Zum Hauptinhalt springen
EUNIS: F5.5Europäische Rote Liste: VulnerableFFH-Anhang I: 5330; 5220

Thermomediterranes Gebüsch – EUNIS F5.5

Das thermomediterrane Gebüsch (EUNIS F5.5) ist ein 2–3 m hohes, dichtes und oft dorniges Strauchwerk der ariden und semiariden Mittelmeerregion. Es kommt in Südostspanien, Sizilien, der Südägäis und Zypern sowie in Nordafrika vor. Der Lebensraumtyp wird in der Europäischen Roten Liste als gefährdet (Vulnerable) eingestuft und fällt unter die FFH-Lebensraumtypen 5330 und 5220.

Einordnung

Originalbezeichnung
Thermomediterranean scrub
EUNIS
F5.5 – Thermo-Mediterranean scrub
EU-28
Vulnerable
EU-28+
Vulnerable
FFH-Anhang I
5330; 5220 – Thermo-Mediterranean and pre-desert scrub; * Arborescent matorral with Zyziphus

Das Wichtigste in Kürze

  • Lebensraumtyp: Thermomediterranes Gebüsch – ein niedriges bis mittelhohes, häufig undurchdringliches, dornenreiches Strauchwerk.
  • EUNIS-Code: F5.5 – Thermomediterranean scrub.
  • FFH-Lebensraumtypen: 5330 (Thermo-mediterrane und vorsaharische Gebüschformationen) und, je nach Ausprägung, 5220 (* Arboreszente Matorrals mit Ziziphus).
  • Vorkommen in Europa: Südostspanien, Südsizilien, südliche Ägäisinseln, Südzypern; in Nordafrika weit verbreitet.
  • Europäische Rote Liste: Gefährdet (Vulnerable) – EU28 und EU28+.
  • Typische Höhe: Meist 2–3 m, Wälder mit Tetraclinis und Ziziphus bis 5–6 m.
  • Charakteristisch: Dornensträucher, Zwergpalmen (Chamaerops humilis), Wolfsmilch-Arten (Euphorbia dendroides), Mastixstrauch (Pistacia lentiscus) u. v. m.
  • Güteanzeiger: Keine Gewächshäuser, keine Bautätigkeit, keine Müllablagerung, keine Überweidung, keine invasive Pflanzenarten wie Oxalis pes-caprae.

Was ist thermomediterranes Gebüsch?

Das thermomediterrane Gebüsch (engl. Thermo-Mediterranean scrub) ist ein von Trockenheit geprägter Strauchbestand der südlichsten, wärmsten Gebiete des Mittelmeerraums. Die Vegetation setzt sich aus sklerophyllen (hartlaubigen) und laubwerfenden Sträuchern sowie Zwergpalmen zusammen. Typischerweise erreicht das Gebüsch eine Höhe von 2–3 Metern, kann aber auf besonders günstigen Standorten mit Baumarten wie Tetraclinis articulatus oder Ziziphus lotus bis zu 5–6 Meter hoch werden.

Die Pflanzen stehen dicht, sind oft sperrig und reich an Dornen, sodass die Bestände für Mensch und Vieh praktisch undurchdringlich sind. Zwischen den Sträuchern wachsen zahlreiche trockenheitsliebende (xerophile) Kräuter und Halbsträucher.

Die Bezeichnungen für verschiedene Ausprägungen sind regional geprägt:

  • Retamal: von Ginstersträuchern dominierte Varianten (überwiegend aber dem Habitat F3.1c zuzuordnen).
  • Palmetto: von der Zwergpalme (Chamaerops humilis) beherrscht.
  • Tomillar: dominiert von nadelblättrigen oder kleinblättrigen Lippenblütlern (Labiatae).
  • Garrigue: durch Cistus-Arten, Pistacia und andere Sträucher bestimmt.

All diese Facetten machen das thermomediterrane Gebüsch zu einem außergewöhnlich vielfältigen und strukturreichen Lebensraum.

Einordnung und Klassifikation

EUNIS-Typologie

Das Habitatsystem der European Nature Information System (EUNIS) führt den Typ unter dem Code F5.5 mit dem englischen Namen „Thermo-Mediterranean scrub“. In der Hierarchie gehört er zu den trockenen Gebüschen und Heiden des Mittelmeerraums (F5).

