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EUNIS: F4.2Europäische Rote Liste: VulnerableFFH-Anhang I: 2310; 2320; 4030; 4040; 5140

Trockenheiden (EUNIS F4.2) – Lebensraum mit Besenheide und Ginster

Trockenheiden (EUNIS F4.2) sind niedrige, von Heidekraut- und Ginsterarten geprägte Strauchformationen auf sauren, gut durchlüfteten Böden des atlantischen Europas. Sie sind ein Produkt jahrhundertelanger traditioneller Nutzung wie Mahd, Brand und Beweidung und beherbergen viele seltene Pflanzen und Tiere. Durch Nutzungsaufgabe sind sie heute stark gefährdet.

Einordnung

Originalbezeichnung
Dry heath
EUNIS
F4.2 – Dry heaths
EU-28
Vulnerable
EU-28+
Vulnerable
FFH-Anhang I
2310; 2320; 4030; 4040; 5140 – Dry sand heaths with Calluna and Genista; Dry sand heaths with Calluna and Empetrum nigrum; European dry heaths; * Dry Atlantic coastal heaths with Erica vagans; * Cistus palhinhae formations on maritime wet heaths

Trockenheiden (EUNIS F4.2) – ein schützenswerter Lebensraum

Das Wichtigste in Kürze

Trockenheiden sind niedrige, immergrüne Zwergstrauchgesellschaften, die von Arten der Gattungen Calluna, Erica, Vaccinium und Ulex (Ginster) beherrscht werden. Sie wachsen auf sauren, oft gebleichten (podsolierten) Böden, die nie oder nur sehr selten wassergesättigt sind. Ihre Hauptverbreitung liegt im atlantischen Europa mit hohen Niederschlägen und geringen Temperaturgegensätzen. Die Europäische Rote Liste der Lebensräume führt sie als „Vulnerable“ (gefährdet), weil die traditionelle Heidenutzung (Mahd, Brand, extensive Beweidung) vielerorts aufgegeben wurde und die Bestände durch Verbuschung oder Vergrasung verschwinden.

Trockenheiden sind übergeordnet dem EUNIS-Code F4.2 zugeordnet. Sie umfassen mehrere nach der FFH-Richtlinie geschützte Lebensraumtypen, darunter die prioritären Typen 4040 und 5140. Ein einheitlicher Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie ist nicht dokumentiert, da die Bewertung auf Ebene der einzelnen FFH-Typen erfolgt.

Der Lebensraum ist untrennbar mit extensiver Landnutzung verbunden. Anzeichen guter Qualität sind eine strukturreiche, wenig dominierte Vegetation, das Auftreten von Flechten und Moosen, das Fehlen von Stickstoffzeigern und eine mosaikartige Altersstruktur der Heidekrautbestände.

Was sind Trockenheiden?

Nach der EUNIS-Klassifikation sind Trockenheiden („Dry heaths“, F4.2) dichte, von niedrigen Sträuchern (sub-shrubs) aufgebaute Vegetationsbestände. Typische Gattungen sind:

  • Calluna (Besenheide)
  • Erica (Glockenheide, Grauheide u. a.)
  • Vaccinium (Heidelbeere, Preiselbeere)
  • Daboecia (Irische Heide)
  • Ulex (Stechginster) und Genista (Ginster)

Daneben treten Gräser und andere verholzende Pflanzen auf. Die Bestände stocken auf silikatischen, oft podsoligen Böden, die selbst in niederschlagsreichen Regionen kaum wassergesättigt sind. Anders als Feuchtheiden sind Trockenheiden also durch eine gute Durchlüftung des Oberbodens und ein ausgeglichenes, nicht staunasses Bodenwasserregime gekennzeichnet.

Der Untergrund ist fast immer kalkfrei und nährstoffarm. Diese Bedingungen fördern die Konkurrenzkraft der langsam wachsenden, immergrünen Zwergsträucher gegenüber anspruchsvolleren Pflanzen.

Verbreitung in Europa

Die Trockenheiden haben ihren Schwerpunkt im atlantischen Europa: von Nordwest-Marokko über die nördliche und westliche Iberische Halbinsel, Westfrankreich, die Britischen Inseln, Belgien, die Niederlande, Nordwestdeutschland, Dänemark und Südwestschweden bis an die Westküste Norwegens. Größere Vorkommen existieren außerdem in den zentraleuropäischen Silikatmittelgebirgen. Im Norden werden sie durch den Golfstrom thermisch begünstigt, im Süden sind sie auf niederschlagsreiche Berglagen angewiesen.

Das floristische Optimum mit besonders vielen Arten liegt vermutlich im südwestlichen Europa (nördliches und westliches Iberien), wo sich während der Eiszeiten Rückzugsräume befanden.

