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EUNIS: MC242Europäische Rote Liste: Critically EndangeredFFH-Anhang I: 1170

Pontische zirkalittorale biogene Detritusböden mit Muschelbänken und Krustenkorallenalgen (MC242)

MC242 (Pontic circalittoral biogenic detritic bottoms with dead or alive mussel beds) ist ein biogenes Riffhabitat der Schwarzmeer-Küstengewässer, das durch Krustenkorallenalgen und Phyllophora-Arten gebildet wird. Es ist Teil des FFH-Lebensraumtyps 1170 (Riffe) und in der Europäischen Roten Liste als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) eingestuft.

Einordnung

Originalbezeichnung
Pontic circalittoral biogenic detritic bottoms with dead or alive mussel beds, shell deposits, with encrusting corallines (Phymatolithon, Lithothamnion) and attached foliose sciaphilic macroalgae
EUNIS
MC242
EU-28
Critically Endangered
EU-28+
Critically Endangered
FFH-Anhang I
1170 – Reefs

Pontische zirkalittorale biogene Detritusböden mit Muschelbänken und Krustenkorallenalgen (MC242)

Das Wichtigste in Kürze

Der Lebensraumtyp MC242 beschreibt einen der außergewöhnlichsten marinen Biotoptypen Europas: das Zernov-Phyllophora-Feld im nordwestlichen Schelf des Schwarzen Meeres. Es handelt sich um ein biogenes Riff, das von Rotalgen – insbesondere Phyllophora crispa und krustigen Korallenalgen – gebildet wird und auf Muschelschalen sowie Kalktrümmern in 30–50 m Tiefe wächst. Der Biotop beherbergt eine hochspezialisierte Gemeinschaft aus über 110 Wirbellosen- und 47 Fischarten, darunter auch Störe. Aufgrund massiver Degradation seit den 1970er Jahren ist er auf der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered) eingestuft. Über die FFH-Richtlinie fällt er unter den Anhang-I-Lebensraum 1170 (Riffe), ein aktueller Artikel-17-Erhaltungszustand liegt in den vorliegenden Daten jedoch nicht vor.

EUNIS-Klassifikation und Einordnung

Der EUNIS-Code MC242 gehört zur Gruppe der marinen Lebensräume und dort zu den zirkalittoralen Biotopen des Schwarzen Meeres (Pontische Region). Der vollständige wissenschaftliche Name lautet:

Pontic circalittoral biogenic detritic bottoms with dead or alive mussel beds, shell deposits, with encrusting corallines (Phymatolithon, Lithothamnion) and attached foliose sciaphilic macroalgae

Dieser Name beschreibt bereits die wichtigsten Bausteine:

  • Pontic – auf das Schwarze Meer (Pontisches Becken) beschränkt.
  • circalittoral – unterhalb der euphotischen Zone, hier in Wassertiefen von 30–50 m.
  • biogenic detritic bottoms – biogen entstandene Ablagerungen aus Muschel- und Kalkskelettresten.
  • mussel beds / shell deposits – lebende oder tote Miesmuschelbänke (Mytilus galloprovincialis) und deren Schalenreste.
  • encrusting corallines – flächig wachsende Korallenalgen (Gattungen Phymatolithon, Lithothamnion), die das Substrat verfestigen.
  • attached foliose sciaphilic macroalgae – blattartige schattenliebende Makroalgen, die sich auf diesem Untergrund ansiedeln, insbesondere Phyllophora crispa und Coccotylus truncatus.

Anders als bei bloßen Schill- oder Sandböden entsteht hier ein stabiles, strukturreiches Riff, das zahlreichen Arten Lebensraum bietet.

Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste der Lebensräume

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume, erstellt für EU28 und EU28+ (inklusive Norwegen, Island, Schweiz und Westbalkan), bewertet MC242 als Critically Endangered (CR) – vom Aussterben bedroht. Dies ist die höchste Gefährdungskategorie für noch existierende Lebensräume.

