Erfahre, wie Wildbienen in deinem Garten schlafen, nisten und warum Spezialisierung über ihr Überleben entscheidet. Wissenschaftliche Fakten für Gartenbesitzer.
Wildbienen sind keine „kleinen Honigbienen“. Während die Honigbiene (Apis mellifera) als staatenbildendes Nutztier in Imkerhand lebt, führen die rund 560 in Deutschland vorkommenden Wildbienenarten meist ein solitäres (einzelgängerisches) Dasein. Ihr Beitrag zur Bestäubungsleistung im Garten ist immens, da sie oft bereits bei niedrigeren Temperaturen fliegen als die Honigbiene. Doch ihre Lebensweise ist störungsanfällig: Da sie keine Vorräte für das gesamte Volk anlegen, sondern nur für ihre eigene Brut, entscheiden oft wenige Meter Distanz zwischen Nistplatz und Futterquelle über den Fortpflanzungserfolg.
Wenn du deinen Garten ökologisch aufwerten möchtest, musst du die biologischen Mechanismen dieser Insekten verstehen. Es reicht nicht aus, eine generische „Bienenmischung“ auszusäen. Wildbienen benötigen ein präzises Zusammenspiel aus spezifischen Nahrungspflanzen, Nistmaterialien und geschützten Rückzugsorten. In diesem Fachartikel analysieren wir die drei zentralen Säulen der Wildbienenökologie: das Schlafverhalten, den Nestbau und die Nahrungsspezialisierung.
Beobachtungen zeigen, dass Wildbienen unterschiedliche Strategien für die Nachtruhe entwickelt haben. Während Weibchen meist in ihren Niströhren übernachten, müssen sich Männchen und Arten ohne eigene Nester alternative Plätze suchen.
Einige Arten, wie die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), nutzen die Blüten ihrer namensgebenden Futterpflanze, der Rundblättrigen Glockenblume (Campanula rotundifolia), als Schlafkammer. Die Blüte bietet Schutz vor Wind und Regen. Zudem ist die Temperatur im Inneren der Blüte oft leicht erhöht, was den Insekten hilft, am nächsten Morgen schneller die notwendige Betriebstemperatur für den Flug zu erreichen. Andere Arten, wie die Langhornbienen (Eucera longicornis), bilden Schlafgesellschaften an trockenen Pflanzenhalmen. Sie verbeißen sich mit ihren Mandibeln (Oberkiefern) im Gewebe und verharren dort regungslos.
Praxis-Tipp: Schneide verblühte Stauden im Mai nicht ab. Trockene Halme aus dem Vorjahr sind vitale Schlaf- und Ruheplätze. Ein zu „aufgeräumter“ Garten entzieht diesen Tieren die nächtliche Deckung.
Im Gegensatz zu sozialen Insekten, die ihre Brut ständig füttern und bewachen, arbeiten solitäre Wildbienen nach einem strikten, instinktgesteuerten Programm. Eine Mauerbiene wie die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) legt in einer Hohlruhe (z. B. in einem Käferfraßgang oder einem Halm) nacheinander mehrere Brutzellen an.
Jede Zelle wird mit einem Gemisch aus Pollen und Nektar – dem sogenannten Bienenbrot – gefüllt. Darauf wird ein Ei gelegt und die Zelle mit einer Wand aus Lehm oder Pflanzenmörtel verschlossen. Ist die letzte Zelle am Ausgang fertiggestellt, versiegelt das Weibchen das Nest mit einem dicken Pfropfen. Nach diesem Verschluss gibt es keine Rückkehr mehr. Das Weibchen stirbt meist kurz darauf, und die Larven sind in ihrer Entwicklung auf sich allein gestellt.
Dieser biologische Ablauf verdeutlicht, warum Kontinuität so wichtig ist: Wird die Nahrungskette während der Bestückung einer Zelle unterbrochen – etwa durch das Mähen einer Wiese – bleibt die Zelle unvollständig und die Larve verhungert. Auch Nisthilfen, die während der Saison gereinigt oder bewegt werden, zerstören die gesamte Jahresbrut.
Ein kritischer Punkt im Artenschutz ist die Oligolektie (Spezialisierung auf Pollen bestimmter Pflanzengruppen). Rund ein Drittel unserer Wildbienenarten kann den Nachwuchs nicht mit beliebigem Pollen aufziehen. Sie benötigen spezifische chemische Zusammensetzungen, die nur in bestimmten Pflanzenfamilien vorkommen.
Ein prominentes Beispiel ist die Natterwurz-Mauerbiene (Hoplitis adunca), die zwingend auf den Pollen des Natternkopfs (Echium vulgare) angewiesen ist. Fehlt diese Pflanze im Umkreis von etwa 200 bis 300 Metern um den Nistplatz, kann die Biene dort nicht überleben, selbst wenn andere Blüten im Überfluss vorhanden sind. Im Gegensatz dazu stehen polylektische Arten (Generalisten) wie die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis), die eine Vielzahl an Pollenquellen nutzt.
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| Bienenart | Wissenschaftlicher Name | Spezialisierung (Pollenquelle) | Nistweise |
|---|---|---|---|
| Glockenblumen-Scherenbiene | Chelostoma rapunculi | Glockenblumen (Campanula) | Totholz, Stängel |
| Natternkopf-Mauerbiene | Hoplitis adunca | Natternkopf (Echium) | Hohlräume, Steine |
| Efeu-Seidenbiene | Colletes hederae | Efeu (Hedera helix) | Boden (selbstgegraben) |
| Zaunrüben-Sandbiene | Andrena florea | Zaunrübe (Bryonia) | Boden (Sand/Lehm) |
| Rostrote Mauerbiene | Osmia bicornis | Polylektisch (Generalist) | Flexibel in Hohlräumen |
Um die Biodiversität effektiv zu fördern, solltest du im Mai die folgenden Schritte umsetzen. In dieser Zeit benötigen auch größere Tiere wie der Elch (Alces alces (Linnaeus, 1758)) in ihren natürlichen Habitaten störungsfreie Zonen, was im kleinen Maßstab für deinen Garten in Bezug auf Insekten ebenso gilt.
Durch diese gezielten Maßnahmen verwandelst du deinen Garten von einer reinen Grünfläche in ein funktionales Ökosystem, das die spezifischen Bedürfnisse gefährdeter Wildbienenarten erfüllt. Denke daran: Jede Pflanze, die du setzt, ist eine Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Bienenart.
Blüten bieten Schutz vor Witterung und Prädatoren. Zudem ist es im Inneren oft wärmer, was die Thermoregulation am Morgen erleichtert.
Das ist die Spezialisierung auf Pollen einer bestimmten Pflanzenfamilie. Ohne diese spezifischen Pflanzen kann die Biene ihre Brut nicht aufziehen.
Nein, das ist nach BNatSchG verboten. Zudem würde die Erschütterung und Lageveränderung die Larven in den Brutzellen abtöten.
Entgegen der Annahme nisten ca. 75 % aller Arten im Erdboden, nicht in Insektenhotels. Offene Bodenstellen sind daher lebensnotwendig.
Der Endverschluss schützt die Larven vor Parasiten und Feuchtigkeit. Danach kümmert sich das Weibchen nicht mehr um die Brut.
Heimische Arten wie Natternkopf (Echium vulgare), Glockenblumen (Campanula) und Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) sind im Mai ideal.
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