Temperate, lowland to montane base-rich scree (EUNIS H2.6)
Temperate, lowland to montane base-rich scree (EUNIS H2.6) umfasst grobe, unstabilisierte, trockene und sonnige Kalkschutthalden der kollinen bis montanen Höhenstufe im temperaten Europa. Die Vegetation ist lückig und wird von Stauden, Gräsern und Farnen der Verbände Stipion calamagrostis und Arabidion alpinae dominiert. Der FFH-Lebensraumtyp 8160 (* Medio-European calcareous scree of hill and montane levels) schützt diese besonderen Schuttstandorte. Laut Europäischer Roter Liste der Lebensräume gilt der Biotoptyp als nicht gefährdet (Least Concern). Charakteristisch sind natürliche Erosionsprozesse, das Fehlen gebietsfremder Arten und das Vorkommen seltener, endemischer oder reliktischer Pflanzenarten.
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Temperate, lowland to montane base-rich scree
- EUNIS
- H2.6 – Calcareous and ultra-basic screes of warm exposures
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 8160 – * Medio-European calcareous scree of hill and montane levels
Das Wichtigste in Kürze
Temperate, lowland to montane base-rich scree bezeichnet einen europaweit geschützten Lebensraumtyp: trockenwarme, grobe und meist unstabile Kalkschutthalden der Hügel- und unteren Bergstufe. Der Lebensraum wird in der EUNIS-Klassifikation unter dem Code H2.6 (Calcareous and ultra-basic screes of warm exposures) geführt und ist zugleich als prioritärer FFH-Lebensraumtyp 8160 (* Medio-European calcareous scree of hill and montane levels) gelistet.
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft diesen Biotoptyp gesamteuropäisch als Least Concern (nicht gefährdet) ein. Dennoch braucht er Schutz, denn natürliche Schuttfluren sind empfindlich gegenüber Nährstoffeinträgen, Verbuschung und dem Eindringen gebietsfremder Pflanzen wie der Robinie. Hochwertige Ausprägungen zeichnen sich durch fortlaufende natürliche Erosionsprozesse, das Fehlen invasiver Neophyten und die Anwesenheit seltener, endemischer oder reliktischer Arten aus.
Wo kommt der Lebensraum vor?
Der Biotoptyp besiedelt die kolline und montane Höhenstufe (Tieflagen bis mittlere Gebirgslagen) der temperaten Regionen Europas. Typisch sind grobe, eher trockene und sonnenexponierte Kalkschutthalden (inklusive Marmorschutt). Sie finden sich auf Berg- und Hügelhängen, in Schluchten und an Felsfüßen – überall dort, wo Verwitterungsschutt ansteht und natürliche Umlagerungsprozesse wirken.
In den Quelldaten werden keine konkreten Länderlisten oder biogeografische Regionen explizit ausgewiesen. Die wissenschaftliche Beschreibung nennt jedoch die Vorlandbereiche und Gebirgsstöcke der Alpen, des Jura, der Pyrenäen, der Karpaten sowie der hercynischen Mittelgebirge. Auch das Pariser Becken mit seinen kalkreichen Schotterfluren beherbergt eigenständige Pflanzengesellschaften (Verband Leontodontion hyoseroidis).
Sekundäre Standorte wie aufgelassene Steinbrüche können ähnliche Lebensgemeinschaften entwickeln und tragen lokal zur Biotopvernetzung bei.
EUNIS- und FFH-Einordnung
| Klassifikation | Code | Bezeichnung |
|---|---|---|
| EUNIS (2022) | H2.6 | Calcareous and ultra-basic screes of warm exposures |
| FFH-Anhang I | 8160 | * Medio-European calcareous scree of hill and montane levels (prioritär) |
| Europäische Rote Liste | – | Least Concern (LC) – EU28 & EU28+ |
Der prioritäre Status von FFH-Lebensraumtyp 8160 unterstreicht die besondere europaweite Verantwortung für diesen Biotoptyp. Das Sternchen (*) im FFH-Code kennzeichnet eine prioritäre natürliche Lebensraumform, deren Erhaltung der Europäischen Union ein besonderes Anliegen ist. Eine aktuelle Einstufung des Erhaltungszustands nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegt in den hier verwendeten Quelldaten nicht vor.
