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EUNIS: MB146Europäische Rote Liste: Data DeficientFFH-Anhang I: 1170

Pontischer exponierter Fels des oberen Infralitorals mit Gesteinsbohrern (EUNIS MB146)

Der pontische exponierte Fels des oberen Infralitorals mit Gesteinsbohrern (EUNIS-Code MB146) ist ein marine Lebensraum aus busch- bis rasenförmig wachsenden Algen ohne Kronendach, der im Schwarzen Meer (pontische Region) im oberen Infralitoral bis hin zum oberen Circalitoral vorkommt. Er beherbergt auf kleinem Raum eine enorme Artenvielfalt (bis zu 110 Arten auf 400 cm²) und wird dem FFH-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) zugeordnet. In der Europäischen Roten Liste der Habitate gilt er als Data Deficient – eine Bewertung des Erhaltungszustands nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegt derzeit nicht vor.

Einordnung

Originalbezeichnung
Pontic exposed upper infralittoral rock with rock borers
EUNIS
MB146
EU-28
Data Deficient
EU-28+
Data Deficient
FFH-Anhang I
1170 – Reefs

Das Wichtigste in Kürze

Der Lebensraumtyp Pontischer exponierter Fels des oberen Infralitorals mit Gesteinsbohrern (englisch Pontic exposed upper infralittoral rock with rock borers) ist ein von Algen dominierter Meeresboden auf Hartsubstrat. Er besiedelt die lichtdurchflutete Zone des oberen Infralitorals bis hin zum oberen Circalitoral im Schwarzen Meer. Es handelt sich um einen außerordentlich artenreichen, aber auch störanfälligen Biotop, der in der Europäischen Roten Liste der Habitate mit „Data Deficient“ (Datenlage unzureichend) geführt wird.

Charakteristisch sind busch- und rasenförmige Algen, die keine geschlossenen Kronendächer bilden. Die gesamte Struktur bleibt unter 20 cm Höhe. In diesen Miniaturwäldern leben auf engstem Raum Rotalgen, Braunalgen, Grünalgen und eine Vielzahl an Wirbellosen und Fischen. Seeigel und pflanzenfressende Fische beeinflussen die Artenzusammensetzung stark – bis hin zu völligem Verlust der Algendecke („Barren“). Der Habitattyp ist unter dem FFH-Code 1170 (Riffe) geschützt, sein konkreter Erhaltungszustand im Rahmen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ist aber nicht bewertet.

EUNIS-Klassifikation: MB146

Das europäische Biotopklassifikationssystem EUNIS (European Nature Information System) ordnet diesen marinen Lebensraum unter dem Code MB146 ein. Der vollständige Name lautet Pontic exposed upper infralittoral rock with rock borers. Es handelt sich um einen rein marinen Biotoptyp der EUNIS-Gruppe der Meereslebensräume.

Der Lebensraum ist definitionsgemäß an die pontische Region gebunden – das Schwarze Meer und seine angrenzenden Küstengebiete. Andere biogeographische Regionen oder Länder nennt der vorliegende Datensatz nicht. Die Standorte liegen immer auf felsigem Hartboden vom oberen Infralitoral (der Bereich unterhalb der Niedrigwasserlinie, der noch ausreichend Licht für benthische Algen erhält) bis hinauf in das obere Circalitoral (die Zone unterhalb der Algen-dominierenden Tiefe).

Rote Liste der europäischen Habitate: Data Deficient

Die Europäische Rote Liste der Habitate bewertet Biotoptypen nach ihrem Aussterberisiko. Für den pontischen exponierten Fels des oberen Infralitorals mit Gesteinsbohrern lautet die Einstufung Data Deficient (DD). Das bedeutet, dass nicht genügend Informationen vorliegen, um eine fundierte Aussage über die Gefährdung zu treffen. Die Bewertung erfolgte sowohl für die EU28- als auch für die EU28+-Erweiterung. Konkrete Rote-Liste-Kriterien sind deshalb momentan nicht verfügbar.

Die Einstufung als DD zeigt eine deutliche Wissenslücke an. Es fehlen belastbare Daten zu Flächenentwicklung, Qualitätsverlust oder maßgeblichen Bedrohungen. Ohne solche Informationen kann nicht unterschieden werden, ob der Lebensraum stabil ist oder schleichend zurückgeht. In den Quelldaten sind keine konkreten Gefährdungsursachen oder Wiederherstellungsmaßnahmen aufgeführt – ein Umstand, der typisch für viele marine Rote-Liste-Habitate mit regionalem Bezug ist.

