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EUNIS: F7.1; F7.2Europäische Rote Liste: Least ConcernFFH-Anhang I: 5320; 5430; 5410

Westmediterrane Dornheiden (F7.1/F7.2) – Lebensraum der Felsküsten

Westmediterrane Dornheiden (EUNIS F7.1 und F7.2) sind seltene, kuppelförmige Strauchgesellschaften mit oft dornigen Arten an Felsküsten des Mittelmeerraums. Sie gelten als dauerhafte Klimaxgesellschaft aufgrund extremer Standortbedingungen. Der Erhaltungszustand ist aktuell nicht gemeldet, die Rote-Liste-Einstufung lautet „wenig gefährdet“ (Least Concern).

Einordnung

Originalbezeichnung
Western Mediterranean spiny heath
EUNIS
F7.1; F7.2 – West Mediterranean spiny heaths; Central Mediterranean spiny heaths
EU-28
Least Concern
EU-28+
Least Concern
FFH-Anhang I
5320; 5430; 5410 – Low formations of Euphorbia close to cliffs; Endemic phryganas of the Euphorbio-Verbascion; West Mediterranean clifftop phryganas (Astragalo-Plantaginetum subulatae)

Das Wichtigste in Kürze

Die Westmediterranen Dornheiden sind eine europaweit seltene, isolierte Gruppe von Strauchbeständen an felsigen Meeresküsten des westlichen und zentralen Mittelmeers. Unter den EUNIS-Codes F7.1 (Westmediterrane Dornheiden) und F7.2 (Zentralmediterrane Dornheiden) geführt, zeichnen sie sich durch polsterförmige, oft bedornte Pflanzen und eine hohe Zahl schmal-endemischer Arten aus. Die europäische Rote Liste stuft sie als „Least Concern“ (wenig gefährdet) ein – vor allem, weil viele Bestände unzugänglich und kaum bedroht sind. Im Anhang I der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) werden sie gleich dreifach abgedeckt: als „Niedrige Wolfsmilch-Formationen an Kliffs“ (5320), „Endemische Phrygana des Euphorbio-Verbascion“ (5430) und „Westmediterrane Kliff-Phrygana“ (5410). Ein gemeldeter Erhaltungszustand nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liegt in den vorliegenden Quelldaten nicht vor.

Was sind westmediterrane Dornheiden?

Bei den westmediterranen Dornheiden handelt es sich um kuppelförmige, dornige Zwergstrauchformationen, die auf flachgründigen Felsböden steiler Küstenabschnitte stocken. Sie unterliegen ständigem Wind- und Salzeinflug; die Kombination aus mechanischem Stress, nährstoffarmen Substraten und hoher Sonneneinstrahlung verhindert eine Weiterentwicklung zu höheren Gehölzbeständen. Deshalb gelten diese Heiden als permanente Pionier- und Klimaxgesellschaft an den mediterranen Kliffküsten. Ihr Vegetationsbild ist lückig, je nach Hangneigung und Bodentiefe unregelmäßig geschlossen und voller Charakterarten, die oft weltweit nur in diesen extremen Lagen vorkommen.

Der Begriff „Heide“ ist etwas irreführend, denn anders als mitteleuropäische Zwergstrauchheiden sind es nicht Heidekrautgewächse (Ericaceae), sondern überwiegend Schmetterlingsblütler (z. B. Genista, Astragalus), Doldenblütler, Lippenblütler und Wolfsmilch-Arten, die das Bild prägen. Die Bedornung vieler Arten (etwa Sarcopoterium spinosum, Genista spp.) ist eine Anpassung an Trockenheit und Fraßdruck.

EUNIS-Klassifikation: F7.1 und F7.2

Die Europäische Naturinformationssystem (EUNIS) unterscheidet bei den mediterranen Dornheiden zwei Haupttypen:

EUNIS-CodeNameGeografischer Schwerpunkt
F7.1West Mediterranean spiny heaths (Westmediterrane Dornheiden)Küsten Südportugals, Nordostspanien, Südfrankreich
F7.2Central Mediterranean spiny heaths (Zentralmediterrane Dornheiden)Balearen, Korsika, Sardinien, Malta, Pantelleria, Golf von Tarent (Süditalien)

Beide Einheiten werden in der europäischen Roten Liste gemeinsam als „Western Mediterranean spiny heath“ behandelt, weil sie sich floristisch und standörtlich stark ähneln. In manchen Klassifikationen werden sie unter dem Überbegriff „Mediterrane Kliff-Phrygana“ zusammengefasst.

Europäische Rote Liste: Gefährdung

Der aktuelle Gefährdungsgrad in der Europäischen Roten Liste der Lebensraumtypen (Ausgabe 2022, bezogen auf EU28 und EU28+) lautet:

Least Concern (LC) – nicht gefährdet.