Vegetation und charakteristische Arten
Der Lebensraum ist kein geschlossenes Grünland, sondern eine lückige, dynamische Schuttflur. Die Vegetationsdecke kann stellenweise völlig fehlen. Wo Pflanzen Fuß fassen, dominieren Stauden, Gräser und Farne der pflanzensoziologischen Verbände Stipion calamagrostis und Arabidion alpinae.
Auf den meist trockenen, besonnten Schuttkegeln wachsen:
- Raues Federgras (Achnatherum calamagrostis) – namengebend für den Verband
- Wimper-Perlgras (Melica ciliata)
- Schmalblättriger Hohlzahn (Galeopsis angustifolia)
- Schild-Ampfer (Rumex scutatus)
- Weiße Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria)
An etwas frischeren, mesophilen Stellen treten Farne wie Eichenfarn (Gymnocarpium dryopteris) und Ruprechtsfarn (Gymnocarpium robertianum) hinzu, begleitet von Echtem Wasserdost (Eupatorium cannabinum) und Echtem Baldrian (Valeriana officinalis).
Die Schuttfluren des Pariser Beckens beherbergen zahlreiche seltene oder endemische Sippen, darunter das stark gefährdete Violette Stiefmütterchen (Viola hispida). In den Ostkarpaten prägen submediterrane Wärmezeiger und balkanisch-karpatische Subendemiten das Bild, etwa:
- Silene nutans subsp. dubia (Nickendes Leimkraut, Karpaten-Unterart)
- Thymus comosus (Schopfiger Thymian)
Eine umfangreiche Liste typischer Gefäßpflanzen und Moose wird im Quelldatensatz genannt. Dazu gehören u.a. Aethionema saxatile, Arabis alpina, Biscutella neustriaca, Cardaminopsis arenosa, Cystopteris fragilis, Festuca xanthina, Hieracium bifidum, Iberis durandii, Lamium garganicum subsp. laevigatum, Leontodon hyoseroides, Linaria supina, Moehringia muscosa, Parietaria officinalis, Sesleria albicans, Scrophularia juratensis, Sisymbrium supinum u.v.m. Die typischen Moose umfassen Ceratodon purpureus, Conocephalum conicum, Homalothecium sericeum, Mnium stellare, Plagiomnium affine und Tortella tortuosa.
Was macht einen hochwertigen Kalkschutthang aus?
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume benennt eindeutige Qualitätsmerkmale, an denen sich der gute Zustand dieses Biotoptyps erkennen lässt:
- Natürliche Erosionsprozesse – Die Schutthalde bleibt dynamisch; Feinmaterial wird abgeführt, grober Schutt bleibt offen.
- Keine gebietsfremden Arten – Besonders die Robinie (Robinia pseudacacia) kann Schuthalden stabilisieren, den Standort eutrophieren und die typische, lichtbedürftige Flora verdrängen.
- Vorkommen seltener, endemischer und reliktischer Pflanzenarten – Ein Indikator für intakte Standortbedingungen und lange ökologische Kontinuität.
- Keine schädigenden menschlichen Aktivitäten – Etwa intensive Beweidung, die die spärliche Vegetation zerstört oder Ablagerungen, die die Schuttstruktur überdecken.
Gefährdung und Schutz
Obwohl die europäische Gesamtbewertung Least Concern lautet, ist der Biotoptyp lokal durchaus gefährdet. Entscheidende Risikofaktoren ergeben sich aus den genannten Qualitätsindikatoren: Eindringen von Neophyten, Nutzungsintensivierung (z. B. Beweidung), Aufforstung, Verbuschung nach fehlender Dynamik oder auch Freizeitdruck (Tritt, Mountainbiking) können die sensible Lebensgemeinschaft beeinträchtigen. In den Quelldaten sind keine konkreten Gefährdungsfaktoren oder Wiederherstellungsmaßnahmen aufgelistet. Ein naturschutzfachlich sofort wirksamer Schritt ist jedoch die Fernhaltung der Robinie und die Sicherung natürlicher Erosionsprozesse.