FFH-Anhang-I und Meeresschutz

Auf europäischer Ebene wird dieser Lebensraum dem Anhang-I-Lebensraumtyp 1170 „Riffe“ der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL, 92/43/EWG) zugeordnet. Die Verknüpfung ist in den EUNIS/FFH-Crosswalks mit dem Qualifikator „≈“ (ungefähr) versehen, was darauf hinweist, dass der pontische Fels als Teil der Riff-Lebensräume betrachtet wird, ohne eine vollständige 1:1-Entsprechung zu sein.

Der FFH-Lebensraumtyp 1170 umfasst eine große Bandbreite an Hartsubstrathabitaten – von Gezeitenrändern bis in tiefere Riffbereiche. Unter diesen weiten Begriff fällt auch der hier beschriebene Buschrasen des oberen Infralitorals. Über die Artikel-17-Berichterstattung der EU-Mitgliedstaaten können Erhaltungszustände für das gesamte Gebiet der EU bewertet werden. Für den konkreten EUNIS-Typ MB146 liegen solche Bewertungen in den uns vorliegenden Daten nicht vor. Es ist daher unklar, ob der Erhaltungszustand des Habitats im Schwarzen Meer günstig, ungünstig oder unzureichend ist.

Lebensraum und Struktur

Der pontische exponierte Fels ist ein immergrüner Algenteppich, der auf Felsflächen ohne Sedimentauflage gedeiht. Anders als Tang- oder Kelpwälder, die ein dichtes Kronendach ausbilden, bleiben die Algen hier niedrig – meist unter 20 cm. Sie wachsen buschig („bush-forming“) oder als Rasen („turf forming“). Die Bedeckung durch diese buschigen und rasenartigen Schichten ist meist höher als in Habitaten, die von kronendachbildenden Algen dominiert werden.

Trotz der geringen Höhe ist die dreidimensionale Struktur ausgesprochen komplex. Kleine Hohlräume, Epiphyten auf den Algen und festsitzende Tiere schaffen einen Mikrohabitat-Reichtum, der für die riesige Artenvielfalt verantwortlich ist. Auf nur 400 cm² Fläche können bis zu 110 verschiedene Arten gefunden werden – ein Wert, der diesen Biotop zu einem Hotspot der biologischen Vielfalt macht.

Die genaue Artenzusammensetzung variiert stark mit den Umweltbedingungen. Entscheidende Faktoren sind:

  • Lichtverfügbarkeit (Bathymetrie, Beschattung)
  • Hydrodynamismus (Wellenexposition, Strömung)
  • Nährstoffkonzentration im Meerwasser
  • Substrattyp und Neigung
  • Sedimentationsrate
  • Temperatur und Salzgehalt
  • Beweidungsdruck (Seeigel, pflanzenfressende Fische)
  • Prädation und Störungsfrequenz

Auf diese Weise können in einer Bucht verschiedene Untertypen nebeneinander existieren. Selbst in unmittelbarer Nachbarschaft können sich die dominanten Algenarten unterscheiden, je nachdem wie viel Licht einfällt oder wie stark die Überweidung durch Seeigel ist.

Artenvielfalt und charakteristische Gruppen

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Artengruppen und einige charakteristische Beispiele, die aus den Quelldaten hervorgehen. Die Artenliste ist umfangreich, aber nicht abschließend – sie reflektiert die große Variabilität je nach Tiefe, Exposition und geographischer Lage.

GruppeBeispiele charakteristischer Arten
Rotalgen (Rhodophyta)Corallina elongata, Lithophyllum incrustans, Peyssonnelia squamaria, Amphiroa rigida, Jania rubens, Asparagopsis armata, Laurencia obtusa, Pterothamnion crispum, Compsothamnion thuyoides
Braunalgen (Phaeophyta)Padina pavonica, Halopteris scoparia, Dictyota fasciola, Taonia atomaria, Stypopodium schimperi, Cladostephus spongiosus
Grünalgen (Chlorophyta)Codium bursa, Ulva rigida, Flabellia petiolata, Acetabularia acetabulum, Dasycladus vermicularis, Caulerpa prolifera
Schwämme (Porifera)Crambe crambe, Phorbas topsentii, Hemimycale columella
Weichtiere (Mollusca)Bittium reticulatum, Conus ventricosus, Columbella rustica, Rissoa guerinii
Krebstiere (Crustacea)Macropodia longirostris, Maja crispata
Stachelhäuter (Echinodermata)Paracentrotus lividus (Steinseeigel), Arbacia lixula, Marthasterias glacialis, Holothuria tubulosa
Fische (Pisces)Sarpa salpa (Goldstriemen), Diplodus sargus (Geißbrasse), Epinephelus marginatus (Brauner Zackenbarsch), Sciaena umbra (Meerrabe), Siganus rivulatus und S. luridus (Kaninchenfische) – beide invasiv

