Bild folgtKI-generierte IllustrationFamilie: Eriophyidae
Wenn du im Hochsommer die Blätter deiner Haselnuss betrachtest und auf der Unterseite einen metallischen, bronzefarbenen oder rostigen Glanz entdeckst, hast du es wahrscheinlich mit der Haselnussrostmilbe zu tun. Diese winzigen Tiere gehören zu den Spinnentieren, genauer gesagt zur Familie der Gallmilben, auch wenn sie keine typischen Gallen – also jene auffälligen, tumorartigen Ausstülpungen – verursachen. Mit dem bloßen Auge wirst du die Tiere selbst nie zu Gesicht bekommen, da sie nur etwa 0,15 bis 0,2 Millimeter klein sind. Sie leben gesellig auf der Blattunterseite und saugen an den Epidermiszellen, also der äußersten Zellschicht des Blattes. Das führt dazu, dass die Zellen absterben und sich das Blattgewebe bräunlich verfärbt, was dem Strauch in einem naturnahen Garten jedoch kaum zusetzt.
Der Jahreskreislauf beginnt im zeitigen Frühjahr mit dem Schwellen der Knospen. Die sogenannten Deutogynen – das sind speziell gestaltete Winterweibchen – haben die kalte Jahreszeit geschützt unter den Knospenschuppen verbracht. Sobald die jungen Blätter austreiben, wandern sie aus ihren Winterquartieren auf das frische Grün und beginnen mit der Eiablage. Über die Sommermonate folgen mehrere Generationen in rascher Abfolge, wobei die Entwicklung vom Ei bis zum erwachsenen Tier bei warmer Witterung oft nur zwei Wochen dauert. Ab Ende August, wenn die Tage kürzer werden, suchen die neu geschlüpften Winterweibchen bereits die jungen Achselknospen auf, in denen sie bis zum nächsten Frühling verharren.
Obwohl das Schadbild – das sogenannte 'Verrosten' der Blätter – im ersten Moment besorgniserregend wirken kann, besteht für deine Haselnuss keine Gefahr. In einem ökologisch bewirtschafteten Garten sind chemische Spritzmittel absolut fehl am Platz, da sie auch die natürlichen Gegenspieler wie Raubmilben oder die Larven der Florfliegen abtöten würden. Diese Nützlinge sorgen in der Regel dafür, dass die Population der Rostmilben nicht überhandnimmt. Da die Milben die Photosynthesefähigkeit des Blattes nur geringfügig einschränken, ist keine Behandlung erforderlich. Verzichte auch auf das Entfernen des Laubs unter dem Strauch, da du damit wertvollen Lebensraum für räuberische Bodenbewohner zerstören würdest, die ebenfalls zum biologischen Gleichgewicht beitragen.
Phyllocoptruta coryli ist ein hochspezialisierter Pflanzenfresser, der ausschließlich an Haselarten wie unserer heimischen Corylus avellana vorkommt. Innerhalb der Familie der Eriophyidae (Gallmilben) gehört diese Art zu den freilebenden Formen, die man in der Fachsprache als vagabundierend bezeichnet. Ein biologisches Kuriosum ist ihr Körperbau: Während fast alle anderen Spinnentiere acht Beine besitzen, weisen diese Milben lediglich zwei Beinpaare im vorderen Körperabschnitt auf. Ihr Körper ist länglich-keilförmig und in zahlreiche feine Ringe unterteilt. Diese Morphologie, also die Lehre von der Struktur und Form, ermöglicht es ihnen, sich flink auf der behaarten Blattunterseite zu bewegen und in engste Ritzen vorzudringen.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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