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EUNIS: B1.7Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 2270

Mediterraner Küsten-Kieferndünenwald – EUNIS B1.7

Der mediterrane Küsten-Kieferndünenwald (EUNIS-Code B1.7) ist ein natürlicher Waldtyp auf stabilisierten Küstendünen des Mittelmeergebiets. Er wird von Kiefern wie Pinus pinea, Pinus pinaster oder Pinus halepensis dominiert und ist in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Der Lebensraumtyp entspricht weitgehend dem FFH-Anhang-I-Typ 2270 (*Walddünen mit Pinus pinea und/oder Pinus pinaster).

Einordnung

Originalbezeichnung
Mediterranean coniferous coastal dune woodland
EUNIS
B1.7 – Coastal dune woods
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
2270 – * Wooded dunes with Pinus pinea and/or Pinus pinaster

Das Wichtigste in Kürze

  • Der mediterrane Küsten-Kieferndünenwald ist ein von Kiefern geprägter Wald auf stabilisierten Dünen der Mittelmeerküsten.
  • Der EUNIS-Code lautet B1.7 (Coastal dune woods); innerhalb der europäischen Roten Liste wird der Untertyp als B1.7d geführt.
  • Die Europäische Rote Liste der Lebensräume bewertet ihn mit „Least Concern“ – auf europäischer Ebene besteht derzeit keine Gefährdung.
  • Er ist eng mit dem FFH-Lebensraumtyp 2270 (*Walddünen mit Pinus pinea und/oder Pinus pinaster) verknüpft, einem prioritären Lebensraum der EU.
  • Natürliche Bestände kommen an Küsten von Zypern, Albanien, Italien, Spanien und Portugal vor; auch alt eingesessene Kiefernforste mit natürlichem Unterwuchs werden dazugerechnet.
  • Qualitätsmerkmale sind ein ungleichaltriger Kiefernschirm, eine artenreiche Strauchschicht ohne Unkräuter und das Fehlen von Störungen durch Tourismus oder standortfremde Gehölze.

Was ist der mediterrane Küsten-Kieferndünenwald?

Mediterrane Küsten-Kieferndünenwälder entstehen auf Küstendünen, die so weit stabilisiert und vom salzhaltigen Grundwasser oder von Gischt entfernt sind, dass sich ein dauerhafter Baumbestand halten kann. Sie ähneln in ihrem Aufbau stark der zonalen Waldvegetation des jeweiligen mediterranen Klimas – im Binnenland würde man ähnliche Kiefernwälder etwa dem EUNIS-Typ G3.7 (Mediterranean lowland to sub-montane Pinus woodland) zuordnen.

Im westlichen Mittelmeerraum herrschen Pinie (Pinus pinea), See-Kiefer (Pinus pinaster) und Aleppo-Kiefer (Pinus halepensis) vor, im östlichen Mittelmeer dominiert die Kalabrische Kiefer (Pinus brutia). Alle vier Arten werden zudem seit langer Zeit auf stabilen Küstensanden angepflanzt. Auch solche alt eingesessenen Plantagen mit einer natürlichen Strauch- und Krautschicht fallen unter diesen Biotoptyp – entsprechend der Regelung des FFH-Lebensraumtyps 2270.

Entscheidend für die Zuordnung ist die Dominanz der Kiefern: Sobald die Begleitsträucher eine größere Deckung erreichen als die Bäume, wird die Vegetation dem Typ B1.6b (Mediterranean and Black Sea coastal dune scrub) zugerechnet.

