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EUNIS: H2.6Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 8130

Westmediterrane basenreiche Schutthalde (H2.6) – Lebensraum, Gefährdung und Schutz

Die Westmediterrane basenreiche Schutthalde (EUNIS H2.6, FFH-Code 8130) ist ein von Steinschutt, Felsblöcken und Flusskies geprägter Lebensraum des westlichen Mittelmeergebietes. Sie ist aus kalk- und ultrabasischem Gestein aufgebaut und beherbergt eine hochspezialisierte Flora. Nach der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen gilt der Lebensraum als ungefährdet (Least Concern).

Einordnung

Originalbezeichnung
Western Mediterranean base-rich scree
EUNIS
H2.6 – Calcareous and ultra-basic screes of warm exposures
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
8130 – Western Mediterranean and thermophilous scree

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Westmediterrane basenreiche Schutthalde (EUNIS-Code H2.6) ist ein natürlicher Lebensraum aus Kalk-, Dolomit- und ultrabasischen Gesteinsschutthalden in warmen Lagen des westlichen Mittelmeergebietes.
  • Sie ist als FFH-Lebensraumtyp 8130 („Westmediterrane und thermophile Schutthalden“) geschützt und gilt nach der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen als ungefährdet (Least Concern).
  • Geprägt durch extreme Standortbedingungen – starke Sonneneinstrahlung, Wassermangel und mechanische Störung durch Steinschlag – beherbergt sie hochspezialisierte Pflanzen mit besonderen Anpassungen wie Kriechtrieben und Speicherorganen.
  • Besondere Bedeutung haben die zahlreichen endemischen Arten in den Hochgebirgen der Iberischen Halbinsel, der Apenninen und der großen Mittelmeerinseln.

Was ist die Westmediterrane basenreiche Schutthalde?

Die Westmediterrane basenreiche Schutthalde ist ein dynamischer, von grobem Gesteinsmaterial geprägter Lebensraum. Im EUNIS-Klassifikationssystem wird sie unter dem Code H2.6 („Calcareous and ultra-basic screes of warm exposures“) geführt. Sie besteht aus Felsblöcken, Gesteinsschutt und Flusskies, die in warmen, sonnenexponierten Lagen des westlichen Mittelmeerraums vorkommen. Das Ausgangsmaterial umfasst sedimentäre und metamorphe Kalke und Dolomite, darüber hinaus Serpentinite, andere ultramafische Gesteine sowie siliziumarme vulkanische Gesteine wie Basalt.

Der Lebensraum erstreckt sich von den Tieflagen bis in die Hochgebirge. Während er in den Hochlagen großflächig auftreten kann, ist er in den Niederungen und im Hügelland oft selten. Typisch sind auch Kiesbänke entlang ständiger oder zeitweise wasserführender Fließgewässer.

Verbreitung in Europa

Die Westmediterrane basenreiche Schutthalde kommt im gesamten westlichen Mittelmeerraum vor. Die Verbreitung umfasst:

  • die Iberische Halbinsel
  • Südfrankreich
  • die Apenninen-Halbinsel (Italien)
  • die Balearen
  • Korsika
  • Sardinien
  • Sizilien
  • viele kleinere Inseln und Archipele des Tyrrhenischen Meeres (z. B. Toskanische, Ägadische und Äolische Inseln)
  • den mediterranen Bereich Nordwestafrikas (Marokko, Algerien, Tunesien)

In den Hochgebirgen (Pyrenäen, Sierra Nevada, Apennin) prägt dieser Biotoptyp ausgedehnte Schuttflächen. In den tieferen Lagen tritt er vor allem an Flusskiesbänken und an Steilhängen mit aktiver Schuttbildung auf.

Pflanzenwelt und Anpassungsstrategien

Die Vegetation wird von ausdauernden Stauden (Hemikryptophyten) und Zwergsträuchern (Chamaephyten) dominiert. Diese Pflanzen sind an die extremen Bedingungen hervorragend angepasst:

  • Mechanische Störung: Beweglicher Schutt zerstört regelmäßig oberirdische Teile. Viele Arten können aus verschütteten Sprossen wieder austreiben.
  • Wassermangel: Der grobe, durchlässige Untergrund speichert kaum Wasser. Die Pflanzen besitzen daher oft ausgedehnte Wurzelsysteme, Speicherknollen oder Rhizome.
  • Erosionskontrolle: Niederliegende Sprosse, Ausläufer und horstartige Wuchsformen helfen, den Schutt zu stabilisieren.

Typische Vertreter sind Arten aus den Gattungen Campanula (Glockenblumen), Iberis (Schleifenblumen), Linaria (Leinkräuter) und Scrophularia (Braunwurzen). Die Pflanzengesellschaften gehören überwiegend zur Klasse der Thlaspietea rotundifolii.

