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EUNIS: F5.3Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 5110

Submediterrane Pseudomaquis (F5.3) – Übergangslebensraum zwischen Macchie und Laubwald

Der submediterrane Pseudomaquis (EUNIS F5.3) ist eine von immergrünen und sommergrünen Sträuchern geprägte Übergangsvegetation zwischen der mediterranen Macchie und dem kontinentalen Schibljak. Er gilt europaweit als „nicht gefährdet“ (Least Concern), ist aber durch Feuer, Beweidung und unkontrollierten Holzeinschlag bedroht. Ein Teil der Bestände fällt unter den FFH-Lebensraumtyp 5110 (Buchsbaum-Felsheiden).

Einordnung

Originalbezeichnung
Submediterranean pseudomaquis
EUNIS
F5.3 – Pseudomaquis
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
5110 – Stable xerothermophilous formations with Buxus sempervirens on rock slopes (Berberidion pp)

Das Wichtigste in Kürze

  • EUNIS-Code: F5.3 (Pseudomaquis)
  • Rote-Liste-Status Europa: Least Concern (nicht gefährdet)
  • FFH-Bezug: Teilweise durch Annex-I-Typ 5110 (Stabile xerothermophile Formationen mit Buxus sempervirens) abgedeckt
  • Verbreitung: Südeuropa, vor allem im Osten, in niedrigen bis mittleren Gebirgslagen (100–800 m)
  • Charakter: Mischbestände aus immergrünen (z. B. Quercus coccifera, Phillyrea latifolia) und laubabwerfenden Arten (z. B. Carpinus orientalis, Fraxinus ornus)
  • Hauptgefährdungen: Feuer, Überweidung, unregulierter Holzeinschlag, Trittbelastung
  • Qualitätsmerkmale: Geschlossenes Kronendach, Naturverjüngung, artenreiche Waldbodenflora, wenig Störzeiger

Was ist der submediterrane Pseudomaquis?

Der submediterrane Pseudomaquis (EUNIS F5.3) ist eine Strauchvegetation, die im Übergangsbereich zwischen dem mediterranen und dem kontinentalen Klima Europas vorkommt. Er stellt eine Mischung aus immergrünen Hartlaubgewächsen der Macchie und sommergrünen, laubabwerfenden Arten der südosteuropäischen Trockenwälder (Schibljak) dar. Anders als reine Macchie oder reiner Laubmischwald zeichnet sich der Pseudomaquis durch ein gleichzeitiges Vorkommen beider Wuchsformtypen aus. Die immergrünen Arten sind an Wärme und Trockenheit angepasst, während die laubabwerfenden Arten mehr Bodenfeuchte und Nährstoffe benötigen, dafür aber frosthärter sind.

Pflanzensoziologisch gehört der Pseudomaquis zu unterschiedlichen Ordnungen, darunter Quercetalia ilicis, Fraxino orni-Cotinetalia, Quercetalia pubescenti-petraeae und Prunetalia spinosae. Die Bestände sind meist nicht als natürliche Klimaxvegetation zu betrachten, sondern als Degradationsstadien ehemaliger Laubwälder, die durch Störungen wie Feuer, Beweidung oder ungeregelten Holzeinschlag entstanden sind.

Verbreitung und Standortansprüche

Submediterrane Pseudomaquis finden sich schwerpunktmäßig im Süden und besonders im Osten Europas. Genaue Länderlisten sind den vorliegenden Quelldaten nicht zu entnehmen. Sie besiedeln vor allem niedrige Höhenlagen um 100 m, treten aber häufiger in der unteren Gebirgsstufe zwischen 500 und 800 m auf.

Der Untergrund ist meist kalkhaltig, doch kommen die Bestände auch auf Silikatgestein vor. Unabhängig vom Ausgangsgestein sind die Böden in der Regel steinig, flachgründig und skelettreich. Die Wasserversorgung ist daher oft angespannt, was die Mischung aus trockenheitsverträglichen und etwas anspruchsvolleren Arten begünstigt.

Charakteristische Arten – Immergrüne und Laubabwerfer in Mischung

Die floristische Zusammensetzung ist das entscheidende Merkmal. Typische immergrüne Gehölze sind:

  • Quercus coccifera (Kermes-Eiche)
  • Phillyrea latifolia (Breitblättrige Steinlinde)
  • Juniperus oxycedrus (Stech-Wacholder)
  • Buxus sempervirens (Buchsbaum)
  • Ruscus aculeatus (Stechender Mäusedorn)

Als laubabwerfende Partner treten auf:

  • Carpinus orientalis (Orientalische Hainbuche)
  • Ostrya carpinifolia (Hopfenbuche)
  • Fraxinus ornus (Manna-Esche)
  • Quercus pubescens (Flaumeiche)
  • Acer monspessulanum (Französischer Ahorn)
  • Cotinus coggygria (Perückenstrauch)
  • Paliurus spina-christi (Christusdorn)

Hinzu kommt eine Krautschicht, in der häufig Waldbodenarten aus Laubwaldgesellschaften dominieren, etwa Brachypodium sylvaticum (Wald-Zwenke), Melica uniflora (Einblütiges Perlgras), Hedera helix (Efeu), Campanula trachelium (Nesselblättrige Glockenblume) oder Viola alba (Weißes Veilchen). Das gemeinsame Auftreten dieser Arten mit licht- und wärmeliebenden Elementen wie Pistacia terebinthus (Terpentin-Pistazie) und Asparagus acutifolius (Spitzblättriger Spargel) verdeutlicht den Übergangscharakter.

