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EUNIS: MB131; MB1312; MB1313; MB1315; MB4331; MB4332; MB4333; MB4335Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 1160; 1170

Mehrjährige Algengemeinschaften der Ostsee auf Hartsubstrat – EUNIS, Gefährdung und FFH-Bezug

Bei dem Lebensraumtyp „Perennial algal communities (excluding kelp) on Baltic infralittoral rock and mixed substrata“ handelt es sich um einen marinen Lebensraum der photischen Zone der Ostsee, in dem ausdauernde mehrjährige Algen wie Fucus-Arten oder mehrjährige Rotalgen mindestens 10 % des Bodens bedecken. Der Untergrund besteht zu mindestens 90 % aus Fels, Geröll, Steinen oder gemischtem Hartsubstrat. Der Lebensraum ist auf der Europäischen Roten Liste als „Least Concern“ (ungefährdet) eingestuft und wird durch die FFH-Lebensraumtypen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe) abgedeckt.

Einordnung

Originalbezeichnung
Perennial algal communities (excluding kelp) on Baltic infralittoral rock and mixed substrata (predominantly hard)
EUNIS
MB131; MB1312; MB1313; MB1315; MB4331; MB4332; MB4333; MB4335
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Lebensraum umfasst mehrjährige, standorttreue Algengemeinschaften (ohne Kelp) auf hartem oder überwiegend hartem Substrat im Flachwasser der Ostsee.
  • Er wird durch acht eng verwandte Biotope nach der HELCOM HUB-Klassifikation beschrieben, die sich vor allem durch die vorherrschende Algengruppe und das Substrat unterscheiden.
  • EUNIS-Codes: MB131, MB1312, MB1313, MB1315, MB4331, MB4332, MB4333, MB4335.
  • Europäische Rote Liste der Lebensräume: Least Concern (ungefährdet) – sowohl in der EU28 als auch in der EU28+.
  • FFH-Anhang-I-Bezug: Der Lebensraum kann Bestandteil der Lebensraumtypen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe) sein.
  • Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.
  • Biogeografische Region: ausschließlich BAL (Ostsee).
  • Charakteristische Arten sind unter anderem Fucus-Arten, Furcellaria lumbricalis, Coccotylus truncatus, Phyllophora spp., Delesseria sanguinea und Polysiphonia spp.
  • Qualitätsmerkmale wie die untere Tiefengrenze von Fucus und die Menge epiphytischer Algen werden als potenzielle Indikatoren diskutiert; allgemein vereinbarte Indikatoren gibt es nicht.

Lebensraum und Definition

Mehrjährige Algengemeinschaften auf Hartsubstrat der Ostsee sind ein mariner benthischer Lebensraumtypus der photischen Zone – also jener durchlichteten Wasserschicht, in der ausreichend Licht für die Photosynthese am Meeresboden ankommt. Ausschlaggebend ist der Untergrund: Mindestens 90 % des Substrats bestehen aus Fels, Geröll, Steinen oder gemischten, überwiegend harten Böden. Auf diesem Untergrund siedeln ausdauernde, mehrjährige Algen, die nicht zum Kelp (Laminaria und verwandte Gattungen) gehören. Damit unterscheidet sich der Lebensraum grundlegend von den großwüchsigen Tangwäldern der Nordsee oder des Atlantiks.

Die Algen müssen dabei eine Deckung von mindestens 10 % des Meeresbodens erreichen und mehr Fläche bedecken als andere aufrecht wachsende Algengruppen. Typisch sind Standorte, die einer gewissen Wellenexposition ausgesetzt sind. Die Obergrenze liegt oft bei etwa 0,5 m Wassertiefe, weil stärkere mechanische Belastung durch Wellenschlag in den obersten Dezimetern das Aufkommen vieler Arten erschwert.

Der Lebensraum wurde im Rahmen der European Red List of Habitats unter dem Kürzel BAL2 erfasst und ist ausschließlich für die biogeografische Region BAL (Ostsee) beschrieben. Er kommt weder im Atlantik noch im Mittelmeer vor, sondern spiegelt die besonderen ökologischen Bedingungen des Brackwassermeeres wider.

EUNIS-Typologie und HELCOM-Biotope

Die Europäische Naturinformationssystem-Klassifikation (EUNIS) weist dem Lebensraum acht Einzelcodes zu, die verschiedene Ausprägungen abbilden:

  • MB131 und MB4331 (Basis-Codes für Fels- und Mischsubstrat-Lebensräume)
  • MB1312, MB1313, MB1315 (Felsbiotope mit unterschiedlichen Algendominanzen)
  • MB4332, MB4333, MB4335 (Mischsubstrat-Biotope mit den gleichen Algengruppen)

Die HELCOM HUB-Klassifikation trennt noch feiner nach vorherrschender Algengruppe und Substrattyp. Vier Hauptgruppen ergeben zusammen mit der Unterscheidung von Fels-/Geröllstandorten und gemischten Hartsubstraten die genannten acht Biotope:

HELCOM-Bezeichnung (Code)Dominante AlgenTiefe (ca.)Salzgehalt
Baltic photic rock and boulders/mixed substrata dominated by Fucus spp. (AA.A1C1 / AAM1C1)Fucus radicans, F. serratus, F. vesiculosus0,5–5 m> 4 psu
Baltic photic rock and boulders/mixed substrata dominated by perennial non-filamentous corticated red algae (AA.A1C2 / AA.M1C2)Furcellaria lumbricalis2–10 m> 4 psu
Baltic photic rock and boulders/mixed substrata dominated by perennial foliose red algae (AA.A1C3 / AA.M1C3)Coccotylus spp., Phyllophora spp., Delesseria sanguinea2–10 m> 4 psu
Baltic photic rock and boulders/mixed substrata dominated by perennial filamentous algae (AA.A1C5 / AA.M1C5)Polysiphonia spp., Aegagrophila linnaei, Cladophora rupestris0,5–10 m≥ 4 psu

Die ersten beiden Gruppen (Fucus und corticate Rotalgen) kommen in allen Ostseebecken vor, fehlen jedoch in der Bottenwiek (Bothnian Bay) und im östlichsten Teil des Finnischen Meerbusens, wo die Lebensbedingungen bereits zu extrem sind. Die foliosen Rotalgen fehlen ebenfalls in der Bottenwiek und in der östlichen Hälfte des Finnischen Meerbusens. Die filamentösen Algen sind als einzige Gruppe in allen Teilbecken nachgewiesen.

Verbreitung und Standortbedingungen

Der Lebensraum ist ein Kind der Ostsee. Seine Verbreitung deckt sich im Wesentlichen mit den Küstengewässern der EU-Anrainerstaaten, die in der biogeografischen Region BAL liegen. Eine exakte Länderliste ist in den verwendeten Quelldaten nicht hinterlegt; genannt werden alle Ostseebecken außer den genannten Ausschlussgebieten.

Die Salinität ist der bestimmende Umweltfaktor. Ein Salzgehalt von mehr als 4 psu (Practical Salinity Units) grenzt die vitalen Vorkommen von Fucus und den corticated red algae ein. Im Vergleich zum vollmarinen Milieu der Nordsee ist das sehr niedrig, reicht aber für diese spezialisierten Brackwasserarten aus. Die Wassertiefe variiert zwischen 0,5 m und etwa 10 m, abhängig von der Algengruppe und der lokalen Sichttiefe.

Wellenexposition fördert die Ansiedlung, weil sie feines Sediment fernhält und die Hartsubstrate frei von Schlammauflage bleiben. Gleichzeitig verhindert zu starke Brandung in der Spritzwasserzone eine dauerhafte Besiedlung. Der Lebensraum ist daher typisch für exponierte Felsküsten und Geröllböschungen im Flachwasser.

Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume

Die European Red List of Habitats (2022) bewertet den Lebensraumtyp in der EU28 sowie in der EU28+ (inkl. assoziierter Staaten) als Least Concern (LC) – also als ungefährdet. Dies bedeutet, dass zum Zeitpunkt der Bewertung kein erhöhtes Aussterberisiko für den Lebensraum auf europäischer Ebene besteht.

Die Einstufung als „Least Concern“ ist nicht mit „gefahrlos“ zu verwechseln. Sie besagt, dass der Lebensraum weit verbreitet ist und die Bestände insgesamt stabil erscheinen, ohne dass die Kriterien für eine höhere Gefährdungskategorie erfüllt sind. Regionale Rückgänge oder lokale Verluste sind denkbar, wurden aber in der europaweiten Betrachtung nicht als gefährdend für den Gesamtbestand eingestuft. Konkrete Gefährdungsursachen und Bedrohungen sind in den Quelldaten nicht aufgeführt, werden jedoch üblicherweise in Verbindung mit Eutrophierung, Sedimenteintrag, Klimawandel und invasiven Arten diskutiert.

FFH-Anhang-I-Bezug

Der Lebensraum ist nicht als eigenständiger Typ in Anhang I der FFH-Richtlinie gelistet. Er kann aber räumlicher und funktionaler Bestandteil zweier geschützter Lebensraumtypen sein:

  • 1160 – Große flache Buchten und Meeresarme (Large shallow inlets and bays)
  • 1170 – Riffe (Reefs)

Beide FFH-Lebensraumtypen kommen in der Ostsee vor und umfassen unter anderem flache, felsige oder steinige Meeresböden mit Algenbewuchs. Die typischen mehrjährigen Algengemeinschaften auf Hartsubstrat repräsentieren genau jene benthischen Strukturen, die das Schutzobjekt „Riff“ oder die Unterwasservegetation in flachen Buchten charakterisieren. Die Quellen vermerken den Bezug mit dem Symbol „#“, was auf eine teilweise oder unvollständige Überlappung hinweist.

