Bild folgtKI-generierte IllustrationFamilie: Tenthredinidae
Wenn du im Frühjahr an deinen Birnenbäumen kleine, grüne Afterraupen entdeckst, hast du es wahrscheinlich mit der Kleinen Birnenblattwespe (Pristiphora abbreviata) zu tun. Als Afterraupen bezeichnen wir Biologen die Larven der Blattwespen, da sie im Gegensatz zu Schmetterlingsraupen mehr als fünf Paare von Bauchfüßen – das sind die fleischigen Gliedmaßen am Hinterleib – besitzen. Die ausgewachsenen Wespen sind mit etwa 4 bis 5 Millimetern recht klein und unauffällig dunkel gefärbt. Sie gehören nicht zu den stechenden Wespenarten, die wir vom Kaffeetisch kennen, sondern führen ein sehr zurückgezogenes Leben in der Baumkrone. Ihr Beisein bemerkst du meist erst durch den sogenannten Fensterfraß: Die Larven fressen das Blattgewebe so ab, dass oft nur die feinen Blattadern oder die oberste Hautschicht stehen bleiben.
Der Lebenszyklus beginnt im April oder Mai, passend zum Blattaustrieb der Birne. Die erwachsenen Wespen schlüpfen aus ihren Kokons im Erdboden und paaren sich. Kurz darauf legen die Weibchen ihre Eier einzeln in die jungen Blätter ab. Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Larven und fressen für circa 20 Tage am Laub. Danach lassen sie sich zu Boden fallen und graben sich einige Zentimeter tief in die Erde ein. Dort spinnen sie einen festen Kokon. In warmen Jahren kann im Juli oder August eine zweite Generation auftreten, die jedoch meist weniger auffällig bleibt. Die Überwinterung erfolgt als Vorpuppe – ein Ruhestadium vor der eigentlichen Verwandlung – im Boden, bevor im nächsten Frühjahr der Kreislauf von Neuem beginnt.
Es besteht kein Grund zur Sorge um die Vitalität deiner Birnenbäume. Ein gesunder Baum verträgt den Verlust einiger Blattanteile problemlos und kompensiert dies durch neues Wachstum. In einem naturnahen Garten regulieren räuberische Insekten wie Schlupfwespen oder Vögel den Bestand auf natürliche Weise. Bitte verzichte vollständig auf chemische Spritzmittel oder gar Glyphosat, da diese die nützlichen Gegenspieler schädigen und das ökologische Gleichgewicht stören. Sollte der Befall an einem sehr jungen Baum optisch stören, kannst du die Larven einfach vorsichtig mit der Hand absammeln oder mit einem gezielten Wasserstrahl von den Blättern spülen. Mechanische Methoden sind hier völlig ausreichend und schonen die Bodenlebewesen.
Pristiphora abbreviata gehört zur Familie der Tenthredinidae, den Echten Blattwespen. Innerhalb dieser Gruppe ist sie hochspezialisiert auf die Gattung Pyrus, also unsere Kulturbirnen. Ein charakteristisches Merkmal dieser Familie ist die namensgebende Säge der Weibchen. Dabei handelt es sich um einen umgestalteten Legestachel (Ovipositor), mit dem das Weibchen Schlitze in das Pflanzengewebe sägt, um die Eier darin sicher zu deponieren. Da diese Art spezifisch an den Austrieb der Birne gebunden ist, findet ihre gesamte Larvalentwicklung in unmittelbarer Nähe der sich entfaltenden Blätter statt. Ökologisch betrachtet dient sie als wichtige Nahrungsquelle für Singvögel während der Aufzuchtzeit, da die Larven proteinreich und weichhäutig sind.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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