Das Gebiet des Zernov-Feldes galt historisch als ausgedehntes, dichtes Algenfeld. In den 1970er Jahren wurden noch Biomassen von Phyllophora crispa zwischen 4 und 17 000 Gramm pro Quadratmeter gemessen – ein Zeichen für den damals guten Zustand. Die anschließende drastische Verschlechterung wird in den Daten als „schwere Degradierung“ bezeichnet. Die genauen Kriterien der Roten Liste (z. B. Einstufungskriterium) sind in den Quelldaten nicht näher aufgeschlüsselt, aber die Einstufung CR spiegelt den historischen Einbruch der Fläche und der Qualität wider. Die Erhebungen basieren auf dem European Red List of Habitats – Marine Projekt.

Bezug zur FFH-Richtlinie und zu Anhang I

MC242 ist kein direkt in Anhang I der FFH-Richtlinie aufgelisteter Typ, aber er wird unter den Lebensraumtyp 1170 (Riffe) gefasst, denn die Definition von „Riff“ im Sinne der Richtlinie schließt biogene Bildungen auf Hartsubstraten im Sublitoral ausdrücklich ein. Die Verknüpfung zu Anhang I ist in den Quelldaten mit dem Qualifier # (enger Bezug) angegeben.

Für den Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegen im verwendeten Datenpaket keine Angaben vor. Das bedeutet nicht, dass keine Meldungen existieren, sondern lediglich, dass sie im genutzten Datensatz nicht enthalten sind. In der Praxis dürften die wenigen EU-Mitgliedstaaten mit Schwarzmeer-Anrainer (Rumänien, Bulgarien) entsprechende Berichte liefern, deren aktueller Stand hier aber nicht einfließt.

Lebensraum: Entstehung und Ökologie

Das Zernov-Phyllophora-Feld ist ein Paradebeispiel für biogene Habitate, bei denen lebende Organismen selbst die Struktur schaffen. Auf dem Schelf des nordwestlichen Schwarzen Meeres lagern sich Miesmuschelschalen und andere kalkhaltige Reste ab. Diese bilden ein zunächst lockeres Sediment (shelly mud bis shell hash). Darauf siedeln krustige Korallenalgen, vor allem Lithothamnion crispatum, Lithothamnion propontidis und Lithophyllum cystoseirae, die das Substrat verfestigen.

Auf diesen Korallenalgen finden die rasen- und blattartigen Rotalgen Phyllophora crispa und Coccotylus truncatus Halt. Sie können dichte, astreiche Bestände (canopies) bilden, die wie ein unterseeischer Wald wirken. Dieser Wald bietet Verstecke, Laichplätze und Nahrungsgründe für eine enorme Vielfalt an Tieren. Historisch wurden hier bis zu 32 Makroalgenarten gefunden, von denen Phyllophora crispa, Coccotylus truncatus, Polysiphonia sanguinea, Feldmannia irregularis und Desmarestia viridis die häufigsten waren.

Charakteristische Artenvielfalt

Die biologische Vielfalt in diesem Lebensraum ist außergewöhnlich und stark an die Dichte des Phyllophora-Baldachins gebunden. Die dominierenden Habitatingenieure sind alle Rotalgen:

  • Phyllophora crispa (Syn. P. nervosa)
  • Coccotylus truncatus
  • Lithothamnion crispatum, L. propontidis und Lithophyllum cystoseirae (Krustenalgen)

Die begleitende Tierwelt umfasst mehr als 110 Wirbellose und 47 Fischarten. Eine Auswahl der in den Quelldaten gelisteten Arten zeigt die Vielfalt:

GruppeBeispiele
SchwämmeHaliclona gracilis
NesseltiereActinothoe clavata
WeichtiereLepidochitona cinerea, Abra alba, Calyptraea chinensis, Retusa truncatella, Monophorus perversus, Pitar rudis, Cerastoderma glaucum, Polititapes aureus
VielborsterHarmothoe reticulata, Syllis elegans, Spirobranchus triqueter
FlohkrebseGammarus aequicauda, Apherusa bispinosa, Melita palmata
AsselnStenosoma capito
ZehnfußkrebseLiocarcinus navigator, Crangon crangon
SeescheidenAscidiella aspersa, Ciona intestinalis
KnorpelfischeRaja clavata (Nagelrochen), Squalus acanthias (Dornhai)
KnochenfischeAcipenser gueldenstaedti (Russischer Stör), A. stellatus (Sternhausen), Huso huso (Hausen), Chelidonichthys lucernus (Gestreifter Knurrhahn), Lepadogaster gouani und L. microcephalus (Klebfische), Ctenolabrus rupestris (Klippenbarsch), Psetta maeotica (Asowsche Scholle)

Die Zusammensetzung der Begleitfauna schwankt je nach Dichte des Phyllophora-Bestandes; lichte Stellen bieten andere Kleinstrukturen als dicht verwobene Algenwälder.

Bedrohungen und Degradation

Die vorliegenden Quelldaten listen keine expliziten Bedrohungen auf. Der historische Zustandsbericht lässt aber den starken Rückgang deutlich werden. Ab den 1980er Jahren kam es zu einer massiven Verschlechterung, die vermutlich mit den folgenden Faktoren zusammenhängt (ohne dass diese im Quelldatensatz einzeln quantifiziert sind):

  • Eutrophierung durch Nährstoffeinträge aus den großen Flüssen Donau, Dnjepr und Dnjestr, die zu Algenblüten und Sauerstoffmangel in den unteren Wasserschichten führte.
  • Sauerstoffarmut (Hypoxie), die direkt die empfindlichen Algen und die Bodenfauna schädigt.
  • Schleppnetzfischerei, die die biogenen Riffstrukturen mechanisch zerstören kann.
  • Verschlechterung der Wassertransparenz, was das Lichtklima für die Algen verschlechtert; im Monitoring ist Wassertransparenz ein zentraler abiotischer Qualitätsindikator.

Die Biomasse von Phyllophora crispa gilt als wichtigster biologischer Gradmesser. Dass für den guten Zustand von 1978 (4–17 000 g/m²) heute keine realistische Zielgröße mehr darstellt, belegt den dramatischen Wandel. Schwellenwerte für ein modernes Monitoring wurden bislang nicht etabliert.

Qualitätsindikatoren und Monitoring

Aus den Quelldaten gehen folgende Indikatoren hervor, die zur Bewertung der Habitatqualität genutzt werden können:

Biologische Indikatoren:

  • Abundanz (Häufigkeit) von Phyllophora crispa
  • Biomasse von Phyllophora crispa
  • Abundanz der Miesmuschel Mytilus galloprovincialis

Abiotische Indikatoren:

  • Wassertransparenz

Ein standardisiertes Monitoring-Programm mit festen Schwellenwerten gibt es bisher nicht. Die historischen Referenzwerte (bis 17 000 g Frischgewicht je Quadratmeter) sind aufgrund der langjährigen Degradation als Ziel unrealistisch – ein neuer, realistischer Ausgangszustand müsste erst wissenschaftlich definiert werden.

Bedeutung für den Naturschutz

Das Zernov-Phyllophora-Feld ist der weltweit größte zusammenhängende Bestand der Rotalgenfamilie Phyllophoraceae. Es bildet einen einmaligen Lebensraum im gesamten europäischen Meeresgebiet und stellt eine zentrale ökologische Schaltstelle für das nordwestliche Schwarze Meer dar. Störe und Dornhaie nutzen es als Nahrungs- und Rückzugsgebiet; die Funktion als Laich- und Aufwuchsplatz für viele Fischarten unterstreicht den unersetzlichen Wert.

Da das Habitat nur im Schwarzen Meer vorkommt und dort auf den nordwestlichen Schelf beschränkt ist, tragen die Anrainerstaaten eine besondere Verantwortung. Der Schutzstatus über den FFH-Anhang I „Riffe“ bietet eine rechtliche Grundlage für die Ausweisung von Meeresschutzgebieten und die Einförderung eines günstigen Erhaltungszustands.

