtfertigen würde.

Allerdings wird gleichzeitig betont, dass der Wissensstand über die Höhlenbiodiversität im südlichen und östlichen Mittelmeer sehr gering ist. Die Einstufung spiegelt somit auch den Mangel an flächendeckenden Daten wider und könnte sich bei besserer Kenntnis ändern.

Auf der Ebene der FFH-Richtlinie werden diese Höhlen als Teil des Typs 8330 (Unterwasserhöhlen) geschützt. Ein gesamteuropäischer Erhaltungszustand nach Artikel 17 ist in den hier verwendeten Quelldaten für diesen spezifischen EUNIS-Typ nicht ausgewiesen; die FFH-Berichterstattung erfolgt auf der Ebene des übergeordneten Lebensraumtyps und für einzelne Mitgliedstaaten.

Vorkommen und biogeografische Region

Der Biotoptyp MC152 ist auf die biogeografische Region MED (mediterran) beschränkt. Er findet sich an Felsküsten aller Mittelmeeranrainer, wobei die Angaben zu konkreten Ländern in den aktuellen Quellen nicht spezifiziert sind. Schwerpunkte der bisherigen Forschung liegen im nordwestlichen Mittelmeer (z. B. Mittelmeerküsten Frankreichs, Italiens, Spaniens), während aus weiten Teilen des südlichen und östlichen Beckens nur wenige Untersuchungen vorliegen.

Ein Schutz durch Ausweisung von FFH-Gebieten (Natura 2000) ist für Unterwasserhöhlen des Typs 8330 möglich und in vielen küstennahen Meeresschutzgebieten der EU verwirklicht, doch die direkte Abbildung auf den enger gefassten Typ MC152 kann nicht überall als gesichert gelten.

Bedeutung für den Mittelmeerraum

Diese Höhlengemeinschaften sind nicht nur Biodiversitäts-Hotspots, sondern auch Archive evolutionärer Anpassungen. Sie beherbergen einen großen Teil der gesamten mediterranen Vielfalt an Moostierchen, Armfüßern und Schwämmen. Das Phänomen, dass Tiefseearten in die Flachwasser-Höhlen vordringen, macht sie zu Laboratorien für die Erforschung der Besiedlungsgeschichte des Mittelmeeres.

Die extrem langsamen Wachstumsraten vieler beteiligter Arten (z. B. Edelkoralle, Biostalaktiten) bedeuten allerdings, dass Störungen – etwa durch Ankern, Taucher ohne gute Auftriebskontrolle, Schleppnetzfischerei in Nähe der Höhleneingänge oder Sedimentfahnen – über Jahrzehnte nachwirken können.

Ein direkter „Garten- oder Kommunenbezug“ ist bei diesem marinen Höhlentyp nicht sinnvoll; eine Nachbildung im Gartenteich ist nicht möglich und wäre mit den ökologischen Funktionen nicht vergleichbar. Von Bedeutung sind jedoch Schutzbemühungen und Sensibilisierung von Wassersportlern und Fischerei.

Forschungsbedarf und Wissenslücken

Die Quelldaten weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Höhlenbiodiversität im südlichen und östlichen Mittelmeer extrem untererforscht ist. So sind weder genaue Verbreitungskarten auf Länderebene noch belastbare Bedrohungsanalysen vorhanden. Künftige Kartierungen, Monitoring unter einheitlichen Standards und vor allem der Einsatz nicht-invasiver Methoden (z. B. Umwelt-DNA, bildgebende Verfahren) könnten den Wissensstand erheblich verbessern und eine präzisere Gefährdungsbeurteilung für die Rote Liste erlauben.

FAQ

Was ist das Besondere an mediterranen Zirkalittoralhöhlen? Sie vereinen mehrere Lebensgemeinschaften auf engstem Raum: eine schattenliebende Algenzone, eine halbdunkle Zone mit filtrierenden Schwämmen und Korallen sowie eine dunkle, an extreme Lichtarmut angepasste Fauna. Zudem beherbergen sie unverhältnismäßig viele Arten aus den Gruppen der Moostierchen, Armfüßer und Schwämme.

Welche biologische Zonierung findet man in diesen Höhlen? Entlang des Lichtgradienten unterscheidet man Eingangszone, halbdunkle Zone und dunkle Zone. In der halbdunklen Zone wachsen oft biogene Stalaktiten aus Serpuliden und Schwämmen; in der dunklen Zone nehmen Besiedlungsdichte und Biomasse stark ab und oft treten schwarze Mangan-Eisen-Krusten auf.

Ist der Lebensraum bedroht? Laut Europäischer Roter Liste gilt er derzeit als nicht gefährdet (Least Concern). Allerdings ist die Datenlage besonders im östlichen und südlichen Mittelmeer lückenhaft, und viele der aufbauenden Arten wachsen extrem langsam und reagieren empfindlich auf mechanische Störungen.

Wie ist die Verbindung zum FFH-Schutz? MC152 ist Teil des Lebensraumtyps 8330 „Unterwasserhöhlen“, der in Anhang I der FFH-Richtlinie aufgeführt ist. Das bedeutet, dass Vorkommen in europäischen Schutzgebieten in der Regel unter diesen Typ gemeldet und geschützt werden.

Warum findet man in den Höhlen manchmal Tiefseearten? In den dunklen, kalten, nahrungsarmen Innenbereichen herrschen ähnliche Bedingungen wie in der Tiefsee, sodass Arten, die normalerweise in großer Tiefe leben, hier auch im flachen Wasser überleben können. Die Höhlen fungieren damit als Fenster zur Tiefseefauna.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist das Besondere an mediterranen Zirkalittoralhöhlen?

Sie vereinen mehrere Lebensgemeinschaften auf engstem Raum: eine schattenliebende Algenzone, eine halbdunkle Zone mit filtrierenden Schwämmen und Korallen sowie eine dunkle, an extreme Lichtarmut angepasste Fauna. Zudem beherbergen sie unverhältnismäßig viele Arten aus den Gruppen der Moostierchen, Armfüßer und Schwämme.

Welche biologische Zonierung findet man in diesen Höhlen?

Entlang des Lichtgradienten unterscheidet man Eingangszone, halbdunkle Zone und dunkle Zone. In der halbdunklen Zone wachsen oft biogene Stalaktiten aus Serpuliden und Schwämmen; in der dunklen Zone nehmen Besiedlungsdichte und Biomasse stark ab und oft treten schwarze Mangan-Eisen-Krusten auf.

Ist der Lebensraum bedroht?

Laut Europäischer Roter Liste gilt er derzeit als nicht gefährdet (Least Concern). Allerdings ist die Datenlage besonders im östlichen und südlichen Mittelmeer lückenhaft, und viele der aufbauenden Arten wachsen extrem langsam und reagieren empfindlich auf mechanische Störungen.

Wie ist die Verbindung zum FFH-Schutz?

MC152 ist Teil des Lebensraumtyps 8330 „Unterwasserhöhlen“, der in Anhang I der FFH-Richtlinie aufgeführt ist. Das bedeutet, dass Vorkommen in europäischen Schutzgebieten in der Regel unter diesen Typ gemeldet und geschützt werden.

Warum findet man in den Höhlen manchmal Tiefseearten?

In den dunklen, kalten, nahrungsarmen Innenbereichen herrschen ähnliche Bedingungen wie in der Tiefsee, sodass Arten, die normalerweise in großer Tiefe leben, hier auch im flachen Wasser überleben können. Die Höhlen fungieren damit als Fenster zur Tiefseefauna.

Quellen