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EUNIS: MB13C; MB13D; MB13E; MB43F; MB43G; MB43HEuropäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 1160; 1170

Spärliche Epifauna auf baltischen Hartböden – Lebensraumtyp der Ostsee

Dieser marine Lebensraumtyp der Ostsee umfasst flache, lichtdurchflutete Bereiche mit Fels- und Steinböden, auf denen sessile Tiere und Algen weniger als 10 % der Fläche bedecken. Er ist in der Europäischen Roten Liste der Habitate als ungefährdet (Least Concern) eingestuft und fällt unter die FFH-Lebensraumtypen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) sowie 1170 (Riffe).

Einordnung

Originalbezeichnung
Sparse or absent epifaunal communities on Baltic infralittoral rock and mixed substrata (predominantly hard)
EUNIS
MB13C; MB13D; MB13E; MB43F; MB43G; MB43H
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
1160; 1170 – Large shallow inlets and bays; Reefs

Das Wichtigste in Kürze

Spärliche oder fehlende Epifauna-Gemeinschaften auf baltischen Infralitoral-Hartböden bilden einen marinen Biotoptyp, der in der Ostsee auf felsigen und steinigen Untergründen im lichtdurchfluteten Bereich vorkommt. Weniger als 10 % des Meeresbodens sind von mehrjährigen Pflanzen oder festsitzenden Tieren besiedelt. Typisch sind lückige Gemeinschaften aus Muscheln, Moostierchen oder Weideschnecken, teilweise dominieren Mikroalgen und Bakterien. Nach der Europäischen Roten Liste der Habitate gilt der Typ als ungefährdet (Least Concern). Er ist Teil der FFH-Lebensraumtypen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe). Ein Artikel-17-Erhaltungszustand ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

EUNIS-Klassifikation: Ein Blick auf die Codes

Der Biotoptyp wird in der EUNIS-Klassifikation (European Nature Information System) durch mehrere Codes abgebildet. Sie unterscheiden zwischen reinen Felsböden und überwiegend harten Mischsubstraten. Die folgende Tabelle fasst die zugehörigen EUNIS-Codes und ihre grobe Charakterisierung zusammen:

EUNIS-CodeSubstrattypBeschreibung (vereinfacht)
MB13CFels/Steine (>90 % Hartsubstrat)Infralitorales Hartbodenbiotop mit spärlichem Epibenthos
MB13DFels/Steine (>90 % Hartsubstrat)Übergang zu Mikrophytobenthos und Weideschnecken
MB13EFels/Steine (>90 % Hartsubstrat)Keine oder fast keine Makrofauna vorhanden
MB43FGemischt, überwiegend hartWie MB13C, aber auf Mischsubstraten
MB43GGemischt, überwiegend hartWie MB13D, aber auf Mischsubstraten
MB43HGemischt, überwiegend hartWie MB13E, aber auf Mischsubstraten

Die Kombination dieser sechs Einheiten ergibt eine für die Ostsee spezifische Gruppe von Lebensräumen. Zwei besonders markante Untertypen sind:

  • AA.A2T: Fels- und Steingründe mit spärlichem Epibenthos, ausschließlich im Bottnischen Meerbusen, Finnischen Meerbusen und der Rigaer Bucht.
  • AA.A2W: Fels- und Steingründe mit Mikrophytobenthos und Weideschnecken, nur im Bottnischen und Finnischen Meerbusen.

Gefährdung nach der Europäischen Roten Liste

Die Europäische Rote Liste der Habitate (2022) bewertet diesen Biotoptyp sowohl für die EU28 als auch für die erweiterte Region EU28+ als Least Concern (LC) – also als nicht gefährdet. Das bedeutet, dass aus europaweiter Sicht derzeit keine akute Bedrohung für den Bestand oder die Funktion des Lebensraums besteht.

  • Kategorie: Least Concern
  • Bewertungsebene: Europäische Rote Liste der Habitate (EU28 & EU28+)
  • Kriterium: In den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Diese Einstufung beruht auf einer großräumigen Einschätzung. Regionale Verschlechterungen, etwa durch Nährstoffeinträge oder mechanische Störungen, können lokal dennoch auftreten, sind in den Quelldaten zu diesem Habitat jedoch nicht als spezifische Gefährdungsfaktoren aufgeführt.

