Erfahre alles über den Ursprung des Sauerstoffs: Von urzeitlichen Bakterien bis zur Photosynthese in deinem Garten. Expertenwissen für Naturfreunde im DACH-Raum.
Wenn du morgens in deinen Garten trittst und die kühle, frische Morgenluft einatmest, nimmst du ein Geschenk entgegen, das über Milliarden von Jahren vorbereitet wurde. Der Sauerstoff, den wir heute als selbstverständlich betrachten, war in der frühen Erdgeschichte ein seltenes Gut. In diesem vertiefenden Artikel erfährst du, wie mikroskopisch kleine Lebewesen die Atmosphäre grundlegend veränderten und warum dein Naturgarten ein direkter Nachfahre dieser urzeitlichen Revolution ist.
In der Frühzeit der Erde, vor mehr als drei Milliarden Jahren, war die Atmosphäre ein Gemisch aus Stickstoff, Kohlendioxid und Methan. Sauerstoff kam fast nur gebunden vor, etwa in Wassermolekülen. Die Wende brachten die Cyanobakterien (Cyanobacteria), die oft fälschlicherweise als Blaualgen bezeichnet werden. Diese Einzeller entwickelten als Erste die Fähigkeit zur oxygenen Photosynthese.
Unter Photosynthese versteht man den Prozess, bei dem Pflanzen Lichtenergie nutzen, um aus Wasser und Kohlendioxid Zucker für ihr Wachstum aufzubauen. Das dabei entstehende Sauerstoffgas war für die damaligen, meist anaeroben (ohne Sauerstoff lebenden) Organismen ein hochreaktives Gift. Über Jahrmillionen sättigte dieser freigesetzte Sauerstoff zunächst die Ozeane und die Gesteine der Erdkruste, bevor er schließlich in die Atmosphäre entwich.
Du fragst dich vielleicht, wie aus diesen winzigen Bakterien die mächtige Winterlinde (Tilia cordata) in deiner Nachbarschaft werden konnte. Der Schlüssel liegt in der Endosymbiose. Dieser Fachbegriff beschreibt das dauerhafte Zusammenleben von verschiedenen Organismen zu gegenseitigem Nutzen, wobei einer im Inneren des anderen lebt. Vor etwa 1,5 Milliarden Jahren verleibte sich eine größere Urzelle ein Cyanobakterium ein, verdaute es jedoch nicht. Stattdessen arbeiteten beide zusammen. Das Bakterium lieferte Energie aus Licht, die Zelle bot Schutz und Nährstoffe.
Aus diesen einverleibten Bakterien entwickelten sich die Chloroplasten. Das sind die grünen Zellorganellen (abgegrenzte Funktionsbereiche in der Zelle), die du heute in jedem Blatt deines Gemeinen Efeus (Hedera helix) findest. Damit war der Grundstein für das gesamte Pflanzenreich gelegt.
Die folgende Tabelle verdeutlicht, wie schleichend und gewaltig sich die Lebensbedingungen auf der Erde durch die Photosynthese verändert haben:
| Zeitalter | Zeitraum (ca.) | Ereignis | Sauerstoffgehalt der Atmosphäre |
|---|---|---|---|
| Präkambrium | vor 3,5 Mrd. Jahren | Erste Photosynthese durch Cyanobakterien | < 0,001 % |
| Proterozoikum | vor 2,4 Mrd. Jahren | Große Sauerstoffanreicherung | ca. 1 % bis 10 % |
| Paläozoikum | vor 400 Mio. Jahren | Landbesiedlung durch erste Urfarne | ca. 15 % bis 20 % |
| Karbon | vor 300 Mio. Jahren | Riesige Sumpfwälder aus Schuppenbäumen | bis zu 35 % |
| Quartär | Heute | Aktueller Zustand im DACH-Raum | ca. 21 % |
Jede Pflanze in deinem Garten, vom kleinsten Gänseblümchen (Bellis perennis) bis zum ausladenden Spitzahorn (Acer platanoides), führt dieses Erbe fort. Besonders im Frühjahr und Sommer, wenn die Sonneneinstrahlung am höchsten ist, arbeiten die Spaltöffnungen an den Blattunterseiten auf Hochtouren. Diese Öffnungen werden in der Fachsprache Stomata genannt. Durch sie nimmt die Pflanze Kohlendioxid auf und entlässt wertvollen Sauerstoff sowie Wasserdampf in die Umgebung.
Ein einziger großer Baum, wie etwa eine alte Hainbuche (Carpinus betulus), kann an einem sonnigen Tag den Sauerstoffbedarf von etwa zehn Menschen decken. Im Winter hingegen, wenn die Laubgehölze ihre Blätter abwerfen, ruht dieser Prozess weitgehend. Hier übernehmen immergrüne Arten wie die Gewöhnliche Eibe (Taxus baccata) einen kleinen Teil der Arbeit, sofern die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen.
Um die Vitalität deiner Pflanzen und damit ihre Photosyntheseleistung zu fördern, solltest du folgende Punkte beachten:
Indem du deinen Garten pflegst, bewahrst du ein uraltes biologisches System. Du bist nicht nur Gartenbesitzer, sondern Verwalter einer lebendigen Tradition, die seit Milliarden von Jahren für die Atemluft sorgt, die uns alle verbindet.
Ein Zeitraum vor etwa 2,4 Milliarden Jahren, in dem der durch Cyanobakterien produzierte Sauerstoff die Erdatmosphäre erstmals massiv anreicherte.
Nein. Ohne Licht findet keine Photosynthese statt. Nachts verbrauchen Pflanzen sogar eine geringe Menge Sauerstoff durch ihre eigene Zellatmung.
Großblättrige Bäume wie die Rotbuche (Fagus sylvatica) haben die höchste Leistung, da sie über eine enorme Gesamtblattfläche für die Photosynthese verfügen.
Stomata sind mikroskopisch kleine Spaltöffnungen an der Blattunterseite, die den Austausch von Gasen wie Kohlendioxid und Sauerstoff sowie Wasserdampf regeln.
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