Die Bewertungskriterien wurden nicht gesondert ausgewiesen (in den Quelldaten kein Kriterium vermerkt). Hauptgrund für die günstige Einstufung ist die schwere Zugänglichkeit der Standorte: Die meisten Wuchsorte liegen an Steilküsten, die weder landwirtschaftlich genutzt noch bebaut werden können. Hinzu kommt eine oft fragmentarische und kleinflächige Verteilung, die sich negativ auf die Gefährdungsanalyse auswirken kann, hier aber aufgrund des geringen menschlichen Drucks nicht zu einer höheren Gefährdungskategorie geführt hat.

Dennoch sollte die extreme Seltenheit einzelner Endemiten nicht außer Acht gelassen werden. Die Rote Liste bewertet den Biotoptyp insgesamt, nicht die Einzelarten – das ist Aufgabe der Roten Listen der Pflanzen.

FFH-Annex-I: Bezug zu geschützten Lebensraumtypen

Die westmediterranen Dornheiden werden durch drei verschiedene FFH-Lebensraumtypen des Anhangs I abgedeckt. Das ist ungewöhnlich und spiegelt die Heterogenität der Bestände sowie deren unterschiedliche floristische Zusammensetzung wider. In der Tabelle sind die Zuordnungen mit dem Vermerk „>“ (überwiegend) oder „#“ (teilweise) aus den Originalquellen übernommen.

FFH-CodeBezeichnung (deutsch / englisch)Zuordnung
5320Low formations of Euphorbia close to cliffs / Niedrige Wolfsmilch-Formationen an Kliffs>
5430Endemic phryganas of the Euphorbio-Verbascion / Endemische Phrygana des Euphorbio-Verbascion#
5410West Mediterranean clifftop phryganas (Astragalo-Plantaginetum subulatae) / Westmediterrane Kliff-Phrygana>

Die Codes 5320 und 5410 korrespondieren stark mit dem EUNIS-Komplex F7.1/F7.2, während 5430 eine breitere endemische Phrygana-Gesellschaft anspricht, die in Teilen überlappt. Für die Erhaltungsbewertung werden diese Typen auf nationaler Ebene jeweils einzeln gemeldet.

Verbreitung und Standorte in Europa

Die westmediterranen Dornheiden besiedeln ausschließlich felsige Küstenabschnitte des westlichen und zentralen Mittelmeerraums. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich laut den vorliegenden Fachdaten von den südportugiesischen Kliffs über die nordostspanische Costa Brava und die südfranzösische Felsküste bis zu den Inseln des westlichen Mittelmeers: Balearen (Mallorca, Menorca?), Korsika, Sardinien, Malta und Pantelleria sowie isolierte Vorkommen am Golf von Tarent in Süditalien.

Die genauen Flächenanteile pro Land sind in der hier zugrunde liegenden europäischen Roten Liste nicht aufgeschlüsselt. Die biogeografische Region wird nicht explizit genannt, liegt aber vollständig in der mediterranen Region.

Charakteristische Arten und ökologische Bedeutung

Die Artenliste ist einzigartig und enthält viele schmal-endemische Sippen, die weltweit nur an wenigen Kliffstandorten vorkommen. Als charakteristische Gefäßpflanzen sind dokumentiert (alphabetisch):

  • Anthyllis fulgurans
  • Anthyllis hermanniae subsp. hystrix
  • Armeria ruscinonensis
  • Astragalus balearicus
  • Astragalus massiliensis
  • Centaurea balearica
  • Centaurea horrida
  • Euphorbia pithyusa
  • Genista acanthoclada subsp. sardoa
  • Genista corsica
  • Genista morisii
  • Helichrysum italicum
  • Helichrysum saxatile subsp. errerae
  • Launaea cervicornis
  • Matthiola pulchella
  • Plantago subulatum
  • Sarcopoterium spinosum
  • Teucrium subspinosum
  • Thymelaea hirsuta

Diese Artenvielfalt macht die Felsheiden zu einem Hotspot der Phytodiversität. Da viele Arten hochgradig isoliert sind, könnten selbst kleinräumige Eingriffe gravierende Auswirkungen auf die globale Population haben, auch wenn der Biotoptyp insgesamt als wenig gefährdet gilt.

Qualitätsindikatoren

Als Qualitätskriterien für einen intakten westmediterranen Dornheidebestand werden genannt:

  • Keine Zeichen menschlicher Aktivität: Trittbelastung, Bauwerke, Müll.
  • Präsenz und Abundanz der schmal-endemischen Charakterarten (s. o.).

Diese Indikatoren helfen bei der Bewertung im Monitoring und bei FFH-Berichten, auch wenn für diesen Habitattkomplex auf europäischer Ebene kein verpflichtendes Artikel 17-Reporting existiert, weil der FFH-Bezug dreigeteilt ist.