FFH-Anhang I: Welche Lebensraumtypen stecken dahinter?

Der Biotoptyp ist kein eigener FFH-Lebensraumtyp, aber er wird von zwei übergeordneten marinen Habitattypen des Anhang I der FFH-Richtlinie eingeschlossen:

FFH-CodeNameBezug
1160Flache große Meeresarme und -buchten (Large shallow inlets and bays)#
1170Riffe (Reefs)#

Das Symbol „#“ zeigt an, dass der hier beschriebene Biotoptyp innerhalb dieser FFH-Lebensraumtypen vorkommen kann, aber nicht zwingend die gesamte Fläche eines Vorkommens ausmacht. Wo ein flacher, felsiger Meeresboden mit kaum Bewuchs in einer großen Bucht oder auf einem Riff liegt, sind die Anhang-I-Kriterien häufig erfüllt. Für die Natura-2000-Managementplanung sind diese FFH-Typen die gesetzliche Grundlage.

Verbreitung und Standortfaktoren

Der Lebensraum ist ausschließlich in der baltischen biogeographischen Region (BAL) verbreitet. Konkrete Länderlisten liegen nicht vor. Aus den Zusatzdaten geht hervor, dass die Unterbiotope auf die nördlichen und östlichen Ostseebecken beschränkt sind:

  • Bottnischer Meerbusen (Golf von Bothnia)
  • Finnischer Meerbusen (Golf von Finnland)
  • Rigaer Bucht (Golf von Riga)

Standörtlich handelt es sich um flache Meeresbereiche (photic zone), in denen ausreichend Licht für photosynthetische Mikroorganismen den Boden erreicht. Das Substrat enthält zu mindestens 90 % Gestein, Blöcke oder Steine mit einem Durchmesser über 63 mm. Auf gemischten Böden kann der Hartsubstratanteil geringer sein, solange er überwiegt. Die geringe Besiedlungsrate von 0–10 % mit mehrjährigen Organismen kennzeichnet das Habitat.

Charakteristische Lebensgemeinschaften

Die Lebewelt wird von zwei unterschiedlichen Mustern geprägt:

  1. Spärliche Epibenthosgemeinschaften
    Auf den Hartböden siedeln vereinzelte festsitzende Tiere. Typische Vertreter sind:

    • Miesmuscheln (Mytilus spp.)
    • Moostierchen (Bryozoa)
    • Seepocken (Balanidae)
    • Schwämme (Porifera)
    • Hydrozoen (Hydrozoa)
  2. Mikrophytobenthos und weidende Schnecken
    In manchen Bereichen dominieren mikroskopisch kleine Algenaufwüchse und Bakterien. Die wenigen auffälligen Tiere sind dann kleine Schnecken, die den Mikrofilm abweiden:

    • Wattschnecken (Hydrobia spp.)
    • Neuseeland-Zwergdeckelschnecke (Potamopyrgus antipodarum)
    • Flussnapfschnecke (Theodoxus fluviatilis)
    • Schnauzenschnecken (Bithynia spp.)
    • Schlammschnecken (Radix spp.)

Fehlt jegliche Makrofauna, wird die Gemeinschaft nur von Meiofauna und Bakterien gebildet. Die Artenvielfalt ist in diesem Habitat typischerweise gering, was aber ein natürliches Merkmal darstellt und nicht per se als Degradation gewertet wird.

Qualitätsindikatoren: Wie gut ist das Habitat?

Bisher existieren keine europaweit einheitlich festgelegten Qualitätsindikatoren für diesen Biotoptyp. In den Quelldaten heißt es: „There are no commonly agreed indicators of quality for this habitat.“ Trotzdem können standortspezifische Referenzwerte – etwa in Natura-2000-Gebieten – definiert sein. Mögliche Kenngrößen, die zur Qualitätsbewertung herangezogen werden können, sind:

  • Artenspektrum und Abundanz: Zahl und Häufigkeit charakteristischer Epifauna-Arten sowie empfindlicher Arten.
  • Biomasse der bodenlebenden Tiere.
  • Wasserqualität: Nährstoffkonzentrationen, Sichttiefe, Sauerstoffgehalt.
  • Trophischer Index und andere integrierende Indizes, die Aufschluss über die Struktur und Funktion des Lebensraums geben.