MerkmalAngabe
EUNIS-CodeF5.3
BezeichnungPseudomaquis, Submediterraner Pseudomaquis
VegetationstypImmergrün-laubwerfende Mischstrauchformation
VorkommenSüd- und insbesondere südosteuropäische Gebirgslagen, ca. 100–800 m
UntergrundKalk- und Silikatgestein, flachgründige, steinige Böden
Europäische Rote ListeLeast Concern (LC)
FFH-Annex-I-Typ5110 (Stabile xerothermophile Buchsbaumformationen auf Felshängen)
GefährdungsursachenFeuer, Beweidung, ungeregelte Holznutzung, Trittbelastung, Erosion
QualitätsindikatorenGeschlossene Strauchschicht, Naturverjüngung, hoher Anteil an Waldbodenarten, geringe Deckung von Ruderalarten, gut entwickelte Streu- und Humusauflage

Ökologische Rolle und Gefährdung

Pseudomaquis erfüllt als strukturreiche Strauchformation wichtige Funktionen: Er schützt flachgründige Hänge vor Erosion, bietet zahlreichen Tierarten Unterschlupf und bildet eine artenreiche Übergangszone zwischen Wald und Offenland. Da es sich häufig um ein durch menschliche Nutzung entstandenes Degradationsstadium handelt, ist der Lebensraum jedoch besonders störanfällig.

Die größten Gefährdungen gehen laut den Quelldaten von folgenden Faktoren aus:

  • Feuer: Waldbrände setzen besonders immergrünen Arten zu und fördern Ruderalarten.
  • Beweidung: Übermäßiger Verbiss und Tritt verhindern die Naturverjüngung von Gehölzen und schädigen die Krautschicht.
  • Ungeregelte Holznutzung und Kahlschläge: Sie zerstören die Strauchschicht und begünstigen Bodenerosion.
  • Trittbelastung und Bodenverdichtung: Diese führen zu einer Verarmung der Bodenflora und zur Ausbreitung trittresistenter Störzeiger.

Trotz lokaler Bedrohungen wird der Lebensraumtyp auf europäischer Ebene in der Roten Liste als „Least Concern“ (nicht gefährdet) eingestuft. Eine differenzierte Bewertung für einzelne Länder oder biogeografische Regionen ist den vorliegenden Daten nicht zu entnehmen und muss anhand der lokalen Erhaltungszustände geprüft werden.

Qualitätsmerkmale eines intakten Pseudomaquis

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume nennt folgende Indikatoren für einen guten Erhaltungsgrad:

  1. Kein lückiges Kronendach – die Strauchschicht ist weitgehend geschlossen.
  2. Naturverjüngung der dominierenden Gehölzarten ist vorhanden.
  3. Krautschicht überwiegend aus anspruchsvollen Waldbodenarten (z. B. Brachypodium sylvaticum, Melica uniflora) zusammengesetzt.
  4. Ruderalarten oder Lichtzeiger fehlen oder haben nur geringe Deckung.
  5. Boden: Geringe Verdichtung, keine Trittspuren, keine Erosionsrinnen oder -gräben, hohe Streuauflage und gut entwickelter humoser Oberboden (Ah-Horizont).

Bestände, die mehrere dieser Merkmale aufweisen, gelten als strukturell und floristisch intakt.

Schutzstatus: EUNIS, Rote Liste und FFH-Richtlinie

  • EUNIS-Klassifikation: F5.3 – Pseudomaquis. Der EUNIS-Schlüssel ordnet den Lebensraum den temperaten und mediterranen Gebüschen zu.
  • Europäische Rote Liste: Der Lebensraumtyp wurde für die EU (EU28) sowie für die erweiterte Bewertung (EU28+) mit „Least Concern“ bewertet. Ein spezifisches Gefährdungskriterium ist in den Datensätzen nicht ausgewiesen.
  • FFH-Richtlinie (Annex I): Der Lebensraumtyp wird teilweise durch den FFH-Code 5110 – Stabile xerothermophile Formationen mit Buxus sempervirens auf Felshängen (Berberidion p.p.) abgedeckt. Die Pseudomaquis umfassen jedoch eine breitere floristische Spanne, sodass nicht alle Ausprägungen unter diesen Schutzstatus fallen.
  • Artikel-17-Erhaltungszustand: Ein gesamteuropäischer Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben.

Pseudomaquis in Garten und Kommune?

