Westliche basiphile Garrigue (F6.1) – Trockenheitsgeprägte Strauchheiden auf Kalk-, Dolomit- und Ultramafitgestein
Die westliche basiphile Garrigue (EUNIS F6.1) ist eine von Zwergsträuchern (Chamaephyten) und Kleinsträuchern (Nanophanerophyten) beherrschte, niedrige Strauchvegetation auf kalk-, dolomit- oder ultramafitreichen, flachgründigen bis erodierten Böden des thermo- bis mesomediterranen westlichen Mittelmeerraums. Sie gilt in der Europäischen Roten Liste der Lebensräume als ungefährdet (Least Concern).
Einordnung
- Originalbezeichnung
- Western basiphilous garrigue
- EUNIS
- F6.1 – Western garrigues
- EU-28
- Least Concern
- EU-28+
- Least Concern
- FFH-Anhang I
- 5330; 5140 – Thermo-Mediterranean and pre-desert scrub; * Cistus palhinhae formations on maritime wet heaths
Das Wichtigste in Kürze
Die westliche basiphile Garrigue (EUNIS-Code F6.1, Rote-Liste-Einheit RLF6.1a) ist eine charakteristische, niedrigwüchsige Strauchvegetation der westlichen Mittelmeerländer. Sie besiedelt flachgründige, meist kalk- oder dolomitreiche Böden und stellt häufig eine Ersatzgesellschaft ehemaliger Wälder dar, die durch Beweidung, Brand oder Erosion entstanden ist. Auf exponierten Felskuppen kann sie als permanente Klimaxgesellschaft auftreten.
- Gefährdung (Europäische Rote Liste): Least Concern (ungefährdet).
- FFH-Relevanz: Teilweise Überschneidungen mit den Annex‑I‑Lebensraumtypen 5330 (Thermo-mediterrane und vorsubsteppische Gebüschformationen) und 5140 (*Cistus palhinhae-Formationen auf maritimen Heiden).
- Charakterarten: Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Echter Thymian (Thymus vulgaris), Weißliche Zistrose (Cistus albidus) und zahlreiche regionale Endemiten.
- Verbreitung: Westliches Mittelmeergebiet, mit Schwerpunkt auf der Iberischen Halbinsel, den Balearen und angrenzenden Gebieten (Südfrankreich, Tyrrhenisches Italien).
Der vorliegende Artikel fasst die verfügbaren Informationen aus der amtlichen EUNIS-Datenbank und der Europäischen Roten Liste der Lebensräume (2022) zusammen. Angaben zu Ländern, Bedrohungen und zum Artikel-17-Erhaltungszustand sind in den herangezogenen Quelldaten nicht enthalten und werden daher nicht ergänzt.
EUNIS-Klassifikation und syntaxonomische Einordnung
Innerhalb des EUNIS-Habitatverzeichnisses ist die westliche Garrigue unter F6.1 Western garrigues geführt. Die Rote Liste präzisiert dies als RLF6.1a Western basiphilous garrigue. Pflanzensoziologisch entspricht der Biotoptyp im Wesentlichen der Klasse Rosmarinetea officinalis (nach manchen Autoren auch Ononido-Rosmarinetea). Der weitaus größte Anteil entfällt auf die Ordnung Rosmarinetalia (trockene bis subhumide Kalk-Standorte Zentralspaniens und West-Iberiens). Hinzu kommen zwei weitere Ordnungen:
- Anthyllidetalia terniflorae – halbtrockene Kalk- und Mergelgesellschaften der Provinz Murcia-Almería
- Convolvuletalia boissieri – magnesiumgeprägte Pflanzengemeinschaften auf Dolomit und Ultramafit
Insgesamt werden dreizehn pflanzensoziologische Verbände unterschieden, die die enorme biogeografische und floristische Vielfalt widerspiegeln.
Ausgeklammert sind Gipsgesellschaften (Gipsophylletalia, EUNIS F6.7), Igelpolsterheiden (Erinacetalia, F7.4) sowie Berggarriguen der höheren mediterranen Stufe (F6.6, F7.4). Auch Küstenklippen-Garriguen auf Kalk (Helichrysetalia italici) werden anderen Typen (F7.1‑2 oder B3.1‑3b) zugeordnet.
