Bild folgtKI-generierte IllustrationFamilie: Oonopidae
Wenn du im Garten unter Töpfen, in humosem Boden oder zwischen lockerem Laub gräbst, begegnest du vielleicht der Zwergsechsaugenspinne. Mit einer Körpergröße von kaum zwei Millimetern gehört sie zu den kleinsten Spinnen, die wir in unseren Breiten finden. Ihr Name leitet sich von ihrer auffälligen Augenstellung ab: Anstatt der bei Spinnen üblichen acht Augen besitzt sie lediglich sechs, die zudem eng beieinander gruppiert sind. Da diese Art kein Netz baut, um Beute zu fangen, geht sie in der Dämmerung aktiv auf die Jagd nach sehr kleinen Bodenbewohnern. Sie ist ein unauffälliger, aber ständiger Bewohner unserer Gärten, der durch seine rötliche bis bräunliche Färbung auf der Erde hervorragend getarnt ist.
Die Aktivitätsphase der Zwergsechsaugenspinne erstreckt sich primär von den wärmeren Frühjahrsmonaten bis in den Herbst. Da sie keine netzbauende Art ist, hält sie sich bevorzugt in der bodennahen Streuschicht auf. Die Paarung findet häufig im Sommer statt, wobei die Weibchen ihre Eier oft in geschützten, versteckten Kokons in der Nähe ihrer Aufenthaltsorte ablegen. Über den Winter ziehen sich die Tiere in frostgeschützte Bereiche wie tiefer gelegene Bodenschichten oder unter dichtes, organisches Material zurück, wo sie den Stoffwechsel verlangsamen, um die kalte Jahreszeit zu überdauern.
Die Zwergsechsaugenspinne ist für den Menschen völlig harmlos. Aufgrund ihrer winzigen Kieferklauen, den sogenannten Cheliceren, ist sie physisch nicht in der Lage, die menschliche Haut zu durchdringen. Sie ist ein nützlicher Bestandteil des Gartenökosystems, der zur natürlichen Kontrolle kleinerer Bodenarthropoden, also der Gliederfüßer wie Milben oder Springschwänze, beiträgt. Es sind keine besonderen Schutzmaßnahmen erforderlich, außer den Boden durch Verzicht auf chemische Pestizide und torffreie Erde lebendig zu halten.
Die Zwergsechsaugenspinne (Oonops pulcher) gehört zur Familie der Oonopidae. Ein besonderes biologisches Merkmal dieser Familie ist das Fehlen von Spinndrüsen, die bei anderen Spinnen für den Bau komplexer Fangnetze zuständig sind. Stattdessen nutzen diese Tiere Spinnseide lediglich, um sich während der Häutung oder zur Ruhephase in einem kleinen, sackartigen Gespinst einzuschließen. Die Art gilt als synanthrop, das heißt, sie hat sich an die Lebensräume in der Nähe menschlicher Siedlungen und bewirtschafteter Gärten angepasst.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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