Bedeutung für Kommunen und Gärten
Auch wenn sich dieser Lebensraum nicht 1:1 im Garten nachbauen lässt, können Gemeinden und Private von seinen Prinzipien lernen. Schotterflächen aus heimischem Kalkschutt mit naturnaher, dynamischer Pflege bieten wertvolle Trittsteinbiotope für Ruderal- und Schuttpflanzen. In Steinbrüchen, Verkehrsbegleitflächen oder städtischen Brachen können spontan ähnliche Pioniergesellschaften auftreten. Wichtig ist, auf invasive Neophyten zu verzichten und allenfalls einheimische Schuttstauden wie Rumex scutatus oder Vincetoxicum hirundinaria zu fördern. Grobe, offene Schotterschichten ohne Folie, ohne Unkrautvlies und ohne Dünger ahmen die natürlichen Bedingungen nach und bieten hochspezialisierten Insekten und Spinnen einen Ersatzlebensraum.
Der Erhalt der natürlichen Schutthalden bleibt aber Aufgabe des Schutzgebietsmanagements und der FFH-Meldung. Prioritäre Lebensraumtypen genießen eine EU-weit gesteigerte Aufmerksamkeit in Natura-2000-Gebieten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
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Was ist Temperate, lowland to montane base-rich scree? Ein Biotoptyp grober, trockener, sonnenexponierter Kalkschutthalden der Hügel- und unteren Bergstufe des temperaten Europas, klassifiziert als EUNIS H2.6 und FFH-Lebensraumtyp 8160.
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Welche charakteristischen Pflanzenarten kommen vor? Achnatherum calamagrostis, Melica ciliata, Galeopsis angustifolia, Rumex scutatus, Vincetoxicum hirundinaria sowie Farne wie Gymnocarpium dryopteris und G. robertianum. Regionale Endemiten sind z. B. Viola hispida im Pariser Becken oder Silene nutans subsp. dubia in den Ostkarpaten.
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Ist dieser Lebensraum in Europa gefährdet? Nach der Europäischen Roten Liste gilt er als Least Concern – nicht gefährdet. Lokale Gefährdungen durch Verbuschung, Neophyten oder Nutzungsintensivierung sind jedoch möglich.
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Was sind Qualitätsmerkmale eines intakten Kalkschutthangs? Natürliche Erosionsprozesse, Abwesenheit invasiver Arten (v.a. Robinie), Vorkommen von Habitat-Spezialisten und Ende miten sowie fehlende schädigende menschliche Aktivitäten wie intensive Beweidung.
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Hat der Biotoptyp einen FFH-Schutzstatus? Ja, er wird unter dem prioritären Code 8160 (* Medio-European calcareous scree of hill and montane levels) im Anhang I der FFH-Richtlinie geführt.
Quellen
Häufige Fragen
Was ist Temperate, lowland to montane base-rich scree?
Ein Biotoptyp grober, trockener, sonnenexponierter Kalkschutthalden der Hügel- und unteren Bergstufe des temperaten Europas, klassifiziert als EUNIS H2.6 und FFH-Lebensraumtyp 8160.
Welche charakteristischen Pflanzenarten kommen vor?
Achnatherum calamagrostis, Melica ciliata, Galeopsis angustifolia, Rumex scutatus, Vincetoxicum hirundinaria sowie Farne wie Gymnocarpium dryopteris und G. robertianum. Regionale Endemiten sind z. B. Viola hispida im Pariser Becken oder Silene nutans subsp. dubia in den Ostkarpaten.
Ist dieser Lebensraum in Europa gefährdet?
Nach der Europäischen Roten Liste gilt er als Least Concern – nicht gefährdet. Lokale Gefährdungen durch Verbuschung, Neophyten oder Nutzungsintensivierung sind jedoch möglich.
Was sind Qualitätsmerkmale eines intakten Kalkschutthangs?
Natürliche Erosionsprozesse, Abwesenheit invasiver Arten (v.a. Robinie), Vorkommen von Habitat-Spezialisten und Endemiten sowie fehlende schädigende menschliche Aktivitäten wie intensive Beweidung.
Hat der Biotoptyp einen FFH-Schutzstatus?
Ja, er wird unter dem prioritären Code 8160 (* Medio-European calcareous scree of hill and montane levels) im Anhang I der FFH-Richtlinie geführt.