Bild folgtKI-generierte IllustrationFamilie: Oestridae
Vielleicht ist dir im Hochsommer am Rand deiner Wiese oder in der Nähe von Pferdekoppeln schon einmal ein Insekt aufgefallen, das einer kleinen, pelzigen Biene täuschend ähnlich sieht. Dabei handelt es sich um die Dunkle Magenassel, einen Vertreter der Dasselfliegen. Dasselfliegen sind hochspezialisierte Insekten, deren Larven in anderen Tieren leben. Diese Täuschung durch das Aussehen nennt man Mimikry – die harmlose Fliege schützt sich vor Fressfeinden, indem sie so tut, als könne sie stechen. Wenn du sie beobachtest, wirst du feststellen, dass sie im Gegensatz zu Bienen niemals Blüten besucht. Als ausgewachsenes Tier, in der Fachsprache Imago genannt, besitzt sie nämlich keine funktionsfähigen Mundwerkzeuge mehr und nimmt keine Nahrung zu sich. Ihr kurzes Leben dient allein der Fortpflanzung. Im Gegensatz zu ihren nahen Verwandten klebt diese Art ihre Eier nicht direkt an das Fell von Weidetieren, sondern an Grashalme in deren direkter Umgebung. Die Dunkle Magenassel ist ein faszinierendes Beispiel für ökologische Nischenbesetzung, auch wenn ihre Lebensweise als Endoparasit – also ein Lebewesen, das im Inneren eines Wirtes lebt – für uns erst einmal gewöhnungsbedürftig klingen mag.
Der Lebenszyklus dieser Fliege ist eng an die warme Jahreszeit gebunden. Die erwachsenen Tiere fliegen hauptsächlich in den Monaten Juni bis September. In dieser Zeit findet die Paarung statt und die Weibchen legen ihre Eier an der Vegetation ab. Die Larven gelangen durch die Futteraufnahme in das Maul des Wirtstieres, wandern über die Zunge in den Magen und überwintern dort. Während dieser Zeit ernähren sie sich von Gewebeflüssigkeit. Im späten Frühjahr des folgenden Jahres werden die reifen Larven mit dem Kot ausgeschieden. Sie vergraben sich kurz darauf im Boden, um sich zu verpuppen. Nach einer Puppenruhe von etwa drei bis fünf Wochen schlüpft im Sommer die neue Generation der Fliegen, womit der Kreislauf von vorn beginnt.
Für dich als Gartenbesitzer und auch für deine Hunde oder Katzen ist die Dunkle Magenassel vollkommen harmlos. Sie kann weder stechen noch beißen. Solltest du Pferde oder Esel halten, ist jedoch Aufmerksamkeit geboten: Da die Fliegen ihre Eier an Grashalme legen, werden diese von den Weidetieren mit dem Futter aufgenommen. Eine regelmäßige Kontrolle der Weidehygiene und Rücksprache mit einem Tierarzt zur Parasitenprophylaxe sind hier die richtigen Maßnahmen. Im Garten selbst sind keine Abwehrmaßnahmen erforderlich. Bitte verzichte auf Insektizide, da diese das ökologische Gleichgewicht stören und auch nützliche Insekten schädigen würden.
Die Dunkle Magenassel (Gasterophilus pecorum) gehört zur Familie der Oestridae (Dasselfliegen). Die erwachsenen Tiere erreichen eine Körperlänge von etwa 12 bis 15 Millimetern und zeichnen sich durch eine dichte, meist dunkelbraune bis schwärzliche Behaarung aus, oft mit helleren Bändern am Hinterleib. Ihr Kopf ist auffallend groß mit reduzierten Mundwerkzeugen. Als Lebensraum bevorzugen sie offenes Gelände, insbesondere extensiv genutzte Weidelandschaften und magere Wiesen, die an Gärten angrenzen können. Die Larven sind spezialisierte Parasiten, die sich im Verdauungstrakt von Einhufern wie Pferden oder Eseln entwickeln, wobei Gasterophilus pecorum im Vergleich zu anderen Arten der Gattung eine besonders hohe Widerstandsfähigkeit der Eier gegenüber Umwelteinflüssen aufweist.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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