Rote Liste der Lebensräume: Gefährdungsstatus
Die Europäische Rote Liste der Lebensräume (EU28 und EU28+-Bewertung) stuft die westliche basiphile Garrigue (RLF6.1a) als Least Concern (LC) ein. Ein konkretes Einstufungskriterium ist in den Quelldaten nicht angegeben. Das bedeutet, dass der Lebensraumtyp auf europäischer Ebene derzeit als nicht gefährdet gilt. Dies hängt mit der weiten Verbreitung und der Fähigkeit zusammen, sich nach Störungen rasch zu regenerieren.
Hinweis: Der Artikel-17-Erhaltungszustand – also die amtliche Bewertung nach FFH-Richtlinie – liegt in den vorliegenden Quelldaten nicht vor. Er kann je nach betrachtetem Mitgliedstaat und konkreter Ausprägung abweichen.
FFH-Relevanz: Annex-I-Lebensraumtypen
Die basiphile Garrigue weist fachliche Überschneidungen mit zwei Lebensraumtypen des Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie auf, ohne mit diesen identisch zu sein:
| Annex-I-Code | Bezeichnung | Bezug zu F6.1 |
|---|---|---|
| 5330 | Thermo-mediterrane und prä-steppenartige Gebüschformationen | Weite Teile der Rosmarinetalia und einige wärmebegünstigte Ausbildungen werden von 5330 erfasst; typische Arten wie Rosmarinus officinalis, Thymus vulgaris, Cistus albidus sind dominant. |
| 5140 | Cistus palhinhae-Formationen auf maritimen Feuchtheiden | Nur punktuelle Überlappung; betrifft spezielle Zistrosen-Gesellschaften, die nicht den Kern der basiphilen Garrigue ausmachen. |
Für die Bewertung des Erhaltungszustands nach Artikel 17 ist deshalb eine präzise Zuordnung zu den jeweiligen nationalen Vorkommen und Kartiereinheiten notwendig. Die Rote-Liste-Einheit RLF6.1a kann als Referenz für das gesamte Spektrum der westlichen basiphilen Garriguen dienen.
Verbreitung und Ökologie
Standortansprüche
Die westliche basiphile Garrigue gedeiht auf flachgründigen, oft erodierten Böden über Kalkstein (Calciumcarbonat), Dolomit (Magnesiumcarbonat) oder ultramafischen Gesteinen mit alkalischer Reaktion. Sie besiedelt die thermomediterrane bis mesomediterrane Höhenstufe, seltener die untere supramediterrane Stufe, und erträgt semiaride bis subhumide Klimabedingungen. Entscheidend ist die dauerhafte oder zumindest lang anhaltende Offenhaltung des Bodens durch Störungen oder edaphische Trockenheit.
Dynamik und Entstehung
Der Lebensraum ist überwiegend eine Ersatzgesellschaft (Seralstadium) nach Degradation der zonalen Wälder. Historisch hat er sich durch Rodung, Beweidung und Feuer stark ausgedehnt. Weil die meisten Sträucher zu den R‑Strategen zählen (Massenkeimer nach Feuer), können sich die Bestände nach Bränden rasch regenerieren – ein Faktor, der den Fortbestand eher begünstigt als gefährdet.
Auf extrem flachgründigen Felsköpfen und Graten kann die Garrigue jedoch ein dauerhaftes Klimaxstadium darstellen. In semiariden Regionen, etwa in der Provinz Murcia‑Almería, tritt sie zudem als natürliche, von Dürre geprägte Dauerformation auf.
Qualitätsmerkmale
Ein guter Erhaltungsgrad zeigt sich an:
- hohem Deckungsgrad und Artenreichtum, vor allem in „gesättigten“ Ausprägungen mit einem breiten Spektrum an charakteristischen und endemischen Arten,
- dem Vorhandensein eines Mosaiks mit anderen halboffenen Lebensräumen (Trockenrasen, lichte Wälder),
- einem ausgewogenen Störungsregime, das die Sukzession in Gehölzgesellschaften verzögert, ohne den Artenreichtum zu reduzieren.