Natürlicherweise sind Trockenheiden wohl nur an windexponierten, flachgründigen Felsküsten der atlantischen Südwestküste entstanden. Die große Mehrheit der heutigen Bestände ist jedoch sekundär: Seit dem Neolithikum schufen Mahd, kontrolliertes Abbrennen und Beweidung offene Heiden auf ehemaligen Waldstandorten. Ohne diese Eingriffe würden Birken, Kiefern oder andere Gehölze die Heide verdrängen (Sukzession).

Charakteristische Arten

Die Artenlisten der europäischen Quelldaten nennen eine Vielzahl von Gefäßpflanzen, Moosen und Flechten. Die folgende Tabelle fasst wichtige Gruppen zusammen (Auswahl, keine abschließende Auflistung):

GruppeTypische Vertreter (Auswahl)
HeidekrautgewächseBesenheide (Calluna vulgaris), Glockenheide (Erica cinerea), Grauheide (Erica vagans), Irische Heide (Daboecia cantabrica)
Ginster und DornsträucherStechginster (Ulex europaeus), Kleiner Ginster (Ulex minor), Behaarter Ginster (Genista pilosa), Deutscher Ginster (Genista germanica)
Sonstige SträucherKrähenbeere (Empetrum nigrum), Heidelberg (Vaccinium myrtillus)
Gräser und KräuterAgrostis curtisii, Avenula sulcata, Adlerfarn (Pteridium aquilinum), Tuberaria lignosa
MooseHylocomium splendens, Pleurozium schreberi, Hypnum jutlandicum
FlechtenCladonia spp., Cladina spp., Cetraria spp.
VögelZiegenmelker (Caprimulgus europaeus), Provencegrasmücke (Sylvia undata)
ReptilienSchlingnatter (Coronella austriaca), Iberische Smaragdeidechse (Lacerta schreiberi)

Unter den Heidekrautgewächsen sind viele regionale Besonderheiten: So kommt die Irische Heide nur im westlichen Irland und in Teilen der Iberischen Halbinsel vor, während Erica vagans vor allem an atlantischen Küstenheiden zu finden ist.

Qualitätsindikatoren für einen guten Erhaltungszustand

Die Bewertung von Trockenheiden orientiert sich an folgenden Merkmalen (nach den EUNIS-Quelldaten):

  • dichter, strukturreicher Bewuchs mit zahlreichen krautigen Pflanzen, Farnen und Gräsern, ohne dass eine einzelne Art (z. B. Besenheide, Ginster oder Adlerfarn) klar dominiert
  • ausgeglichene Populationen der charakteristischen Tierarten, die auf ein gutes Mikroklima und eine vielfältige Vertikalstruktur angewiesen sind
  • Vorkommen seltener und/oder gefährdeter Arten
  • Fehlen gebietsfremder Arten (Neophyten)
  • Fehlen von Stickstoffzeigern (nitrophile Arten), die auf Nährstoffeinträge hindeuten
  • Fehlen aufkommender Bäume und hoher Sträucher als Zeichen für fehlende Pflege
  • Vorkommen von Flechten und/oder Moosen als Indikator für nährstoffarme, ungestörte Bedingungen
  • alte Besenheide-Bestände mit erkennbaren Verjüngungszyklen
  • Hinweise auf traditionelle Nutzung wie niederfrequente Brände, Mahd oder Beweidung

Gefährdung und Schutzstatus

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (2022) führt die Trockenheiden (F4.2) in der Kategorie „Vulnerable“ (gefährdet) – sowohl innerhalb der EU28 als auch in der erweiterten Betrachtung EU28+. Ein Kriterium für die Einstufung ist in den Quelldaten nicht näher angegeben.

Nach der FFH-Richtlinie sind mehrere konkrete Ausprägungen von Trockenheiden geschützt. Der EUNIS-Typ F4.2 umfasst folgende FFH-Lebensraumtypen (Annex I):

  • 2310 – Trockene Sandheiden mit Calluna und Genista
  • 2320 – Trockene Sandheiden mit Calluna und Empetrum nigrum
  • 4030 – Trockene europäische Heiden
  • 4040 – † Trockene atlantische Küstenheiden mit Erica vagans (prioritärer Lebensraum)
  • 5140 – † Formationen von Cistus palhinhae auf maritimen Feuchtheiden (prioritärer Lebensraum)

Anmerkung: Das Kreuz (†) kennzeichnet prioritäre Lebensraumtypen, für die eine besondere Schutzverpflichtung besteht.

Der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegt für den übergeordneten EUNIS-Typ nicht aggregiert vor. Er wird für jeden der genannten Annex-I-Typen einzeln auf biogeografischer Ebene berichtet. In den hier verwendeten Quelldaten ist diese Information nicht enthalten.