Auch natürliche Sukzessionsstadien können bei Habitaten, die einem zyklischen Wandel unterliegen, eine Rolle spielen. Da der Biotoptyp oft nur vorübergehend so spärlich besiedelt ist, sind Referenzzustände sorgfältig zu wählen.

Schutz und Potenziale für Bildung und Küstenvermittlung

Obwohl keine einheitlichen Gefährdungen dokumentiert sind, profitieren die Flächen von einem generellen Schutz des Ostseeraumes vor übermäßigen Nährstoffeinträgen, Fischereidruck und physikalischer Störung (z. B. durch Anker oder Grundschleppnetze). Die Einbindung in das Schutzgebietsnetz Natura 2000 über die FFH-Typen 1160 und 1170 bietet eine rechtliche Absicherung.

Für die Umweltbildung und Küstenvermittlung eignet sich das Habitat mit Einschränkungen: Da die Lebensgemeinschaft meist unter Wasser liegt, ist eine direkte Beobachtung nur beim Tauchen oder mit Unterwasserkameras möglich. Der einfache Zugang ist schwierig. Dennoch kann das Konzept der „spärlichen Epifauna“ als anschauliches Beispiel dienen, um zu zeigen, dass nicht alle Meeresböden dicht bewachsen sind und dass geringe Artenzahlen natürliche Zustände sein können – ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der baltischen Biodiversität. Für Hausgärten oder Kommunen besteht keine 1:1-Übertragbarkeit; der Biotoptyp ist an die speziellen Salzgehalte und Substrate der Ostsee gebunden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist das Besondere an diesem Lebensraum?

„Dieser Lebensraum zeichnet sich durch eine extrem geringe Bedeckung mit festsitzenden Organismen aus – oft weniger als 10 %. Trotzdem erfüllt er eine wichtige Funktion als Bodenfläche im Nahrungsnetz der Ostsee.“

Wo kommt der Biotoptyp in Europa vor?

„Ausschließlich in der baltischen biogeographischen Region, insbesondere im Bottnischen Meerbusen, im Finnischen Meerbusen und in der Rigaer Bucht.“

Welche FFH-Lebensraumtypen sind betroffen?

„Der Biotop wird von den FFH-Typen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe) eingeschlossen.“

Ist der Biotop gefährdet?

„Nach der Europäischen Roten Liste der Habitate ist er als ungefährdet (Least Concern) eingestuft, wobei regionale Belastungen nicht ausgeschlossen sind.“

Warum ist die Epifauna so spärlich?

„Die Ursachen sind vielfältig und reichen von geringen Nährstoffverhältnissen über hohe Strömungsenergie bis hin zu natürlichen Sukzessionsstadien nach Störungen – das Habitat beschreibt einen Zustand, der auf diese Weise dauerhaft oder periodisch sein kann.“

Häufige Fragen

Was ist das Besondere an diesem Lebensraum?

Dieser Lebensraum zeichnet sich durch eine extrem geringe Bedeckung mit festsitzenden Organismen aus – oft weniger als 10 %. Trotzdem erfüllt er eine wichtige Funktion als Bodenfläche im Nahrungsnetz der Ostsee.

Wo kommt der Biotoptyp in Europa vor?

Ausschließlich in der baltischen biogeographischen Region, insbesondere im Bottnischen Meerbusen, im Finnischen Meerbusen und in der Rigaer Bucht.

Welche FFH-Lebensraumtypen sind betroffen?

Der Biotop wird von den FFH-Typen 1160 (Flache große Meeresarme und -buchten) und 1170 (Riffe) eingeschlossen.

Ist der Biotop gefährdet?

Nach der Europäischen Roten Liste der Habitate ist er als ungefährdet (Least Concern) eingestuft, wobei regionale Belastungen nicht ausgeschlossen sind.

Warum ist die Epifauna so spärlich?

Die Ursachen sind vielfältig und reichen von geringen Nährstoffverhältnissen über hohe Strömungsenergie bis hin zu natürlichen Sukzessionsstadien nach Störungen – das Habitat beschreibt einen Zustand, der auf diese Weise dauerhaft oder periodisch sein kann.

Quellen