Erhaltungszustand gemäß Artikel 17 FFH-Richtlinie

Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie wird für konkrete FFH-Lebensraumtypen (Anhang I) und nicht für Rote-Liste-Einheiten wie BAL2 berichtet. Da der Lebensraum kein eigenständiger Anhang-I-Typ ist, gibt es keinen direkten Artikel-17-Status. Er kann anteilig in den Bewertungen der Typen 1160 und 1170 enthalten sein. In den hier verwendeten Quelldaten ist kein Artikel-17-Erhaltungszustand hinterlegt.

Artenvielfalt und charakteristische Arten

Die Artenzusammensetzung dieser Algengemeinschaften spiegelt die einzigartige Brackwasserökologie der Ostsee wider. Die charakteristischen Arten sind niedrigwüchsig, mehrjährig und oft an stark schwankende Salzgehalte angepasst. Die genannten Artenlisten stammen aus der HELCOM-Beschreibung:

  • Braunalgen: Fucus vesiculosus (Blasentang), Fucus serratus (Sägetang), Fucus radicans (eine endemische Schmalform der Ostsee)
  • Rotalgen (corticate, nicht-filamentös): Furcellaria lumbricalis (Gabeltang)
  • Rotalgen (folios): Coccotylus truncatus, Phyllophora spp., Delesseria sanguinea (Blutroter Meerampfer)
  • Filamentöse Algen: Polysiphonia spp., Aegagrophila linnaei, Cladophora rupestris, sowie Sphacelaria spp.

Diese Algen bilden teils dichte Bestände und sind ihrerseits Lebensraum für zahlreiche wirbellose Tiere, darunter Krebse, Schnecken und Jungfische. Besonders die Fucus-Bestände übernehmen eine Schlüsselfunktion als Kinderstube und Nahrungshabitat.

Bedeutung für das Ökosystem und Qualitätsindikatoren

Mehrjährige Algengemeinschaften auf Hartsubstrat sind ein Hotspot der Biodiversität im ansonsten häufig sedimentdominierten Ostseeboden. Sie stabilisieren das Substrat, produzieren Sauerstoff und bieten strukturgebende Elemente („biogene Riffe“). Ihre langsame Wachstumsweise und mehrjährige Lebensdauer macht sie empfindlich gegenüber plötzlichen Umweltveränderungen.

Potenzielle Indikatoren für die Habitatqualität, die in den Quelldaten genannt werden:

  • Die untere Tiefengrenze der Fucus-Bestände – ein Rückgang in geringere Tiefen deutet auf zunehmende Trübung oder Eutrophierung hin.
  • Der Bedeckungsgrad mit epiphytischen Algen – übermäßiger Aufwuchs kann auf Nährstoffbelastung hindeuten und die Wirtspflanze schwächen.

Allgemein verbindliche Indikatoren existieren jedoch nicht. In ausgewählten Schutzgebieten (z. B. Natura 2000) können lokal standortspezifische Referenzwerte festgelegt sein, die als Qualitätsmaßstab dienen.

Obwohl der Lebensraum in der Europäischen Roten Liste als ungefährdet gilt, sprechen die potenziellen Belastungsfaktoren für einen wachsamen Blick auf die Wasserqualität und die Erhaltung unverbauter Hartsubstratküsten. Der Lebensraum ist nicht auf den Garten übertragbar, doch das Wissen um seine Existenz und Empfindlichkeit trägt zum Verständnis eines intakten Ökosystems Ostsee bei.

Häufige Fragen

Was sind mehrjährige Algengemeinschaften auf Ostsee-Hartsubstrat?

Ein mariner Lebensraum der photischen Zone, in dem mehrjährige Algen wie Fucus spp. oder mehrjährige Rotalgen mindestens 10 % des Bodens bedecken. Der Untergrund besteht zu mindestens 90 % aus Fels, Geröll, Steinen oder gemischtem Hartsubstrat. Die Vorkommen sind auf die Ostsee beschränkt und werden nach HELCOM in acht Biotope unterteilt.

Welche EUNIS-Codes sind diesem Lebensraum zugeordnet?

MB131, MB1312, MB1313, MB1315, MB4331, MB4332, MB4333 und MB4335. Die Codes trennen Fels- und Mischsubstratbiotope sowie die dominierenden Algengruppen.

Wie ist der Lebensraum auf der Europäischen Roten Liste der Lebensräume eingestuft?

Als Least Concern (LC) – ungefährdet. Diese Einstufung gilt für die EU28 sowie für die EU28+-Bewertung und bedeutet, dass auf europäischer Ebene kein erhöhtes Aussterberisiko besteht.

Welcher Bezug besteht zu den FFH-Anhang-I-Lebensraumtypen?

Der Lebensraum kann Teil der FFH-Lebensraumtypen 1160 (Große flache Buchten und Meeresarme) und 1170 (Riffe) sein. Einen eigenständigen Anhang-I-Status besitzt er nicht.

Welche charakteristischen Arten prägen diesen Lebensraum?

Typisch sind Fucus vesiculosus, F. serratus und F. radicans; Furcellaria lumbricalis; Coccotylus truncatus, Phyllophora spp. und Delesseria sanguinea; Polysiphonia spp., Aegagrophila linnaei und Cladophora rupestris.

Quellen