Bild folgtKI-generierte IllustrationFamilie: Tenthredinidae
Wenn du im Frühsommer an deinen Kirschbäumen oder an einer Schlehenhecke im Garten kleine, grüne Insektenlarven entdeckst, die wie Raupen aussehen, könnte es sich um die Larven von Pristiphora punctifrons handeln. Diese Tiere sind keine Schmetterlingslarven, sondern gehören zu den Pflanzenwespen. Du erkennst sie bei genauem Hinsehen daran, dass sie mehr als fünf Paare von Bauchfüßen besitzen – wir Biologen nennen diese Larvenformen Afterraupen. Die erwachsenen Wespen sind eher unauffällig, nur wenige Millimeter groß und dunkel gefärbt. Sie fliegen meist unbemerkt durch das Geäst, um ihre Eier gezielt an den Blattkanten ihrer Wirtspflanzen abzulegen.
Das Jahr von Pristiphora punctifrons beginnt im April oder Mai, wenn die erwachsenen Wespen aus ihren Winterquartieren im Boden schlüpfen. Nach der Paarung erfolgt die Eiablage an die frisch austreibenden Blätter. Im Mai und Juni ist die Hauptfraßzeit der Larven, in der sie ihre Energie für die Metamorphose – also die Umwandlung zum fertigen Insekt – sammeln. Sobald sie ausgewachsen sind, lassen sie sich zu Boden fallen und graben sich in die oberste Erdschicht ein. Dort spinnen sie einen festen Kokon, in dem sie als Puppe den restlichen Sommer und den gesamten Winter überdauern, bis der Kreislauf im nächsten Frühjahr von vorn beginnt.
In einem ökologisch geführten Garten ist diese Blattwespe kein Grund zur Beunruhigung. Auch wenn die Larven Löcher in die Blätter fressen, gefährdet dies die Vitalität des Gehölzes nicht. Bitte verzichte auf den Einsatz von Insektiziden oder chemischen Spritzmitteln, da diese die Nahrungskette in deinem Garten empfindlich stören und auch die natürlichen Gegenspieler vernichten. Wenn dich der Fraß an einem kleinen Ziergehölz optisch stört, kannst du die Larven einfach mit der Hand absammeln. Meist übernehmen das jedoch Singvögel wie Blaumeisen, die in diesen Larven eine wichtige Proteinquelle für ihre Brut finden.
Pristiphora punctifrons gehört zur Familie der Tenthredinidae, den Echten Blattwespen. Im Gegensatz zu den bekannten sozialen Faltenwespen besitzen diese Tiere keine Wespentaille – das ist die deutliche Einschnürung zwischen dem Brustabschnitt (Thorax) und dem Hinterleib (Abdomen). Der Name Blattwespe rührt daher, dass die Weibchen eine sägeartige Legeröhre besitzen, einen sogenannten Ovipositor. Mit diesem Werkzeug schneiden sie präzise Schlitze in das Pflanzengewebe, um dort ihre Eier geschützt zu platzieren. Die Art ist innerhalb der Gattung Pristiphora auf Rosengewächse spezialisiert, wobei sie im Garten vor allem an der Schlehe (Prunus spinosa) oder an Kirschbäumen zu finden ist.
•GBIF Backbone Taxonomy — GBIF Secretariat (2024), DOI: 10.15468/39omei (CC BY 4.0)
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