Nicht alle dieser Arten sind in jeder Ausprägung des Lebensraums gleich häufig. Seeigel wie Paracentrotus lividus können bei hohen Individuendichten die Algen vollständig abweiden und so nahezu vegetationslose Flächen („Barren“) erzeugen. Pflanzenfressende Fische, insbesondere der einheimische Goldstriemen (Sarpa salpa) und die eingewanderten Kaninchenfische (Siganus luridus, S. rivulatus), können die Artenzusammensetzung ebenfalls stark verändern.

Die Quelldaten erwähnen mehrere assoziierte Biotope (Untertypen):

  • Padina pavonica-Dominanzbestände auf gut belichteten, flachen, geschützten Standorten bei mäßigem Seeigelverbiss.
  • Pterothamnion crispum / Compsothamnion thuyoides auf flachen, beschatteten, geschützten bis mäßig exponierten Felsen.
  • Corallina elongata auf flachen, exponierten Küstenabschnitten.
  • Halopteris scoparia auf gut belichteten, geschützten Flächen bis 25 m Tiefe, vor allem in nördlichen Gebieten, gelegentlich mit der Braunalge Cladostephus spongiosus.
  • Codium bursa auf mäßig belichteten Felsen des Infralitorals.

Anzeichen von Qualität und Degradation

Ein intakter Lebensraum dieses Typs zeichnet sich durch eine hohe strukturelle Komplexität und eine typische, artenreiche Algengemeinschaft aus. Da quantitative Grenzwerte in den Quelldaten nicht hinterlegt sind, müssen qualitative Trends betrachtet werden. Typische erste Anzeichen einer Verschlechterung sind:

  • Artverschiebungen: langlebige, strukturgebende Arten werden durch kurzlebige, opportunistische Algen ersetzt.
  • Rückgang der Gesamtdiversität.
  • Zunahme invasiver, gebietsfremder Algen und Tiere.
  • Massenentwicklung schneller Siedler wie Ulva- (Meersalat), Cladophora- oder Acinetospora-Arten.
  • Dominanz stressresistenter Algen, zum Beispiel Kalkrotalgen (Corallina elongata, Lithophyllum incrustans), die auch unter schlechteren Bedingungen bestehen bleiben.
  • In flachen Lagen können bei hoher organischer Belastung Muscheln (Mytiliden) die Algenvegetation verdrängen.

Die Ursachen solcher Veränderungen sind vielfältig: Nährstoffeinträge, Überfischung von Raubfischen (was den Seeigeldruck erhöht), Einschleppung exotischer Arten oder mechanische Zerstörung durch Fischerei und Anker. Eine genaue Zuordnung von Bedrohungen ist wegen der DD-Einstufung der Roten Liste allerdings nicht möglich.

Pontischer Fels im Garten oder in der Kommunalplanung?

Dieser Biotoptyp ist an die spezifischen Bedingungen des Schwarzen Meeres gebunden und kann nicht in Gartenteichen oder städtischen Gewässern nachgebildet werden. Trotzdem ist das Wissen über solche artenreichen marinen Lebensräume für eine nachhaltige Raumplanung in Küstenkommunen relevant. Wer zum Beispiel darüber informiert ist, dass bereits kleine Felsabschnitte Hotspots der Biodiversität sein können, kann bei Küstenschutz- oder Hafenprojekten sensibler mit bestehenden Strukturen umgehen. Auch das Bewusstsein für invasive Arten (Kaninchenfische) hilft, den Druck auf heimische Gemeinschaften zu verstehen und Schutzmaßnahmen zu unterstützen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

  1. Was versteht man unter dem „pontischen exponierten oberen Infralitoral-Fels mit Gesteinsbohrern“? Es handelt sich um einen von busch- und rasenförmigen Algen dominierten marinen Hartsubstrathabitat im Schwarzen Meer, der vom oberen Infralitoral bis zum oberen Circalitoral reicht. Die Algen bilden kein Kronendach und bleiben unter 20 cm Höhe. Der Name nimmt Bezug auf die regionale Lage (pontische Region = Schwarzes Meer) und auf Organismen, die sich in das Gestein bohren.

