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EUNIS: F6.2; F6.3; F6.4Europäische Rote Liste: Least Concern

Östliche Garrigue – Immergrüne Zwergstrauchheiden des östlichen Mittelmeerraums

Die östliche Garrigue (EUNIS F6.2, F6.3, F6.4) ist eine immergrüne, offene, niedrige Strauchgesellschaft der meso-, thermo- und teils supra-mediterranen Stufe Griechenlands, des südlichen Albaniens, der Adriaküsten, Zyperns, Südanatoliens sowie der Schwarzmeerküsten. Sie wird von Arten wie Kermes-Eiche (Quercus coccifera), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Zistrosen (Cistus spp.) und Dornpolster-freien Halbsträuchern geprägt und gilt europaweit als ungefährdet (Least Concern).

Einordnung

Originalbezeichnung
Eastern garrigue
EUNIS
F6.2; F6.3; F6.4 – Eastern garrigues; Illyrian garrigues; Black Sea garrigues
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern

Das Wichtigste in Kürze

Die östliche Garrigue ist eine für das östliche Mittelmeer typische, niedrige, immergrüne Strauchformation. Sie wächst auf trockenen, steinigen Böden und entstand meist durch jahrhundertelange Beweidung und gelegentliche Brände aus Wäldern und hoher Macchie. Ihre offene, lichte Struktur bietet einer Vielzahl wärmeliebender Pflanzen und Tiere Lebensraum. In der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen wird sie als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft. Der Lebensraum fällt nicht unter Anhang I der FFH-Richtlinie, und ein gemeinschaftlicher Erhaltungszustand nach Artikel 17 liegt nicht vor.

Was ist die östliche Garrigue?

Der Begriff Garrigue bezeichnet im Mittelmeergebiet offene, niedrigwüchsige Strauchheiden auf flachgründigen, oft kalkreichen Böden. Anders als die dichtere, höhere Macchie wird die Garrigue von maximal knie- bis hüfthohen Sträuchern und Halbsträuchern beherrscht. Die östliche Garrigue fasst dabei die Ausprägungen der östlichen Mittelmeerhälfte zusammen – von der Adria über Griechenland und die Ägäis bis nach Zypern und Anatolien, sowie die isolierten Bestände an der Schwarzmeerküste (Krim, Bulgarien, europäische Türkei).

In der europäischen Biotopklassifikation EUNIS werden drei Einheiten unterschieden:

  • F6.2 Eastern garrigues (die eigentliche ostmediterrane Garrigue)
  • F6.3 Illyrian garrigues (illyrische Garriguen der Adriaküsten)
  • F6.4 Black Sea garrigues (Schwarzmeer-Garriguen)

Die Zuordnung erfolgt nach floristischen und geographischen Kriterien. Alle drei Typen teilen den Charakter einer immergrünen, sklerophyllen (hartblättrigen) Zwergstrauchformation, die von Sommerdürre und traditioneller Nutzung geprägt wird.

Typische Pflanzenarten und Physiognomie

Die östliche Garrigue ist kein einheitlicher Bestand, sondern ein Mosaik aus verschiedenen Gesellschaften, die je nach Boden, Klima und Nutzungsgeschichte variieren. Dominanzbestimmend sind meist eine oder mehrere der folgenden Arten:

  • Kermes-Eiche (Quercus coccifera) – oft als niedriges, stachelig wirkendes Gestrüpp
  • Rosmarin (Rosmarinus officinalis) – besonders an der östlichen Adria und im Ionischen Raum
  • Verschiedene Zistrosen (Cistus creticus, C. salvifolius, C. incanus) – weit verbreitete Brandfolgepflanzen
  • Erika-Arten (Erica manipuliflora, Erica multiflora) – in den illyrischen Garriguen
  • Wacholder (Juniperus oxycedrus, Juniperus phoenicea) – niedrige, buschige Formen
  • Lavendel (Lavandula stoechas, L. angustifolia)
  • Lippenblütler wie Phlomis-Arten, Salbei-Arten (Salvia triloba, S. argentea), Teucrium fruticans
  • Pfriemenginster (Spartium junceum), Dorcynium hirsutum und andere Schmetterlingsblütler
  • Korbblütler wie Helichrysum- und Phagnalon-Arten
  • In den südlichsten, wärmsten Lagen nahe der Levante treten sogar Dornsträucher wie Ziziphus lotus und Z. spina-christi, Rhamnus palaestina oder Capparis spinosa auf.

