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Mehr zur KI-TransparenzWarum sirrt es im Hochsommer im Garten? Erfahre alles über Zikaden, Heuschrecken und konkrete Naturgarten-Maßnahmen für mehr Artenvielfalt.
Wenn an flirrend heißen Nachmittagen im Juli und August die Vegetation zu klingen scheint, lauschst du einem faszinierenden Naturphänomen: dem Balzkonzert wärmeliebender Zikaden und Heuschrecken. Während Zikadenmännchen ihr unverwechselbares Sirren über spezielle Trommelorgane im Hinterleib erzeugen, stimmen auch Heuschrecken im Hochsommer in den Chor ein. Beide Insektengruppen sind wichtige Bausteine lebendiger Gärten. In diesem Leitfaden erfährst du, wie diese Laute entstehen, welche ökologische Rolle Zikaden und andere Sommerinsekten im Nahrungsnetz einnehmen und mit welchen naturnahen Strukturen – von offenen Bodenstellen bis zu Totholzhaufen – du ihnen in deinem Garten dauerhaft Lebensraum gibst.
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Schließe an einem sonnigen Julinachmittag für einen Moment die Augen: Die Luft steht über den Beeten, und über das Rascheln der Blätter legt sich ein monotones, lautes Summen und metallisches Sirren. Für viele Menschen gehört dieses Geräusch einfach zur Urlaubserinnerung oder zum Hochsommer dazu. Doch wer genau hinhört, bemerkt schnell, dass es sich nicht um das tiefe Brummen einzelner Hummeln handelt, sondern um ein flächendeckendes Konzert aus den Baumkronen, Sträuchern und Hochstaudenfluren.
Hinter diesem sommerlichen Klangteppich stehen spezialisierte Insekten, die ihren Entwicklungszyklus genau auf die heißeste Phase des Jahres abgestimmt haben. Neben den Heuschrecken, die laut Beobachtungsdaten von Plattformen wie dem Naturkompass im Hochsommermonat Juli ihren akustischen Höhepunkt erreichen, sind es vor allem Zikaden, die dieses charakteristische Sirren hervorbringen.
Obwohl der Gesang unüberhörbar ist, bleibt der Sänger selbst fast immer unsichtbar. Zikaden besitzen eine exzellente Tarnfärbung und verschmelzen optisch nahtlos mit Rinde, Zweigen und Blattstängeln. In diesem Beitrag beleuchten wir die Biologie dieses Geräuschs und zeigen dir, wie du deinen Garten in ein funktionierendes Biotop für Insekten verwandelst.
Viele Gartenbesitzer vermuten instinktiv, dass Zikaden ihre Töne ähnlich wie Grillen oder Feldheuschrecken erzeugen, indem sie Beine oder Flügel aneinanderreiben. Das trifft auf Zikaden jedoch nicht zu:
Zikaden besitzen eine eigene anatomische Besonderheit: die sogenannten Tymbalorgane. Dabei handelt es sich um elastische, gerippte Membranen an den Seiten des vorderen Hinterleibs. Kräftige Muskelstränge ziehen diese Membranen in extrem schneller Abfolge nach innen und lassen sie wieder zurückschnellen – ähnlich wie der gewölbte Deckel einer Blechdose, den man eindrückt und der mit einem Knacken wieder in seine Ausgangsform springt.
Der Hinterleib der Tiere ist zu großen Teilen hohl gebaut und fungiert als Resonanzkörper. Durch diesen körpereigenen Resonanzraum wird der Ton mechanisch verstärkt. Das Ergebnis ist ein durchdringendes Sirren, das sich über weite Distanzen ausbreitet.
Das lautstarke Sommerkonzert ist keine gemeinsame Aktivität beider Geschlechter. Wie in der thematischen Video-Einführung ausgeführt wird, singen fast ausschließlich die geschlechtsreifen Männchen. Ihr Gesang erfüllt im Wesentlichen zwei Kernaufgaben:
Zikaden sind ektotherme (wechselwarme) Tiere und ausgeprägt wärmeliebend (thermophil). Ihre Muskelaktivität hängt direkt von der Umgebungstemperatur ab. Je wärmer die Sonnenstrahlen den Hinterleib und die Flugmuskulatur aufheizen, desto schneller und anhaltender können die Muskeln des Tymbalorgans kontrahieren. Aus diesem Grund schwillt der Chor oft an heißen Nachmittagen zu maximaler Lautstärke an, während er an kühlen oder regnerischen Tagen fast vollständig verstummt.