FFH-Lebensraumtypen

Das thermomediterrane Gebüsch überschneidet sich mit zwei FFH-Lebensraumtypen:

FFH-CodeBezeichnungQualifikator
5330Thermo-mediterrane und vorsaharische Gebüschformationen# (überschneidend)
5220* Arboreszente Matorrals mit Ziziphus> (teilweise enthalten)

Der Typ 5390 (vorsaharische Gebüschformationen) deckt einen Teil der Bestände in den trockensten Ausprägungen ab, während 5220 speziell die baumförmigen Bestände mit dem Jujubenstrauch (Ziziphus lotus) umfasst. Die Qualifikatoren „#“ und „>“ zeigen an, dass der EUNIS-Typ F5.5 nicht exakt, sondern nur in Teilen mit diesen FFH-Typen identisch ist.

Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie

Für den vorliegenden Datensatz ist kein Artikel-17-Erhaltungszustand hinterlegt. Die Berichtspflichten der Mitgliedstaaten und die biogeografischen Bewertungen können nicht aus den Quelldaten entnommen werden.

Verbreitung und Standortbedingungen in Europa

Das thermomediterrane Gebüsch kommt in Europa nur in wenigen, klimatisch begünstigten Regionen vor:

  • Südostspanien (Provinz Murciano-Almeriense)
  • Südsizilien
  • Südliche Ägäisinseln
  • Südzypern

Weitaus häufiger ist es entlang der nordafrikanischen Mittelmeerküste und im Nahen Osten. Innerhalb Europas handelt es sich um einen seltenen und räumlich stark begrenzten Lebensraum.

Standortansprüche

  • Böden: Ausschließlich trockene Substrate; häufig flachgründige Kalk- und Dolomitverwitterungsböden (Lithosole), Sandböden oder erosionsanfällige Mergel-, Gips- und Tonsteinstandorte.
  • Exposition: Oft windexponiert, in Küstennähe gelegentlich mäßig salzbeeinflusst (halophytisch) auf Kliffkuppen.
  • Wasserhaushalt: Ganzjährig trocken; auf tonreichen Böden kann es zu oberflächlichem Bodenabtrag (Fließen) kommen.

Naturnähe und Stabilität

Einige Ausprägungen des Gebüschs können sich im Laufe der Sukzession zu lichten Wäldern weiterentwickeln. Auf extrem trockenen und exponierten Standorten – insbesondere in Südostspanien – ist die Strauchvegetation jedoch dauerhaft stabil und wird als natürliche oder halbnatürliche Vegetation eingestuft. Schwer zugängliche Bestände sind kaum von menschlichen Eingriffen betroffen, viele andere werden jedoch durch Hausziegen beweidet, teilweise stark.

Europäische Rote Liste: Gefährdungskategorie

In der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (European Red List of Habitats, 2022) wird das thermomediterrane Gebüsch wie folgt eingestuft:

MerkmalEintrag
KategorieVulnerable (VG) – gefährdet
Kriteriumin den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
GeltungsbereichEU28 und EU28+

Die Gefährdungskategorie „Vulnerable“ bedeutet, dass der Lebensraumtyp innerhalb der EU als gefährdet gilt, ohne dass jedoch das spezifische Einstufungskriterium aus dem Datenpaket hervorgeht.

Ökologische Bedeutung und Artenvielfalt

Das dichte, dornige Strauchwerk erfüllt mehrere ökologische Schlüsselfunktionen:

  • Bodenschutz: Die reiche organische Substanz fördert die Bodenbildung und schützt vor Erosion auf den oft kargen Böden.
  • Lebensraum für spezialisierte Arten: Viele der kennzeichnenden Straucharten sind endemisch oder auf einzelne Inselgruppen beschränkt.
  • Vernetzung trockener Lebensräume: Der Typ tritt häufig zusammen mit anderen Gebüsch- und Grasland-FFH-Typen auf und bildet Übergänge zu Prä-Steppen und Halbwüsten.