Die Vegetationsdecke ist lückig und niedrig; viele Arten besitzen graufilzige oder ledrige Blätter als Anpassung an Trockenheit und intensive Sonneneinstrahlung. Einjährige Gräser und Kräuter füllen die offenen Stellen im Frühjahr.

Regionale Untertypen: Eine Übersicht

Regionale AusbildungEUNIS-CodeLeitarten (dominante Gehölze)Besonderheiten
Ostmediterrane GarrigueF6.2Quercus coccifera, Cistus spp., Rosmarinus officinalisam weitesten verbreitet; oft aus Kermes-Eichen-Wäldern hervorgegangen
Illyrische GarrigueF6.3Erica manipuliflora, E. multiflora, Rosmarinus officinalis, Spartium junceuman den Adria-Küsten; stärker mit Macchia-Elementen durchsetzt
Schwarzmeer-GarrigueF6.4Cistus incanus, C. salvifoliusklimatisch weniger mediterran; viele sommergrüne Sträucher; Arbutus andrachne tritt hinzu

Verbreitung – Wo wächst die östliche Garrigue?

Die östliche Garrigue besiedelt einen breiten geographischen Raum. Schwerpunkte liegen:

  • in Griechenland (Festland und Inseln),
  • im südlichen Albanien,
  • an der westlichen und östlichen Adriaküste (Illyrien),
  • auf Zypern,
  • in der südlichen und westlichen Türkei (Anatolien),
  • an der europäischen und asiatischen Schwarzmeerküste (Krim, Südost-Bulgarien, europäische Türkei, nordanatolische Küste),
  • sowie in der mediterran-steppischen Übergangszone Süd-Thrakiens.

Die Höhenstufe reicht von der thermo-mediterranen Küstenzone bis gelegentlich in die supra-mediterrane Stufe hinauf.

Entstehung und ökologische Einordnung

Garriguen sind in aller Regel anthropo-zoogene Ersatzgesellschaften. Sie entstehen durch rückschreitende Sukzession (Retrogressive Succession), wenn immergrüne Wälder (z. B. Steineichen- oder Aleppo-Kiefern-Wälder) und anschließend die hohe Macchie durch dauerhafte Beweidung (insbesondere Ziegen und Schafe) und wiederholte Brände degradiert werden. Die Feuer fördern dabei Arten, die aus Wurzelstöcken wieder austreiben (z. B. Quercus coccifera) oder deren Samen durch Hitze aktiviert werden (viele Cistus-Arten). Moderate Beweidung hält die Bestände offen und verhindert das Aufkommen höherer Sträucher.

Ohne diese Störfaktoren würden sich viele Garriguen allmählich wieder zu Macchie oder Wald entwickeln.

Ökologische Bedeutung und Artenvielfalt

Trotz oder gerade wegen ihrer Nährstoffarmut und Trockenheit beherbergen ostmediterrane Garriguen eine hohe Zahl oft hochspezialisierter, wärmeliebender Pflanzenarten. Viele Orchideen (vor allem der Gattung Ophrys), Zwiebelpflanzen und Therophyten (Einjährige) finden hier einen ihrer letzten Rückzugsräume. Auch die Vielfalt an Bienen, Tagfaltern, Reptilien und bodenbrütenden Vögeln ist beachtlich. Lückiger Bewuchs und offene Bodenstellen sind essenziell für die Keimung vieler Arten und für wärmeliebende Insekten.