Ein besonderes Merkmal ist der hohe Anteil regionaler Endemiten in den Hochgebirgen. Die Artenzusammensetzung unterscheidet sich stark zwischen den Gebirgsstöcken und Inseln – ein Spiegelbild von Isolation und Artbildung. Die Moos- und Flechtenflora (epilithische Kryptogamen) kann in Spalten und schattigen, feuchten Kleinstandorten sehr artenreich sein.

Ausgewählte charakteristische Gefäßpflanzen

Die Europäische Rote Liste der Biotoptypen nennt eine umfangreiche Liste, darunter:

  • Achnatherum calamagrostis (Raugras)
  • Aquilegia pyrenaica (Pyrenäen-Akelei)
  • Campanula cochleariifolia (Zwerg-Glockenblume)
  • Galium cespitosum (Rasen-Labkraut)
  • Iberis carnosa subsp. granatensis
  • Linaria glacialis
  • Pritzelago alpina subsp. auerswaldii
  • Rumex scutatus (Schild-Ampfer)
  • Saxifraga oppositifolia subsp. murithiana
  • Sedum monregalense

Diese und viele weitere Arten sind an das Überleben im Schutt perfekt angepasst.

EUNIS-Klassifikation und FFH-Schutzstatus

MerkmalBeschreibung
EUNIS-CodeH2.6
EUNIS-NameCalcareous and ultra-basic screes of warm exposures
FFH-Code8130
FFH-NameWestern Mediterranean and thermophilous scree
Rote-Liste-Kategorie (EU28/EU28+)Least Concern (nicht gefährdet)
Artikel-17-Erhaltungszustandin den vorliegenden Quelldaten nicht angegeben
HauptverbreitungWestmediterran: Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Italien, Balearen, Korsika, Sardinien, Sizilien, Nordwestafrika
Typische GesteineKalk, Dolomit, Serpentinit, Basalt, andere ultramafische und siliziumarme Vulkanite
Charakteristische PflanzengattungenGlockenblumen (Campanula), Schleifenblumen (Iberis), Leinkräuter (Linaria), Braunwurzen (Scrophularia)
QualitätsmerkmaleVorkommen seltener, pflanzengeographisch bedeutsamer Arten; ausreichende Flächengröße mit natürlicher Schuttzufuhr; Kontakt zu Felslebensräumen, Pionierrasen oder Auwäldern; keine Kiesabbau- oder Flussbaumaßnahmen
BesonderheitenViele regionale Endemiten; anthropogene Sekundärstandorte (z. B. alte Bergbauhalden) können als Ersatzlebensräume dienen

Gefährdung und Rote Liste

In der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen (Europäische Umweltagentur, 2022) wird die Westmediterrane basenreiche Schutthalde sowohl für die EU28 als auch für EU28+ mit „Least Concern“ (ungefährdet) bewertet. Kriterien für diese Einstufung wurden in den Quelldaten nicht explizit genannt.

Die Dynamik des Lebensraums hängt ganz wesentlich von der fortwährenden natürlichen Zufuhr von Gesteinsmaterial ab. Bleibt diese aus – etwa weil die liefernden Felswände durch Erosion nicht mehr aktiv sind –, setzt eine Sukzession ein. Der Schuttlebensraum entwickelt sich dann langsam zu Grasland, Gebüsch oder Wald.

Während die Hochgebirgsschutthalden durch menschliche Eingriffe kaum beeinträchtigt werden, sind Flusskiesbänke der Tieflagen häufig durch Kiesabbau, Gewässerregulierung oder Verkehrsbauten massiv verändert worden. Diese Faktoren können lokal zu einer Verschlechterung der Habitatqualität führen. In der aktuellen europäischen Roten Liste sind keine detaillierten Gefährdungsursachen aufgeführt; mögliche Gefahren lassen sich jedoch aus der Beschreibung ableiten.

Menschlich geschaffene Schutthalden – zum Beispiel alte Bergbauhalden – können nach langer Nutzungspause wertvolle Sekundärlebensräume entwickeln. Wo natürliche Schutthalden fehlen, tragen sie zur Erhaltung der spezialisierten Pflanzenarten bei und sollten bei guter Qualität geschützt werden.

Bedeutung für Naturschutz und Gärten

Der Lebensraum hat eine hohe naturschutzfachliche Bedeutung aufgrund der vielen endemischen Pflanzenarten und seiner Funktion als Rückzugsraum für Spezialisten. Der FFH-Schutz (Anhang I, Code 8130) verpflichtet die Mitgliedstaaten zur Erhaltung eines günstigen Zustands.

Im Garten ist dieser Biotoptyp nicht 1:1 nachbildbar, da er auf natürliche Schuttzufuhr und extreme Standortbedingungen angewiesen ist. Einige der angepassten Pflanzen werden jedoch in Steingärten oder auf Trockenmauerköpfen kultiviert, insbesondere Arten aus den Gattungen Campanula, Iberis, Sedum oder Saxifraga. Wichtig ist hierbei die Verwendung von standortgerechtem, kalkhaltigem Substrat und eine sehr gute Drainage – die Nährstoffarmut und die offene Schuttstruktur lassen sich aber nur bedingt auf den Garten übertragen. Sekundäre Schuttstandorte wie alte Steinbrüche oder aufgelassene Halden hingegen können naturschutzfachlich sehr wertvoll sein und sollten bei der Biotopverbundplanung berücksichtigt werden.

