Bild folgtKI-generierte IllustrationFamilie: Tortricidae
Wenn du im Frühjahr in deinem Garten unter einer alten Fichte stehst und kleine, dunkelbraune Falter in der Krone tanzen siehst, begegnest du wahrscheinlich dem Fichten-Zapfenwickler. Dieser kleine Schmetterling ist ein unauffälliger, aber faszinierender Bewohner unserer Nadelbäume. Seine Vorderflügel sind mit feinen, silbrig-bleigrauen Querlinien gemustert, was ihm eine metallische Optik verleiht, wenn das Sonnenlicht im richtigen Winkel darauf fällt. Er gehört zur Familie der Tortricidae, den Wicklern. Dieser Name rührt daher, dass viele verwandte Arten Blätter einrollen, um sich darin zu verpuppen. Cydia strobilella hat sich jedoch auf ein ganz spezielles Versteck spezialisiert: das Innere von Fichtenzapfen. In deinem ökologischen Garten ist er ein Zeichen für ein funktionierendes Zusammenspiel zwischen Pflanze und Insekt.
Der Zyklus beginnt im April oder Mai, genau dann, wenn die Fichten blühen. Die Imagines (geschlechtsreifen Falter) sind sonnenliebend und fliegen meist in den oberen Regionen der Baumkronen. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier an die Deckschuppen der jungen, weiblichen Blütenzapfen. Die schlüpfenden Larven fressen sich in die Spindel (den zentralen Kern des Zapfens) und die Samenanlagen hinein. Den Sommer über entwickeln sie sich im Inneren des Zapfens. Im Herbst, wenn viele Zapfen zu Boden fallen, bleiben die Raupen in ihrem Quartier und gehen in die Überwinterung. Erst nach dem Frost, im darauffolgenden Frühjahr, verpuppen sie sich in einer kleinen Kammer direkt unter der Zapfenoberfläche, bevor sie durch ein rundes Bohrloch ins Freie schlüpfen.
Du musst dir keine Sorgen um die Vitalität deiner Fichten machen, wenn dieser Wickler bei dir einzieht. Er mindert lediglich die Keimfähigkeit eines Teils der Samen, schädigt aber weder die Nadeln noch das Holz des Baumes. Im Sinne des Naturschutzes ist es wichtig, auf jegliche chemische Pflanzenschutzmittel zu verzichten. Diese würden nicht nur den Falter, sondern auch seine natürlichen Gegenspieler wie Schlupfwespen treffen. Wenn du die herabgefallenen Zapfen im Winter unter den Bäumen liegen lässt, statt sie penibel aufzusammeln und zu entsorgen, unterstützt du den Fortbestand dieser Art und förderst gleichzeitig die Bodenbiologie in deinem Garten.
Cydia strobilella ist ein spezialisierter Kleinschmetterling, dessen Lebenszyklus streng an die Gattung Picea (Fichte) gebunden ist. Die Art wird der Unterfamilie Olethreutinae zugeordnet. Biologisch interessant ist ihre endophytische Lebensweise, was bedeutet, dass die Larven innerhalb des Pflanzengewebes leben und dort vor Fressfeinden und Witterung geschützt sind. Sie ernähren sich granivor, also von den Samen der Fichte. Ein besonderes Phänomen bei dieser Art ist die Fähigkeit zur Diapause, einem Ruhezustand der Entwicklung. Da Fichten nicht jedes Jahr die gleiche Menge an Zapfen produzieren, können die Larven des Wicklers ein oder sogar zwei Jahre im Zapfen verharren, bis die Bedingungen für das Schlüpfen der Imagines (der erwachsenen Tiere) wieder optimal sind.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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