Artenarme Pionierstadien sind naturschutzfachlich weniger wertvoll, können jedoch durch natürliche Besiedlung in reifere Formen übergehen.
Charakteristische Pflanzenarten
Die floristische Vielfalt ist enorm – die Europäische Rote Liste führt mehrere hundert Gefäßpflanzenarten an, darunter zahlreiche Endemiten der Iberischen Halbinsel, der Balearen und des Tyrrhenischen Raumes. Die folgende Auswahl zeigt die wichtigsten Strukturbildner und diagnostischen Arten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
| Artengruppe | Beispiele |
|---|---|
| Dominante Lippenblütler (Lamiaceae) | Rosmarinus officinalis (Rosmarin), Thymus vulgaris (Echter Thymian), Sideritis incana, Teucrium capitatum |
| Zistrosengewächse (Cistaceae) | Cistus albidus (Weißliche Zistrose), Cistus clusii, Cistus creticus, Fumana ericoides, Fumana thymifolia |
| Schmetterlingsblütler (Fabaceae) | Anthyllis cytisoides, Dorycnium pentaphyllum, Coronilla minima, Hippocrepis squamata, Ononis pusilla |
| Sonnenröschengewächse (Cistaceae, hier Helianthemum) | Helianthemum syriacum, Helianthemum violaceum, Helianthemum cinereum |
| Doldenblütler (Apiaceae) | Elaeoselinum tenuifolium, Bupleurum fruticescens |
| Weitere strukturbestimmende Arten | Aphyllanthes monspeliensis, Globularia alypum, Staehelina dubia, Atractylis humilis |
Das gesamte Artenspektrum variiert stark zwischen den drei Ordnungen und dreizehn Verbänden. Die präzise Ansprache erfordert oft vegetationskundliche Aufnahmen und Kenntnisse der regionalen Endemiten.
Gefährdung und Schutz
Auf europäischer Ebene wird der Lebensraumtyp als Least Concern (ungefährdet) geführt. Die Einstufung beruht auf der weiten Verbreitung und der größtenteils unkritischen Bestandsentwicklung.
Bedrohungsfaktoren werden in den vorliegenden Quelldaten nicht konkret benannt. Allgemein bekannte Gefahren für Garriguen sind:
- zu intensive oder zu häufige Brände, die die Regeneration überfordern,
- Aufforstungen mit gebietsfremden Gehölzen,
- Umwandlung in landwirtschaftliche Flächen oder Siedlungsbau,
- Nährstoffeinträge, die eine Verbuschung mit konkurrenzstärkeren Arten fördern.
In Schutzgebieten, die das typische Störungsmosaik (Beweidung, gelegentliche kontrollierte Brände) erhalten, ist keine spezielle aktive Maßnahme erforderlich. Auf dauerhaften Primärstandorten (Felsköpfe) genügt der Prozessschutz.
Kenndaten auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| EUNIS-Code | F6.1 |
| EUNIS-Bezeichnung | Western garrigues |
| Rote-Liste-Einheit | RLF6.1a |
| Deutscher Trivialname | Westliche basiphile Garrigue |
| Gefährdung (EU28/28+) | Least Concern (LC) |
| FFH-Lebensraumtyp (Überschneidung) | 5330 (Thermo-mediterrane und prä-steppenartige Gebüsche) |
| FFH-Lebensraumtyp (Überschneidung) | 5140 (Cistus palhinhae-Formationen) |
| Artikel-17-Erhaltungszustand | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Biogeografische Regionen | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
| Länderliste | in den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben |
FAQ – Häufige Fragen zur westlichen basiphilen Garrigue
1. Was ist eine basiphile Garrigue?
Basiphile Garriguen sind niedrige, offene Strauchgesellschaften auf basenreichen (kalk-, dolomit- oder ultramafitreichen) Standorten des westlichen Mittelmeerraums. Sie werden von Zwergsträuchern und Kleinsträuchern beherrscht und beherbergen eine artenreiche, oft endemitenreiche Flora.
2. Welche EUNIS-Kennung hat die westliche basiphile Garrigue?
Sie wird unter F6.1 Western garrigues geführt, mit der spezifischen Roten-Liste-Einheit RLF6.1a für die basiphile Ausprägung.