Nicht jedes Sirren und Zirpen im Garten stammt von Zikaden. Im Juli und August überschneiden sich die Aktivitätsphasen mehrerer Insektengruppen. Die Aktivität heimischer Heuschrecken ist eng an die Hochsommerphase ihres Entwicklungszyklus gekoppelt.
| Merkmal | Zikaden (Auchenorrhyncha) | Heuschrecken (Orthoptera) |
|---|---|---|
| Lauterzeugung | Tymbalorgan: Membranen am Hinterleib werden durch Muskeln in Schwingung versetzt. | Stridulation: Reiben von Körperteilen aneinander (z. B. Deckflügel aneinander oder Hinterschenkel an Flügelkanten). |
| Aufenthaltsort | Überwiegend gut getarnt in Baumkronen, Gehölzen, an Stängeln und Sträuchern. | Je nach Art in der Krautschicht, auf Wiesen, im Saum oder in Büschen. |
| Hauptsänger | Nahezu ausschließlich die Männchen zur Balz und Revierabgrenzung. | Vorwiegend Männchen, bei einigen Arten antworten Weibchen mit leiseren Lauten. |
| Ernährungsweise | Pflanzensaftsauger an oberirdischen Teilen und Wurzeln. | Je nach Art reine Pflanzenfresser, Allesfresser oder räuberisch (z. B. Großes Heupferd). |
| Höhepunkt im Garten | Heiße Nachmittage im Hochsommer. | Zunehmend ab Juli mit dem Heranwachsen der adulten Tiere. |
Mancher Gartenbesitzer sorgt sich beim Wort „Pflanzensauger“, ob Zikaden Schäden anrichten. Im naturnahen Garten sind sie jedoch ein völlig normaler, nützlicher Bestandteil des biologischen Gleichgewichts:
Wissenswert: Wenn du an Rosen- oder Gehölzblättern kreisrunde oder ovale Ausschnitte bemerkst, handelt es sich meist um das Werk von Blattschneiderbienen. Solche Schnittspuren sind kein bedenkliches Schadbild, sondern ein direkter Beleg für funktionierende Biodiversität im Garten: Die Bienen nutzen das Blattmaterial zum Auskleiden ihrer Brutzellen.
Um das Konzert des Sommers und die damit verbundene Artenvielfalt in deinem Garten zu fördern, braucht es keine teure Technik, sondern gezielte Strukturvielfalt. Die folgenden Schritte lassen sich in fast jedem Garten umsetzen:
Viele Insekten verbringen entscheidende Entwicklungsphasen im Erdboden. Zudem nisten rund 70 % bis 75 % der heimischen Wildbienenarten im Boden (endogäische Arten). Herkömmliche Insektenhotels aus Holzblöcken helfen dieser überwiegenden Mehrheit überhaupt nicht.
Totholz ist kein Abfall, sondern eines der wertvollsten Mikrohabitate im Garten. Nach Angaben des Naturkompass sind über 1.500 Käferarten sowie zahlreiche Pilze und Flechten direkt auf Totholzstrukturen angewiesen.
Zikaden benötigen Gehölze und strukturreiche Stauden, um getarnt zu saugen und ihre Eier abzulegen. Reine Schotterflächen oder kurzgeschorene Rasenflächen bieten ihnen keinerlei Nahrungsgrundlage.
Hohe Temperaturen bedeuten für Insekten einen enormen Flüssigkeitsbedarf. Ein künstliches Gewässer kann das Gartenökosystem entscheidend stabilisieren.
Im normalen naturnahen Hausgarten stellen Zikaden in der Regel kein Problem dar. Sie saugen zwar Pflanzensäfte, verteilen sich aber meist so ausgewogen auf Gehölze und Kräuter, dass die Pflanzen keinen messbaren Schaden nehmen. Ein massives Auftreten wird im naturnahen Umfeld durch Vögel, Spinnen und Schlupfwespen auf natürliche Weise reguliert.
Zikaden sind Meister der Tarnung (Krypsis). Ihre Körperform und Flügelfärbung imitiert Baumrinde, Flechten oder Blattstrukturen nahezu perfekt. Zudem stellen sie ihren Gesang sofort ein, sobald sie Erschütterungen oder herannahende Schatten registrieren. Wer sie entdecken möchte, benötigt viel Geduld, ein Fernglas und muss den Blick ganz ruhig an Baumstämmen und Astgabeln entlangwandern lassen.
Zikadengesänge im Hochsommer klingen oft wie ein durchgehendes, surrendes, teils elektrisch wirkendes Schwirren, das ohne Unterbrechung minutenlang anhalten kann. Viele heimische Heuschreckenarten erzeugen dagegen rhythmisch unterbrochene Verse, Klicklaute oder schabende Strophen mit deutlichen Pausen.
Nein. Zikaden bauen keine Brutröhren in Nistblöcken; ihre Eier legen sie meist in Pflanzengewebe ab, und die Larven wandern in den Boden. Auch die Mehrheit der Wildbienen (ca. 70–75 % laut Naturkompass) nistet im Erdboden. Klassische Insektenhotels mit Bohrungen helfen nur einer kleinen Minderheit stängel- und holzbewohnender Arten.
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Stand: 09.09.2026. Korrekturen können über das Feedback-Formular gemeldet werden.