Vertiefender Fachartikel über Nektarwerte und Trachtpflanzen im Juni. Optimiere Deinen Garten mit wissenschaftlichem Wissen über Natternkopf, Salbei und Co.
Im Juni erreicht die Natur in Mitteleuropa ihren ersten großen Höhepunkt. Während die Obstblüte längst vergangen ist, beginnt nun die Phase des Hochsommerflorids – ein entscheidender Zeitraum für die Ernährung unserer heimischen Insekten. Um Deinen Garten in ein funktionales Ökosystem zu verwandeln, reicht es nicht aus, wahllos Blütenpflanzen zu setzen. Du musst die energetische Wertigkeit der Pflanzen verstehen. Dieser Artikel vertieft die Mechanismen der Nektarproduktion und stellt Dir die leistungsfähigsten Arten für den Frühsommer vor.
Wenn wir von einer „Bienenweide“ sprechen, meinen wir wissenschaftlich betrachtet die Tracht. Die Tracht umfasst alles, was Bienen und andere Insekten in den Stock oder zu ihren Nistplätzen eintragen. Hierbei unterscheiden wir zwischen dem Nektar, der als „Treibstoff“ für die adulten Tiere dient, und dem Pollen, der für die Aufzucht der Larven essenziell ist.
Im Juni droht oft eine sogenannte Trachtlücke. Das ist ein Zeitraum, in dem das massenhafte Blühen der Frühjahrsgeophyten (Pflanzen, die den Winter als Knolle oder Zwiebel überdauern) endet, die Hochsommerstauden aber noch nicht voll entwickelt sind. Um diese Lücke zu schließen, solltest Du gezielt auf Pflanzen setzen, die hohe Trachtwerte aufweisen.
Ein herausragendes Beispiel für Effizienz ist der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare). Er gilt als eine der wertvollsten Insektenpflanzen überhaupt. Sein Nektar ist durch die tief liegenden Nektarien vor Verdunstung geschützt und weist einen extrem hohen Zuckergehalt auf. Zudem produziert die Pflanze über den gesamten Tag hinweg kontinuierlich nach – ein Phänomen, das man als hohe Regenerationsrate der Nektarien bezeichnet.
Ebenso wichtig ist der Wiesensalbei (Salvia pratensis). Er besitzt einen speziellen Schlagbaummechanismus zur Bestäubung. Nur Insekten mit einer gewissen Mindestgröße und Kraft, wie Hummeln (Bombus), können diesen auslösen, um an den tief sitzenden Nektar zu gelangen. Dies fördert eine spezialisierte und damit effiziente Bestäubungsgemeinschaft.
Die folgende Tabelle gibt Dir einen Überblick über die energetische Wertigkeit wichtiger Arten im DACH-Raum. Die Werte werden auf einer Skala von 0 (kein Wert) bis 4 (sehr hoher Wert) angegeben.
| Deutscher Name (Botanischer Name) | Nektarwert | Pollenwert | Blütezeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) | 4 | 1 | Juni–Aug | Dauerblüher, extrem zuckerreich |
| Wiesensalbei (Salvia pratensis) | 3 | 2 | Mai–Juli | Mechanische Bestäubungsschranke |
| Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) | 3 | 2 | Juni–Okt | Wichtig für spezialisierte Wildbienen |
| Färber-Ginster (Genista tinctoria) | 1 | 3 | Juni–Aug | Hoher Pollenwert für Blattschneiderbienen |
| Gemeiner Hornklee (Lotus corniculatus) | 2 | 2 | Juni–Aug | Wichtige Raupenfutterpflanze |
| Acker-Witwenblume (Knautia arvensis) | 3 | 2 | Juni–Sept | Hauptnahrungsquelle der Knautien-Sandbiene |
Du solltest wissen, dass die Nektarproduktion ein aktiver Stoffwechselprozess der Pflanze ist. Die Pflanze nutzt hierfür den Phloemsaft (den nährstoffreichen Saft der Leitgewebe). Damit dieser Prozess im Juni optimal abläuft, benötigen die meisten Wildblumen ausreichend Bodenfeuchtigkeit. Bei extremer Trockenheit stellen viele Pflanzen die Nektarsekretion ein, um Wasser zu sparen. Ein humusreicher Boden, der Feuchtigkeit gut speichern kann, ist daher auch für die Insektenförderung von Bedeutung.
Zudem spielt die Infloreszenz (der Blütenstand) eine Rolle. Pflanzen wie die Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea) bestehen aus vielen Einzelblüten, die in einem Körbchen zusammengefasst sind. Dies ermöglicht es Insekten, mit minimalem Energieaufwand für den Flug viele Blüten in kurzer Zeit zu besuchen. Man nennt dies eine hohe Besuchseffizienz.
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Durch die gezielte Auswahl von Pflanzen mit hohen Nektarwerten leistest Du einen messbaren Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität. Du fungierst in Deinem Garten als Ökosystem-Manager, der durch fundiertes Wissen über botanische Zusammenhänge die Lebensgrundlage für hunderte Insektenarten sichert.
Der Trachtwert gibt auf einer Skala von 0 bis 4 an, wie viel Nektar und Pollen eine Pflanze für Insekten bereitstellt. 4 steht für ein maximales Angebot.
Er produziert sehr zuckerreichen Nektar, der tief in der Blüte vor Verdunstung geschützt ist und sich auch nach der Entnahme durch Insekten schnell regeneriert.
Ein Zeitraum mit geringem Blütenangebot, oft im Frühsommer nach der Obstblüte, der die Versorgung von Insektenvölkern und deren Brut gefährden kann.
Pflanzen benötigen Wasser, um Nektar zu produzieren. Bei starker Trockenheit reduzieren viele Arten die Nektarabgabe, um ihren eigenen Wasserhaushalt zu schonen.
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