3. Wie gefährdet ist dieser Lebensraumtyp laut Europäischer Roter Liste?
Die europäische Bewertung (EU28 und EU28+) stuft die westliche basiphile Garrigue als Least Concern (LC) ein – sie gilt damit derzeit als ungefährdet.
4. Besteht eine FFH-Schutzverpflichtung?
Ja, große Teile des Lebensraumtyps überschneiden sich mit dem geschützten Lebensraumtyp 5330 (Thermo-mediterrane und prä-steppenartige Gebüsche) . Punktuell gibt es auch eine Verknüpfung mit 5140 (Cistus palhinhae-Formationen). Die genaue Ausweisung obliegt den Mitgliedstaaten.
5. Welche Pflanzenarten sind besonders typisch?
Strukturbestimmend sind vor allem Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Echter Thymian (Thymus vulgaris), die Weißliche Zistrose (Cistus albidus), Aphyllanthes monspeliensis, Globularia alypum und viele weitere Lippen- und Zistrosengewächse. Je nach Region treten endemische Sippen von Teucrium, Sideritis, Helianthemum oder Genista hinzu.
Quellen
- European Red List of Habitats (Terrestrial), EEA 2022, https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/european-red-list-of-habitats
- Rote-Liste-Datenblatt F6.1a, Download via EEA Datashare, https://sdi.eea.europa.eu/datashare/s/x4Fy8dEbAdNPna8/download
- EUNIS-Habitatdatenbank, https://eunis.eea.europa.eu/habitats.jsp, https://eunis.eea.europa.eu/habitats-code-browser-redlist.jsp
- Artikel-17-Datenbank Habitats Directive, EEA, https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/article-17-database-habitats-directive-92-43-eec-2
- Habitats Directive Portal, Europäische Kommission, https://environment.ec.europa.eu/topics/nature-and-biodiversity/habitats-directive_en
Häufige Fragen
Was ist eine basiphile Garrigue?
Basiphile Garriguen sind niedrige, offene Strauchgesellschaften auf basenreichen (kalk-, dolomit- oder ultramafitreichen) Standorten des westlichen Mittelmeerraums. Sie werden von Zwergsträuchern und Kleinsträuchern beherrscht und beherbergen eine artenreiche, oft endemitenreiche Flora.
Welche EUNIS-Kennung hat die westliche basiphile Garrigue?
Sie wird unter F6.1 Western garrigues geführt, mit der spezifischen Roten-Liste-Einheit RLF6.1a für die basiphile Ausprägung.
Wie gefährdet ist dieser Lebensraumtyp laut Europäischer Roter Liste?
Die europäische Bewertung (EU28 und EU28+) stuft die westliche basiphile Garrigue als Least Concern (LC) ein – sie gilt damit derzeit als ungefährdet.
Besteht eine FFH-Schutzverpflichtung?
Große Teile des Lebensraumtyps überschneiden sich mit dem geschützten Lebensraumtyp 5330 (Thermo-mediterrane und prä-steppenartige Gebüsche). Punktuell gibt es auch eine Verknüpfung mit 5140 (*Cistus palhinhae*-Formationen). Die genaue Ausweisung obliegt den Mitgliedstaaten.
Welche Pflanzenarten sind besonders typisch?
Strukturbestimmend sind vor allem Rosmarin (*Rosmarinus officinalis*), Echter Thymian (*Thymus vulgaris*), die Weißliche Zistrose (*Cistus albidus*), *Aphyllanthes monspeliensis*, *Globularia alypum* und viele weitere Lippen- und Zistrosengewächse. Je nach Region treten endemische Sippen von *Teucrium*, *Sideritis*, *Helianthemum* oder *Genista* hinzu.
Quellen
- https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/european-red-list-of-habitats
- https://sdi.eea.europa.eu/datashare/s/x4Fy8dEbAdNPna8/download
- https://eunis.eea.europa.eu/habitats.jsp
- https://eunis.eea.europa.eu/habitats-code-browser-redlist.jsp
- https://www.eea.europa.eu/data-and-maps/data/article-17-database-habitats-directive-92-43-eec-2
- https://environment.ec.europa.eu/topics/nature-and-biodiversity/habitats-directive_en