Nutzung und Management – eine kulturhistorische Landschaft

Die Trockenheiden Mitteleuropas sind ein Erbe traditioneller Landnutzung. Seit dem Neolithikum wurden sie durch Mahd, Brennen und Beweidung offen gehalten. Der jeweilige Gebrauch prägte die Artenzusammensetzung:

  • Häufige Brände in Kombination mit Beweidung ließen grasreiche, fast wiesenartige Bestände mit kleinen Heidepflanzen entstehen.
  • Regelmäßige Mahd ohne Beweidung förderte die Dominanz von Besenheide, Ginster und Adlerfarn – eine Nutzung, die vor allem der Gewinnung von Einstreu und Stallmaterial diente.
  • Extensive Ganzjahresbeweidung (Schafe, Ziegen, Rinder) sorgte für strukturreiche, mosaikartige Heiden mit eingestreuten Offenbodenstellen.

Die Aufgabe dieser Landnutzung im 20. Jahrhundert hat vielerorts zur Sekundärsukzession geführt: Adlerfarn, Birke und Kiefer wandern ein und verdrängen die lichtbedürftigen Heidearten. Auch Stickstoffeinträge aus der Luft begünstigen stickstoffliebende Gräser und Kräuter, welche die konkurrenzschwachen Zwergsträucher überwachsen. Um Trockenheiden zu erhalten, müssen Pflegemaßnahmen die traditionellen Störungen nachahmen: Beweidung mit robusten Rassen, gelegentlicher Schlagabtrieb oder maschinelles Entkusseln und Mahd mit Abräumen des Schnittguts.

Trockenheiden in Garten und Kommune

Eine exakte Nachbildung von Trockenheiden im Privatgarten ist kaum möglich, weil der Lebensraum an großflächige, saure und nährstoffarme Standorte mit spezifischem Mikroklima gebunden ist. Dennoch können einzelne Elemente in naturnahen Gärten auf sauren, sandigen Böden Verwendung finden:

  • Sorten von Calluna vulgaris und Erica cinerea sind als Zierpflanzen im Handel; sie benötigen saure, humose Erde ohne Kalk und volle Sonne.
  • Wer den Wacholder- und Ginstercharakter nachahmen möchte, kann auf Sorten des Behaarten Ginsters oder der Krähenbeere zurückgreifen, allerdings bleiben die maßgeblichen ökologischen Wechselwirkungen mit Insekten und Bodenpilzen meist aus.
  • Kommunen können auf öffentlichen Sandflächen (z. B. an Radwegen oder auf Friedhöfen) heidetypische Ansaaten etablieren, wenn der Eintrag von Stickstoff und Laubstreu minimiert wird.

Die bedeutendste Unterstützung leisten Bürgerinnen und Bürger, indem sie die örtlichen Heideflächen vor Überdüngung schützen, ehrenamtliche Pflegeeinsätze unterstützen und blühende Heidegebiete nicht betreten. So bleibt dieser europäisch gefährdete Lebensraum für Ziegenmelker, Schlingnatter und viele seltene Pflanzen erhalten.

Häufige Fragen

Was versteht man unter Trockenheiden (EUNIS F4.2)?

Trockenheiden sind dichte, niedrige Zwergstrauchgesellschaften auf sauren, gut durchlüfteten Böden. Dominiert werden sie von Besenheide (Calluna), Heidekraut (Erica), Ginster (Ulex, Genista) und Heidelbeere (Vaccinium). Ihre Hauptverbreitung liegt im atlantischen Europa.

Warum sind Trockenheiden gefährdet?

Die Europäische Rote Liste der Lebensräume stuft sie als ‚Vulnerable‘ (gefährdet) ein. Hauptursache ist die Aufgabe der traditionellen Nutzung (Mahd, Brand, Beweidung), wodurch die Flächen verbuschen oder vergrasen. Auch Stickstoffeinträge aus der Luft fördern konkurrenzstärkere Pflanzen.

Welche FFH-Lebensraumtypen gehören zu den Trockenheiden?

Unter dem EUNIS-Typ F4.2 werden mehrere Annex‑I‑Typen der FFH-Richtlinie zusammengefasst: 2310 (Sandheiden mit Calluna und Genista), 2320 (Sandheiden mit Calluna und Empetrum), 4030 (Europäische Trockenheiden) sowie die prioritären Typen 4040 (Atlantische Küstenheiden mit Erica vagans) und 5140 (Cistus palhinhae-Heiden).

Welche Qualitätsmerkmale zeichnen intakte Trockenheiden aus?

Gut erhaltene Heiden zeigen eine strukturreiche Vegetation ohne deutliche Dominanz einer Art, Vorkommen seltener Arten, Flechten und Moose, eine mosakartige Altersstruktur der Besenheide, das Fehlen von Stickstoffzeigern und aufkommenden Gehölzen sowie sichtbare Spuren extensiver Pflege.

Kann man Trockenheiden im eigenen Garten anlegen?

Eine detailgetreue Nachbildung des Lebensraums ist nicht möglich, da Trockenheiden auf nährstoffarme, großflächige Standorte mit traditioneller Störungsdynamik angewiesen sind. Auf sauren Sandböden lassen sich aber einzelne Heidearten wie Calluna vulgaris oder Erica cinerea kultivieren. Wichtiger ist der Schutz bestehender Heideflächen.

Quellen