Aktuelle Datenlage und Quellen

Die Fakten dieses Artikels stammen aus dem europäischen Roten-Liste-Projekt der Europäischen Umweltagentur (2022) sowie aus den zugehörigen EUNIS- und FFH-Datenbanken. Einige Felder, die für andere Biotoptypen vorliegen, fehlen hier – insbesondere der Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie und eine detaillierte Liste von Gefährdungsursachen oder Wiederherstellungshinweisen. Diese Lücken werden an entsprechender Stelle benannt.

FAQ

Was ist die Westmediterrane basenreiche Schutthalde?

Die Westmediterrane basenreiche Schutthalde (EUNIS H2.6, FFH 8130) ist ein aus Kalk- und ultrabasischen Gesteinstrümmern (Blöcke, Schutt, Flusskies) aufgebauter Lebensraum des westlichen Mittelmeerraums. Sie kommt von den Tieflagen bis in die Hochgebirge vor und wird durch extreme Bedingungen wie starke Sonneneinstrahlung und mechanische Störungen geprägt.

Wo kommt der Lebensraum vor?

Das Verbreitungsgebiet umfasst die Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Italien (Apenninen), die Balearen, Korsika, Sardinien, Sizilien, viele Tyrrhenische Inseln sowie den mediterranen Teil Nordwestafrikas (Marokko, Algerien, Tunesien).

Welche Pflanzen sind typisch für diesen Schutthalden-Typ?

Kennzeichnend sind ausdauernde Stauden und Zwergsträucher, die an mechanische Störung und Wassermangel angepasst sind. Typische Gattungen sind Glockenblumen (Campanula), Schleifenblumen (Iberis), Leinkräuter (Linaria) und Braunwurzen (Scrophularia). In den Hochgebirgen ist der Anteil regionaler Endemiten besonders hoch.

Ist der Lebensraum gefährdet?

Nach der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen gilt er als ungefährdet (Least Concern). Lokal sind jedoch Tieflagen-Flusskiesbänke durch Kiesabbau und Gewässerausbau beeinträchtigt. In den Hochgebirgen ist die Gefährdung gering.

Kann man diesen Lebensraum im Garten nachbilden?

Eine originalgetreue Nachbildung ist nicht möglich, da die natürliche Schuttzufuhr und die extremen Standortbedingungen fehlen. Einige der typischen Pflanzen eignen sich aber für gut drainierte, kalkreiche Steingärten. Wertvoller für den Artenschutz sind oft aufgelassene, sekundäre Schuttstandorte wie alte Steinbruchhalden.

Häufige Fragen

Was ist die Westmediterrane basenreiche Schutthalde?

Die Westmediterrane basenreiche Schutthalde (EUNIS H2.6, FFH 8130) ist ein aus Kalk- und ultrabasischen Gesteinstrümmern (Blöcke, Schutt, Flusskies) aufgebauter Lebensraum des westlichen Mittelmeerraums. Sie kommt von den Tieflagen bis in die Hochgebirge vor und wird durch extreme Bedingungen wie starke Sonneneinstrahlung und mechanische Störungen geprägt.

Wo kommt der Lebensraum vor?

Das Verbreitungsgebiet umfasst die Iberische Halbinsel, Südfrankreich, Italien (Apenninen), die Balearen, Korsika, Sardinien, Sizilien, viele Tyrrhenische Inseln sowie den mediterranen Teil Nordwestafrikas (Marokko, Algerien, Tunesien).

Welche Pflanzen sind typisch für diesen Schutthalden-Typ?

Kennzeichnend sind ausdauernde Stauden und Zwergsträucher, die an mechanische Störung und Wassermangel angepasst sind. Typische Gattungen sind Glockenblumen (Campanula), Schleifenblumen (Iberis), Leinkräuter (Linaria) und Braunwurzen (Scrophularia). In den Hochgebirgen ist der Anteil regionaler Endemiten besonders hoch.

Ist der Lebensraum gefährdet?

Nach der Europäischen Roten Liste der Biotoptypen gilt er als ungefährdet (Least Concern). Lokal sind jedoch Tieflagen-Flusskiesbänke durch Kiesabbau und Gewässerausbau beeinträchtigt. In den Hochgebirgen ist die Gefährdung gering.

Kann man diesen Lebensraum im Garten nachbilden?

Eine originalgetreue Nachbildung ist nicht möglich, da die natürliche Schuttzufuhr und die extremen Standortbedingungen fehlen. Einige der typischen Pflanzen eignen sich aber für gut drainierte, kalkreiche Steingärten. Wertvoller für den Artenschutz sind oft aufgelassene, sekundäre Schuttstandorte wie alte Steinbruchhalden.

Quellen