Gefährdung und Schutzstatus

Der Biotoptyp wurde in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (2022, EU28 und EU28+) als „Least Concern“ (nicht gefährdet) bewertet. Das bedeutet, dass sein Verbreitungsgebiet und seine Fläche zum Bewertungszeitpunkt als stabil galten. Allerdings können lokale Gefährdungen bestehen.

Wichtige Hinweise zum gesetzlichen Schutz:

  • Der Lebensraum ist nicht in Anhang I der FFH-Richtlinie gelistet.
  • Ein offizieller Erhaltungszustand nach Artikel 17 der Habitat-Richtlinie liegt in den Quelldaten nicht vor.
  • Die Bewertung als „Least Concern“ bezieht sich auf das Gesamtareal in der EU28 sowie in EU28+ (inkl. assoziierter Länder).

Diese Einstufung sollte nicht über potenzielle lokale Risiken hinwegtäuschen: Intensivierung der Beweidung, Umwandlung in Ackerland, Siedlungsbau und zu häufige Brände können die Qualität der Garriguen herabsetzen. Auch der Verlust traditioneller Bewirtschaftungsformen (Aufgabe der extensiven Weidewirtschaft) führt zu Verbuschung und dem Verschwinden des offenen Charakters.

Qualitätsindikatoren für intakte Garriguen

Die Europäische Rote Liste benennt eine Reihe von Merkmalen, die eine gut erhaltene östliche Garrigue auszeichnen:

  • geringe Bodenverdichtung und Fehlen aktiver Sekundärsukzession (Verbuschung)
  • ein reiches Inventar an mehrjährigen und einjährigen Stauden sowie Zwergsträuchern
  • Dominanz niedriger Sträucher und Halbsträucher
  • offene, lückige Vegetationsstruktur
  • mäßige extensive Beweidung
  • Fehlen von Bränden (als chronischer Störfaktor)
  • keine oder nur wenige gebietsfremde, invasive oder ruderale Arten
  • Vorkommen seltener oder gefährdeter Arten mediterraner Herkunft
  • sporadisches Auftreten von Elementen der Macchie oder des Waldes

Das Zusammenspiel von extensiver Nutzung und natürlicher Sukzessionsbremse hält diesen Lebensraum in einem guten Zustand.

Garrigue, Macchie und Phrygana – Abgrenzung

Verständnishalber hilft eine klare Trennung:

  • Macchie (EUNIS F5.2): hohe, dichte, oft undurchdringliche Strauchformation mit Erica arborea und Arbutus-Arten; wächst auf tiefgründigeren Böden.
  • Thermo-mediterrane Gebüsche (F5.5): von wärmeliebenden Sträuchern beherrscht, aber dichter und höher als die Garrigue.
  • Dornpolster-Formationen (F7): auffällige kissen- oder polsterförmige, stachelige Sträucher in Hochlagen oder an extremen Standorten; von der Garrigue ausgeschlossen.
  • Östliche Garrigue (F6.2/F6.3/F6.4): niedrig, offen, von sklerophyllen Zwergsträuchern und Halbsträuchern geprägt; keine dauerhafte Dominanz der genannten Macchia-Arten.

Garten und Siedlungsraum – Was lässt sich übertragen?

Viele der charakteristischen Garrigue-Arten sind beliebte mediterrane Zierpflanzen: Rosmarin, Lavendel, Zistrosen, Phlomis, Heiligenblume (Helichrysum) und Salbei-Arten. In Mitteleuropa gedeihen sie an sonnigen, durchlässigen Stellen – erinnern jedoch ökologisch kaum an den eigentlichen Lebensraum. Eine echte östliche Garrigue ist durch den sich selbst erhaltenden Wechsel von Störung und Regeneration eng an die traditionelle Kulturlandschaft gebunden und lässt sich nicht 1:1 im Garten oder auf kommunalen Grünflächen replizieren. Dennoch können viele dieser Arten als Bausteine trockenheitsverträglicher, artenreicher Pflanzungen eingesetzt werden.