  2. Warum ist dieser Lebensraum besonders artenreich? Auf nur 400 cm² können bis zu 110 verschiedene Arten leben. Die hohe Artenvielfalt erklärt sich durch die komplexe Mikrostruktur aus Algenrasen, festsitzenden Tieren und Epiphyten. Viele Nischen und die große Variabilität von Licht, Expositionsgrad und Beweidungsdruck fördern eine Vielzahl hoch spezialisierter Organismen.

  3. Wie ist der Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie? Der Habitattyp wird dem FFH-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) zugeordnet. Diese Riffe stehen unter dem Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, doch eine spezifische Erhaltungszustandsbewertung für den pontischen Fels (MB146) liegt nach Artikel 17 nicht vor. In der europäischen Roten Liste ist er mit „Data Deficient“ eingestuft, da Daten für eine Gefährdungsbeurteilung fehlen.

  4. Welche Rolle spielen Seeigel und pflanzenfressende Fische? Der Steinseeigel Paracentrotus lividus kann bei hoher Dichte alle Algen abraspeln und so kahle Flächen („Barren“) hinterlassen. Der einheimische Goldstriemen (Sarpa salpa) und die invasiven Kaninchenfische (Siganus rivulatus, S. luridus) verändern ebenfalls die Artenzusammensetzung, indem sie gezielt bestimmte Algen fressen und so die Dominanzverhältnisse verschieben.

  5. Welche Anzeichen deuten auf eine Beeinträchtigung des Habitats hin? Typische Degradationsanzeichen sind der Rückgang mehrjähriger, strukturbildender Algen und die Zunahme kurzlebiger opportunistischer Arten wie Ulva oder Cladophora. Auch eine Vermehrung stressresistenter Kalkrotalgen oder eine Verdrängung der Algen durch Muscheln bei hoher organischer Belastung zeigen an, dass das Habitat unter Druck gerät.

Quellen

Die Informationen stammen aus der erweiterten Europäischen Roten Liste der Habitate (2022), den EUNIS-Datenbanken und der FFH-Berichterstattung.

Häufige Fragen

Was versteht man unter dem „pontischen exponierten oberen Infralitoral-Fels mit Gesteinsbohrern“?

Es handelt sich um einen von busch- und rasenförmigen Algen dominierten marinen Hartsubstrathabitat im Schwarzen Meer, der vom oberen Infralitoral bis zum oberen Circalitoral reicht. Die Algen bilden kein Kronendach und bleiben unter 20 cm Höhe. Der Name nimmt Bezug auf die regionale Lage (pontische Region = Schwarzes Meer) und auf Organismen, die sich in das Gestein bohren.

Warum ist dieser Lebensraum besonders artenreich?

Auf nur 400 cm² können bis zu 110 verschiedene Arten leben. Die hohe Artenvielfalt erklärt sich durch die komplexe Mikrostruktur aus Algenrasen, festsitzenden Tieren und Epiphyten. Viele Nischen und die große Variabilität von Licht, Expositionsgrad und Beweidungsdruck fördern eine Vielzahl hoch spezialisierter Organismen.

Wie ist der Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie?

Der Habitattyp wird dem FFH-Lebensraumtyp 1170 (Riffe) zugeordnet. Diese Riffe stehen unter dem Schutz der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, doch eine spezifische Erhaltungszustandsbewertung für den pontischen Fels (MB146) liegt nach Artikel 17 nicht vor. In der europäischen Roten Liste ist er mit „Data Deficient“ eingestuft, da Daten für eine Gefährdungsbeurteilung fehlen.

Welche Rolle spielen Seeigel und pflanzenfressende Fische?

Der Steinseeigel Paracentrotus lividus kann bei hoher Dichte alle Algen abraspeln und so kahle Flächen („Barren“) hinterlassen. Der einheimische Goldstriemen (Sarpa salpa) und die invasiven Kaninchenfische (Siganus rivulatus, S. luridus) verändern ebenfalls die Artenzusammensetzung, indem sie gezielt bestimmte Algen fressen und so die Dominanzverhältnisse verschieben.

Welche Anzeichen deuten auf eine Beeinträchtigung des Habitats hin?

Typische Degradationsanzeichen sind der Rückgang mehrjähriger, strukturbildender Algen und die Zunahme kurzlebiger opportunistischer Arten wie Ulva oder Cladophora. Auch eine Vermehrung stressresistenter Kalkrotalgen oder eine Verdrängung der Algen durch Muscheln bei hoher organischer Belastung zeigen an, dass das Habitat unter Druck gerät.

Quellen