Bild folgtKI-generierte IllustrationDactylopius coccus
Wenn du im Sommer deine Opuntien – also Feigenkakteen – auf der Terrasse betrachtest, fallen dir vielleicht kleine, weiße Wattebäusche auf den Trieben auf. Dabei handelt es sich um die Cochenilleschildlaus. Diese Insekten sind sessil, das bedeutet, sie verbringen fast ihr gesamtes Leben fest an einem Ort auf der Pflanze. Um sich vor der Sonne und Fressfeinden zu schützen, hüllen sie sich in ein dichtes Geflecht aus weißem Wachs. Wenn man diese Schicht vorsichtig berührt, kommt oft eine tiefrote Farbe zum Vorschein. Das ist die Karminsäure, ein natürlicher Farbstoff, mit dem sich das Tier gegen Fressfeinde wie Ameisen verteidigt. In unseren Breitengraden begegnest du dieser Art fast ausschließlich als Gast auf Kübelpflanzen, da sie keinen Frost verträgt.
Der Lebenszyklus beginnt mit den Eiern, die das Weibchen geschützt unter seinem Körper und dem Wachspanzer ablegt. Daraus schlüpfen die sogenannten Wanderlarven. Dies ist das einzige Stadium, in dem sich die weiblichen Tiere aktiv auf der Pflanze bewegen oder durch den Wind auf benachbarte Kakteen verteilt werden. Sobald sie einen passenden Platz gefunden haben, stechen sie das Pflanzengewebe an und werden ortstreu. In Mitteleuropa ist ihre Aktivität streng an die Wärmeperiode gebunden. Wenn du deine Kakteen im Herbst in das Winterquartier räumst, verlangsamt sich der Stoffwechsel der Läuse. Eine erfolgreiche Überwinterung im Freien ist bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ausgeschlossen.
Im ökologischen Garten stellt diese Laus keine Gefahr für heimische Gehölze oder Stauden dar, da sie als Spezialist ausschließlich auf Opuntien überlebt. Sollte der Befall an deinem Kaktus so stark werden, dass die Pflanze sichtbar leidet, verzichte bitte konsequent auf Insektizide, also chemische Bekämpfungsmittel. Diese würden auch Nützlinge in deinem Garten schädigen. Du kannst die Läuse stattdessen mit einem weichen Pinsel oder einem Tuch mechanisch entfernen. Da die Art aus subtropischen Regionen stammt, ist sie bei uns nicht winterhart und kann sich in der freien Natur nicht dauerhaft etablieren.
Die Cochenilleschildlaus gehört zur Familie der Dactylopiidae und ist eng an Kakteengewächse gebunden. Bei dieser Art ist der Geschlechtsdimorphismus – also der deutliche Unterschied im Aussehen zwischen Männchen und Weibchen – extrem stark ausgeprägt. Während das Weibchen etwa 5 Millimeter groß, flügellos und rundlich bleibt, besitzen die deutlich kleineren Männchen Flügel und keine Mundwerkzeuge, da sie nach der Verwandlung nur kurz zur Paarung leben. Die Tiere ernähren sich von Pflanzensaft, den sie mit einem Saugrüssel aus dem Gewebe des Kaktus gewinnen. Eine biologische Besonderheit ist die Synthese von Carmin, einer Anthrachinon-Verbindung, die einen wirksamen Schutz gegen Insektenfresser darstellt.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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