Erfahre, warum Doldenblütler wie Wiesen-Bärenklau und Wilde Möhre überlebenswichtig für Schwebfliegen sind und wie sie die Schädlingsregulierung im Garten fördern.
Ergänzend zum Hauptartikel über den Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) betrachten wir in diesem Beitrag die gesamte Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae) und ihre fundamentale Rolle im Ökosystem deines Gartens. Während der Wiesen-Bärenklau als Einzelart herausragt, bildet die Gruppe der Doldengewächse das Rückgrat für die Artenvielfalt der Fluginsekten – insbesondere für die oft unterschätzten Schwebfliegen (Syrphidae).
Um zu verstehen, warum Pflanzen wie die Wilde Möhre (Daucus carota) oder der Giersch (Aegopodium podagraria) eine solche Anziehungskraft ausüben, musst du die Blütenmorphologie (den Aufbau der Blüte) betrachten. Im Gegensatz zu tiefen Kelchblüten, die langen Rüsseln vorbehalten sind, präsentieren Doldenblütler ihren Nektar auf flachen Scheiben. Diese Nektarien (Nektar absondernde Drüsen) liegen offen an der Basis der Griffel (Teil des weiblichen Fortpflanzungsorgans).
Schwebfliegen (Syrphidae) besitzen lediglich kurze Tupfrüssel. Sie sind physisch nicht in der Lage, Nektar aus tiefen Röhrenblüten zu saugen. Die flachen Dolden wirken daher wie eine Landeplattform mit frei zugänglichem Buffet. In den Sommermonaten Juni und Juli kannst du an einer einzigen Dolde des Wiesen-Bärenklaus oft Dutzende Individuen verschiedener Arten beobachten, darunter die Totenkopfschwebfliege (Myathropa florea) oder die Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus).
Viele Gartenbesitzer verwechseln Schwebfliegen aufgrund ihrer gelb-schwarzen Färbung mit Wespen (Vespinae). Dieses Phänomen nennt man Mimikry (die Nachahmung wehrhafter Tiere durch harmlose Arten zur Abschreckung von Fressfeinden). Schwebfliegen sind jedoch völlig harmlos und für deinen Garten von unschätzbarem Wert.
Die Bedeutung der Schwebfliegen geht weit über die Bestäubung hinaus. Während sich die erwachsenen Tiere von Pollen und Nektar ernähren, sind die Larven vieler heimischer Arten – wie die der Großen Schwebfliege (Syrphus ribesii) – räuberisch aktiv. Eine einzige Larve kann während ihrer Entwicklung bis zu 400 Blattläuse vertilgen. Indem du Doldenblütler in deinem Garten förderst, siedelst du die Elterntiere gezielt dort an, wo ihre Nachkommen später deine Zier- und Nutzpflanzen vor Schädlingsbefall schützen.
Um eine maximale Biodiversität (Artenvielfalt) zu erreichen, solltest du Arten wählen, die sich in ihrer Blütezeit ergänzen. Die folgende Tabelle gibt dir eine Übersicht für die Planung in deinem Garten:
| Pflanzenart (Botanischer Name) | Blütezeit | Wuchshöhe | Besonderer ökologischer Nutzen |
|---|---|---|---|
| Giersch (Aegopodium podagraria) | Mai – Juni | 30 – 90 cm | Wichtige Frühlingsnahrung für frühe Schwebfliegen-Arten. |
| Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) | Juni – August | 50 – 150 cm | Höchste Nektarproduktion; zieht über 600 Insektenarten an. |
| Wilde Möhre (Daucus carota) | Juni – September | 30 – 100 cm | Zentraler Nistplatz und Nahrungsquelle für spezialisierte Wildbienen. |
| Arznei-Engelwurz (Angelica archangelica) | Juli – August | 120 – 250 cm | Monumentale Solitärpflanze für große Gartenbereiche; sehr nektarreich. |
| Gewöhnlicher Fenchel (Foeniculum vulgare) | Juli – September | 100 – 200 cm | Nahrungspflanze für die Raupen des Schwalbenschwanzes (Papilio machaon). |
| Pastinak (Pastinaca sativa) | Juli – September | 30 – 100 cm | Sehr robust; bietet Nahrung in der heißen Hochsommerphase. |
Damit deine Bemühungen im DACH-Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) Früchte tragen, solltest du folgende Punkte beachten:
Durch die gezielte Integration dieser Pflanzengruppe verwandelst du deinen Garten in ein funktionierendes Ökosystem. Du förderst nicht nur die Bestäubung deiner Obstgehölze, sondern schaffst eine natürliche Balance, die den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln überflüssig macht.
Schwebfliegen haben kurze Rüssel. Die flachen Dolden bieten offen liegenden Nektar, der für sie ohne Kraftaufwand leicht erreichbar ist.
Die erwachsenen Tiere fressen nur Nektar und Pollen. Ihre Larven jedoch sind Jäger und fressen hunderte Blattläuse während ihrer Entwicklung.
Er enthält geringe Mengen an Furocoumarinen, die Hautreizungen verursachen können. Er ist aber weit weniger gefährlich als der invasive Riesen-Bärenklau.
Die Aussaat erfolgt am besten im zeitigen Frühjahr oder im Herbst, da viele Arten wie die Wilde Möhre Kaltkeimer sind und einen Kältereiz benötigen.
Hauptartikel: Wiesen-Bärenklau: Warum dieser Insektenmagnet in jeden Naturgarten gehört
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