Erfahre, wie du mit heimischen Wildblumen wie Natternkopf und Hornklee ein ökologisch wertvolles Buffet für Bienen und Schmetterlinge im Garten anlegst.
Der Rückgang der biologischen Vielfalt in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) ist eng mit dem Schwinden natürlicher Lebensräume verknüpft. In unseren Gärten entscheiden wir oft nach ästhetischen Gesichtspunkten, doch für die Funktionalität eines Ökosystems ist die Herkunft der Pflanzen entscheidend. Heimische Wildpflanzen sind autochthon, das bedeutet, sie kommen in einer Region natürlicherweise vor und sind nicht durch den Menschen eingeführt worden. Während gezüchtete Prachtstauden oft gefüllte Blüten besitzen – Blüten, bei denen die Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt wurden und somit keinen Pollen mehr bieten –, halten Wildblumen freien Zugang zu Nektar (energiereiche Zuckerlösung) und Pollen (eiweißhaltige Keimzellen) bereit.
Viele Wildbienenarten sind oligolektisch. Dieser Fachbegriff beschreibt Insekten, die ihren Pollen ausschließlich an einer einzigen Pflanzenfamilie oder sogar nur an einer Gattung sammeln. Fehlt diese spezifische Pflanze im Garten, verschwindet auch die dazugehörige Bienenart, selbst wenn andere Blumen in Hülle und Fülle blühen. Ein prominentes Beispiel ist die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), die ohne die verschiedenen Arten der Glockenblume (Campanula) nicht überleben kann.
Schmetterlinge wiederum benötigen nicht nur Nektarpflanzen für die adulten (erwachsenen) Tiere, sondern auch spezifische Futterpflanzen für ihre Larven, die Raupen. Die Wilde Möhre (Daucus carota) dient beispielsweise dem Schwalbenschwanz (Papilio machaon) als Kinderstube.
Ein Garten für Bestäuber sollte strukturell vielfältig sein. Dabei spielt die Bodenbeschaffenheit eine zentrale Rolle. Die meisten heimischen Wildblumen bevorzugen magere Standorte, also Böden mit geringem Stickstoffgehalt. Auf überdüngten Flächen werden die filigranen Wildblumen oft von schnellwüchsigen Gräsern verdrängt.
Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über ausgewählte Arten, ihren Blühzeitraum und ihre ökologische Bedeutung:
| Pflanzenart (Botanischer Name) | Blütezeit | Haupt-Bestäuber | Ökologische Funktion |
|---|---|---|---|
| Frühlings-Schlüsselblume (Primula veris) | März - Mai | Hummeln, Falter | Wichtige erste Energiequelle nach dem Winter. |
| Gewöhnlicher Hornklee (Lotus corniculatus) | Mai - Sept. | Wildbienen, Bläulinge | Eiweißreicher Pollen; Futterpflanze für über 60 Insektenarten. |
| Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) | Juni - Okt. | Bienen, Schmetterlinge | Hoher Nektarwert; sehr lange Blühdauer. |
| Echter Natternkopf (Echium vulgare) | Juni - Sept. | Natternkopf-Mauerbiene | Spezialisierte Bienenquelle mit blauem, hochwertigem Pollen. |
| Wilde Resede (Reseda lutea) | Juni - Sept. | Maskenbienen | Unverzichtbar für spezialisierte, kleine Wildbienenarten. |
| Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus) | Juli - Sept. | Schwebfliegen, Wildbienen | Bietet Pollen in den frühen Morgenstunden. |
Im Frühjahr ist die Etablierung von Frühblühern essenziell, um aus dem Winterschlaf erwachende Hummelköniginnen zu versorgen. Im Hochsommer, wenn viele Kulturpflanzen bereits verblüht sind, schlagen die Stunden von Pflanzen wie dem Gewöhnlichen Dost (Origanum vulgare) oder der Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa). Diese Arten sind trockenheitsresistent und kommen mit den zunehmenden Hitzeperioden in Mitteleuropa gut zurecht.
Die Pflege einer Wildblumenfläche unterscheidet sich grundlegend von der eines Rasens. Eine Mahd (das Mähen) sollte maximal zwei- bis dreimal im Jahr erfolgen. Das Schnittgut muss dabei unbedingt entfernt werden, um dem Boden Nährstoffe zu entziehen und so die Artenvielfalt der Kräuter gegenüber den Gräsern zu fördern. Durch diese Aushagerung schaffst du dauerhaft Platz für die bunte Vielfalt, die nicht nur Bienen und Schmetterlingen hilft, sondern auch das Beobachtungserlebnis in deinem eigenen Garten bereichert.
Bei gefüllten Blüten sind Staubblätter zu Blütenblättern umgewandelt. Die Insekten finden weder Pollen noch Nektar oder erreichen diese nicht.
Oligolektische Wildbienen sind spezialisiert und sammeln Pollen nur von einer bestimmten Pflanzenfamilie oder -gattung für ihre Brut.
Ideal ist eine Mahd im Spätsommer nach der Samenreife und eventuell ein zweiter Schnitt im Frühjahr. Das Schnittgut muss immer entfernt werden.
Regio-Saatgut ist genetisch an das lokale Klima und die regionalen Bestäuber angepasst, was die Überlebenschancen der Pflanzen und Insekten erhöht.
Hauptartikel: Wildblumenverkauf gestartet: So holst du dir heimische Vielfalt in den Garten
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