EUNIS-Klassifikation: B1.7 und die Feingliederung

Das europäische Habitat-Klassifikationssystem EUNIS ordnet den Lebensraum wie folgt ein:

  • B – Küstenlebensräume (Coastal habitats)
  • B1 – Küstendünen und Sandstrände (Coastal dunes and sandy shores)
  • B1.7 – Küstendünenwälder (Coastal dune woods)
  • B1.7d – Mediterraner Nadelholz-Küstendünenwald (Mediterranean coniferous coastal dune woodland)

Der Code B1.7d wird in den Datensätzen der Europäischen Roten Liste als eigener bewerteter Untertyp geführt. Er umfasst sowohl spontan entstandene als auch alt eingesessene, naturnah unterwuchsreiche Kiefernbestände auf Dünen. Rein forstlich begründete Plantagen ohne die standorttypische Begleitflora zählen nicht dazu.

Abgrenzung: Wo Sträucher wie Juniperus macrocarpa, Pistacia lentiscus oder Phillyrea angustifolia vorherrschen und die Kiefern nur noch vereinzelt vorkommen, erfolgt die Einstufung als B1.6b.

Rote Liste der europäischen Lebensräume: Least Concern

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (European Red List of Habitats) bewertet den Erhaltungszustand von Biotoptypen auf EU-Ebene. Der mediterrane Küsten-Kieferndünenwald wird unter dem Code B1.7d mit der Kategorie „Least Concern“ (nicht gefährdet) sowohl für die EU28- als auch für die EU28+-Staaten geführt.

Das bedeutet: Auf europäischer Ebene gibt es derzeit keine Anzeichen für einen starken Rückgang der Fläche oder Qualität, der die Einstufung in eine Gefährdungskategorie („Near Threatened“ oder höher) rechtfertigen würde. Ein spezifisches Kriterium (z. B. für Populationsrückgang oder Flächenverlust) wurde in den vorliegenden Quelldaten nicht genannt.

Wichtig zu wissen: Die Einstufung „Least Concern“ ist eine Momentaufnahme auf kontinentaler Skala und schließt lokale oder regionale Probleme nicht aus – etwa die Umwandlung von Dünenwäldern durch intensive touristische Nutzung oder die Anpflanzung nicht heimischer Baumarten.

FFH-Anhang I: Lebensraumtyp 2270

Der Biotoptyp steht in enger Verbindung zum Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Dort ist der Lebensraum 2270 – Walddünen mit Pinus pinea und/oder Pinus pinaster als prioritärer Lebensraum () gelistet. Die Querbeziehung wird in den offiziellen Datensätzen mit dem Symbol (ungefähr gleich) versehen, weil:

  • der FFH-Typ 2270 ausschließlich Bestände mit Pinus pinea und/oder Pinus pinaster einschließt,
  • der EUNIS-Typ B1.7d zusätzlich die östlichen Bestände mit Pinus brutia und Pinus halepensis umfasst,
  • beide Konzepte aber die gleiche Grundidee verfolgen: Kiefernwälder auf stabilisierten Dünen mit natürlicher Bodenvegetation.

Für die praktische Naturschutzarbeit bedeutet das: Flächen, die dem EUNIS-Typ B1.7d entsprechen und die genannten Kiefernarten aufweisen, sind in der Regel dem FFH-Typ 2270 zuzuordnen und genießen damit den Schutzstatus eines prioritären Lebensraums. Ein aktueller Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie wurde in den vorliegenden Quelldaten nicht ausgewiesen.

Lebensraum und Artenvielfalt

Standortbedingungen

  • Boden: Tiefgründige, entkalkte oder zumindest oberflächlich entsalzte Küstensande
  • Lage: Weit genug landeinwärts oder topographisch geschützt, sodass salzhaltiges Grundwasser und Meeresgischt keinen prägenden Einfluss mehr haben
  • Klima: Mediterran, mit milden Wintern und sommerlicher Trockenheit
  • Dynamik: Die Wälder entstehen als Endstadium der Dünenentwicklung, wenn die Sandbewegung weitgehend zum Stillstand gekommen ist.