Häufig gestellte Fragen

  1. Was versteht man unter einer östlichen Garrigue?
    Es handelt sich um eine offene, immergrüne, niedrige Strauchformation des östlichen Mittelmeerraums. Sie entsteht vorwiegend durch Beweidung und Feuer aus ehemaligen Wäldern und Macchie. EUNIS-Codes: F6.2, F6.3, F6.4.

  2. Ist die östliche Garrigue in der EU gesetzlich geschützt?
    Der Lebensraum ist nicht in Anhang I der FFH-Richtlinie aufgenommen. Daher gibt es auch keinen Artikel-17-Erhaltungszustand. In der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen gilt er als „Least Concern“.

  3. Welche Pflanzen dominieren die östliche Garrigue?
    Hauptbestandsbildner sind Kermes-Eiche (Quercus coccifera), Rosmarin, verschiedene Zistrosen (Cistus creticus, C. salvifolius), Erica manipuliflora, Wacholder (Juniperus oxycedrus, J. phoenicea), Lavendel und viele Lippenblütler.

  4. Worin unterscheiden sich Garrigue und Macchie?
    Die Macchie ist hoch und dicht, oft mit Erica arborea und Arbutus. Die Garrigue ist niedrig (meist unter 1 m), lückig und von Zwergsträuchern geprägt. Sie stellt ein Degradationsstadium der Macchie dar.

  5. Sind Schwarzmeer-Garriguen genauso artenreich wie die mediterranen?
    Die Schwarzmeer-Garriguen (F6.4) sind floristisch ärmer an typisch mediterranen Arten und enthalten viele sommergrüne Gehölze, da das Klima weniger stark sommertrocken ist. Dennoch sind sie wichtige Refugien für Steppen- und Waldrandarten.

Häufige Fragen

Was versteht man unter einer östlichen Garrigue?

Die östliche Garrigue ist eine offene, immergrüne, niedrige Strauchformation des östlichen Mittelmeerraums. Sie fasst die EUNIS-Typen F6.2 (eastern garrigues), F6.3 (illyrische Garrigue) und F6.4 (Schwarzmeer-Garrigue) zusammen und entsteht vor allem durch Beweidung und Feuer aus ehemaligen Wäldern.

Ist die östliche Garrigue in der EU gesetzlich geschützt?

Der Lebensraum ist nicht in Anhang I der FFH-Richtlinie aufgenommen. Dementsprechend liegt in den offiziellen Daten kein Artikel-17-Erhaltungszustand vor. In der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen wird er als „Least Concern“ (ungefährdet) geführt.

Welche Pflanzen dominieren die östliche Garrigue?

Bestandsbildend sind vor allem Kermes-Eiche (Quercus coccifera), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), verschiedene Zistrosen (Cistus creticus, C. salvifolius), Erica manipuliflora, Juniperus oxycedrus, Juniperus phoenicea, Lavendel (Lavandula stoechas) und zahlreiche Lippenblütler wie Phlomis und Salvia.

Worin unterscheiden sich Garrigue und Macchie?

Die Macchie (EUNIS F5.2) ist eine hohe, dichte Strauchformation mit Baumheide (Erica arborea) und Erdbeerbäumen (Arbutus). Die Garrigue bleibt hingegen niedrig (meist unter 1 Meter), ist lückig und wird von Zwergsträuchern und Halbsträuchern beherrscht. Sie gilt als Degradationsstadium der Macchie.

Sind Schwarzmeer-Garriguen genauso artenreich wie die mediterranen?

Die Schwarzmeer-Garriguen (F6.4) weisen ein anderes Artenspektrum auf: Typisch mediterrane Hartlaubgewächse fehlen weitgehend, stattdessen dominieren sommergrüne Sträucher und Halbsträucher. Sie sind artenreiche Rückzugsräume für Steppen- und Übergangsarten.

Quellen