Gefährdung und Erhaltungszustand (Artikel 17)

Für den Erhaltungszustand im Sinne der FFH-Richtlinie liegen in der ausgewerteten Datenbasis (EEA-Enhanced Red List Package 2022, Artikel 17-Datenbank) keine Angaben vor. Das ist nicht ungewöhnlich: Da kein Mitgliedstaat diesen Biotoptyp als Gesamtheit meldet, sondern die einzelnen Anhang-I-Typen, findet sich in der aggregierten Zeile kein Wert. Ebenso sind in den Quelldaten keine konkreten Bedrohungsfaktoren aufgelistet; die Beschreibung der Roten Liste deutet jedoch an, dass die meisten Bestände zu unzugänglich sind, um nennenswerten Gefahren ausgesetzt zu sein. Potenzielle lokale Risiken wie Tritt durch Besucher, Müllablagerung oder Bauvorhaben könnten zwar vorkommen, sind aber offenbar nicht systematisch erfasst.

Was bedeutet das für Gärten und Kommunen?

Die westmediterranen Dornheiden sind streng an natürliche Felsstandorte gebunden und in einem Garten nicht nachbildbar. Schon eine Salzwassergischt und die ständige Windlast lassen sich nicht simulieren. Sie können jedoch als Inspiration für einen karger, mediterraner Steingarten mit trockenheitsverträglichen Arten dienen – aber bitte nur mit gärtnerischen Arten, nicht mit geschützten Wildpflanzen! Kommunen in Küstenregionen sollten bei der Planung von Infrastrukturen, Wanderwegen oder touristischen Einrichtungen die schwer zugänglichen Kliffbereiche meiden, um die charakteristischen Endemiten nicht zu gefährden, auch wenn der Biotoptyp offiziell als ungefährdet eingestuft ist.

FAQ

  1. Was sind westmediterrane Dornheiden?
    Westmediterrane Dornheiden (EUNIS F7.1, F7.2) sind seltene, polsterförmige, oft dornige Zwergstrauchfluren auf flachgründigen Felsböden steiler Meeresküsten. Sie beherbergen zahlreiche endemische Arten.
  2. Wo kommen westmediterrane Dornheiden vor?
    Entlang der Kliffküsten Südportugals, Nordostspaniens, Südfrankreichs sowie auf den Balearen, Korsika, Sardinien, Malta, Pantelleria und am Golf von Tarent in Süditalien.
  3. Wie ist der Gefährdungsstatus laut Roter Liste?
    Die Europäische Rote Liste der Lebensraumtypen stuft sie als „Least Concern“ (wenig gefährdet) ein. Grund ist die überwiegend unzugängliche Lage und das geringe Bedrohungspotenzial.
  4. Welche FFH-Lebensraumtypen decken diesen Biotoptyp ab?
    Drei Anhang-I-Typen: 5320 (Niedrige Wolfsmilch-Formationen an Kliffs), 5430 (Endemische Phrygana des Euphorbio-Verbascion) und 5410 (Westmediterrane Kliff-Phrygana).
  5. Gibt es einen gemeldeten Erhaltungszustand nach Artikel 17?
    Nein, in den ausgewerteten Quelldaten ist kein Artikel 17-Erhaltungszustand vermerkt. Der Biotoptyp wird über die einzelnen Anhang-I-Typen bewertet.

Quellen

Häufige Fragen

Was sind westmediterrane Dornheiden?

Westmediterrane Dornheiden (EUNIS F7.1, F7.2) sind seltene, polsterförmige, oft dornige Zwergstrauchfluren auf flachgründigen Felsböden steiler Meeresküsten. Sie beherbergen zahlreiche endemische Arten.

Wo kommen westmediterrane Dornheiden vor?

Entlang der Kliffküsten Südportugals, Nordostspaniens, Südfrankreichs sowie auf den Balearen, Korsika, Sardinien, Malta, Pantelleria und am Golf von Tarent in Süditalien.

Wie ist der Gefährdungsstatus laut Roter Liste?

Die Europäische Rote Liste der Lebensraumtypen stuft sie als „Least Concern“ (wenig gefährdet) ein. Grund ist die überwiegend unzugängliche Lage und das geringe Bedrohungspotenzial.

Welche FFH-Lebensraumtypen decken diesen Biotoptyp ab?

Drei Anhang-I-Typen: 5320 (Niedrige Wolfsmilch-Formationen an Kliffs), 5430 (Endemische Phrygana des Euphorbio-Verbascion) und 5410 (Westmediterrane Kliff-Phrygana).

Gibt es einen gemeldeten Erhaltungszustand nach Artikel 17?

Nein, in den ausgewerteten Quelldaten ist kein Artikel-17-Erhaltungszustand vermerkt. Der Biotoptyp wird über die einzelnen Anhang-I-Typen bewertet.

Quellen