Baumschicht

Die Baumschicht ist meist licht und ungleichaltrig. Je nach Region dominieren:

RegionHäufigste Kiefernarten
Westliches MittelmeerPinus pinea, Pinus pinaster, Pinus halepensis
Östliches MittelmeerPinus brutia, ergänzt durch Pinus halepensis

Die Kiefern erreichen oft eine Höhe von 10–20 m und bilden einen lockeren Kronenschirm, unter dem sich eine artenreiche Strauchschicht entwickeln kann.

Strauch- und Krautschicht

Typische Begleitgehölze (Unterwuchs) sind:

  • Phillyrea angustifolia (Schmalblättrige Steinlinde)
  • Rhamnus oleoides (Ölbaum-Kreuzdorn)
  • Pistacia lentiscus (Mastixstrauch)
  • Olea europaea var. sylvestris (Wilder Ölbaum)
  • Tamarix gallica und Tamarix africana (Tamarisken)
  • In Spanien und Portugal zusätzlich: Juniperus macrocarpa (Großfrüchtiger Wacholder), Juniperus phoenicea (Phönizischer Wacholder), Juniperus oxycedrus (Stech-Wacholder)

Die Krautschicht wird von standorttypischen Dünenarten gebildet; für einen guten Erhaltungszustand dürfen keine Ackerunkräuter oder gebietsfremden Arten eindringen.

Tabelle: Typische Gehölzarten

SchichtWissenschaftlicher NameDeutscher NameVerbreitungshinweis
BaumPinus pineaPinieWestmediterran
BaumPinus pinasterSee-KieferWestmediterran
BaumPinus halepensisAleppo-KieferGesamtmediterran
BaumPinus brutiaKalabrische KieferOstmediterran
StrauchPistacia lentiscusMastixstrauchGesamtmediterran
StrauchPhillyrea angustifoliaSchmalblättrige SteinlindeWest- bis Zentralmediterran
StrauchOlea europaea var. sylvestrisWilder ÖlbaumGesamtmediterran
StrauchJuniperus macrocarpaGroßfrüchtiger WacholderIberische Halbinsel
StrauchTamarix gallicaFranzösische TamariskeNordwestmediterran

Qualitätsmerkmale und typische Störungen

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume nennt vier zentrale Qualitätsindikatoren, die eine intakte Ausbildung des Lebensraums anzeigen:

  1. Fehlen forstlich gepflanzter oder eingeführter Kiefern anderer Arten sowie gebietsfremder Bäume (z. B. Eucalyptus).
  2. Ungleichaltriger Kiefernschirm mit einer darunter liegenden Strauchschicht – ein Hinweis auf natürliche Verjüngung.
  3. Vorkommen der typischen Begleitflora ohne Unkrautarten.
  4. Keine Störungen durch Küstentourismus (Trittbelastung, Abfälle, Bodenverdichtung).

Daraus lassen sich auch die häufigsten Beeinträchtigungen ableiten, obwohl das Rote-Liste-Verfahren aktuell keine flächendeckende Trendanalyse identifiziert hat:

  • Tourismusdruck: Betretung, Lagern, Feuerstellen sowie der Bau von Infrastruktur zerstören die schüttere Vegetation und verdichten den Boden.
  • Forstliche Eingriffe: Anpflanzungen etwa mit Eucalyptus oder mit schnellwüchsigen, nicht heimischen Kiefernherkünften führen zu einer Verarmung der Unterwuchsflora.
  • Zersiedelung: In beliebten Küstenzonen werden Dünenwälder für Siedlungen und Freizeitflächen gerodet.
  • Invasive Arten: Gebietsfremde Sträucher können die natürliche Verjüngung der Kiefern behindern.

Trotz der generellen Einstufung „Least Concern“ muss der Lebensraum deshalb besonders in touristisch intensiv genutzten Küstenabschnitten aktiv geschützt werden.