Einschätzung für Kommunen und „Garten“

Dieser Biotoptyp ist ein mariner Tiefenlebensraum in 30–50 m Wassertiefe und kann nicht in Gärten, Parks oder städtischen Teichen nachgebildet werden. Kommunen mit touristischer Nutzung an der Schwarzmeerküste können aber indirekt zum Schutz beitragen, indem sie auf eine Verringerung der Nährstoffeinträge, die Sensibilisierung für das unsichtbare Riff und die Unterstützung von Meeresschutzprojekten setzen. Der Wert des Habitats lässt sich in Ausstellungen oder Naturinformationszentren vermitteln, die das Leben unter der Wasseroberfläche begreifbar machen.

FAQ

1. Was genau ist das Zernov-Phyllophora-Feld?
Es handelt sich um das weltweit größte zusammenhängende Vorkommen von Rotalgen der Familie Phyllophoraceae. Die Algen wachsen auf verfestigten Muschelschalen und Korallenalgen-Krusten auf dem nordwestlichen Schelf des Schwarzen Meeres in 30–50 m Tiefe.

2. Warum ist der Biotoptyp MC242 vom Aussterben bedroht?
Laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume ist er als Critically Endangered eingestuft. Nachdem er in den 1970er Jahren noch in gutem Zustand war, kam es anschließend zu einer schweren Degradation, die mit der historischen Biomasse nicht mehr vergleichbar ist.

3. Welche Arten sind für diesen Lebensraum besonders kennzeichnend?
Die dominierenden Habitatingenieure sind die Rotalgen Phyllophora crispa und Coccotylus truncatus sowie die krustigen Korallenalgen der Gattungen Lithothamnion und Lithophyllum. Unter den Tieren finden sich über 110 Wirbellose und 47 Fischarten, darunter Störe und Nagelrochen.

4. Fällt das Habitat unter die FFH-Richtlinie?
Ja, indirekt. Es wird dem Anhang-I-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) zugeordnet, sodass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, einen günstigen Erhaltungszustand anzustreben und Schutzgebiete auszuweisen.

5. Wo kommt der Biotop genau vor?
MC242 ist auf den nordwestlichen Schelf des Schwarzen Meeres beschränkt. In den vorliegenden Quelldaten sind keine einzelnen Länder aufgeführt; die biogeografische Region ist die Schwarzmeerregion (BLS).

Quellen

Häufige Fragen

Was genau ist das Zernov-Phyllophora-Feld?

Es handelt sich um das weltweit größte zusammenhängende Vorkommen von Rotalgen der Familie Phyllophoraceae. Die Algen wachsen auf verfestigten Muschelschalen und Korallenalgen-Krusten auf dem nordwestlichen Schelf des Schwarzen Meeres in 30–50 m Tiefe.

Warum ist der Biotoptyp MC242 vom Aussterben bedroht?

Laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume ist er als Critically Endangered eingestuft. Nachdem er in den 1970er Jahren noch in gutem Zustand war, kam es anschließend zu einer schweren Degradation, die mit der historischen Biomasse nicht mehr vergleichbar ist.

Welche Arten sind für diesen Lebensraum besonders kennzeichnend?

Die dominierenden Habitatingenieure sind die Rotalgen Phyllophora crispa und Coccotylus truncatus sowie die krustigen Korallenalgen der Gattungen Lithothamnion und Lithophyllum. Unter den Tieren finden sich über 110 Wirbellose und 47 Fischarten, darunter Störe und Nagelrochen.

Fällt das Habitat unter die FFH-Richtlinie?

Ja, indirekt. Es wird dem Anhang-I-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) zugeordnet, sodass die Mitgliedstaaten verpflichtet sind, einen günstigen Erhaltungszustand anzustreben und Schutzgebiete auszuweisen.

Wo kommt der Biotop genau vor?

MC242 ist auf den nordwestlichen Schelf des Schwarzen Meeres beschränkt. In den vorliegenden Quelldaten sind keine einzelnen Länder aufgeführt; die biogeografische Region ist die Schwarzmeerregion (BLS).

Quellen