Charakteristische Pflanzenarten (Auswahl)

Die folgenden Gefäßpflanzen werden als typisch für das thermomediterrane Gebüsch genannt:

Art (wissenschaftlich)Deutsche BezeichnungAnmerkung
Ampelodesmos mauritanicusMaurisches SeilgrasGroßes Gras
Asparagus horridusStacheliger SpargelDornig
Calicotome intermediaMittlerer DornbuschGelbblühend
Chamaerops humilisZwergpalmePalmenart
Euphorbia dendroidesBaum-WolfsmilchBis zu 2 m hoch
Euphorbia melitensisMalta-WolfsmilchNur Malta
Genista ephedroidesSardischer GinsterEndemit Sardinien
Genista majoricaMallorca-GinsterEndemit Mallorca
Maytenus europaeus (syn. Gymnosporia europaea)Europäischer KletterspindelDornstrauch
Periploca angustifoliaSchmale SchlingeWindend
Pistacia lentiscusMastixstrauchHarzlieferant
Retama raetam subsp. gussoneiWeiße RetamaGinsterart
Tetraclinis articulatusGliederzypresseKonifere
Ziziphus lotusJujubenstrauchGenießbare Früchte

Die Tabelle ist nicht abschließend; in den Quelldaten werden weitere Arten wie Osyris quadripartita, Pinus halepensis und Rhamnus angustifolius aufgeführt. Viele dieser Pflanzen sind extrem trockenheitsresistent und bilden das Grundgerüst der artenreichen Gesellschaften.

Qualitätsmerkmale und Indikatoren

Für die Bewertung eines intakten thermomediterranen Gebüschs werden folgende Güteanzeiger herangezogen:

  • Keine Gewächshauswirtschaft (Abwesenheit von Gartenbau unter Glas oder Folie).
  • Keine Baumaßnahmen, Gebäude, Müllablagerungen, Solaranlagen, Verkehrsanlagen oder andere massive Lebensraumzerstörungen.
  • Keine Anzeichen von Überweidung (z. B. Verbissschäden durch Ziegen).
  • Keine gebietsfremden (invasiven) Arten wie Oxalis pes-caprae (Nickender Sauerklee), der oberirdisch nur im Frühjahr zu erkennen ist.

Ein gutes Vorkommen zeigt eine naturnahe, ungestörte Struktur mit dem gesamten Spektrum der charakteristischen Gehölze und Krautpflanzen.

Gefährdungen und Schutz

Die Quelldaten enthalten keine spezifische Liste von Gefährdungen. Aus den Qualitätsindikatoren und der Habitatinformation lassen sich jedoch typische Belastungen ableiten:

  • Überweidung: Vor allem durch Ziegen, die in viele Bestände eindringen und die Regeneration der Sträucher beeinträchtigen.
  • Flächenumwandlung: Umwandlung in Gewächshausflächen (insbesondere im Almería-Typ), Bauprojekte oder Solarparks gefährdet die verbleibenden Vorkommen.
  • Abfallentsorgung: Illegale Müllkippen stören die Bodeneigenschaften und das Landschaftsbild.
  • Invasive Arten: Oxalis pes-caprae kann die natürliche Krautschicht verdrängen.
  • Erosion: Auf feinen, tonig-mergeligen Böden können ungeschützte Flächen nach Störungen stark erodieren.

Da der Lebensraumtyp in der EU als gefährdet eingestuft ist, kommt seinem Schutz im Rahmen der FFH-Richtlinie und des europäischen Schutzgebietsnetzes (Natura 2000) besondere Bedeutung zu. Konkrete Wiederherstellungsmaßnahmen (Restoration Notes) sind in den hier genutzten Datensätzen nicht ausgeführt.

Bedeutung für Gärten und Kommunen

Das thermomediterrane Gebüsch ist ein natürlicher Lebensraum extremer Trockenstandorte und kann nicht als Blaupause für die heimische Gartengestaltung in Mitteleuropa dienen. Ein 1:1-Nachbau ist weder ökologisch sinnvoll noch ohne die standörtlichen Voraussetzungen möglich.

