Erfahre, wie du durch insektenfreundliche Beleuchtung im Garten Nachtfalter und Fledermäuse schützt. Tipps zu Lichtfarbe, Abschirmung und Artenschutz im Mai.
Wenn der Mai beginnt, erwacht dein Garten nach Sonnenuntergang zu einem zweiten Leben. Während wir uns zur Ruhe begeben, entfaltet die Natur ihre nächtliche Dynamik. Doch diese Welt der Dunkelheit ist bedroht. Die zunehmende Lichtverschmutzung – also die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen – greift massiv in die biologischen Prozesse ein. Als Gartenbesitzer hast du es in der Hand, durch eine bewusste Lichtgestaltung die nächtliche Artenvielfalt zu bewahren.
Viele Nachtfalter, wie die Hausmutter (Noctua pronuba) oder der Mittlere Weinschwärmer (Deilephila elpenor), nutzen das schwache Licht des Mondes oder der Sterne zur Orientierung. Dieses Verhalten wird als Transversalorientierung (Navigation im konstanten Winkel zur Lichtquelle) bezeichnet. Ein künstliches Leuchtmittel im Garten wirkt hier wie eine Falle: Der Falter versucht, den Winkel beizubehalten, was bei einer nahen Lichtquelle zu einem spiralförmigen Flug direkt in die Lampe führt. Dies wird oft als Staubsaugereffekt bezeichnet.
In der Folge sterben die Tiere durch Erschöpfung oder Verbrennung. Nach aktuellen Bestäubungsdaten fehlen diese Individuen dann als wichtige Bestäuber für nachtblühende Pflanzen wie das Wohlriechende Geißblatt (Lonicera periclymenum). Zudem stört das Licht die Fortpflanzung. Beobachtungen zeigen, dass Weibchen der Gammaeule (Autographa gamma) in hell erleuchteten Gebieten weniger Eier ablegen, da ihr natürlicher Rhythmus gestört ist.
Auch für Säugetiere hat die Dunkelheit eine zentrale Bedeutung. Die Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) und das Große Mausohr (Myotis myotis) sind auf die Finsternis angewiesen. Während einige Arten die Lichtquellen als „Staubsauger“ für Insekten nutzen und dort jagen, meiden lichtscheue Arten wie das Braune Langohr (Plecotus auritus) solche Bereiche komplett. Dies führt zu einer Zerstückelung ihres Lebensraums.
Ein vernetztes Ökosystem benötigt dunkle Korridore, damit Tiere sicher wandern können. Dies gilt nicht nur für Kleinsäuger. Selbst große Wildtiere in weitläufigen Naturräumen, wie der Elch (Alces alces (Linnaeus, 1758)), sind auf unzerschnittene Landschaften ohne störende Lichtimmissionen angewiesen, um ihre Wanderwege beizubehalten. In deinem Garten kannst du durch das Ausschalten unnötiger Lampen einen Teil zu diesem Biotopverbund (Vernetzung von Lebensräumen) beitragen.
Um die negativen Auswirkungen zu minimieren, solltest du deine bestehende Beleuchtung kritisch prüfen. Die folgende Tabelle hilft dir bei der Auswahl biodiversitätsfreundlicher Alternativen:
| Merkmal | Schädlich für die Fauna | Artenschutzgerechte Lösung |
|---|---|---|
| Lichtfarbe | Kaltweiß/Blauanteil (>3000 Kelvin) | Extra-Warmweiß oder Amber (<2200 Kelvin) |
| Abstrahlwinkel | Rundumstrahler/Kugelleuchten | Nach unten gerichtete, abgeschirmte Leuchten |
| Leuchtmittel | Quecksilberdampflampen | LED (Lichtemittierende Dioden) ohne UV-Anteil |
| Steuerung | Dauerhaftes Nachtlicht | Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhr |
| Lichtpunktbreite | Große, helle Flächen | Punktuelle, bedarfsgerechte Akzente |
Ein naturnaher Garten zeichnet sich nicht nur durch das aus, was du pflanzt, sondern auch durch das, was du unterlässt. Der Verzicht auf dekorative Objektbeleuchtung von Bäumen oder Teichen ist ein aktiver Beitrag zum Artenschutz. Pflanzen benötigen die Dunkelheit für ihre Photoperiodik (Steuerung tages- und jahreszeitlicher Entwicklungsschritte durch Licht). Zu viel nächtliches Licht kann dazu führen, dass Bäume ihre Blätter im Herbst zu spät abwerfen und dadurch frostanfällig werden.
Indem du die Dunkelheit als wertvollen Lebensraum begreifst, förderst du ein stabiles Gleichgewicht. Weniger Licht bedeutet mehr Nachtfalter, was wiederum die Nahrungsgrundlage für Fledermäuse stärkt und die Bestäubung deiner Gartenpflanzen sichert. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Licht schont zudem Ressourcen und ermöglicht dir selbst einen klaren Blick auf den Sternenhimmel – ein Erlebnis, das in unserer modernen Welt immer seltener wird.
Wähle warmweiße oder bernsteinfarbene LED-Leuchten mit weniger als 2200 Kelvin. Diese enthalten kaum Blauanteile, die Insekten stark anziehen und desorientieren.
Dauerlicht erzeugt den Staubsaugereffekt: Nachtfalter kreisen bis zur Erschöpfung um die Lampe, fehlen bei der Bestäubung und fallen Fressfeinden leichter zum Opfer.
Viele Fledermausarten sind lichtscheu. Dunkle Korridore ermöglichen ihnen die sichere Jagd und den Wechsel zwischen Quartier und Nahrungsgründen ohne Stress.
Nur bedingt. Auch Solarleuchten können Insekten anlocken. Sie sollten eine warme Lichtfarbe haben, nach unten abgeschirmt sein und nachts ausgeschaltet werden.
Hauptartikel: Naturgarten anlegen: Lebensräume für mehr Artenvielfalt schaffen
Erhältlich bei Gartenexpedition.de

3,27 €
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zum Shop →

3,27 €
inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zum Shop →
Partnerhinweis: Die verlinkten Produkte stammen von Gartenexpedition.de. Bei einem Kauf unterstützt du unsere Arbeit.
Schlagwörter
Erfahre, wie du im Mai einen Naturgarten anlegst. Experten-Anleitung zu Wildpflanzen, Benjeshecken und Totholz für mehr Artenvielfalt im eigenen Garten.
VertiefungWildbienen fördern: Erfahre, wie spezialisierte Wildbienen und heimische Pflanzen zusammenhängen und wie du durch gezielte Auswahl die Artenvielfalt stärkst.
VertiefungErfahre, wie Du das Edaphon und Mykorrhiza-Pilze in Deinem Garten förderst. Praxisnahe Tipps für ein gesundes Bodenleben und mehr Biodiversität im Mai.
VertiefungErfahre, wie du eine Trockenmauer bauen kannst, um wertvolle Lebensräume für Eidechsen und Wildbienen zu schaffen. Anleitung, Materialwahl und heimische Pflanzen.
VertiefungErfahre, wie Du im Mai eine Benjeshecke anlegst. Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Bau einer Totholzhecke als Lebensraum für Igel, Vögel und Nützlinge.
Alle Artendaten stammen aus wissenschaftlichen Quellen (CC BY 4.0 / CC0). Namensnennung gemäß Lizenzbedingungen. Vollständige Quellenübersicht →