Erfahre, wie die Photosynthese im Meer als unsichtbarer Wald unser Klima schützt. Ein tiefer Einblick in die Welt des Phytoplanktons für Naturgartenbesitzer.
Du hast im Hauptartikel bereits erfahren, wie die Schafgarbe (Achillea millefolium) oder der Apfelbaum (Malus domestica) in deinem Garten Sonnenlicht in Energie umwandeln. Doch während wir die grünen Blätter unserer Landpflanzen täglich vor Augen haben, verbirgt sich unter der Meeresoberfläche ein weitaus gewaltigerer Prozess. Dieser „unsichtbare Wald“ ist für das Leben auf der Erde ebenso essenziell wie die Flora an Land. Um die Zusammenhänge der globalen Biodiversität zu verstehen, müssen wir den Blick über den Gartenzaun hinaus auf die Weltmeere richten.
Im Ozean wird die Photosynthese hauptsächlich von zwei Gruppen übernommen: dem Phytoplankton (Pflanzliches Plankton: Mikroskopisch kleine Organismen, die im Wasser schweben) und den Makroalgen (Mehrzellige Algen, die oft am Meeresgrund festgewachsen sind).
Besonders bedeutsam sind die Kieselalgen (Bacillariophyta). Diese Einzeller besitzen filigrane Gehäuse aus Siliziumdioxid (Quarz), die wie winzige Glaskunstwerke wirken. Sie machen etwa 40 Prozent der marinen Primärproduktion (Die Erzeugung organischer Substanz aus anorganischen Stoffen durch Photosynthese) aus. Ein weiterer wichtiger Akteur sind die Cyanobakterien (Cyanobacteria), früher oft als Blaualgen bezeichnet. Sie gehören zu den ältesten Lebewesen der Erde und haben die Atmosphäre vor Milliarden von Jahren überhaupt erst mit Sauerstoff angereichert.
An den Küsten der Nord- und Ostsee finden wir zudem das Seegras (Zostera marina). Im Gegensatz zu den Algen handelt es sich hierbei um echte Blütenpflanzen, die sekundär in das Meer zurückgekehrt sind. Diese Seegraswiesen sind hocheffiziente Kohlenstoffspeicher. Sie binden Kohlenstoffdioxid deutlich schneller als Landwälder und bieten gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Obwohl die chemische Grundgleichung der Photosynthese im Meer dieselbe ist wie in deinem Garten – Wasser plus Kohlenstoffdioxid plus Licht ergibt Glucose und Sauerstoff –, unterscheiden sich die Rahmenbedingungen fundamental. Wasser filtert Licht. Während rote Wellenlängen bereits in den oberen Metern absorbiert (aufgenommen) werden, dringt blaues Licht am tiefsten vor. Marine Organismen mussten daher spezielle Hilfspigmente entwickeln, um dieses Restlicht effizient zu nutzen.
| Merkmal | Landpflanzen (z. B. Buche, Fagus sylvatica) | Marines Phytoplankton (z. B. Kieselalgen) |
|---|---|---|
| Hauptlichtquelle | Direktes Sonnenlicht (volles Spektrum) | Gefiltertes Licht (vorwiegend Blau/Grün) |
| Kohlenstoffquelle | Kohlenstoffdioxid aus der Luft | Gelöstes Hydrogencarbonat im Wasser |
| Lebensdauer | Jahre bis Jahrhunderte | Tage bis Wochen |
| Biomasse | Hoch (sichtbare Stämme, Blätter) | Sehr gering (mikroskopisch klein) |
| Sauerstoffbeitrag | ca. 20-30 % der weltweiten Produktion | ca. 50-70 % der weltweiten Produktion |
Ein Begriff, den du als ökologisch interessierter Gärtner kennen solltest, ist die „biologische Kohlenstoffpumpe“. Wenn das Phytoplankton stirbt oder von Kleinstlebewesen gefressen und ausgeschieden wird, sinken die organischen Reste in die Tiefe. Dieser Vorgang entzieht der Atmosphäre dauerhaft Kohlenstoffdioxid. In deinem Garten geschieht etwas Ähnliches, wenn du Humus (Die organische Bodensubstanz) aufbaust. Doch im Ozean findet dieser Prozess auf einer Fläche statt, die 70 Prozent der Erdoberfläche bedeckt.
Die Effizienz dieser Pumpe hängt stark von der Verfügbarkeit von Nährstoffen ab. Hier schließt sich der Kreis zu deinem Garten: Übermäßige Stickstoff- und Phosphatgaben in der Landwirtschaft und in Privatgärten können über Bäche und Flüsse bis in die Meere gelangen. Dort führen sie zur Eutrophierung (Übermäßige Anreicherung von Nährstoffen), was fatale Algenblüten auslösen kann. Diese verbrauchen beim Absterben so viel Sauerstoff, dass „Todeszonen“ entstehen, in denen kein höheres Leben mehr möglich ist.
Genau wie dein Garten im Frühjahr erwacht, gibt es im Meer die sogenannte Frühjahrsblüte. Wenn im März und April die Sonneneinstrahlung zunimmt und die Sturmdurchmischung des Winters nährstoffreiches Tiefenwasser nach oben befördert hat, explodieren die Bestände des Phytoplanktons förmlich. Dies ist der Zeitpunkt, an dem die marine Photosynthese ihren Jahreshöchstwert erreicht – ein unsichtbarer Frühling, der die Basis für das Wachstum der Fische und Meeressäuger legt.
Das pflanzliche Plankton (Phytoplankton), insbesondere Kieselalgen (Bacillariophyta), erzeugt durch Photosynthese etwa 50 bis 70 Prozent des weltweiten Sauerstoffs.
Es ist der Prozess, bei dem abgestorbenes Plankton Kohlenstoff in die Tiefsee transportiert und dort langfristig speichert, was die Erderwärmung abmildert.
Ausgeschwemmter Kunstdünger verursacht Algenblüten in Meeren, die nach dem Absterben Sauerstoffmangel und Todeszonen für Fische und andere Meeresbewohner bewirken.
Wasser absorbiert Lichtwellen. Nur in der oberen euphotischen Zone (Lichtzone) bis ca. 200 Meter Tiefe reicht die Energie für die Photosynthese aus.
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