Dennoch können Kommunen, Landschaftsarchitekten und Gartenbesitzer aus diesem Lebensraum wertvolle Anregungen ziehen:

  • Hitze- und trockenheitstolerante Gehölze wie Mastixstrauch oder Zwergpalme sind wichtige Lehrbeispiele für klimaangepasste Bepflanzungen in mediterran geprägten Regionen.
  • Kenntnis über Schutzwürdigkeit kann helfen, verbliebene Restbestände in Südeuropa durch angepassten Tourismus und Aufklärung zu erhalten.
  • Das Duft- und Farbenspiel mediterraner Garriguen und Tomillares inspiriert mediterrane Schaugärten, die bewusst auf heimische Analogarten setzen (z. B. heimische Thymiane und Zistrosen)

Eine direkte Nachahmung des Habitats ist nicht möglich – wohl aber eine respektvolle, durch Wissen getragene Auseinandersetzung mit seinen Arten und Strukturen.

FAQ – Häufige Fragen zum thermomediterranen Gebüsch

1. Was genau ist das thermomediterrane Gebüsch (F5.5)?
Es handelt sich um einen 2–3 m hohen, dichten und dornenreichen Strauchbestand der trockenwarmen Mittelmeergebiete. Er setzt sich aus hartlaubigen und laubwerfenden Sträuchern sowie Zwergpalmen zusammen und ist in Europa nur von wenigen Standorten in Spanien, Sizilien, der Ägäis und Zypern bekannt.

2. Unter welchen Schutz fällt dieser Lebensraum?
Der Lebensraumtyp ist in der europäischen FFH-Richtlinie unter den Codes 5330 (Thermo-mediterrane und vorsaharische Gebüschformationen) und 5220 (* Arboreszente Matorrals mit Ziziphus) gelistet. Die Rote Liste der europäischen Lebensräume stuft ihn als gefährdet (Vulnerable) ein.

3. Wo kommt das thermomediterrane Gebüsch in Europa vor?
Europäische Vorkommen liegen im Südosten Spaniens, im Süden Siziliens, auf den südlichen Ägäisinseln und im Süden Zyperns. Außerhalb Europas ist die Vegetation entlang der nordafrikanischen Küste und im Nahen Osten deutlich weiter verbreitet.

4. Welche Pflanzen sind charakteristisch?
Typische Gehölze sind Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), Zwergpalme (Chamaerops humilis), Periploca angustifolia, Ziziphus lotus und die Wolfsmilch Euphorbia dendroides. Hinzu kommen viele endemische Arten wie Genista ephedroides auf Sardinien oder Euphorbia melitensis auf Malta.

5. Kann man diesen Lebensraum im Garten anlegen?
Nein, ein exakter Nachbau ist aufgrund der spezifischen Klima- und Bodenbedingungen nicht möglich. Mediterrane Gärten können aber Elemente wie Trockenmauern, Kräuter und Zistrosen aufnehmen und so das typische Erscheinungsbild symbolisch zitieren, ohne den natürlichen Lebensraum zu imitieren.

Häufige Fragen

Was genau ist das thermomediterrane Gebüsch (F5.5)?

Es handelt sich um einen 2–3 m hohen, dichten und dornenreichen Strauchbestand der trockenwarmen Mittelmeergebiete, der aus hartlaubigen und laubwerfenden Sträuchern sowie Zwergpalmen besteht und in Europa nur von wenigen Standorten bekannt ist.

Unter welchen Schutz fällt dieser Lebensraum?

Der Lebensraumtyp ist in der europäischen FFH-Richtlinie unter den Codes 5330 und 5220 gelistet und wird in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als gefährdet (Vulnerable) eingestuft.

Wo kommt das thermomediterrane Gebüsch in Europa vor?

Europäische Vorkommen liegen im Südosten Spaniens, im Süden Siziliens, auf den südlichen Ägäisinseln und im Süden Zyperns.

Welche Pflanzen sind charakteristisch?

Typische Gehölze sind Mastixstrauch (Pistacia lentiscus), Zwergpalme (Chamaerops humilis), Periploca angustifolia, Ziziphus lotus und Euphorbia dendroides, ergänzt durch zahlreiche endemische Arten.

Kann man diesen Lebensraum im Garten anlegen?

Ein exakter Nachbau ist aufgrund der spezifischen Klima- und Bodenbedingungen nicht möglich. Mediterrane Gärten können jedoch einzelne Elemente aufgreifen, ohne den natürlichen Lebensraum zu imitieren.

Quellen