Vorkommen und geografische Verbreitung

Die natürlichen Vorkommen des mediterranen Küsten-Kieferndünenwaldes erstrecken sich über die Küsten des Mittelmeerraumes. Die in den Quelldaten konkret genannten Länder sind:

  • Zypern
  • Albanien
  • Italien
  • Spanien (inklusive Balearen)
  • Portugal (Atlantikküste)

In diesen Ländern existieren sowohl spontane Wälder als auch seit langem etablierte Pinien- oder See-Kiefernforste mit natürlichem Unterwuchs, die dem Lebensraum zugeordnet werden. Über die genannten Länder hinaus können kleinflächige Bestände auch in anderen mediterranen Staaten auftreten, doch liegen dazu in den vorliegenden Quelldaten keine weiteren Angaben vor.

In biogeografischen Regionen wie der Mediterranen Region und möglicherweise Teilen der Atlantischen Region (Portugal) ist der Typ relevant; die genauen biogeografischen Regionen sind im Quelldatensatz jedoch nicht explizit aufgeführt.

Schutz und Pflege

Die Zugehörigkeit zum prioritären FFH-Lebensraumtyp 2270 verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten, günstige Erhaltungszustände zu bewahren oder wiederherzustellen. Dafür kommen insbesondere folgende Maßnahmen in Betracht:

  • Besucherlenkung: Stege, Zäune und Informationsangebote verhindern Trittbelastungen.
  • Freihalten von standortfremden Gehölzen: Entfernung von Eucalyptus-Pflanzungen oder gebietsfremden Kiefernarten.
  • Förderung der Naturverjüngung: Ungleichaltrige Bestände erhalten und kleinräumige Störungen (z. B. Stürme) zulassen, die der Kiefernverjüngung dienen.
  • Keine intensive forstliche Nutzung: Allenfalls einzelstammweise Entnahme, wenn sie mit den Erhaltungszielen vereinbar ist.

Da aus den vorliegenden europäischen Datensätzen keine konkreten Restaurierungsempfehlungen abgeleitet wurden, müssen die Pflegemaßnahmen standörtlich an die jeweilige lokale Situation angepasst werden.

Fazit

Der mediterrane Küsten-Kieferndünenwald (EUNIS B1.7, Subtyp B1.7d) ist ein charakteristischer Lebensraum der mediterranen Dünenlandschaften. Er bietet zahlreichen spezialisierten Pflanzen und Tieren einen Rückzugsraum und genießt als prioritärer FFH-Typ eine besondere Schutzverantwortung. Obwohl die Europäische Rote Liste aktuell keine überregionale Gefährdung sieht, sind die Wälder lokal durch Tourismus und forstliche Eingriffe bedroht – ein achtsamer Umgang bleibt unerlässlich.

Häufige Fragen

Was ist der EUNIS-Code des mediterranen Küsten-Kieferndünenwaldes?

Der Biotoptyp wird unter dem EUNIS-Code B1.7 (Coastal dune woods) geführt, mit der Feinstufe B1.7d (Mediterranean coniferous coastal dune woodland).

Welche Kiefernarten sind typisch für diesen Lebensraum?

Im Westen dominieren Pinus pinea (Pinie), Pinus pinaster (See-Kiefer) und Pinus halepensis (Aleppo-Kiefer), im Osten Pinus brutia (Kalabrische Kiefer).

Wie ist der Gefährdungsstatus auf europäischer Ebene?

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft den Typ als „Least Concern“ (nicht gefährdet) ein – sowohl in der EU28 als auch in der EU28+-Runde.

Welchem FFH-Lebensraumtyp entspricht der Kieferndünenwald?

Er entspricht dem prioritären FFH-Typ 2270 (*Walddünen mit Pinus pinea und/oder Pinus pinaster), wobei die Übereinstimmung als ungefähr (≈) gilt, da der EUNIS-Typ auch andere Kiefernarten umfasst.

In welchen Ländern kommt der mediterrane Küsten-Kieferndünenwald vor?

Natürliche und alt eingesessene Bestände sind an den Küsten von Zypern, Albanien, Italien, Spanien und der Atlantikküste Portugals dokumentiert.

Quellen