Der submediterrane Pseudomaquis ist eine wild wachsende Vegetationseinheit, die sich aufgrund ihrer standörtlichen und dynamischen Abhängigkeiten nicht eins zu eins in einen Hausgarten übertragen lässt. Dennoch können einzelne charakteristische Arten als robuste, trockenheitsverträgliche Zier- und Strukturgehölze dienen – vorausgesetzt, das regionale Klima erlaubt deren Kultur.

In süd- und südosteuropäischen Siedlungsräumen, insbesondere auf steinigen, vollsonnigen Böschungen oder in extensiven Grünanlagen, können naturnahe Pflanzungen mit Fraxinus ornus, Cotinus coggygria, Juniperus oxycedrus oder Buxus sempervirens Anklänge an den Pseudomaquis vermitteln. Dabei ist jedoch immer zu beachten, dass der echte Lebensraum ein komplexes Gefüge aus Standortgeschichte, Konkurrenz und Störungsregime ist, das sich nicht durch einfache Artenauswahl reproduzieren lässt. Wer die Struktur des Pseudomaquis nachempfinden möchte, sollte deshalb auf eine Mischung aus immergrünen und laubabwerfenden Sträuchern setzen und eine extensive Pflege ohne häufige Bodenbearbeitung oder Bewässerung anstreben.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Pseudomaquis und echter Macchie?

Die Macchie besteht nahezu ausschließlich aus immergrünen Hartlaubgewächsen (z. B. Quercus coccifera, Pistacia lentiscus). Der Pseudomaquis enthält dagegen einen hohen Anteil laubabwerfender Arten wie Carpinus orientalis oder Fraxinus ornus, die ihn physiognomisch und ökologisch von der Macchie unterscheiden.

Ist der Pseudomaquis ein natürlicher Klimax-Zustand?

In den meisten Fällen wird der Pseudomaquis nicht als Schlusswaldgesellschaft betrachtet, sondern als Degradationsstadium ehemaliger Laubwälder, das durch wiederholte Störungen wie Feuer, Beweidung oder Holznutzung offengehalten wird.

Welche Rolle spielt der Buchsbaum im Pseudomaquis?

Buxus sempervirens ist eine der charakteristischen immergrünen Arten und gleichzeitig Namensgeber des FFH-Lebensraumtyps 5110, unter den ein Teil der Pseudomaquis fällt. Er tritt vor allem auf flachgründigen Felsstandorten auf und zeigt intakte, wenig gestörte Bestände an.

Kann man Pseudomaquis im eigenen Garten anpflanzen?

Eine vollständige Nachbildung des Lebensraums ist nicht möglich, da er an spezielle Standortbedingungen und Störungsregime gebunden ist. Einzelne typische Gehölze können jedoch in trocken-warmen, südlich geprägten Gärten verwendet werden, um eine ähnliche Struktur zu erzielen.

Wie erkenne ich einen gesunden Pseudomaquis-Bestand?

Ein intakter Bestand hat eine weitgehend geschlossene Strauchschicht, junge Gehölze in der Naturverjüngung, eine Krautschicht mit anspruchsvollen Waldarten, kaum Störzeiger und einen unverdichteten Boden mit dicker Streuschicht.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Pseudomaquis und echter Macchie?

Die Macchie besteht nahezu ausschließlich aus immergrünen Hartlaubgewächsen (z. B. Quercus coccifera, Pistacia lentiscus). Der Pseudomaquis enthält dagegen einen hohen Anteil laubabwerfender Arten wie Carpinus orientalis oder Fraxinus ornus, die ihn physiognomisch und ökologisch von der Macchie unterscheiden.

Ist der Pseudomaquis ein natürlicher Klimax-Zustand?

In den meisten Fällen wird der Pseudomaquis nicht als Schlusswaldgesellschaft betrachtet, sondern als Degradationsstadium ehemaliger Laubwälder, das durch wiederholte Störungen wie Feuer, Beweidung oder Holznutzung offengehalten wird.

Welche Rolle spielt der Buchsbaum im Pseudomaquis?

Buxus sempervirens ist eine der charakteristischen immergrünen Arten und gleichzeitig Namensgeber des FFH-Lebensraumtyps 5110, unter den ein Teil der Pseudomaquis fällt. Er tritt vor allem auf flachgründigen Felsstandorten auf und zeigt intakte, wenig gestörte Bestände an.

Kann man Pseudomaquis im eigenen Garten anpflanzen?

Eine vollständige Nachbildung des Lebensraums ist nicht möglich, da er an spezielle Standortbedingungen und Störungsregime gebunden ist. Einzelne typische Gehölze können jedoch in trocken-warmen, südlich geprägten Gärten verwendet werden, um eine ähnliche Struktur zu erzielen.

Wie erkenne ich einen gesunden Pseudomaquis-Bestand?

Ein intakter Bestand hat eine weitgehend geschlossene Strauchschicht, junge Gehölze in der Naturverjüngung, eine Krautschicht mit anspruchsvollen Waldarten, kaum Störzeiger und einen unverdichteten Boden mit dicker Streuschicht.

Quellen